Wissenschaft trifft Fürsorge

Wissenschaft und Fürsorge

Wie passen Wissenschaft und Care zusammen? Dieser Frage gehen wir mit verschiedenen Formaten nach, um den Diskurs um Sorgeverantwortung zu fördern. 

„Prekäre Perspektiven, fragile Balancen“ – Online-Vortrag zu Mutterschaft und Wissenschaft

Online-Vortrag mit Foto aus privatem Bild mit KI generiert

Wie erleben Mütter in der Wissenschaft den Spagat zwischen befristeten Verträgen, hohen Leistungsanforderungen und Sorgearbeit? 

Dieser Frage ging Prof. Zimmermann mit Unterstützung von Jule Lilje auf Grundlage einer quantitativen Online-Befragung von 332 Wissenschaftlerinnen mit Kindern sowie ergänzenden offenen Kommentaren nach. In ihrem Vortrag analysierte sie anhand dieser Daten, welche Bewältigungsstrategien Mütter in einem von Befristung, Leistungsdruck und entgrenzten Arbeitszeiten geprägten Wissenschaftssystem entwickeln. Häufig sind diese Strategien gekennzeichnet durch Arbeitsverdichtung, Multitasking und die Verlagerung wissenschaftlicher Aufgaben in die Freizeit.

Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Individualisierung der Vereinbarkeitsverantwortung: Strukturelle Belastungen wie unsichere Karriereperspektiven, hohe Betreuungskosten und fehlende Unterstützung durch Vorgesetzte werden zwar benannt, jedoch selten als institutionelle Aufgabe eingefordert. Stattdessen stellen die Betroffenen Vereinbarkeit individuell her – häufig um den Preis von Überlastung, internalisierter Verantwortung für mögliches Scheitern und gesundheitlichen Risiken.

Auf dieser Basis stellte sie drei Bereiche mit zentralen Handlungsempfehlungen vor:

  • Strukturen verändern:
    Im Mittelpunkt standen Forderungen nach längeren Vertragslaufzeiten und klareren Karriereperspektiven, nach einer gezielten finanziellen Entlastung bei Kinderbetreuung (inklusive Randzeiten und Ferien) sowie nach einer besseren Qualifizierung von Führungskräften. Professor*innen und Projektleitungen müssten stärker als aktive Akteur*innen für Vereinbarkeit handeln, etwa durch realistische Arbeitsvolumina und proaktive Gespräche vor und nach Elternzeit.
  • Vereinbarkeit ohne Produktivitätsverlust unterstützen:
    Konkret diskutiert wurden Entlastung durch Delegation (z.B. Hilfskräfte bei Arbeitszeitreduzierung), Reflexions‑ und Coachingangebote mit Fokus auf Rollenkonflikte („gute Mutter“ vs. „gute Wissenschaftlerin“) sowie standardisierte Unterstützungsprozesse bei Schwangerschaft, Elternzeit und Teilzeit. Ziel ist, dass Teilzeit nicht automatisch zu versteckter Mehrarbeit und schlechteren Karrierechancen führt.
  • Solidarisierung stärken:
    Abschließend plädierte Zimmermann für den Ausbau von Netzwerken und Peer-Formaten, in denen Mütter (und Väter) Vereinbarkeitsprobleme als strukturelle Herausforderungen begreifen und gemeinsam Strategien entwickeln können.

In der lebhaften Diskussion wurden diese Punkte weiter vertieft. Kritisch angesprochen wurden unter anderem starre Alters- und Zeitgrenzen in wissenschaftlichen Karrieren (z.B. Verbeamtungsfristen, „x Jahre nach Promotion“), unzureichende Regelungen des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (insbesondere die auf zwei Jahre pro Kind begrenzte Verlängerungsmöglichkeit) sowie Lücken in der Kinderbetreuung – vor allem bei kurzfristigen Ausfällen, Randzeiten, Ferien und für Kinder mit Behinderung. Mehrere Beiträge betonten, dass physische Präsenz kein verlässlicher Indikator für wissenschaftliche Leistung ist und asynchrones sowie remote Arbeiten stärker normalisiert werden sollte. Problematisch sahen mehrere Befragte aus rechtlichen Gründen die vorgeschlagenen Mehrleistungen für Familien – andere erwiderten, dass dann die Gesetzesgrundlage vielleicht angepasst werden muss, da sie nicht mehr zur erlebten Realität passt.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Equal Care: Viele Teilnehmende wiesen darauf hin, dass bessere Vereinbarkeit in der Wissenschaft ohne mehr Gleichstellung im Privatleben nur begrenzt möglich ist. Genannt wurden unter anderem eine gerechte Aufteilung der Elternzeit, eine stärkere Einbindung von Vätern in Care-Arbeit und politische Reformen wie die Überprüfung des Ehegattensplittings.

