Der Begriff der Nachhaltigkeit hat in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen und ist heute in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen präsent – von Politik und Wirtschaft bis hin zu Alltagsthemen. Gleichzeitig zeigt sich in Diskussionen, dass oft unterschiedliche Vorstellungen davon existieren, was Nachhaltigkeit konkret bedeutet, da der Begriff je nach Perspektive verschieden interpretiert wird. Um eine Grundlage für den Austausch über Nachhaltigkeit zu schaffen, werden hier zentrale Zugänge zum Nachhaltigkeitsbegriff sowie wichtige Modelle und Strategien gebündelt. Ziel ist es, die Vielschichtigkeit von Nachhaltigkeit greifbar zu machen und Orientierung in einem komplexen, aber zukunftsentscheidenden Themenfeld zu bieten.
Das Green Office hat ebenfalls einen "Crashkurs" mit Basiswissen zum Thema Nachhaltigkeit zusammengestellt. Der E-Learning-Kurs bietet einen kompakten Einstieg in zentrale Fragen rund um Nachhaltigkeit. Vermittelt werden die Definition und die historische Entwicklung des Begriffs, verschiedene Modelle und Prinzipien, Umsetzungsstrategien in Politik und Praxis sowie die Rolle der Sustainable Development Goals (SDGs). Auch kritische Perspektiven auf den Nachhaltigkeitsbegriff werden thematisiert und eröffnen so einen differenzierten Blick auf das Thema.
Dieser Kurs ist für Mitglieder der TU Braunschweig über Stud.IP frei zugänglich.
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Nachhaltigkeit beschreibt ein ethisch-moralisches Handlungsprinzip, das auf einen verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen unserer Welt abzielt. Dabei werden nicht nur die natürlichen, sondern auch die sozialen und wirtschaftlichen Ressourcen einbezogen. Es geht darum, diese Ressourcen so zu nutzen, dass sie erhalten bleiben oder sich regenerieren können.
Der Begriff Nachhaltigkeit hat seinen Ursprung in der Forstwirtschaft. Bereits im 18. Jahrhundert formulierte der sächsische Berghauptmann Hans Carl von Carlowitz in seinem Werk Sylvicultura oeconomica die Idee, dass nur so viel Holz geschlagen werden dürfe, wie im Wald auch wieder nachwachsen kann. Hintergrund war eine massive Holzknappheit, weil Holz damals ein zentraler Rohstoff für Bau, Energie und Bergbau war. Carlowitz’ Ansatz war also zunächst ganz praktisch gedacht: Ressourcen sichern, indem man sie nicht übernutzt. Aus diesem forstwirtschaftlichen Prinzip entwickelte sich im Laufe der Zeit ein allgemeiner Leitgedanke für den Umgang mit natürlichen Ressourcen.
Heute wird Nachhaltigkeit deutlich breiter verstanden. Sie beschreibt ein Prinzip, nach dem ökologische, soziale und wirtschaftliche Systeme so gestaltet werden sollen, dass sie langfristig stabil bleiben. Dabei geht es nicht nur um den Schutz der Umwelt, sondern auch um Fragen der Gerechtigkeit und wirtschaftlichen Tragfähigkeit. Daher spricht man von drei Dimensionen:
Diese drei Bereiche sind eng miteinander verknüpft und müssen immer gemeinsam gedacht werden. Weil Nachhaltigkeit verschiedene Bereiche miteinander verbindet, sprechen wir auch auch von einem interdisziplinären Querschnittsthema. Das bedeutet auch, dass Themen rund um Nachhaltigkeit extrem vielfältig sind: Sie reichen von Maßnahmen gegen Armut, Hunger und Klimawandel bis hin zur Förderung von Bildung, Gleichberechtigung oder dem Zugang zu sauberem Wasser - um nur einige Bereiche zu nennen.
