1992-1

Diplom- und Staatsexamensarbeiten

THIENEL, THOMAS: Vergleichende Untersuchungen zur Begleitflora der Ackerränder im Großen Bruch (Niedersachsen und Sachsen-Anhalt). 1992, 115 S. (D)

Veröff.: (THIENEL, T.: Neu- und Wiederfunde im Gebiet des Großen Bruches als Nachtrag zu HERDAM et al.: Neue Flora von Halberstadt. - Nachtr. zu Mitt. d. Botan. Arbeitskreises Nordharz, 1/1994, S. 1-4.)

Zusammenfassung: In der vorwiegend ackerbaulich intensiv genutzten Niederung des Großen Bruchs im südöstlichen Niedersachsen und westlichen Sachsen-Anhalt wurde die Begleitvegetation der Ackerränder vergleichend floristisch untersucht. Die durch Stickstoff-, Basen- und Subkontinentalitätszeiger charakterisierte Begleitflora umfaßt neben den Therophyten auch eine bedeutende Zahl hemikryptophytischer Arten.
Der Vergleich der Probeflächen in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt ergab für zahlreiche Begleitarten deutliche Stetigkeitsunterschiede. Die in Sachsen-Anhalt häufigeren Arten sind in vielen Fällen Charakterarten niedrigerer Syntaxa der Ackerbegleitgesellschaften; in Niedersachsen zeigen meist weniger spezifisch angepaßte Arten eine höhere Stetigkeit. In Niedersachsen wurden zudem geringere Artenzahlen in Probeflächen konstanter Größe festgestellt. Die Untersuchung der Abhängigkeit zwischen der Artenzahl und der Länge der aufgenommenen Randstrei-fen ergab ebenfalls eine größere Artenvielfalt in Sachsen-Anhalt. Transektaufnahmen herbizidbehandelter und unbehandelter Flächen ergaben deutliche Hinweise auf eine intensivere Randbearbeitung in Niedersachsen.
Die Gegenüberstellung von Probeflächen verschiedener Kulturarten zeigte bei wenigen Arten Stetigkeitsunterschiede. Die speziellen Standortbedingungen des Ackerrandes reduzieren möglicherweise den prägenden Effekt der den Kulturarten eigenen Bearbeitungsmaßnahmen auf die Artenzusammensetzung. Die vergleichende Untersuchung der Ränder von Äckern, die entweder vor mehr oder vor weniger als 34 Jahren in Kultur genommen wurden, zeigt in vielen Fällen ebenfalls ein Übergewicht von Charakterarten niedriger Syntaxa, hier auf Seiten älterer Äcker. Dies läßt auf ungünstige Ausgangsbedingungen unter den Umstände intensiver ackerbaulicher Nutzung bei der Besiedlung neuer Ackerflächen für diese Arten schließen. Ein Zusammenhang zwischen Verbreitungsstrategien von Ackerbegleitarten und ihren Häufigkeiten auf alten bzw. jungen Flächen konnte nicht hergestellt werden.
Darüber hinaus wurde der Gehalt an organischer Substanz im Boden von Probeflächen der Halmfrüchte durch Veraschung bestimmt. Dabei wurden in den Niedermoorbereichen des Untersuchungsgebiets Werte bis 60,6 % festgestellt. Die vergleichende Untersuchung der Artenzusammensetzung in Abhängigkeit vom Humusgehalt ließen eine Zunahme des Anteils von Wärmekeimern mit steigenden Humusgehalten erkennen. Hierfür wird die leichtere Erwärmbarkeit der dunkel gefärbten, stark humosen Böden verantwortlich gemacht. Das Vorkommen einiger Lehmzeiger beschränkte sich nicht nur auf die mineralreicheren Standorte, auch wenn sie dort insgesamt häufiger auftraten.
Für wenige Arten wurde ein Häufigkeitsgefälle in Ost-West-Richtung oder umgekehrt festgestellt. Klimatische Ursachen sind für einzelne Arten durchaus wahrscheinlich. Der Anteil der Zeigerarten für subkontinentales Klima nimmt innerhalb des Untersuchungsgebietes von West nach Ost merkbar zu. Eine Ähnlichkeitsuntersuchung mit anschließender Clusteranalyse von Aufnahmen vollständiger Ackerränder ergab höhere floristische Übereinstimmung zwischen Ackerrändern des gleichen Bundeslandes als zwischen Rändern von Äckern gleicher Kulturart. Der Gesamtheit der sich offenbar deutlich unterscheidenden Standortfaktoren in den beiden Bundesländern ist somit eine maßgebende Rolle bei der Ausprägung der jeweiligen Ackerbegleitflora beizumessen.