KI-Einsatz im deutschen Justizsystem – Ergebnisse einer empirischen Untersuchung

KI wird im deutschen Justizsystem bereits genutzt. Die bundesweite Untersuchung des TITAN-Forschungsteams zeigt, bei welchen Aufgaben Beschäftigte einen Einsatz für sinnvoll halten und welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit KI in der Justiz akzeptabel eingesetzt werden kann.

Ein Drittel der 1.541 Befragten nutzt KI bereits im Arbeitsalltag, vor allem für Informationssuche, Textbearbeitung und Übersetzung. Besonders bei der Analyse und Aufbereitung von Informationen sehen die Teilnehmenden weiteres Potenzial. Die große Mehrheit der Nutzenden berichtet von einer Zeitersparnis.

Die Akzeptanz hängt jedoch von der jeweiligen Aufgabe ab. KI wird vor allem dort befürwortet, wo sie recherchiert, strukturiert oder formuliert. Je stärker ein System eine gerichtliche Entscheidung vorbereitet oder selbst ausführt, desto größer ist die Zurückhaltung. Die Letztentscheidung und die Verantwortung sollen beim Menschen verbleiben.

Ein akzeptabler Einsatz setzt deshalb mehr voraus als verfügbare Software. Er verlangt eine geeignete technische Infrastruktur, klare Zuständigkeiten, verlässliche Vorgaben und Beschäftigte, die Ausgaben der Systeme prüfen und korrigieren können. Die Studie zeigt damit, dass KI in der Justiz vor allem als unterstützendes Werkzeug Zustimmung findet. Entscheidend bleibt, dass ihr Einsatz nachvollziehbar ist und menschliche Entscheidungshoheit erhält.

Die Studienergebnisse sind in der Zeitschrift Multimedia und Recht erschienen (MMR 2026, 619 ff.).