Moin,
in diesem letzten Beitrag möchte ich darüber sprechen, wie ich das Insolvenzverfahren von Vizavy erlebt habe und wie ich rückblickend meine persönliche Entwicklung einschätze. Ich möchte betonen, dass es sich hier um meine eigene Perspektive handelt – sie ist subjektiv und kann natürlich Lücken haben.
Wir hatten unser Produkt am 15. September 2023 veröffentlicht. Es gab noch ein paar Fehler zu beheben, deshalb wollten wir zunächst einen internen Early Access durchführen, bevor wir das Produkt an Kunden herausgeben. Doch dazu kam es nicht mehr. Am 02.10.2023 stellte Vizavy den Insolvenzantrag. Die Nachricht erreichte uns in einem unternehmensweiten Call. Uns wurde versichert, dass keine Gefahr bestehe, dass das Unternehmen schließen müsse.
Ich war unglaublich stolz auf mein Team. Statt sich entmutigen zu lassen, haben sie die Situation als Chance gesehen, sich zu beweisen. Das Entwicklungstempo blieb hoch, niemand hat nachgelassen. Alle zwei Wochen hatten wir einen Call mit dem Insolvenzverwalter – Herr Walter, ja, wirklich so hieß er – und bekamen Updates zum Verfahren. Leider wurden die Nachrichten jedes Mal schlechter. Die Geschäftsführung versuchte zunächst, Investoren zu finden. Als das scheiterte, sollten die Produkte an andere Unternehmen verkauft werden. Am Ende wurde uns mitgeteilt, dass Vizavy im März schließen würde. Ich selbst bin im Dezember ausgestiegen. Ich war mit einigen Entscheidungen der Geschäftsführung nicht einverstanden und wollte die Zeit lieber für meine Klausuren nutzen.
Was mir bis heute nachgeht: wie sehr ich dieses Team vermisse. Das System der Vizcademy – ein Team aus Studierenden und Umschülern, das aber volle Verantwortung trägt – hat dazu geführt, dass ich eine enorme persönliche Entwicklung durchlaufen habe. Mit der Unterstützung meines Mentors habe ich Zusammenhänge verstanden, über die ich vorher nie nachgedacht hätte. Ich musste meinen Führungsstil anpassen, je nachdem, was das Projekt gerade brauchte. Ich habe gelernt, mein Team gegenüber Stakeholdern zu vertreten und zu schützen. Die Vizcademy war für mich das Beste, was das Unternehmen geschaffen hat, und ich werde meinem Mentor und meinem Vorgesetzter immer dankbar sein.
Gleichzeitig hatte das Unternehmen auch Erwartungen an uns, die über das Projekt hinausgingen. Persönliche Weiterentwicklung war ausdrücklich gewünscht, genauso wie das Erwerben von Zertifizierungen, die für die eigene Zukunft wichtig sein könnten. Diese würden auch vom Unternehmen finanziert.
Ich bin traurig, weil ich bezweifle, jemals wieder in einem so besonderen Umfeld arbeiten zu können. Aber ich weiß auch: Wenn ich irgendwann die Möglichkeit habe, ein ähnliches System in einem Unternehmen einzuführen, würde ich es ohne zu zögern tun.
Ich hoffe, dass diese drei Blogs euch einen Einblick geben konnten – oder euch zumindest eine angenehme und vielleicht sogar interessante Lesezeit beschert haben.
Viele Grüße,
Jaime