Weiterlesen:
Lexikon der Nachhaltigkeit
Artikel: Hans Carl von Carlowitz – Der Erfinder der Nachhaltigkeit (Carlowitz-Gesellschaft)
Nachhaltigkeit kann unterschiedlich interpretiert werden. Zwei zentrale Konzepte sind die ‚schwache‘ und die ‚starke Nachhaltigkeit‘. Sie unterscheiden sich darin, wie Umwelt, Wirtschaft und Soziales miteinander verknüpft sind. Entscheidend ist dabei die sogenannte Substituierbarkeit – damit ist gemeint, inwieweit Verluste in einem Bereich (zum Beispiel an natürlichen Ressourcen) durch Zugewinne in einem anderen Bereich (etwa durch wirtschaftliches Kapital) ausgeglichen werden dürfen.
Schwache Nachhaltigkeit
Die schwache Nachhaltigkeit geht davon aus, dass die verschiedenen Bereiche – also Ökologie, Soziales und Ökonomie – bis zu einem gewissen Grad gegeneinander austauschbar sind. Nach diesem Verständnis kann ein Vorhaben, das wirtschaftlich und sozial vorteilhaft ist, auch dann als nachhaltig gelten, wenn es ökologische Schäden verursacht oder den Umweltaspekt vernachlässigt. Der zugrunde liegende Gedanke ist, dass Gewinne im wirtschaftlichen oder sozialen Bereich die Verluste in der Natur ausgleichen können. Aus dieser Perspektive wäre sogar ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum auf Kosten der Umwelt akzeptabel. → hohe Substituierbarkeit
Starke Nachhaltigkeit
Die starke Nachhaltigkeit geht davon aus, dass die Bereiche Ökologie, Soziales und Ökonomie nicht beliebig austauschbar sind. Verluste in der Umwelt können nicht einfach durch wirtschaftliche oder soziale Gewinne ausgeglichen werden. Nach diesem Ansatz muss daher die Umwelt besonders geschützt werden, gleichzeitig sind aber auch soziale und wirtschaftliche Werte wichtig. Am besten sollten immer alle drei Bereiche gemeinsam betrachtet werden, um nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Das Konzept setzt klare Grenzen für Wachstum, um die ökologischen Grenzen der Erde zu respektieren. → keine Substituierbarkeit
Weiterlesen:
Der Begriff der nachhaltigen Entwicklung beschreibt weniger einen Zustand ("nachhaltig"), sondern den Weg dorthin. International bekannt wurde die Bezeichnung durch die Brundtland-Kommission, die 1987 eine bis heute vielzitierte Definition formulierte:
Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der heutigen Generation erfüllt, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden. (Brundlandt Bericht: Our Common Future)
In dieser Definition stecken zwei zentrale Gedanken: Zum einen sollen die grundlegenden Bedürfnisse aller Menschen heute gedeckt werden, zum anderen darf dies nicht auf Kosten der Zukunft geschehen. Es geht also immer um ein Gleichgewicht zwischen Gegenwart und Zukunft. Zusammengefasst lässt sich also sagen: Nachhaltigkeit kann als das übergeordnete Ziel verstanden werden – ein Zustand, in dem menschliches Handeln die natürlichen und gesellschaftlichen Grundlagen nicht zerstört. Nachhaltige Entwicklung hingegen beschreibt den langfristigen Prozess, mit dem dieses Ziel erreicht werden soll.
Auf globaler Ebene wurde das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung in konkrete politische Ziele übersetzt, etwa durch die Millennium Development Goals (MDGs), die von den Vereinte Nationen im Jahr 2000 beschlossen wurden. Diese acht Nachhaltigkeitsziele konzentrierten sich vor allem auf die Bekämpfung von Armut, Hunger und Ungleichheit bis 2015. Aufbauend darauf wurden 2015 die umfassenderen Sustainable Development Goals (SDGs) verabschiedet, die nun 17 Ziele umfassen und neben sozialen und wirtschaftlichen Aspekten auch ökologische Dimensionen wie Klimaschutz und nachhaltigen Konsum stärker integrieren. Während die MDGs einen wichtigen ersten globalen Rahmen bildeten, gelten die SDGs heute als ganzheitlicher Ansatz, der nachhaltige Entwicklung als gemeinsame Aufgabe aller Länder versteht.
