BMBF-Verbundforschungsprojekt MIKROBIB

Gesamtlogo aus Teillogos der Teilnehmenden des MIKROBIB-Projektes
Bildnachweis: Nicole Karafyllis/Alle Rechte bei der TU Braunschweig

Kontamination und Lesbarkeit der Welt: Mikroben in Sammlungen zur Sprache bringen (MIKROBIB)

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Bildnachweis: BMBF/Alle Rechte bei der TU Braunschweig

BMBF-Förderrichtlinie „Die Sprache der Objekte – Materielle Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen“

Projektzeitraum: 09/2018–08/2021

Nächste Veranstaltungen:

  • März 2021: Projekt-Ausstellung an der UB Leipzig

  • Projekttreffen der Verbundpartner, per Videokonferenz am 21.07.2020 von 14:00-16:00 Uhr

  • Projekttreffen der Verbundpartner, per Videokonferenz am 10.06.2020 von 16:00-18:00 Uhr

  • III. Projekt-Workshop am 23./24.4.2020 an der Universitätsbibliothek Leipzig

  • Ring-VL "Die Lesbarkeit der Welt" im Sommersemester 2020 an der TU Braunschweig (s. Unterseite Ringvorlesung)

  • MitarbeiterInnen-Workshop am 5.3.2020 in Halle mit Begehung der Naturwiss. Sammlungen

Vergangene Veranstaltungen:

  • II. Projekt-Workshop am 24./25.10.2019 am Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH in Braunschweig. Informelles Poster: Link

  • Gemeinsame Exkursion zur Provenienzforschung in die sächsischen Klöster Buch und Altzelle, 4.9.2019,

    https://blog.ub.uni-leipzig.de/zwischen-und-buch-und-zelle/ (Beitrag von Katrin Sturm, Handschriftenzentrum Leipzig)

    https://www.instagram.com/p/B2Or2vbovE9/

  • Projekttreffen der Verbundpartner, UB Leipzig, 14.5.2019

  • Kick-off Workshop, TU Braunschweig, 24./25.1.2019, mit Vorträgen von Prof. Dr. Martin K. Jones (University of Cambridge, Archaeobotany): "Before the Silk Road: tracing early Trans-Eurasian contact through remains of food plants" und Prof. Dr. Andreas Hetzel (Stiftung Universität Hildesheim, Institut für Philosophie): "Ethik der Biodiversität"
    Plakat zum Kickoff

  • Vortragsreihe "Kann man Leben sammeln?", WS 2018/19, in Kooperation mit der Ev. Akademie Abt Jerusalem
    Plakat zur Veranstaltungsreihe 'Kann man Leben sammeln?'

» Verbundpartner

TP A (Kurztitel: ORDO): „Die kontaminierte ‚Welt als Buch‘: Zur Referenzialität der Wissensordnungen von Tot- und Lebendsammlungen am Beispiel von Bibliothek und Mikrobenbank“
Prof. Dr. Nicole C. Karafyllis (Projektkoordination), Dr. des. Alexander Waszynski: a.waszynski(at)tu-bs.de
Seminar für Philosophie, TU Braunschweig; Schwerpunkt Wissenschafts- und Technikphilosophie

TP B (Kurztitel: LIBER): „Mikroben als Sonden der Buchbiographie: Kulturwissenschaftliche Objektstudien zu spätmittelalterlichen Sammelbänden im Bestand der Universitätsbibliothek Leipzig“
Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider (Direktor), Dr. Regina Jucknies
Universitätsbibliothek Leipzig, zugleich: Institut für Kulturwissenschaften, Universität Leipzig

TP C (Kurztitel: BIOM): „Das Mikrobiom des Buches – archäomikrobiologische Analysen“
Prof. Dr. Jörg Overmann (wiss. Geschäftsführer), Dr. Cecilia G. Flocco
Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH (DSMZ), Braunschweig; Abteilung Mikrobielle Ökologie und Diversitätsforschung

