Grüntuch-Ernst erhält den Deutschen Nachhaltigkeitspreis

[Arch Aktuelles]

Prof. Almut Grüntuch-Ernst nahm den Preis für das gemeinsam mit Armand Grüntuch geführte Büro Grüntuch Ernst Architekten in Düsseldorf entgegen. Wir gratulieren herzlich!

Düsseldorf, 02.12.2022 – In Anwesenheit von Bundeskanzler Olaf Scholz wurde am Freitag der 15. Deutsche Nachhaltigkeitspreis in Düsseldorf übergeben. Vorreiter der Transformation aus verschiedenen Branchen und Sektoren wurden für wirksame Konzepte gegen Klimawandel, Ressourcenverschwendung und gesellschaftliche Spaltung ausgezeichnet. Fürst Albert II. von Monaco, die französische Sängerin Zaz und Musiker Michael Patrick Kelly nahmen Ehrenpreise für ihr soziales und ökologisches Engagement entgegen. Neben dem Bundeskanzler, der den Abend mit einer Rede eröffnete, zählten die Bundestagspräsidentin und diesjährige Schirmfrau Bärbel Bas, Bundesratspräsident Dr. Peter Tschentscher und Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze zu den politischen Bühnengästen.

Der Architekturpreis für die nachhaltigsten Bauprojekte

Zum zehnten Mal wurde am Freitagnachmittag im Rahmen des 15. Deutschen Nachhaltigkeitstages der Deutsche Nachhaltigkeitspreis Architektur verliehen. Sieger ist in diesem Jahr das Hotel WILMINA in Berlin, ein Bauprojekt der Grüntuch Ernst Architekten. Die Transformation des ehemaligen Frauengefängnisses überzeugte die Jury als gelungenes Beispiel für die Nachverdichtung im Gebäudebestand mit minimalem C02-Fußabdruck und bei gleichzeitiger Entsiegelung und Renaturierung von Flächen. Der Preis wird gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V. und mit Unterstützung durch die Bundesarchitektenkammer, den Bund Deutscher Architekten und die Bundesstiftung Baukultur sowie CAPAROL vergeben.

Aus der Begründung der Jury des Deutschen Nachhaltigkeitspreises:

"Das Hotel Wilmina befindet sich in einem ehemaligen Frauengefängnis in Berlin. Grüntuch Ernst Architekten haben das Projekt selber initiiert und sich dem schwierigen Erbe des Baudenkmals angenommen. Durch das konsequente Hinzufügen einer neuen Zeitschicht ist es gelungen, mit nur wenigen baulichen Eingriffen und maximalem Substanzerhalt einen ehemals beklemmenden Ort der Justiz in einen innerstädtischen Ruheraum zu transformieren. Das Gebäude ist ein hervorragendes Beispiel für die Nachverdichtung im Gebäudebestand mit minimalem C02-Fußabdruck bei gleichzeitiger Entsiegelung und Renaturierung von Flächen. Der Gebäudekomplex wurde 1896 als Strafgericht mit Gefängnis von den Architekten Adolf Brückner und Eduard Fürstenau errichtet. (...)

Partieller Rückbau von Zwischenebenen und Zwischenwänden, hell geschlämmtes Mauerwerk und die unterseitige Vergrößerung der Fenster schaffen unter Berücksichtigung der Anforderungen des Denkmalschutzes eine behagliche Atmosphäre. Überall im Haus sind die Zeitschichten präsent, ohne dabei aufgesetzt museal oder dekorativ zu wirken. Ein Treppenhaus und original erhaltene Zellen erinnern an die Geschichte des Hauses. Die Aufstockung wurde thermisch hoch gedämmt ausgeführt, unter Einsatz von nachhaltigen natürlichen Materialien wie Massivholz und Metall und mit Verzicht auf Verbundbaustoffe. Durch die behutsame Konversion der denkmalgeschützten Struktur wurden CO2-Emissionen, Bauschutt und der Aufwand für An- und Abtransport im Vergleich zu einem möglichen Neubau signifikant reduziert. Im Gebäude abgebrochenes Material wie Ziegel oder Treppenstufen wurden vor Ort wiederverwendet. Die thermisch wirksame Masse der bestehenden Bausubstanz führt zu einer passiven Regulierung der klimatischen Bedingungen und zu einem robusten Verhalten, so dass die Anforderungen an die technische Gebäudeausrüstung auf ein Minimum reduziert und ein konsequenter Low-Tech-Ansatz verfolgt wurde."

Mehr über den

Deutschen Nachhaltigkeitspreis

und die komplette

Jurybegründung

finden sie in den Links.

Abbildung: Prof. Almut Grüntuch-Ernst und Giordian Grüntuch, Vertreter des Hotel Wilmina (Foto: Christian Köster, Deutscher Nachhaltigkeitspreis)