Weiterlesen:
Brundland-Bericht "Our Common Future"
Entwicklung des UN-Leitbildes der Nachhaltigen Entwicklung (bpb)
Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung ist ein globaler Aktionsplan, der 2015 von den Vereinte Nationen verabschiedet wurde. Sie stellt den bislang umfassendsten politischen Rahmen dar, um nachhaltige Entwicklung weltweit umzusetzen. Im Zentrum stehen die sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs) – 17 Ziele, die ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte miteinander verbinden und für alle Länder gelten, unabhängig von ihrem Entwicklungsstand. Ein zentrales Leitprinzip der Agenda 2030 ist „Leave no one behind“, also der Anspruch, niemanden zurückzulassen und globale Ungleichheiten gezielt zu verringern. Die 17 SDGs decken ein breites Spektrum ab: Sie reichen von der Beseitigung von Armut und Hunger, über Gesundheit, sauberem Wasser und sauberer, bezahlbarer Energie (SDG 7), bis hin zu verantwortungsvollen Konsum- und Produktionsmuster und Lebensweisen sowie dem Schutz des Klimas und der Ökosysteme.
Um diese übergeordneten Ziele konkreter und messbar zu machen, wurden sie in insgesamt 169 sogenannte Targets (Unterziele) untergliedert. Diese Targets präzisieren, was genau erreicht werden soll – beispielsweise die Halbierung extremer Armut, der Zugang zu sauberem Trinkwasser für alle oder die deutliche Reduktion von Treibhausgasemissionen. Ergänzt werden die Targets durch eine Vielzahl von Indikatoren, mit denen Fortschritte überprüft und international vergleichbar gemacht werden können. Dadurch wird die Agenda 2030 nicht nur zu einem normativen Leitbild, sondern auch zu einem Instrument politischer Steuerung und Kontrolle.
Insgesamt verfolgt die Agenda 2030 einen integrierten Ansatz: Die einzelnen Ziele sollen nicht isoliert betrachtet werden, sondern sind eng miteinander verknüpft. Fortschritte in einem Bereich können positive Effekte auf andere Ziele haben, während Zielkonflikte bewusst berücksichtigt werden müssen. Damit markiert die Agenda 2030 einen Paradigmenwechsel hin zu einem ganzheitlichen Verständnis von Entwicklung, das ökologische Tragfähigkeit, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit gleichermaßen einbezieht.
Weiterlesen:
17 Ziele: Informationen und Kampagnen zu den SDGs
Statusbericht der Vereinten Nationen zu den SDGs (Stand 2024)
SDG Portal: SDGs auf lokaler Ebene
Das 3-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit beschreibt Nachhaltigkeit als Zusammenspiel von drei grundsätzlich gleichwertigen Bereichen:
Ziel ist es, diese drei Bereiche langfristig in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen, sodass nachhaltige Entwicklung möglich wird.
Kritisch betrachtet zeigt sich jedoch eine Schwäche des Modells: Die Darstellung als gleich tragende Säulen suggeriert Stabilität, auch wenn einzelne Bereiche geschwächt oder „wegfallen“ würden. In der Praxis würde ein nachhaltiges System jedoch zusammenbrechen, wenn etwa ökologische Grundlagen zerstört werden. Genau hier setzen Kritiker*innen an: Das Modell unterschätzt die zentrale Bedeutung der ökologischen Basis und vermittelt dadurch ein eher die Idee einer "schwachen Nachhaltigkeit", bei der natürliche Ressourcen durch menschliches oder technisches Kapital ersetzt werden können.
Für ein Konzept „starker Nachhaltigkeit“ müsste also insbesondere die ökologische Dimension deutlich stärker gewichtet werden.
Ausgehend von der Kritik am 3-Säulen-Modell wurde das gewichtete Säulenmodell entwickelt.
