Wie klingt eine gesunde Stadt?
Städte sind laut, doch nicht alle Geräusche sind Lärm. Vogelgesang, rauschende Blätter oder plätscherndes Wasser empfinden viele Menschen als angenehm und erholsam. Solche Klänge kommen in der Stadtplanung bisher kaum vor. Das Projekt CitySoundscapes untersucht, wie Stadtstruktur, Grünflächen und biologische Vielfalt die Klanglandschaft einer Stadt prägen und wie diese Klänge mit der Gesundheit der Menschen zusammenhängen. Ziel ist es, Grünflächen so zu gestalten, dass sie zugleich der Artenvielfalt und dem Wohlbefinden dienen.
Geforscht wird in München, in drei Stadtvierteln mit sehr unterschiedlicher Bebauung: der Au, Harlaching und Neuperlach. Das Projekt wird von Monika Egerer (TU München) koordiniert und verbindet Ökologie, Akustik, Gesundheitswissenschaften, Stadtplanung und Kunst. Beteiligt sind mehrere Lehrstühle der TU München, die LMU München und die TU Berlin. Hinzu kommen die Landeshauptstadt München als Praxispartnerin, der BUND Naturschutz und Green City e. V. Bürgerinnen und Bürger sind über Hörspaziergänge, öffentliche Hörsalons und eigene Tonaufnahmen beteiligt.
Unser Teilprojekt: Was braucht ein Vogel in der Stadt?
Manche Vögel kommen in der Stadt gut zurecht, andere fehlen fast vollständig. Doch was genau macht eine Grünfläche zu einem geeigneten Lebensraum? Reicht es, dass es grün ist, oder kommt es darauf an, wie dicht, wie hoch und wie vielfältig die Vegetation aufgebaut ist? Und welche Rolle spielt die Umgebung, also wie stark ein Viertel bebaut und versiegelt ist?
Um diese Fragen zu beantworten, messen wir in jedem der drei Stadtviertel an 25 Punkten, insgesamt also an 75. Die Punkte sind so ausgewählt, dass sie zwei Unterschiede abdecken: wie viel Vegetation es insgesamt gibt (wie grün?) und wie sie aufgebaut ist (welches Grün?). An jedem Punkt verbinden wir zwei moderne Methoden. Mit Laserscannern (LiDAR) vermessen wir die Vegetation, vom Rasen über Sträucher bis zu den Baumkronen. Gleichzeitig zeichnen Audiorekorder die Geräusche auf. Aus diesen Aufnahmen filtert eine künstliche Intelligenz, das Programm BirdNET, die Vogelstimmen heraus und bestimmt die Arten. So lässt sich an vielen Orten gleichzeitig und über lange Zeiträume erfassen, welche Vögel wo vorkommen, ohne dass jemand vor Ort sein muss.
Beide Datensätze werten wir gemeinsam stadtökologisch aus: Welche Strukturen in den Grünflächen und welche Eigenschaften der Umgebung gehen mit mehr Vogelarten einher? Die Ergebnisse fließen in die übrigen Teile des Projekts ein, etwa in die Frage, welche Klänge Menschen als erholsam empfinden, und in Empfehlungen für die Gestaltung von Stadtgrün.
Eckdaten
Leitung des Teilprojekts: Sebastian T. Meyer gemeinsam mit Peter Annighöfer (TU München) · Doktorandin: Rachel Schiebel (TU München) · Koordination des Gesamtprojekts: Monika Egerer (TU München) · Förderung: BMFTR – Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) · Laufzeit: 2024–2027 · Mehr: Projektseite CitySoundscapes