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Neuere Geschichte

Die  Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Neueren Geschichte beschäftigen sich in Forschung und Lehre vor allem mit der Kultur- und Politikgeschichte im Deutschland und Europa des 19. und 20. Jahrhunderts. Auf diesen Seiten stellen sie sich und ihre individuellen, thematischen Schwerpunkte vor. 

Aktuelles

Neuerscheinung: Nuclear Power in Britain and Germany

28.07.2025 [Neuere Geschichte]

Christian Götters zweibändige Geschichte der lokalen Debatten über die Kernenergie an ausgewählten Standorten von Kernkraftwerken in der Bundesrepublik Deutschland und Großbritannien von den 1950er bis zu den 1980er Jahren ist jetzt bei Roudledge erschienen. Die Studie geht von der zentralen These aus, dass anhand der Kernenergie weitreichende, gesellschaftliche Themen verhandelt wurden. Band 1 behandelt Fragen der Debattenkultur, der Rolle von Emotionen im Kernenergiediskurs und der Bedeutung (natur-)wissenschaftlicher Expertise in diesen. Band 2 thematisiert die zentrale Stellung von Vertrauensfragen, Konflikte um die Demokratie und Vorstellungen der Zukunft. 

Prof. Dr. Simone Lässig
PD Dr. Christian Götter
Lennart Bohnenkamp, M.Ed.
Sebastian Mönnich, M.A.
Dr. Thomas Kubetzky
Hannah Boeddeker, M. A.
Dr. Julian zur Lage
Assoziierte
Lehrbeauftragte
Ehemalige

Projekte

Metamorphosen von Zugehörigkeit: Familie, Verwandtschaft und soziale Ordnung in der europäischen und transatlantischen Moderne

Familie und Verwandtschaft stehen im Zentrum dieses Forschungsschwerpunkts. Er gewinnt seine Relevanz durch die Verbindung neuerer Forschungen zum Stellenwert von Familie und Verwandtschaft in der Moderne mit historischen Zugängen zu sozialer Ungleichheit, erzwun­gener Migration und gruppenbezogener Resilienz.  Im Mittelpunkt stehen der intergenerationelle Austausch von materiellen und immateriellen Ressourcen innerhalb familialer Netzwerke sowie die Frage, wie tiefgreifende politische und soziale Umbrüche diese Austauschprozesse, aber auch innerfamiliäre Geschlechterverhältnisse beeinflusst haben und wie sie Vorstellungen von Familie sowie Praktiken familiärer Zugehörigkeit festigten oder veränderten.

Der Forschungsschwerpunkt untersucht, inwieweit Familie und Verwandtschaft als Resilienzressourcen oder als Risikofaktoren fassbar werden, und fragt, wie sich Ungleichheiten innerhalb von Familien und verwandtschaftlichen Zusammenhängen historisch ausgebildet, transformiert oder aufgelöst haben – etwa durch geschlechtsspezifische Rollenverteilungen, unterschiedliche Formen der Vermögensübertragung oder die transnationale Ausweitung von Netzwerken. Ziel ist es, auf der Mikroebene familialer Beziehungen und über längere Zeiträume hinweg zu analysieren, wie sich grundlegende gesellschaftliche Transformationsprozesse im Alltag unterschiedlicher, sowohl aufstiegsorientierter als auch vom sozialen Abstieg bedrohter Gruppen verdichteten und welche Strategien Akteurinnen und Akteure in familiären Netzwerken entwickelten, um damit verbundene Herausforderungen zu bewältigen.

Team

Projektleitung: Prof. Dr. Simone Lässig

Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Koordinatorin: Hannah Boeddeker, M.A. 

Assoziierte Wissenschaftler:innen: Dr. Maik Ullmann, Dr. Lisa Gerlach

Studentische Hilfskräfte: Luca-Leon Camlott, Jonathan Lüddeke

Sekretariat: Katrin Lakin

Förderung: Brüder Stiftung

Laufzeit: 2025-2030

Kontakt: hannah.boeddeker@tu-braunschweig-de

 

Aktuelle Lehrangebote (SoSe 2026) mit Bezug zum Forschungsfeld

  • Vorlesung 4449323 „Leben im Transit: Globale Geschichte(n) der Flucht und Emigration aus dem nationalsozialistischen Europa“. Prof. Dr. Simone Lässig
  • Hauptseminar 4449000155 „Bürgertum und Bürgerlichkeit im 19. und 20. Jahrhundert“. Prof. Dr. Simone Lässig
  • Hauptseminar 4449324 „Gesellschaft, Diversität und Inklusion im 19. und 20. Jahrhun­dert: Deutschland in europäischen und transatlantischen Perspektiven“. Prof. Dr. Simone Lässig
  • Übung 4449000193 „Exilanten, Auswanderer und Daheimgebliebene: Quellen zur deutschen Migrationsgeschichte des 19./20. Jahrhunderts und digitale Methoden der historischen Forschung“. Prof. Dr. Simone Lässig