Es greift weiterhin verschiedene Nachhaltigkeitsdimensionen auf, verändert jedoch deren Bedeutung und Struktur. Im Gegensatz zum ursprünglichen Modell sind die Bereiche Ökologie, Ökonomie und Soziales nicht mehr gleichwertig, denn die Ökologie bildet nun das Fundament, da sie die natürliche Lebensgrundlage für alles menschliche Handeln darstellt.
So versucht das Modell, die Abhängigkeiten realistischer abzubilden - denn ohne stabile ökologische Systeme können weder Wirtschaft noch Gesellschaft langfristig bestehen. Die übrigen Säulen werden auf diesem Fundament aufgebaut und je nach Kontext unterschiedlich stark gewichtet. Dabei wurde auch die dritte Säule verändert: Statt ausschließlich des Sozialen wird nun Kultur als eigene Dimension aufgenommen und integriert betrachtet. Damit soll stärker berücksichtigt werden, dass gesellschaftliche Werte, Traditionen und Lebensweisen ebenfalls Einfluss auf nachhaltige Entwicklung haben.
Das Schnittmengenmodell baut auf dem 3-Säulen-Modell auf und stellt die drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales als gleichwertige, sich überlappende Bereiche dar. In diesem Modell entsteht eine nachhaltige Entwicklung nur in der Schnittmenge aller drei Bereiche. Das bedeutet: Eine Maßnahme ist nur dann wirklich nachhaltig, wenn sie gleichzeitig umweltverträglich, wirtschaftlich tragfähig und sozial gerecht ist.
Die Überlappungsbereiche zwischen zwei Dimensionen werden ebenfalls konkretisiert:
Zwischen Soziales und Ökonomie entsteht beispielsweise gerechte Arbeit und Wohlstand, also faire Arbeitsbedingungen, soziale Sicherheit und wirtschaftliche Teilhabe. Zwischen Ökonomie und Ökologie spricht man häufig von "lebensfähig" in Form ökologischer Wirtschaft oder „grüner Wirtschaft“ - also wirtschaftlichem Handeln, das Ressourcen schont und Umweltbelastungen reduziert. Zwischen Ökologie und Soziales entsteht Lebensqualität, etwa gesunde Lebensbedingungen, saubere Umwelt und Zugang zu natürlichen Ressourcen.
Im Gegensatz zu hierarchischen Modellen (wie dem Vorrangmodell) geht das Schnittmengenmodell also von einer strikten Gleichwertigkeit der drei Bereiche aus und betont deren gegenseitige Abhängigkeit. Nachhaltigkeit wird dabei als ein Zustand verstanden, der nur durch das ausgewogene Zusammenspiel aller Dimensionen erreicht werden kann.
Das Triple-Bottom-Line-Modell (TBL) wurde in den 1990er-Jahren vom britischen Nachhaltigkeitsforscher John Elkington entwickelt und 1997 in seinem Buch Cannibals with Forks: The Triple Bottom Line of 21st Century Business veröffentlicht.
Im Kern erweitert das Modell die klassische Unternehmensbewertung, die sich nur am finanziellen Gewinn orientiert, um zwei weitere Dimensionen: People (Menschen), Planet (Umwelt) und Profit (Gewinn). Unternehmen sollen demnach nicht nur wirtschaftlich erfolgreich sein, sondern auch soziale Verantwortung übernehmen und ökologische Auswirkungen berücksichtigen. Ziel des Modells ist es, wirtschaftliches Handeln ganzheitlicher zu betrachten und nachhaltigen Unternehmenserfolg daran zu messen, wie gut alle drei Bereiche gleichzeitig erfüllt werden. Damit hat das TBL-Modell vor allem in der Unternehmens- und Nachhaltigkeitsberichterstattung großen Einfluss gewonnen.
Das Vorrangmodell stellt eine Hierarchie der Nachhaltigkeitsdimensionen dar. Meist hat dabei die ökologische Dimension Vorrang, da sie die natürliche Lebensgrundlage bildet und damit die Basis für alles weitere menschliche Handeln ist. Erst wenn ökologische Grenzen eingehalten werden, sollen soziale und wirtschaftliche Ziele verfolgt werden können. Dabei stehen auch Wirtschaft und Soziales in einer engen Abhängigkeit zueinander: Eine funktionierende Wirtschaft ist auf stabile gesellschaftliche Strukturen, Bildung, Arbeitskräfte und soziale Stabilität angewiesen. Umgekehrt braucht eine Gesellschaft wirtschaftliche Ressourcen, um Wohlstand, Versorgung und soziale Sicherheit zu gewährleisten.
