Stadtplaner: Autos dürfen nicht länger bevorzugt werden

Prof. Bernhard Friedrich hat an einer Kreuzung ein Bobbycar in der Hand.
Das Foto zeigt es: Professor Bernhard Friedrich, Leiter des Instituts für Verkehr und Stadtbauwesen an der TU Braunschweig und NFF-Vorstandsmitglied, wünscht sich, dass das Auto in Zukunft eine deutlich kleinere Rolle in Innenstädte spielt als heute. Bildnachweis: NFF/Massel

Serie der Braunschweiger Zeitung zur Entwicklung des autonomen Fahrens am NFF. In Folge #4 geht es um Stadt- und Verkehrsplanung

Braunschweiger Zeitung vom 11.06.2021

Von Andreas Schweiger

Braunschweig. Auto und Stadt – das ist ein schwieriges Verhältnis. Galt in der Nachkriegszeit die autogerechte Stadt mit breiten Trassen als das Ideal, wird heute das Auto von vielen Menschen eher als Fremdkörper, als Störenfried im Zentrum betrachtet. Es steht für Lärm, schlechte Luft, Raserei, und verbraucht viel Platz. Allerdings steht das Auto auch für individuelle Mobilität und Freiheit – ein sehr hohes Gut. Genau mit diesem Spannungsfeld befassen sich Professorin Vanessa Miriam Carlow, Chefin des Instituts für Nachhaltigen Städtebau an der TU Braunschweig, und Professor Bernhard Friedrich, Leiter des Instituts für Verkehr und Stadtbauwesen an der TU Braunschweig, am Niedersächsischen Forschungszentrum Fahrzeugtechnik (NFF). Sie sehen in der Entwicklung des autonomen Fahrens eine Chance, das Auto aus den Städten zurückzudrängen. Beide sind auch im Forschungsprojekt „Stadt der Zukunft“ der TU Braunschweig engagiert.

„Niemand darf Angst haben“

Damit Roboterautos überhaupt eine Chance hätten, in die Städte hingelassen zu werden, müssten sie sehr sicher sein, sagt Friedrich im Gespräch mit unserer Zeitung. „Niemand darf Angst haben“, betont er. Außerdem dürfe das autonom fahrende Auto in der ohnehin räumlich beengten Stadt keine zusätzliche Infrastruktur beanspruchen – etwa eigene Fahrstreifen. „Es muss sich in den vorhandenen Verkehrsfluss eingliedern.“ Eine weitere Forderung: Kleinere Fahrzeuge, die mit maximal Tempo 30 unterwegs sind. Friedrich: „Bislang wurden Autos immer größer, leistungsstärker, feindlicher.“

Würden diese Voraussetzungen erfüllt, dann biete das Roboterauto Chancen. So könnten zum Beispiel Menschen mit Beeinträchtigungen mobiler werden. Weil sich computergesteuerte Fahrzeuge anders als Menschen genau an Regeln hielten, könnten der Lärmpegel gesenkt, die Sicherheit erhöht werden. Zudem könne es die Effizienz des Verkehrs erhöhen. Der Durchsatz an Ampeln wäre höher, weil niemand mehr am Steuer „schläft“, nennt Friedrich ein Beispiel. „Das autonom fahrende Auto wäre verträglicher in der Stadt unterwegs“, sagt er.

Dieser Text ist Teil der Serie der Braunschweiger Zeitung zur Entwicklung des autonomen Fahrens am Niedersächsischen Forschungszentrum Fahrzeugtechnik in Braunschweig. Die Serie wird in den nächsten Monaten fortgesetzt.

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