TU BRAUNSCHWEIG

BMBF-Verbundforschungsprojekt:

Kontamination und Lesbarkeit der Welt: Mikroben in Sammlungen zur Sprache bringen (MIKROBIB)

BMBF-Fördermaßnahme „Die Sprache der Objekte – Materielle Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen“

Projektzeitraum: 09/2018–08/2021

Verbundpartner:

TP A (Kurztitel: ORDO): „Die kontaminierte ‚Welt als Buch‘: Zur Referenzialität der Wissensordnungen von Tot- und Lebendsammlungen am Beispiel von Bibliothek und Mikrobenbank“
Prof. Dr. Nicole C. Karafyllis, Alexander Waszynski: a.waszynski@tu-bs.de
Seminar für Philosophie, TU Braunschweig; Schwerpunkt Wissenschafts- und Technikphilosophie

TP B (Kurztitel: LIBER): „Mikroben als Sonden der Buchbiographie: Kulturwissenschaftliche Objektstudien zu spätmittelalterlichen Sammelbänden im Bestand der Universitätsbibliothek Leipzig“
Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider (Direktor)
Universitätsbibliothek Leipzig, zugleich: Institut für Kulturwissenschaften, Universität Leipzig

TP C (Kurztitel: BIOM): „Das Mikrobiom des Buches – archäomikrobiologische Analysen“
Prof. Dr. Jörg Overmann (wiss. u. admin. Geschäftsführer), Dr. Cecilia G. Flocco
Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ), Braunschweig; Abteilung Mikrobielle Ökologie und Diversitätsforschung

Aufgabenstellung und Ziele:

Das beantragte Verbundprojekt besteht aus drei Teilprojekten und ist interdisziplinär zwischen Philosophie (TP A/ORDO), Mikrobiologie (TP C/BIOM) und Kulturwissenschaft (TP B/LIBER) angesiedelt. Es analysiert die „Sprache der Mikroben“ sowie ihre verschiedenen Grammatiken in Sammlungen und soziokulturellen Aushandlungsprozessen um Kulturgüter. Im Fokus steht dabei die Liminalität von Tot- und Lebendsammlung sowie die ihrer Objekte, hier: Buch und Mikrobe.
Wir setzen forscherisch beim konservatorisch-hygienischen Vorurteil an, dass Mikroben Feinde der Sammlung und somit per se zu vernichten seien (Arbeitsziel 1). Zudem stellen wir konzeptuell in Frage, dass die Metapher der „Lebensdauer“ des gesammelten Kulturguts sich auf tote Objekte und somit Totsammlungen (hier: die Universitätsbibliothek Leipzig) beziehen muss (Arbeitsziel 2). Deshalb dient sammlungstheoretisch eine Lebendsammlung (hier: die Mikrobenbank DSMZ) der Antithese zu den bisherigen Ansätzen, „materielle Kultur“ zu erforschen. Die Ordnungsstrukturen, Wissens- und Weltkonzepte der Mikrobensammlung werden objektbezogen mit denen einer Forschungsbibliothek verglichen (Arbeitsziel 3). Beide Konzeptualisierungen werden auf ihre Anschlussfähigkeit an Debatten zur ‚Natürlichkeit‘ und Technizität von Kulturgut geprüft (Arbeitsziel 4).
Als Reflexionsgegenstand und empirisches Objekt steht das alte und kontaminierte Buch im Fokus. Im Verbundprojekt wird das Kulturgut Buch neu als Biotop für Mikroben verstehbar gemacht (Arbeitsziel 5). Theoretisch wie praktisch untersuchen wir das sogenannte Mikrobiom des Buches. Dafür werden mikrobiologische Analysen (Arbeitsziel 6) von spätmittelalterlichen Sammelbänden (ca. 1250-1500 n. Chr.) im Bestand der Universitätsbibliothek Leipzig (UBL) vorgenommen und mit buchbiographischen Untersuchungen (Arbeitsziel 7) kombiniert und verglichen (Arbeitsziel 8). Die Aussagen werden zu verschiedenen Lesbarkeiten der „Welt als Buch“ qua Tot- und Lebendsammlung philosophisch und wissenstheoretisch in Bezug gesetzt (Arbeitsziel 9). Dabei soll die Mikrobe im Buch – gegen die Idee der zerstörerischen Kontamination – als Teil des Kulturguts verstehbar werden und Innovationspotenzial generieren (Arbeitsziel 10). Als öffentlichkeitswirksamer Abschluss des Projektvorhabens ist eine Ausstellung zu kontaminierten Büchern an der UBL vorgesehen (Arbeitsziel 11), in die die Ergebnisse der Teilprojekte eingespeist werden.

Wissenschaftlicher Beirat:

Prof. Dr. Karin Zachmann (TU München), Prof. Dr. Martin K. Jones (University of Cambridge), Dr. Frank Steinheimer (Naturkundliche Sammlungen Halle) und Prof. Dr. Robert Fuchs (TH Köln)

Kick-off Workshop am 24./25.1.2019 mit öffentlichem Abendvortrag von Prof. Dr. Martin K. Jones (Cambridge), 18.30, Haus der Wissenschaft, Raum Veolia


  aktualisiert am 19.09.2018
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