1998-2

Diplom- und Staatsexamensarbeiten

SCHLENDER, HANNES: Die Flora der Waldränder im Stadtgebiet von Braunschweig unter besonderer Berücksichtigung des Siedlungseinflusses. 1998, 100 S. + Anhang (D)

Zusammenfassung: In der Vegetationsperiode des Jahres 1997 wurde die Flora der Waldränder im Stadtgebiet von Braunschweig untersucht. Während dreier Termine wurden in 85 festgelegten, 50 m langen Abschnitten, die parallel zum Waldrand verliefen, sämtliche Pflanzensippen notiert und ihre Artmächtigkeit abgeschätzt. In den Untersuchungsflächen konnten 464 Arten festgestellt werden. Weitere 100 Arten wurden durch systematisches Abgehen der Waldränder außerhalb der Probeflächen aufgenommen.
Für das Untersuchungsgebiet wurde eine starke anthropogene Überformung festgestellt. So herrscht in diesen siedlungsnahen Waldrändern überwiegend ein anderer räumlicher Aufbau vor als die häufig in der Literatur zu findende Dreigliederung in krautigen Waldsaum, strauchigen Waldmantel und Randwald.
Die Waldmäntel im Stadtgebiet sind überwiegend schmal und zeigen eine lückige Struktur. Der krautige Bewuchs erwies sich hier, ebenso wie im Waldsaum und Randwald, von wenigen hochsteten Hemikryptophyten beherrscht, die häufig zur Klasse der Querco-Fagetea, der Artemisietea oder der Molinio-Arrhenatheretea gehören. Diese Sippen werden durch den
anthropogenen Einfluß und die vorherrschend tiefgründigen Böden begünstigt, so daß sie häufig Dominanzbestände ausbilden können. Es wurde eine mehr oder minder dichte Matrix festgestellt, in deren Lücken jedoch eine große Zahl geringsteter Arten eingestreut war.
Der Einfluß verschiedener Standortfaktoren wie Bodenart, Exposition oder angrenzende Nutzung erwies sich als vergleichsweise gering. Dies wurde auf die starke anthropogene Überformung der untersuchten Waldränder zurückgeführt.
Das Ausmaß der anthropogenen Störung wurde an den Probeflächen untersucht. Als Zeiger für diesen Einfluß diente der Anteil der Therophyten und Neophyten am Arteninventar. Er war in der Nähe von Siedlungen deutlich höher als in solchen Flächen, die einen gößeren Abstand zur Stadt aufwiesen. Waldränder im Nordosten des Gebietes zeichnen sich überwiegend durch größeren Siedlungsabstand aus. Besonders hier konnte eine größere Zahl von Arten festgestellt werden, die gegen Störungen empfindlich sind. Es handelte sich dabei um Magerkeitszeiger und thermophile Saumarten, die in kleinen Populationen auftraten.
In der Mehrzahl der untersuchten Flächen konnten Arten nachgewiesen werden, die für Niedersachsen als gefährdet eingestuft werden. Dies unterstreicht die Bedeutung auch siedlungsnaher Waldränder für den Erhalt der Artenvielfalt in der Kulturlandschaft.