Immer wieder wurde der Wunsch nach schriftlichen Materialien geäußert, da es zu vielen der diskutierten Themen bislang kaum Publikationen gibt. Entsprechend groß war das Interesse an den Folien und einem geplanten Working Paper, die zur weiteren Nutzung zur Verfügung gestellt werden.

Viele Rückmeldungen hoben hervor, dass der Vortrag nicht nur fachlich anregend war, sondern auch ein Gefühl von Verbundenheit geschaffen hat. Eine Teilnehmerin brachte es im Chat auf den Punkt: „Vielen lieben Dank für dieses Format, den Input und das Gefühl von Verbundenheit. Wir schaffen das. Irgendwie.“

Mehr Infos zum Format Wissenschaft trifft Fürsorge: https://www.tu-braunschweig.de/chancengleichheit/familienbuero/informationen/wissenschaft-und-fuersorge#c1048648

 

Bildquelle: aus privatem Bild mit KI generiert

Vernetzungsangebot: Lokalgruppe für Mütter* in der Wissenschaft

Im September 2025 fand das erste Kick-Off-Treffen zur Gründung einer neuen Lokalgruppe des Netzwerks „Mutterschaft und Wissenschaft“ statt, an dem Dr. Lena Eckert, Mitgründerin des Netzwerks, wertvolle Impulse zur Bedeutung und zu möglichen Zielen der Gruppe gab.

Seither trifft sich die Lokalgruppe regelmäßig. Das nächste Treffen findet am 24. April 2026 von 10:00 bis 11:00 Uhr digital statt.

Das Netzwerk ist mittlerweile bundesweit und international in über 30 Lokalgruppen vernetzt. Jede Gruppe organisiert sich selbstständig und unabhängig, steht jedoch im Austausch miteinander und plant gemeinsame Veranstaltungen.

Die Lokalgruppen bieten Raum für:

  • Vernetzung vor Ort, die es ermöglicht, sich nicht nur online, sondern auch mal persönlich auf ein Mittagessen oder einen Kaffee zu treffen.

  • Erfahrungsaustausch, gegenseitige Unterstützung und die Weitergabe von Wissen.

  • Solidarität im Umgang mit den strukturellen Barrieren, die Mütter* in der Wissenschaft häufig erleben.

Interessierte und potenzielle neue Mitglieder sind herzlich eingeladen, sich anzuschließen und die Gruppe mit eigenen Ideen und Erfahrungen zu bereichern. Anmeldung per E-Mail an: luisa.perdomo-lopez@tu-braunschweig.de

Väter im Austausch (Frühjahr 2026)

Im Rahmen unserer Reihe "Wissenschaft trifft Fürsorge" möchten wir Vätern in der Wissenschaft einen vertraulichen Raum anbieten. Im Mittelpunkt stehen der persönliche Austausch, gegenseitige Unterstützung und Impulse rund um die Vereinbarkeit von wissenschaftlicher Karriere und familiären Aufgaben.

Was erwartet Sie?

  • Ein geschützter Rahmen zum Teilen von Erfahrungen und Fragen rund um Wissenschaft und Care-Arbeit

  • Ein kurzer thematischer Einstieg und viel Raum für Gespräche

  • Inspiration und Ermutigung aus der Vielfalt gelebter Vaterrollen

Für wen?
Für alle Wissenschaftler, die Vater sind oder werden und die aktiv Verantwortung in der Familie oder in anderen Care-Kontexten übernehmen (möchten).

Wann?
Der genaue Termin wird mit allen Interessierten abgestimmt.