Das Vorrangmodell kann als Weiterentwicklung früherer Nachhaltigkeitskonzepte verstanden werden, da es die gegenseitigen Abhängigkeiten stärker berücksichtigt und integrativer denkt. Es macht deutlich, dass ein gesunder Planet die Grundlage für eine funktionierende Gesellschaft ist und nur darauf aufbauend eine zukunftsfähige Wirtschaft bestehen kann.
Kritisch wird jedoch angemerkt, dass durch die klare Vorrangstellung der Ökologie die Frage entsteht, wie stark soziale Gerechtigkeit tatsächlich berücksichtigt wird. Das wirft die viel diskutierte Frage auf, ob und in welchem Maß Nachhaltigkeit auch immer sozial gerecht gestaltet sein muss oder ob ökologische Ziele im Zweifel über sozialen Interessen stehen dürfen.
Das integrierende Nachhaltigkeitsdreieck ist eine Weiterführung bisheriger Modelle, das die drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales nicht getrennt voneinander betrachtet, sondern ihre enge gegenseitige Verflechtung betont. Im Gegensatz zum klassischen 3-Säulen-Modell stehen die Bereiche nicht nebeneinander, sondern sind dauerhaft miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig, was die komplexen Zusammenhänge nachhaltiger Entwicklung präziser darstellt.
Das Modell geht - ähnlich des Schnittmengenmodells - davon aus, dass nachhaltige Entwicklung nur dann möglich ist, wenn ökologische, wirtschaftliche und soziale Ziele gemeinsam gedacht und aufeinander abgestimmt werden. Besonders wichtig ist dabei die Erkenntnis, dass ökologische, soziale und wirtschaftliche Herausforderungen nicht unabhängig voneinander gelöst werden können. Veränderungen in einem Bereich wirken sich immer auch auf die anderen Bereiche aus. So kann wirtschaftliches Wachstum beispielsweise soziale Vorteile schaffen, gleichzeitig aber ökologische Folgen haben. Ebenso beeinflussen soziale Bedingungen wie Bildung, Gesundheit oder Gerechtigkeit die wirtschaftliche Entwicklung und den Umgang mit natürlichen Ressourcen.
Die Form des Dreiecks verdeutlicht dabei, dass zwischen den drei Dimensionen ein ständiges Spannungs- und Ausgleichsverhältnis besteht. Nachhaltigkeit entsteht nicht durch die isolierte Erfüllung einzelner Ziele, sondern durch das Finden eines langfristigen Gleichgewichts zwischen den unterschiedlichen Interessen.
Kritisch angemerkt wird jedoch, dass das Modell trotz der stärkeren Vernetzung der Bereiche teilweise unklar lässt, wie Konflikte zwischen den Dimensionen konkret gelöst werden sollen. Auch in diesem Modell bleibt offen, welcher Bereich im Zweifelsfall Vorrang haben sollte, wenn sich ökologische, soziale oder wirtschaftliche Ziele widersprechen.
Bei der Effizienzstrategie steht der wirtschaftliche Umgang mit Ressourcen im Mittelpunkt. Ziel ist es, das Verhältnis zwischen eingesetzten Mitteln – wie Energie, Rohstoffen oder Materialien und dem erzielten Nutzen, etwa in Form eines Produkts oder einer Dienstleistung, zu optimieren. Es geht darum, mit weniger Einsatz denselben oder sogar einen höheren Output zu erreichen.
Im Fokus dieser Strategie stehen technologische Innovationen und Fortschritte, die eine ressourcenschonendere Produktion und Nutzung ermöglichen.
