Kleingewässer wie z.B. Teiche tragen zusammengenommen sehr stark zur Biodiversität von Landschaften bei, da sie – je nach Alte, Größe und Zustand – sehr unterschiedliche Lebensgemeinschaften beherbergen können. Teiche unterliegen normalerweise einer recht schnellen Sukzession ihrer Vegetation, verändern also ihren Zustand von offenen zu stark bewachsenen Wasserflächen innerhalb weniger Jahre, insbesondere, wenn eine deutliche Eutrophierung der Landschaft stattfindet.
Die Libellen-Lebensgemeinschaften von Teichen ändern sich mit der Sukzession. Einige Arten bevorzugen offenen Teiche andere eher solche mit dichterer, artenreicher Vegetation und wenige finden sich in stark bewachsenen Gewässern. Es ist lange bekannt, dass es von Vorteil ist, in einem Teichgebiet möglichst viele Sukzessionsstadien gleichzeitig nebeneinander zu haben, um einen hohen Artenreichtum an Libellen und andere Organismen zu erzielen (Wildermuth & Schiess 1983. Odonatologica, 12, 345–366). Allerdings sind die nötigen Management-Maßnahmen (z.B. regelmäßige Räumungen) dafür arbeits- und kostenaufwändig.
Wir untersuchen seit einigen Jahren ob Beweidung durch große Pflanzenfresser ähnlich positive Effekte auf die Libellen-Lebensgemeinschaften einer Teichlandschaft hat. Die Landschaft wurde 2023 und 2024 durch Wasserbüffel beweidet, 2025 und 2026 durch Schottische Hochlandrinder. Zusätzlich wurden weitere Teiche neu angelegt. Wir erfassen an allen Teichen die Libellenlarven, um die Zusammensetzung der autochthonen Lebensgemeinschaft über die Zeit bestimmen zu können. Wir haben zudem eine Datenbank zur Verfügung, die die Veränderung der Libellenfauna (basierend v.a. auf Daten zu Imagines) bis in die 1990er Jahre zurück beschreibt. Erste Ergebnisse nach vier Jahren Beobachtung implizieren, dass die Büffel in geringer Dichte (ca. 1 GVE/ha) durch ihre intensive Nutzung der Teiche (Fressen der Wasserpflanzen, Suhlen) recht viele Sukzessions-Stadien nebeneinander generieren. Die Hochlandrinder scheinen weniger effektiv. Die Untersuchungen sollen weiter fortgesetzt werden, ab 2027 wieder mit Wasserbüffeln.