Wo?
In Präsenz - Details zum Veranstaltungsort werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Interesse?
Melden Sie sich gerne unverbindlich bei uns an: familienbuero@tu-braunschweig.de

Wir freuen uns auf einen offenen, wertschätzenden Austausch mit Ihnen!


Vergangenes

GradTUBS: Präsenz-Workshop "Deep Work Essentials – Fokussiert arbeiten trotz Sorge-Verantwortung"

Am 18.11.2025 bietet die Graduiertenakademie in Kooperation mit dem Familienbüro einen Workshop mit Dr. Wiebke Vogelaar an. 

Wie kann konzentriertes, tiefes Arbeiten in einem Alltag gelingen, der von Sorge-Verantwortung, Fragmentierung und ständiger Verfügbarkeit geprägt ist? In diesem Workshop geht es um die Grundlagen und die konkrete Umsetzung von Deep Work für Mütter* (und allen Personen mit Hauptsorgeverantwortung) in der Wissenschaft  - mit Blick auf Schreibprojekte, Denkphasen und langfristigen Zielen. 

Dr. Wiebke Vogelaar ist promovierte Politikwissenschaftlerin, Coach, Trainerin und Autorin mit Schwerpunkt auf konzentriertem Arbeiten in komplexen Arbeits- und Sorgekontexten. Sie ist außerdem Entwicklerin des Konzepts der Care Concentration Gap, berät Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Einzelpersonen zu care-sensiblem Deep Work. Dabei verbindet sie praktische Methoden mit theoretischer Tiefe – stets mit Blick auf individuelle Bedürfnisse und strukturelle Rahmenbedingungen.

Mehr Infos im Programm von Grad TUBS.

Außerdem gibt es für alle am 24.11.2025 die Möglichkeit beim Online-Input "Fokus statt Dauerstress? – Deep Work als Weg (zurück) in die Konzentration"  von Dr. Wiebke Vogelaar im Rahmen der Impulshäppchen der ZPE teilzunehmen. 

Equal Care Workshop am 24.09.2025 von 09:00 bis 12:00 Uhr

Equal Care – ein Workshop für alle, die sich mit den Themen Mental Load, Belastungen durch Care-Arbeit beschäftigen und eine bessere Balance zwischen Beruf und Familienleben finden möchten!

Vortragende: Luisa Perdomo Lopez und Anne-Christin Eggers

Datum: 24.09.2025

Anmeldung: über das Programm der Personalweiterbildung

CampusXperience 2025: Unsere Angebote am 21.06.2025

Im Rahmen der CampusXperience der TU Braunschweig vom 20. bis zum 22.06.2025 bieten wir zwei Programmpunkte im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe Wissenschaft trifft Fürsorge an.

CampusXpedition – Family & Kids Tour: Mission Familienfreundlich

Wann: 21.06.2025 | 10:30–12:30 Uhr
Wo: Startpunkt am Haus der Wissenschaft

Bei der Family & Kids Tour begeben wir uns auf die Mission Familienfreundlich: Gemeinsam Zukunft gestalten!

Gemeinsam erkunden wir Orte auf dem Campus, die wichtig sind, um die Vereinbarkeit von Wissenschaft, Studium und Care-Aufgaben zu fördern. Von modernen Kita-Einrichtungen, über Spielmöglichkeiten bis hin zu Wickel- und Stillplätzen und Eltern-Kind-Räumen. Außerdem schaffen wir Raum für Visionen und Ideen: Wie können wir die Universität noch familienfreundlicher gestalten? Welche Wünsche und Bedarfe haben Familien an einen Campus, der Wissenschaft, Innovation und Fürsorge miteinander verbindet?

Auf dieser Webseite gibt es alle Informationen zur CampusXperience:

https://www.tu-braunschweig.de/campusxperience


Summervibes Festival – FamilyXchange Café

Wann: 21.06.2025 | 16:00–17:00 Uhr
Wo: Café Kultura, Campus Nord

Direkt im Anschluss an die Kinderbuchlesung im Café Kultura laden wir zum FamilyXchange Café ein – einem offenen Treffpunkt für Familien, der Raum für Austausch und Vernetzung bietet. Zudem erwarten euch Mitmach-Aktionen und Plakat-Stationen rund um das Thema „Wissenschaft trifft Fürsorge“.