» Aufgabenstellung und Ziele

Das Verbundprojekt besteht aus drei Teilprojekten und ist interdisziplinär zwischen Philosophie (TP A/ORDO), Mikrobiologie (TP C/BIOM) und Kulturwissenschaft (TP B/LIBER) angesiedelt. Es analysiert die „Sprache der Mikroben“ sowie ihre verschiedenen Grammatiken in Sammlungen und soziokulturellen Aushandlungsprozessen um Kulturgüter. Im Fokus steht dabei die Liminalität von Tot- und Lebendsammlung sowie die ihrer Objekte, hier: Buch und Mikrobe.
Wir setzen forscherisch beim konservatorisch-hygienischen Vorurteil an, dass Mikroben Feinde der Sammlung und somit per se zu vernichten seien (Arbeitsziel 1). Zudem stellen wir konzeptuell in Frage, dass die Metapher der „Lebensdauer“ des gesammelten Kulturguts sich auf tote Objekte und somit Totsammlungen (hier: die Universitätsbibliothek Leipzig) beziehen muss (Arbeitsziel 2). Deshalb dient sammlungstheoretisch eine Lebendsammlung (hier: die Mikrobenbank DSMZ) der Antithese zu den bisherigen Ansätzen, „materielle Kultur“ zu erforschen. Die Ordnungsstrukturen, Wissens- und Weltkonzepte der Mikrobensammlung werden objektbezogen mit denen einer Forschungsbibliothek verglichen (Arbeitsziel 3). Beide Konzeptualisierungen werden auf ihre Anschlussfähigkeit an Debatten zur ‚Natürlichkeit‘ und Technizität von Kulturgut geprüft (Arbeitsziel 4).
Als Reflexionsgegenstand und empirisches Objekt steht das alte und kontaminierte Buch im Fokus. Im Verbundprojekt wird das Kulturgut Buch neu als Biotop für Mikroben verstehbar gemacht (Arbeitsziel 5). Theoretisch wie praktisch untersuchen wir das sogenannte Mikrobiom des Buches. Dafür werden mikrobiologische Analysen (Arbeitsziel 6) von spätmittelalterlichen Sammelbänden (ca. 1250-1500 n. Chr.) im Bestand der Universitätsbibliothek Leipzig (UBL) vorgenommen und mit buchbiographischen Untersuchungen (Arbeitsziel 7) kombiniert und verglichen (Arbeitsziel 8). Die Aussagen werden zu verschiedenen Lesbarkeiten der „Welt als Buch“ qua Tot- und Lebendsammlung philosophisch und wissenstheoretisch in Bezug gesetzt (Arbeitsziel 9). Dabei soll die Mikrobe im Buch – gegen die Idee der zerstörerischen Kontamination – als Teil des Kulturguts verstehbar werden und Innovationspotenzial generieren (Arbeitsziel 10). Als öffentlichkeitswirksamer Abschluss des Projektvorhabens ist eine Ausstellung zu kontaminierten Büchern an der UBL vorgesehen (Arbeitsziel 11), in die die Ergebnisse der Teilprojekte eingespeist werden.

» Wissenschaftlicher Beirat

  • Prof. Dr. Karin Zachmann (TU München)
  • Prof. Dr. Martin K. Jones (University of Cambridge)
  • Dr. Frank Steinheimer (Naturkundliche Sammlungen Halle)
  • Prof. Dr. Robert Fuchs (TH Köln)

Publikationen (Auswahl)

(aufsteigend):

Karafyllis, N. C.: Zur Medialität der Samenbank, oder: Die Nacht der Substanz. In: Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung, 9 (1), 2019, 39-62.

Waszynski, A.: Berührbarkeit. Krisen der Distanznahme bei Hans Blumenberg und Jacob Burckhardt. In: Komparatistik Online, 2019, 56-78.

Waszynski, A./Karafyllis, N. C.: Re-Collecting Microbes with Hans Blumenberg’s Concept of Reoccupation („Umbesetzung“): from Isolating/Cultivating towards Digitizing/Synthesizing. In: Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung 9 (4), 2019 (im Druck)

Karafyllis, N. C.: Kontamination und Lesbarkeit der Welt. Die frühe Geschichte der „Deutschen Sammlung von Mikroorganismen“ in Göttingen und Grundlegendes zur Sammlungsforschung. In: Jahrbuch der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft 2019, Braunschweig: Cramer 2020 (im Druck).