Ein klassisches Beispiel ist die Energiesparlampe: Im Vergleich zur herkömmlichen Glühbirne benötigt sie deutlich weniger Strom – sie gilt deshalb als die nachhaltigere Alternative im Sinne der Effizienz. Ein zusätzlicher Vorteil: Effizienzsteigerungen gehen oft mit Kosteneinsparungen einher – in diesem Fall zum Beispiel durch niedrigere Stromrechnungen.
Allerdings birgt dieser Ansatz auch Risiken, insbesondere den sogenannten Rebound-Effekt: Wenn Produkte effizienter und günstiger in der Nutzung sind, steigt mitunter ihr Verbrauch. So könnte es passieren, dass Nutzer:innen das Licht länger brennen lassen oder mehr Leuchtmittel einsetzen als zuvor – wodurch der Energieverbrauch trotz effizienterer Technik wieder zunimmt.
Im Zentrum der Suffizienzstrategie steht die Frage: Was brauchen wir wirklich für ein gutes Leben – und worauf können wir verzichten? Diese Strategie fordert dazu auf, unsere konsumbezogenen Lebensweisen kritisch zu hinterfragen und persönliche sowie gesellschaftliche Gewohnheiten zu reflektieren.
Statt auf technischen Fortschritt oder Kreislaufsysteme zu setzen, geht es hier vor allem um einen bewussten Wandel im Verhalten. Ziel ist es, den Ressourcenverbrauch durch eine reduzierte Nachfrage nach Produkten und Gütern zu senken.
Die Suffizienzstrategie gilt als wachstumskritischer Ansatz – sie plädiert für ökologische und soziale Grenzen wirtschaftlicher Aktivitäten. Beispiele für suffizientes Handeln sind etwa, das Heizen oder die Beleuchtung nur dann zu nutzen, wenn es wirklich notwendig ist, unnötige Mobilität zu vermeiden, Kleidung bewusst seltener zu kaufen und länger zu nutzen oder den Konsum tierischer Produkte zu reduzieren bzw. darauf zu verzichten.
Diese Strategie verfolgt das Ziel, Technologien und Materialien so zu gestalten, dass sie mit der Natur im Einklang stehen. Es geht nicht nur darum, den Energieverbrauch pro eingesetzter Ressource zu senken, sondern vor allem darum, Rohstoffe so zu nutzen, dass sie sich immer wieder in den Kreislauf zurückführen lassen – ohne dabei ökologische Systeme zu belasten. Im Mittelpunkt steht die Idee geschlossener Stoff- und Energiekreisläufe: Materialien sollen in einem nachhaltigen Kreislaufsystem zirkulieren, also verwendet, aufbereitet und erneut eingesetzt werden. Auf diese Weise entsteht ein möglichst abfallfreier Umgang mit Ressourcen.
Dennoch: Auch in den besten Kreisläufen gibt es bisher unvermeidbare Verluste – vollständige Konsistenz bleibt daher derzeit und wohl auch langfristig ein Ideal, dem man sich annähern, das man aber aktuell noch nicht vollständig erreichen kann. Die Natur selbst bietet zahlreiche Vorbilder für dieses Prinzip. Man denke etwa an einen Apfelbaum: Heruntergefallene Früchte verrotten am Boden und werden auf natürliche Weise wieder Teil des biologischen Kreislaufs – sie liefern Nährstoffe für andere Lebewesen. In unserem Alltag verwenden wir jedoch auch viele Materialien, die nicht biologisch abbaubar sind – wie Kunststoffe oder Metalle. Die Konsistenzstrategie berücksichtigt auch diese Stoffe: Sie werden als sogenannte technische Nährstoffe betrachtet, die durch Recycling oder Upcycling in den technischen Kreislauf zurückgeführt werden sollen.
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) bezeichnet einen ganzheitlichen Bildungsansatz, der Menschen dazu befähigt, bewusst, verantwortungsvoll und mit Blick auf die Zukunft zu handeln. Dabei geht es darum, die Folgen des eigenen Handelns auf lokaler und globaler Ebene sowie für zukünftige Generationen zu erkennen und in Entscheidungen einzubeziehen. Zugleich fördert BNE ein vernetztes Denken, indem ökologische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Aspekte zusammen betrachtet werden. Auf diese Weise werden Menschen ermutigt, aktuelle Herausforderungen aktiv anzugehen, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten und als Mitgestaltende zu einer nachhaltigen und gerechten Gesellschaft beizutragen.