 

Die CampusXperience ist ein Konzept der universitären Einheiten Green Office, Strategische Hochschulentwicklung, Stabsstelle Presse und Kommunikation, Stabsstelle Chancengleichheit, International House, Hochschulsportzentrum, Transferservice, Stabsstelle Digitalisierung und Nachhaltigkeit in Kooperation mit dem Jugendring Braunschweig und dem AStA der TU Braunschweig

https://www.tu-braunschweig.de/campusxperience

 

 

Online-Training: Schreiben trotz Care-Arbeit - Konzentrationsrückbildung für Mütter* in der Wissenschaft am 13.05.2025 von 10:00 bis 12:00 Uhr

Wiebke Vogelaar ist promovierte Politikwissenschaftlerin, Schreibcoachin und dreifache Mutter. Sie ist Autorin von "Schreiben trotz Care-Arbeit: Strategien für Mütter* in der Wissenschaft" (2024) und gibt in ihrem Vortrag Einblicke in ihr eigenes (Schreib-)Leben mit Kindern und den Erfahrungen von denen ihre Coachees berichten.
Sie bietet praktische Strategien, um das akademische Schreiben mit dem individuellen Mutter*sein in Einklang zu bringen, und zeigt zudem systemische Muster auf, die es Müttern* (in der Wissenschaft) so schwer machen, in die Konzentration zu finden.

Vortragende: Dr. Wiebke Vogelaar

Datum: 13.05.2025

Anmeldeschluss: 12.05.2025

Online-Vortrag "Der Care-Gap in der Wissenschaft - und wie wir ihn schließen können" am 19.03.2025 von 10:00 bis 11:30 Uhr

Die Corona-Pandemie hat deutlich gemacht, was schon vorher sichtbar war: Von Geschlechtergerechtigkeit und Vereinbarkeit in der Wissenschaft sind wir weit entfernt. Vor allem Mütter* tragen die Hauptlast der zusätzlichen Sorgearbeit – mit direkten Folgen für ihre wissenschaftliche Karriere. Der sogenannte Care-Gap beeinflusst nicht nur individuelle Lebensläufe, sondern auch die Chancengleichheit im Wissenschaftssystem insgesamt. Doch nicht erst seit der Pandemie stellen sich viele Wissenschaftler*innen mit Kindern oder Kinderwunsch die Frage: Sind Elternschaft und eine akademische Laufbahn überhaupt vereinbar?
Anhand aktueller Daten wird die (Un-)Vereinbarkeit von Elternschaft und wissenschaftlicher Karriere beleuchtet. Persönliche Erfahrungen von Wissenschaftlerinnen mit Kindern veranschaulichen dabei strukturelle Hürden und Herausforderungen. Darauf aufbauend werden konkrete Lösungsansätze vorgestellt, die zu einer gerechteren Hochschul- und Wissenschaftslandschaft beitragen können. Im Anschluss gibt es Raum für Austausch und Diskussion.

Vortragende: Dr. Lena Eckert und Dr. Sarah Czerney 

Datum: 19.03.2025, 10:00 bis 11:30 Uhr

Anmeldeschluss: 17.03.2025 

Nachklapp: Dialogforum zu Geschlechterungleichheit in der post-pandemischen Arbeitswelt

Am 4. September 2025 fand unter der Beteiligung der Kooperationsstelle Hochschulen-Gewerkschaften, dem Familienbüro der TU Braunschweig, der Stabsstelle Strategische Hochschulentwicklung der TU Braunschweig und dem DGB, ein gemeinsames Dialogforum zur Entwicklung der Arbeitswelt nach der COVID-19-Pandemie statt. Ziel der Veranstaltung war es, intersektionale Analysen zu stärken, strukturelle Ungleichheiten sichtbar zu machen und Raum für kollektives Nachdenken zu eröffnen.

Angelehnt an Britney Spears EDM-Hit, adressiert der Titel "You better work, b**ch! - Geschlechterungleichheit in der post-pandemischen Arbeitswelt", die mit Beginn der Pandemie wahrgenommene Verschärfung der ungerechten Arbeitsverteilung zwischen den Geschlechtern.