Korrespondierende Forschungen an der Professur für Neuere und Neuste Geschichte

  • Migrant Connections – Familiäre Korrespondenzen von Amerikaauswanderern und Daheimgebliebenen
  • In Global Transit – internationales Forschungsnetzwerk zur Transitmigration in historischer Perspektive (mit einem Schwerpunkt auf Emigration und Flucht aus dem nationalsozialistischen Europa)
  • NFDI4memory. Task Area 4 Data Literacy (Digitale Tools und Methoden für die historische Forschung, KI in Forschung und Lehre)

Teilprojekt 1: Familie und Unternehmen im Zeitalter der Industrie: Die Arnholds

Das Bild zeigt die Familie Arnhold

Prof. Dr. Simone Lässig

In diesem Teilprojekt entsteht eine Monografie zur Geschichte der deutsch-jüdischen Bankiers­familie Arnhold, die seit dem frühen 20. Jahrhundert von Dresden ausgehend in die deutsche Wirtschaftselite aufstieg, aus dieser nach 1933 ausgeschlossen wurde und nach einer wechselvollen Emigrationszeit ab den 1940er Jahren in Brasilien und den USA neue Wurzeln schlug. Am Beispiel des Kontinente umspannenden Familienverbunds leuchtet das Buch anderthalb Jahrhunderte deutscher, europäischer und transnationaler Geschichte aus und setzt neue Akzente, indem es die zentralen Fragestellungen des Forschungsschwerpunkts über vier Generationen hinweg vor allem durch das Prisma von Frauen und Kindern im Familienverband analysiert und deren Bedeutung für die soziale Stellung der Arnholds und für die Stabilität des Bankgeschäfts Gebr. Arnhold (ab 1931 Gebr. Arnhold & S. Bleichröder) untersucht.

„Verwandtschaft“ erscheint hier als Unterstützungsnetzwerk auf Gegenseitigkeit, als moralische Verpflichtung und als wirtschaftliche Verbindung, die in Heiratsstrategien ebenso wie in Investitionsentscheidungen dezidiert regional verankert war und doch transnational wirksam wurde. Das Buch lotet die Handlungsspielräume der in Darstellungen zur internationalen Finanzelite meist ausgeblendeten weiblichen Figuren aus und analysiert Strategien und Praktiken, mit denen Arnholdsche Frauen auch unternehmerisch relevante Netzwerke stabilisierten, kulturelles und sozialem Kapital bildeten und eine familienspezifische „kulturelle DNA“ an die nächste Generation weitergaben. Damit haben sie die Resilienz jener emotionalen Gemeinschaften gestärkt, ohne die Familienunternehmen wie das der Arnholds – insbesondere in disruptiven Phasen wie der erzwungenen Emigration – nicht überlebensfähig gewesen wären: Im Zentrum der Familie stand die Bank und im Zentrum der Bank stand die Familie.

Teilprojekt 2: Der Gotha: Mediale Inszenierung, soziale Praktiken und familiales Wissen europäischer Adelsfamilien 1764–1944

Das Bild zeigt eine Seite aus dem Gothaischern Hofkalender von1884

Hannah Boeddeker, M.A.

Dieses Projekt untersucht adlige Familien und Verwandtschaftsbeziehungen anhand des Gothaischen Hof-Kalenders, der im 19. und 20. Jahrhundert das maßgebliche genealogische Verzeichnis über und für den europäischen Adel war. Die jährlich erscheinende Publikation, zur Hälfte genealogisches Kompendium, zur Hälfte Staatshandbuch, gab seit 1764 in tabellarischen Einträgen Auskunft über aktuelle Ereignisse wie Geburten, Vermählungen, Scheidungen und Todesfälle der Familien und wirkte als Atlas des Adelsstandes. Alphabetisch sortiert, wurden alle Linien und Zweige der jüngeren und aktuellen Generationen eines Geschlechts aufgeführt.

In dieser „Menschenlandschaft“ (Karl Schlögel) des europäischen Adels war Familie das zentrale Ordnungsmuster. Eine Analyse des Gotha bietet Gelegenheit, die Chancen und Risiken, die in dieser medialen Konstitution und Inszenierung von Familie und Verwandtschaft lagen, zu untersuchen. Insbesondere fokussiert das Projekt die sozialen Praktiken, die dieser Inszenierung vorausgingen, sowie die Rückwirkungen, die sie nach sich zogen. Anhand der seriellen Publikation des Gotha können weiterhin Veränderungen in der Struktur, Funktion und kulturellen Rolle von adligen Familien über einen langen Zeitraum nachgezeichnet werden und zugleich die Entwicklung und Vielfalt von genealogischem und familialem Wissen aufgezeigt werden. Die Analyse des Gotha ist ein wertvolles Mittel, um die reziproke Beziehung zwischen medialer Repräsentation, sozialen Praktiken und familialem Wissen adliger Familiensysteme zu untersuchen, mithin auszuleuchten, wie sie auf diesen Wegen den Herausforderungen der Moderne begegneten.

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