TU BRAUNSCHWEIG

Evolutionsbiologie

Biodiversität - die Vielfalt der Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen - ist trotz ihrer enormen Bedeutung nur zu einem Bruchteil erfasst und verstanden. Fraglos bleibt daher die Erforschung der Artenvielfalt eine der größten Herausforderungen der Biologie: Welche Prozesse führen dazu, dass Arten entstehen? Wieso haben bestimmte Stammlinien eine höhere Artenvielfalt sowie ökologische und morphologische Vielfalt hervorgebracht als andere? Welche biogeographischen Mechanismen können die Muster der globalen Verbreitung von Arten erklären? Und nicht zuletzt: Wie viele Arten gibt es überhaupt auf der Erde? Selbst bei Tieren ist die Artenzahl ungewiss - Schätzungen sprechen von 5, 10, oder gar 100 Millionen. Die Suche nach Antworten auf diese Fragen steht für die Abteilung "Evolutionsbiologie" des Zoologischen Institutes im Mittelpunkt der Forschungsarbeit. Der methodische Schwerpunkt liegt auf molekulargenetischen Verfahren wie beispielsweise DNA-Sequenzierung von Genen, oder ganzen Genomen und Transkriptomen, zur Rekonstruktion von Phylogenien und Fragmentanalyse zur Ermittlung von Populationsdifferenzierung. Ergänzt werden diese Laborarbeiten durch Freilandforschung in Diversitäts-Hotspots wie Madagaskar oder auf Inselgruppen wie Galapagos. Dabei stellen Amphibien die bevorzugte Modellgruppe dar, um diese grundlegenden Muster und Prozesse der Evolution zu untersuchen.

In diesem Rahmen bearbeiten die zwei Arbeitsgruppen in der Abteilung Evolutionsbiologie, AG Vences und AG Steinfartz, unterschiedliche Modellorganismen, Modellregionen und Fragestellungen.

Die AG Vences betrachtet vorwiegend Muster (molekularphylogenetische und phylogenomische Stammbäume, biogeographische Verbreitungen und Modellierungen, gemeinsam vorkommende Communities z. B. von Amphibien oder von Bakterien auf der Haut von Amphibien, Vorkommen von Pheromonen und Hautgiften). Aus diesen Mustern lassen sich z.B. morphologische Schlüsselmerkmale in der Evolution oder geographische und intrinsische Einflüsse auf Artbildung und Diversifizierung erkennen. Viele der Forschungen fanden auf Madagaskar statt, wo in Zusammenarbeit mit Dr. Frank Glaw (Zoologische Staatssammlung München) mittlerweile über 120 neue Amphibienarten beschrieben werden konnten. Neuere Untersuchungen befasen sich mt den Amphibien-assoziierten Mikrobengemeinschaften, mit Schwerpunkt auf europäischen, madagassischen und brasilianischen Arten.

Weitere Informationen und ein vollständiges Publikationsverzeichnis von Prof. Dr. Miguel Vences (inkl. PDF-Dateien zum download) befinden sich auf: www.mvences.de

Die AG Steinfartz beschäftigt sich im Detail mit den Prozessen, die bei der Differenzierung von Populationen hin zur Entstehung neuer Arten ablaufen. Hierzu werden unterschiedliche Techniken der molekularen Ökologie wie beispielsweise Microarrays und RADSeq sowie klassische Ansätze wie Analyse von Mikrosatelliten und mitochondriale DNA Sequenzen angewendet.  Zu den Modellgruppen zählen Feuersalamander in Mitteleuropa und Israel, sowie Meerechsen von Galapagos. Ein Schwerpunkt liegt auch in der Naturschutzgenetik, also der Anwendung molekularer Methoden für einen besseren Schutz von Populationen, Arten und Habitaten.


  aktualisiert am 30.01.2018
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