Im sogenannten Barcamp-Format konnten die Teilnehmenden auf Augenhöhe mit Expert*innen diskutieren. Mit dabei waren Prof. Dr. Okka Zimmermann (TU Braunschweig / IU Internationale Hochschule), Franzi Helms (Liga für unbezahlte Arbeit) und Steffen Niehoff (Universität Osnabrück / COFONI Arbeitsweltmonitor), die jeweils eigene Schwerpunkte für die Kleingruppendiskussionen setzten. Die Ergebnisse dieser Diskussionen flossen in eine anschließende Podiumsdiskussion ein. Moderiert wurde die Veranstaltung von Anouk Almstedt (Referentin für Diversity Management an der TU Braunschweig).

Okka Zimmermann:

"Es stellt sich in der Gruppe heraus, dass die geschlechtsspezifischen Erfahrungen von Frauen im Home Office sehr ähnlich sind, unabhängig von der Lebenssituation. Studierende, jüngere und ältere weiblich gelesene Arbeitnehmerinnen mit und ohne Kinder berichten zum Beispiel, dass bei Ihnen bei Homeoffice-Arbeit eine Care oder Hausarbeit-bezogene Begründung erwartet und vermutet wird, während bei Homeoffice bei Männern von konzentrierter Projektarbeit ausgegangen wird.

Zudem werden Frauen dafür kritisiert, wenn Kinder bei Homeoffice-Tätigkeiten stören, während Männer bewundert werden für ihr familiäres Engagement. Auf der Suche nach Lösungen für diese und andere empfundene Missstände haben wir u.a. über die Notwendigkeit von Reflexion über private Geschlechterrollen sowie die Sichtbarmachung von und gesamtgesellschaftliche Verantwortung für Care-Arbeit gesprochen, die zudem gleichmäßiger verteilt werden sollte. Zudem haben wir uns über Mikrofeminismus im Alltag sowie Möglichkeiten der Überwindung des Vollzeitideals und der starken Identifikation über berufliche Rollen ausgetauscht, die private Rollen tendenziell abwertet."

Franzi Helms:

"In meinem Gruppendialog habe ich die Frage gestellt: Wie schaffen wir es, dass Überlastung und Benachteiligung von Sorgearbeitenden nicht länger als individuelle Probleme wahrgenommen werden – sondern als das, was sie sind: ein strukturelles Problem, das gesellschaftliche Veränderung braucht?

Die Gespräche haben gezeigt, wie sehr die Pandemie bei uns allen noch nachhallt – jede*r mit eigenen Erfahrungen, die sich doch stark ähneln. Besonders beeindruckt hat mich die große Solidarität untereinander, unabhängig davon, ob die Teilnehmenden Kinder hatten oder nicht.

Genau das brauchen wir auch über diese Veranstaltung hinaus: mehr Zusammenhalt und die klare Botschaft, dass Fürsorge das Fundament unserer Gesellschaft ist."

Steffen Niehoff:

"Wir konnten erste Ergebnisse zu den Langfristfolgen in die Diskussion einbringen, die nicht nur negative Aspekte wie bspw. anhaltend hohe Belastungen, sondern auch auf den ersten Blick positive durch die Pandemie angestoßenen Veränderungen wie nachhaltigen Vereinbarkeitsgewinnen umfassen. Gerade die positiven Langfristfolgen haben uns überrascht und wurden interessiert aufgenommen - ein klarer Arbeitsauftrag an uns, diese nun vertiefend zu analysieren. Klar ist aber auch - und das haben die Gruppen- und Podiumsdiskussion für mich auch gezeigt: Selbst bei ähnlichen Ausgangsbedingungen wie bspw. dem Homeoffice hat die Pandemie sehr unterschiedliche Langfristfolgen hervorgebracht, je nach Arbeitssituation und auch Lebenslage auf der einen Seite Autonomiegewinne in der Steuerung der eigenen Arbeit und der Vereinbarkeit von Arbeit und Leben, und auf der anderen Seite eine enorme Arbeitsverdichtung und der Erwartung, dass es selbstverständlich ist, Sorgearbeit und Erwerbsarbeit bruchlos zu vereinbaren."

Wir bedanken uns bei der DRK Kaufbar für die leckere Verpflegung und bei allen Teilnehmenden für die anregenden Diskussionen.