Lehrinhalte gestalten

Wie lässt sich Nachhaltigkeit sinnvoll in die eigene Lehre integrieren?

Diese Seite ist in sieben Abschnitte gegliedert, die Lehrenden Orientierung und Anregungen bieten, um Nachhaltigkeitsaspekte in Lehrinhalte und Lehrveranstaltungen zu berücksichtigen. Dabei geht es nicht nur darum, neue Inhalte aufzunehmen, sondern auch darum, die eigene Disziplin zu reflektieren, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und neue didaktische Wege auszuprobieren.

Die sieben Schritte basieren auf einer Handreichung von Regina Obexer, Junia Lahner, Eva Stefaner und Christian F. Freisleben, die im Rahmen der Arbeitsgruppe Lehre des Bündnis Nachhaltige Hochschulen entstanden ist. Sie bauen auf früheren Vorlagen aus dem Jahr 2021 auf, die seither kontinuierlich weiterentwickelt und ergänzt wurden. Sie können je nach Fach, Lehrveranstaltung und individuellen Möglichkeiten unterschiedlich genutzt und miteinander kombiniert werden.

7 Schritte für mehr Nachhaltigkeit in der Hochschullehre

Übersicht Beschreibung
Nachhaltigkeitsziele und -prinzipien reflektieren Nachhaltigkeit beschreibt, wie gesellschaftliches und wirtschaftliches Handeln gestaltet werden kann, sodass die ökologischen Grenzen unseres Planeten gewahrt und gleichzeitig faire Entwicklungs- und Gestaltungsmöglichkeiten für heutige und zukünftige Generationen geschaffen werden. Dabei wird der Begriff oft unterschiedlich interpretiert und sowohl als übergeordnetes Leitbild mit ethischen Prinzipien und Handlungsorientierungen als auch als grundlegende Haltung verstanden.
Nachhaltigkeitsaspekte der eigenen Disziplin herausarbeiten Universitäten tragen durch die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Entwicklungen und Innovationen wesentlich zu einer Nachhaltigen Entwicklung bei. Nahezu alle wissenschaftlichen Disziplinen bieten Anknüpfungspunkte für die Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit. Eine zentrale Frage ist daher, welchen konkreten Beitrag die einzelnen Fachrichtungen zur Transformation hin zu einer nachhaltigeren Gesellschaft leisten können.
Didaktische Möglichkeiten entdecken und nutzen Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) fördert unter anderem kritisches und kreatives Denken, Problemlösungskompetenz und den Umgang mit Unsicherheiten. Partizipative, diskursive, projektorientierte und selbstgesteuerte Lernformate bieten Möglichkeiten, diese Kompetenzen in der Lehre zu fördern.
Den Campus als Lern- und Erfahrungsraum nutzen Nachhaltigkeit und die Sustainable Development Goals (SDGs) wirken auf den ersten Blick oft abstrakt. Ihre Relevanz wird jedoch deutlich greifbarer, wenn sie auf den eigenen Kontext heruntergebrochen werden. Besonders hilfreich ist dabei der Bezug zum unmittelbaren Umfeld – etwa zum Campus, zur Stadt oder zur Region, in der man lebt und studiert. So lässt sich die Wirkung des eigenen Handelns konkreter nachvollziehen und besser einordnen.
Perspektiven der Studierenden integrieren Die aktive Beteiligung von Studierenden ist ein zentrales Element einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Studierendenzentrierte und partizipative Lehrformate schaffen Raum für kreative Lösungsansätze, Wertreflexion und die Auseinandersetzung mit Zukunftsfragen.
Mit Inter- und Transdisziplinarität experimentieren Nachhaltigkeitsherausforderungen sind komplex und erfordern den Austausch über Fachgrenzen hinweg. Die Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen sowie mit Akteur*innen aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft eröffnet neue Perspektiven und kann innovative Lösungsansätze fördern.
Erfahrungen teilen und voneinander lernen Nachhaltigkeit in der Lehre entwickelt sich durch neue Ideen, gemeinsames Ausprobieren und den Austausch von Erfahrungen. Der Dialog mit Kolleg*innen und Studierenden sowie die Sichtbarmachung guter Beispiele können dazu beitragen, Nachhaltigkeit langfristig und vielfältig in der Hochschullehre zu verankern.