Jucknies, R.: Ältere Gelehrsamkeiten und neuere Gedankengüter. Objektbiographien lateinischer und deutscher Sammelhandschriften der UB Leipzig, in: Res Artes et Religio. Essays in Honour of Rudolf Simek, hg. v. Sabine H. Walther et al. Leeds 2020 (im Erscheinen).

Schneider, U. J.: Der Finger im Buch. Die unterbrochene Lektüre. Bern & Wien 2020

Externe Vorträge und Poster (Auswahl)

Karafyllis, N. C.: "Theorien der Lebendsammlung". Thomasius-Club, Universitätsbibliothek Leipzig, 16.1.2019.

Karafyllis, N. C.: "Collecting Biodiversity, Breeding Uniformity", Universidad Nacional Autonoma de México, Fakultät für Philosophie und Literatur, Mexico City, 24.4.2019.

Flocco C.G. "The Medieval Book's (hidden) Life: Parchment as a Microbial Habitat." Vortrag im Rahmen des Workshops: Biocodicology: The Parchment Record and the Biology of the Book. Folger Shakespeare Library, Washington D.C., USA, 30.5.2019

Karafyllis, N. C. / A. Waszynski: "The ‘microbialization’ of ancestry: culture collections and the chemotaxonomically modified ‘tree of life’", ISHPSSB biennial meeting, Panel: Articulating Ancestors in the Molecular Age, University of Oslo, Norway, 7.-12.7.2019 (peer-reviewed).

Jucknies, R.: „Planet Buch oder: Gehören Mikroben zum Objekt?“ Tagung: Objekte & Organismen. Verlebendigung, Verdinglichung, Verwandlung, LMU München, 12.-13.07.2019.

Gietkowski, K.: „Unsichtbare Spuren in mittelalterlichen Handschriften. Mikroben als Sonden der Buchbiographie“ (Poster), Workshop Spurenlesen. Objektwissenschaftliche Ansätze der Sammlungsforschung aus disziplinärer und transdisziplinärer Perspektive, Junges Forum für Sammlungs- und Objektforschung, Dresden, 22.-24.08.2019.

Waszynski, A.: „Mikroben als sprachliche Objekte in Sammlungskontexten“, Tagung: Die Sprache wissenschaftlicher Objekte – Interdisziplinäre Perspektiven auf die materielle Kultur in den Wissenschaften, KU Eichstätt-Ingolstadt, 23./24.9.2019 (peer-reviewed).

Karafyllis, N. C. / A. Waszynski: "Reoccupations in Collecting Living Beings – from Isolating/Cultivating towards Digitizing/Synthesizing", Intern. Konferenz Schalten und Walten. Towards Operative Ontologies, IKKM Weimar, 23.-25.10.2019.

Karafyllis, N. C.: „Vorwärts nach klein“. Konferenz: „Vorwärts nach weit“: 109. Deutscher Bibliothekartag 2020, 27.5.2020, Hannover (peer-reviewed).

Waszynski, A.: „Expansion als Inversion: Blumenberg über 'Leben'“, XXV. Deutscher Kongress für Philosophie, FAU Erlangen-Nürnberg, 6.-9.9.2020 (peer-reviewed).

 

MIKROBIB in den Medien

Vortragsankündigungen zum Kickoff in der Braunschweiger Zeitung (23.1.19; Artikel: „Vortrag an der TU: Wer kochte was vor 5000 Jahren?", in: BZ, Lokalteil, S. 11) und in der Pressemitteilung der TU Braunschweig vom 13.3.19 „Die Sprache der Mikroben. Interdisziplinäres Projekt erforscht Kleinstlebewesen in spätmittelalterlichen Handschriften und ihre philosophische Bedeutung“ (https://magazin.tu-braunschweig.de/pi-post/die-sprache-der-mikroben/).

Ferner erhielt das Projekt Medienaufmerksamkeit in:

- Interview Radio Mephisto (13.03.2019)

- Bericht in Leipziger Volkszeitung (14.03.2019)

- Bericht auf Bioökonomie.de (21.03.2019)

- Bericht in Laborjournal online (27.03.2019)

- Bericht in BILD – Forschung und Wissenschaft (22.04.2019)