Bereits 1992 wurden Bildungsinstitutionen im Rahmen der Agenda 21 auf der Rio-Konferenz dazu aufgerufen, sich aktiv mit dem Thema nachhaltige Entwicklung zu befassen. Dieser Auftrag wird auf Bundesebene durch den Nationalen Aktionsplan (NAP) zur Umsetzung des UNESCO-Weltaktionsprogramms „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (2015–2019) sowie durch das Folgeprogramm „BNE 2030“ für den Zeitraum von 2020 bis 2030 weitergeführt.
Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung
Auch die Hochschulrektorenkonferenz greift diesen Auftrag auf und formuliert Empfehlungen zur Förderung einer nachhaltigkeitsorientierten Kultur an Hochschulen. Gerade Hochschulen spielen eine zentrale Rolle als Lernorte, an denen ökologische, soziale und ökonomische Aspekte zusammen gedacht, Lösungsansätze für aktuelle und zukünftige Herausforderungen entwickelt und zukünftige Entscheidungsträgerinnen und -träger ausgebildet werden (HRK 2018). Die Verankerung von BNE in den Hochschulgesetzen der deutschen Bundesländer ist wiederum eng mit der föderalen Struktur des Bildungssystems verbunden. Dabei zeigt sich, dass HBNE unterschiedlich stark und in verschiedenen Formen Eingang in die Landesgesetzgebung gefunden hat.
Eine Analyse der Hochschulgesetze zeigt jedoch eine zunehmende Bedeutung: Bis Ende 2021 hatten bereits 9 von 16 Bundesländern Aspekte von Nachhaltigkeit in den Aufgabenbeschreibungen ihrer Hochschulen verankert, während dies wenige Jahre zuvor nur in deutlich weniger Ländern der Fall war. Teilweise wird BNE dabei explizit als Ziel von Studium und Lehre formuliert (z. B. in Hessen), während andere Länder eher allgemein auf nachhaltige Entwicklung oder Klimaschutz Bezug nehmen, wie etwa im Bayerischen Hochschulinnovationsgesetz. Insgesamt lässt sich somit ein Trend zur stärkeren institutionellen Verankerung von BNE erkennen, auch wenn Umfang, Verbindlichkeit und konkrete Ausgestaltung weiterhin zwischen den Bundesländern variieren.
An der TU Braunschweig wird der Schwerpunkt "BNE" insbesondere durch die Arbeit und Angebote des Green Office gesichert und wird ebenso in der Nachhaltigkeitsstrategie der TU Braunschweig mitgedacht, wenn auch nicht konkret als Konzept benannt. In den Lehramtsstudiengängen ist Bildung für nachhaltige Entwicklung ein Bestandteil des Curriculums.
Weiterlesen:
Verankerung von BNE in den Landeshochschulgesetzen
Publikationen
Bellina, L.; Tegeler, M.K.; Müller-Christ, G.; Potthast, T. (2020): Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) in der Hochschullehre. Bremen und Tübingen.
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Brundiers, Katja; Barth, Matthias; Cebrián, Gisela; Cohen, Matthew; Diaz, Liliana; Doucette-Remington, Sonya et al. (2021): Key competencies in sustainability in higher education—toward an agreed-upon reference framework. In: SustainSci 16 (1), S. 13–29. DOI: 10.1007/s11625-020-00838-2.
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Holst, J., & Singer-Brodowski, M. (2022): Nachhaltigkeit & Bildung für nachhaltige Entwicklung im Hochschulsystem. Dokumentenanalyse im Rahmen des nationalen Monitorings. Freie Universität Berlin.
