TU BRAUNSCHWEIG

Forschung

Aktuelles Forschungsprojekt unter der Leitung von

Prof. Dr. Ulrike Pilarczyk

"Nationaljüdische Jugendkultur und zionistische Erziehung in Deutschland und Palästina zwischen den Weltkriegen"

DFG-Projekt in Kooperation mit dem Koebner-Institut an der Hebräischen Universität in Jerualem (Dr. Ofer Ashkenazy)

Laufzeit: 1.7.2018  - 30.6.2021

Ziel der Forschungen ist die Rekonstruktion und Analyse des Zusammenhangs zwischen sozialen, politischen und kulturellen Rahmenbedingungen sowie internen Transformationen nationaljüdischer Erziehungsvorstellungen und -projekte hin zu konsequent zionistischer Erziehung in Deutschland und Palästina zwischen den beiden Weltkriegen.

Über den Begriff einer nationaljüdischen Jugendkultur werden die vielfältigen sozialen und kulturellen Bewegungen gefasst, in denen die jüdische, vornehmlich bildungsbürgerliche Jugend ihr individuelles und kollektives Selbstverständnis als ein nationales und pädagogisches Projekt definierte. Die projektleitende Annahme ist die Existenz, Kontinuität und Dynamik pädagogisch relevanter Netzwerke, in denen mehrere Generationen jugendkulturell und nationaljüdisch inspirierter Frauen und Männer länderübergreifend zusammenwirkten und durchaus kontrovers die pädagogischen Entwicklungen der Zwischenkriegszeit in Deutschland und Palästina gestalteten und vorantrieben. Leitkriterien der geplanten Forschungen sind daher Intergenerationalität, Transnationalität und Gender.

Die Erschließung der Netzwerke sowie die Analyse und Interpretation der darüber verhandelten pädagogischen Frage- und Zielstellungen sind fallbezogen auf drei bedeutsame pädagogische Entwicklungen dieses Zeitraumes konzentriert. Die Forschungen beziehen umfangreiche archivalische Quellen aus israelischen und deutschen Archiven ein und werden in deutsch-israelischer Zusammenarbeit in drei Teilprojekten koordiniert.

(1)   Im ersten Teilprojekt wird die Entwicklung sozial- und reformpädagogischer Vorstellungen untersucht, die sich im Milieu einer nationaljüdischen Jugendkultur im und nach dem Ersten Weltkrieg von Deutschland aus zum Zionismus hin entwickelten, am Beispiel der Pädagogik von Siegfried Lehmann und seinen pädagogischen Projekten in Deutschland, Litauen und Palästina 1916-1933.

(2)   Das zweite Teilprojekt untersucht die Entwicklung der sich etwa zeitgleich profilierenden jugendbewegt autonomen Erziehungsvorstellungen einer jüngeren Generation nationaljüdisch orientierter Jugend hin zum Konzept zionistischer Arbeits- und Gemeinschaftserziehung im Verlauf der 1920er Jahre und unter dem Einfluss der jüdisch-palästinensischen Arbeiterbewegung bis 1933, am Beispiel der Transformation des nationaljüdischen Jung-Jüdischen Wanderbundes zum zionistischen Bund Brit Haolim und der Gründung des Kibbuz Givat Brenner in Palästina (1928).

(3)   Das dritte Teilprojekt erforscht die sich prinzipiell auf dieses Erziehungskonzept gründende zionistische Jugend-Alija-Erziehungspraxis nach 1933 in Palästina, im Spannungsfeld von Erziehungsvorstellungen der Kibbuzbewegung (Meuchad) und fortlebender jugendbewegter und reformpädagogischer Traditionen. In vergleichender Perspektive werden manifeste Erziehungspraxen ausgewählter deutscher Jugend-Alija-Gruppen in den Kibbuzim Givat Brenner, Ein Charod und in Siegfried Lehmanns Jugenddorf Ben Schemen untersucht.

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Abteilung Weiterbildung und Medien

Abteilung Schulpädagogik und Allgemeine Didaktik


  last changed 23.05.2018
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