Nachhaltigkeitsziele und -prinzipien reflektieren

Didaktische Möglichkeiten entdecken

Studierende am Wellenkanal

Die Integration von Nachhaltigkeit in die Lehre hängt wesentlich von geeigneten didaktischen Ansätzen und Methoden ab. Sie bestimmen, wie Inhalte vermittelt, reflektiert und in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang eingeordnet werden können. Besonders im Kontext von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) geht es dabei nicht nur um Wissensvermittlung, sondern auch um die Förderung von kritischem Denken, Perspektivwechsel und aktiver Mitgestaltung. Methoden und Didaktik schaffen damit die Grundlage, um Nachhaltigkeitsthemen erfahrbar zu machen und Lernprozesse zu gestalten, die über reines Faktenwissen hinausgehen. Sie ermöglichen es, komplexe Zusammenhänge verständlich aufzubereiten und Studierende dazu anzuregen, eigene Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Wir haben diesem Baustein in unserer Toolbox eine eigene Seite gewidmet: 

Didaktische Möglichkeiten entdecken (bald verfügbar)

Nachhaltigkeitsaspekte der eigenen Disziplin herausstellen

Den Campus Erfahrungsraum nutzen

Studentische Perspektiven integrieren

Die Perspektiven und Erfahrungen von Studierenden können eine wertvolle Ergänzung für die Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit in der Lehre sein. Studierende bringen unterschiedliche Lebensrealitäten, Interessen und Sichtweisen ein und können dadurch neue Impulse für die Diskussion und die Entwicklung von Lösungsansätzen geben. Dies kann beispielsweise durch offene Diskussionen zu Nachhaltigkeitsfragen im eigenen Fach, durch die gemeinsame Entwicklung von Projekten oder durch die Einbindung studentischer Initiativen und Praxisbeispiele geschehen.

Mögliche Reflexionsfragen zur gemeinsamen Diksussion können sein: 

  • Was bedeutet Nachhaltigkeit für euch im Alltag?
  • Welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit für die eigene Fachrichtung oder den späteren Beruf?
  • Wo sehe ich bereits Ansätze für eine nachhaltigere Entwicklung – und wo noch ungelöste Probleme?
  • Welche Auswirkungen haben die Entscheidungen und Lösungen meines Fachs auf Umwelt und Gesellschaft?
  • Welche Zielkonflikte nehme ich zwischen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Interessen wahr?

Inter- und Transdisziplinarität

Nachhaltigkeitsherausforderungen sind komplex und lassen sich selten aus der Perspektive einer einzelnen Disziplin lösen.

Inter- und transdisziplinärer Austausch ermöglichen es, unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven sowie Erfahrungen und Wissen aus Gesellschaft, Politik oder Wirtschaft zusammenzuführen und gemeinsam an konkreten Herausforderungen zu arbeiten. Gerade an der TU Braunschweig bieten sich hierfür bereits vielfältige Anknüpfungspunkte: So können beispielsweise Studierende aus Maschinenbau, Informatik und Umweltingenieurwesen gemeinsam an energieeffizienten Produktionssystemen oder Fragen der Kreislaufwirtschaft arbeiten. Eine Verbindung von Architektur, Bauingenieurwesen und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen kann sich mit der Entwicklung nachhaltiger und sozial gerechter Quartiere beschäftigen, während Psychologie, Wirtschaftswissenschaften und Kommunikationswissenschaften gemeinsam untersuchen könnten, wie nachhaltiger Konsum gefördert werden kann.

Um solche Lerngelegenheiten für Studierende zu schaffen, braucht es auch auf Seiten der Lehrenden Offenheit für den fachübergreifenden Austausch und die Zusammenarbeit. Der Austausch mit Kolleg*innen aus anderen Disziplinen kann neue Perspektiven eröffnen, gemeinsame Lehrformate anstoßen und dabei helfen, Nachhaltigkeit aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. An der TU Braunschweig arbeiten einige Projekte und Initiativen, wie auch die Ecoversity , daranden Austausch über Fachgrenzen hinweg zu ermöglichen, Erfahrungsaustausch zu fördern und auch neue Ideen für eine Nachhaltige Entwicklung in Studium und Lehre zu entwickeln.

Auch Weiterbildungen sind eine sehr gute Gelegenheit, mit Interessierten aus anderen Fachrichtungen über Themen wie Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit ins Gespräch zu kommen, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und neue Impulse für die eigene Lehre zu gewinnen.

Weiterbildungen des Kompetenzzentrum Hochschuldidaktik Niedersachen (kh:n)

Weiterbildung des Netzwerks Nachhaltiger Hochschulen in Niedersachsen (Hoch NiNa)