Teilprojekt Anglistik

Coding Creativity in the 21st Century

Kontaktperson: Robin Auer

Während leistungsfähige, menschenähnliche oder sogar übermenschliche KI (oder das, was gewöhnlich AGI genannt wird) seit langem ein Kernthema der dystopischen Science-Fiction ist, sind solche intelligenten Maschinen erst im letzten Jahrzehnt scheinbar in greifbare Nähe gerückt. Und obwohl KI in jüngster Zeit sowohl zur Untergrabung demokratischer Prinzipien als auch zur Entdeckung eines neuen, wirkungsvollen Antibiotikums beigetragen hat, scheint es, dass die meisten Anwendungen bisher noch recht eng gefasst sind, was sowohl den Umfang als auch den wahrnehmbaren Erfolg der KI betrifft. Noch entscheidender ist, dass die Anwendungen, die erfolgreich sind, in der Regel diejenigen sind, die sich entweder auf ein bestimmtes Ziel konzentrieren oder unter menschlicher Aufsicht (supervised learning) und - in den meisten Fällen - mit zusätzlicher menschlicher Hilfe arbeiten. Ein Bereich, in dem die KI traditionell mit Schwierigkeiten und Misserfolgen zu kämpfen hatte und der nun an die Spitze der KI-Forschung rückt, ist Kreativität, insbesondere im Hinblick auf Sprache und Kommunikation.

Die Grenze dessen, was im NLP (Natural Language Processing) möglich ist, ist im letzten Jahrzehnt immer schneller vorangetrieben worden. Infolgedessen gelten selbst kreative und künstlerische Aufgaben nicht mehr als völlig unerreichbar für "intelligente" Maschinen. Der Moment scheint nah, in dem, wie in einem Science Fiction-Szenario, "kreative" Maschinenautoren über die menschliche Erfahrung sinnieren und nicht mehr umgekehrt.
Auch wenn solche Szenarien nicht ganz unmöglich sind, ist es dennoch wichtig, den Status quo der KI und ihre Fähigkeiten skeptisch und realistisch zu betrachten. Darüber hinaus stellen die KI und die KI-Forschung eine Rückkehr zu bestimmten Denkschulen - insbesondere zur formalen Logik und zum Behaviorismus - dar, die eine reiche Tradition der Kritik aufweisen und die daher vor dem Hintergrund der jüngsten technologischen Entwicklungen und Trends neu überprüft werden müssen. Die Beobachtung, dass sich die gegenwärtige KI-Forschung auf diese Ansätze beschränkt, wird als ein systemischer Grund für die mangelnde Annäherung an eine echte AGI gewertet.

Mit dem Projekt, welches einen starken sprach- sowie wissenschaftsphilosophischen Fokus hat, sollen drei eigenständige, jedoch stark miteinander verbundene Ziele erreicht werden:

  • den aktuellen Stand und die Fähigkeiten der "kreativen" KI zu reflektieren und einzuordnen (mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Analyse und Produktion literarischer Texte)
  • zu beurteilen, wie KI-basierte Technologien und Methoden (und das Gebiet der Digital Humanities im Allgemeinen) zu den Literatur- und Kulturwissenschaften beitragen können (sowohl durch die Bereitstellung neuer Antworten als auch durch das Aufzeigen grundlegend neuer Ansätze)
  • spezifische Wege zur Verbesserung der sprachlichen und literarischen Kompetenz und Kreativität der gegenwärtigen AI vorzuschlagen sowie Wege zur Annäherung an die AGI