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Molitor, H.; Krah, J.; Reimann, J.; Bellina, L.; Bruns, A. (2022): Zukunftsfähige Curricula gestalten – Eine Handreichung zur curricularen Verankerung von Hochschulbildung für nachhaltigen Entwicklung. Arbeitsgemeinschaft für Nachhaltigkeit an Brandenburger Hochschulen (Hrsg.), Eberswalde.
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Global Citizenship Education (GCED) ist ein Bildungskonzept, das darauf abzielt, Lernende zu befähigen, sich als Teil einer global vernetzten Welt zu verstehen und verantwortungsvoll in ihr zu handeln. Zentral ist dabei die Förderung von Kompetenzen wie kritischem Denken, interkultureller Sensibilität, Perspektivenübernahme sowie dem Bewusstsein für globale Ungleichheiten und Machtverhältnisse. International geprägt wurde das Konzept insbesondere durch die UNESCO, die GCED als Schlüsselansatz zur Umsetzung der Agenda 2030 und der darin verankerten Nachhaltigkeitsziele versteht. Inhaltlich überschneidet sich GCED stark mit Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), legt jedoch einen stärkeren Fokus auf Fragen globaler Gerechtigkeit, politischer Teilhabe und demokratischer Verantwortung.
GCED an Hochschulen
Im Hochschulkontext gewinnt das Konzept zunehmend an Bedeutung, insbesondere in der Ausbildung zukünftiger Lehrperonen. Die Intergration des Konzepts in der Lehrer*innenbildung trägt dazu bei, dass angehende Lehrkräfte globale Themen wie Klimawandel, Migration oder soziale Ungleichheit didaktisch fundiert und reflektiert in den Unterricht einbringen. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung von Inhalten, sondern auch um die Förderung einer reflexiven pädagogischen Haltung, die Diversität anerkennt, Machtkritik einbezieht und Lernende zur aktiven Mitgestaltung gesellschaftlicher Prozesse ermutigt. Zeitgleich stellt die Umsetzung von GCED an Hochschulen gewisse Herausforderungen dar - die curriculare Verankerung in oft stark strukturierten Studiengängen, fehlende institutionelle Strategien oder auch Unsicherheiten bei Lehrenden hinsichtlich geeigneter didaktischer Zugänge können Hindernisse sein. Erfolgreiche Ansätze zeigen sich häufig dort, wo GCED als Querschnittsaufgabe verstanden wird – etwa durch interdisziplinäre Lehrangebote, projektbasiertes Lernen, internationale Kooperationen oder die Einbindung außerschulischer Partner.
An der TU Braunschweig ist das Thema ebenfalls an der Fakultät für Geistes- und Erziehungswissenschaften verortet, dort insbesondere im Zertifikatprogramm "Global Learning". Auch in der internationalen Strategie der TU Braunschweig wird das Leitbild des globalen Lernens, Forschens und Arbeiten berücksichtigt.
Ein weiteres pädagogisches Konzept, das im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft relevant wird, ist das Transformative Lernen (und Lehren). Es zielt darauf ab, Lernprozesse anzustoßen, die das Denken, Wahrnehmen und Handeln von Menschen nachhaltig verändern. Im Mittelpunkt steht nicht nur die Vermittlung von Wissen, sondern die kritische Reflexion eigener Einstellungen, Werte und gesellschaftlicher Strukturen. Lernende sollen befähigt werden, bestehende Sichtweisen zu hinterfragen und aktiv an gesellschaftlichen Veränderungsprozessen mitzuwirken.
Das Konzept spielt insbesondere im Kontext von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und Global Citizenship Education (GCE) eine wichtige Rolle. Transformative Bildungsprozesse sollen Menschen dazu ermutigen, Verantwortung für globale Herausforderungen wie Klimawandel, soziale Ungleichheit oder Ressourcenverbrauch zu übernehmen und zukunftsfähige Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Dabei wird auch das Lehren nicht als reine Wissensvermittlung verstanden, sondern als gemeinsamer, dialogischer Prozess, der kritisches Denken, Perspektivwechsel, Empathie und Partizipation fördert. Ziel ist es, individuelles Lernen mit gesellschaftlichem Wandel zu verbinden.