Psychologie am Abend ist eine gemeinsame Vortragsreihe der Abteilungen Klinische Psychologie, Psychotherapie und Diagnostik und Entwicklungs-, Persönlichkeits- und Forensische Psychologie.
Wenn Sie in den Mail-Verteiler für die Vortragsreihe Psychologie am Abend aufgenommen werden möchten, senden Sie bitte eine E-Mail an Dr. Gabriele Krause.
Möchten Sie für Ihre Teilnahme eine Teilnahmebescheinigung oder Fortbildungspunkte erhalten, melden Sie sich bitte per E-Mail an bei PD Dr. Anja Grocholewski.
Bitte beachten Sie dazu:
Für Mitglieder der Psychotherapeutenkammer Niedersachen ist eine online Erfassung der Fortbildungspunkte möglich. In diesem Fall nennen Sie bitte bei der Anmeldung zusätzlich Ihre EFN. Eine Erfassung bei anderen Psychotherapeutenkammern und jeglichen Ärztekammern ist unsererseits nicht möglich!
Wichtig!
Sollten Sie eine Teilnahmebescheinigung und/ oder Fortbildungspunkte benötigen, loggen Sie sich bitte zum Vortrag mit vollständigem Vor- und Familiennamen und ohne akademischen Titel ein. Wir können ansonsten Ihre Anmeldung mit den Teilnahmelisten nicht abgleichen.
Dr. Heinz-Wilhelm Gößling
Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Psychotherapeut in eigener hypnotherapeutischer Praxis, leitet zusammen mit Frau Dr. Scarpinato-Hirt das Milton Erickson Institut Göttingen-Hannover für Klinische Hypnose.
Wann: 16.04.2026, 17:00 - 18:30 Uhr
Wo: tu-braunschweig.webex.com/meet/nils.christensen
Abstract:
Hypnose nutzt neben den generellen Wirkfaktoren von Psychotherapie einen spezifisch veränderten Bewusstseinszustand - die hypnotische Trance -, in der therapeutischen Arbeit. Tranceerleben hat viele Ähnlichkeiten mit dem träumerisch-bildhaften Erleben im Schlaf, vor allem während der Einschlafphase. Zudem vollzieht sich im Zustand der Hypnose ein spontanes, unwillkürliches Geschehen. In Trance zu gehen, bedeutet für Patienten und Patientinnen, dass sie Kontrolle abgeben können und genau dadurch unwillkürliches Geschehen ermöglichen, so wie ja auch das Einschlafen auf ein unwillkürliches Geschehen beruht.
Im Vortrag vorgestellt wird ein hypnotherapeutisches Gesamtkonzept zur Behandlung von Schlafstörungen. Dieses besteht aus insgesamt sieben Behandlungsmodulen:
- Selbsthypnose als mentale (Wieder-)einschlafhilfe.
- Einflechten schlafspezifischer therapeutischer Geschichten und Metaphern.
- Inhaltliche Arbeit mit Grübelgedanken.
- Vermittlung von schlafmedizinischem und chronobiologischem Wissen.
- Tieftrance zur Förderung von Akzeptanz, Gelassenheit und Zuversicht.
- Hypnoimaginative Anbahnung schlaffreundlicher Alltagsgestaltung.
- Visualisierung des Wieder schlafen Könnens mit Hilfe der Mondmetapher.
Es werden die praktischen Vorgehensweisen bei diesen Behandlungsmodulen kurz skizziert und in ihrer Methodik näher erläutert.
Abschließend wird dargelegt, wie drei dieser hier vorgestellten Behandlungsmodule eingeflossen sind in ein evidenzbasiertes Manual zur Hypnotherapie bei Depressionen. Schlafstörungen sind bekanntermaßen ein zentrales Schlüsselsymptom in der Entstehung, Aufrechterhaltung und der Rückfallgefährdung depressiver Erkrankungen.
Gößling, H.-W. (2023). Hypnose für Aufgeweckte. Hypnotherapie bei Schlafstörungen. Heidelberg: Carl-Auer Verlag Heidelberg.
Gößling, H.-W. (2021). Besser schlafen mit Selbsthypnose. Das Fünf-Wochen-Programm für Aufgeweckte. Carl-Auer Verlag Heidelberg.
Gößling, H.-W. (2017). Schlafstörungen als Schlüsselsymptom depressiver Erkrankungen. Schlafspezifische Interventionsstrategien der Hypnotherapie bei Depressionen. Hypnose-ZHH, 12, S. 29-50.
Co-Autor: Hypnotherapie bei Depressionen. Ein evidenzbasiertes Manual für die psychotherapeutische Arbeit. Hrsg. C. Wilhelm-Gößling, C. Schweizer, C. Dürr, K. Fuhr, D. Revenstorf. Kohlhammer Verlag Stuttgart, 2. überarbeitete Auflage 2025.
Dr. Nora Laskowski
M.Sc. Public Health, Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Medizin Campus OWL, Ruhr-Universität Bochum
Wann: 02.07.2026, 17:00 - 18:30 Uhr
Wo: tu-braunschweig.webex.com/meet/nils.christensen
Abstract:
Mit dem rasanten Wachstum des Online-Handels verändern sich Kaufgewohnheiten tiefgreifend – und mit ihnen auch das Erscheinungsbild der Kauf-Shopping-Störung (Compulsive Buying-Shopping Disorder, CBSD). Die Störung ist durch eine ausgeprägte gedankliche Vereinnahmung, einen als unwiderstehlich erlebten Kaufdruck und einen deutlichen Kontrollverlust gekennzeichnet, der in impulsiven, zwecklosen oder übermäßigen Kaufhandlungen mündet. Trotz fehlender offizieller Diagnose findet sich seit Jahrzehnten ein erhebliches Ausmaß an individuellem Leidensdruck sowie vielfältigen sozialen, finanziellen und juristischen Belastungen.
Parallel zu dieser Entwicklung ist in den vergangenen Jahren ein deutlich gestiegenes wissenschaftliches, klinisches und gesellschaftliches Interesse zu beobachten. Dies spiegelt sich in wesentlichen Fortschritten der Klassifikation und Versorgung wider: So wird CBSD im ICD-11 inzwischen als Beispiel einer „anderen spezifizierten Impulskontrollstörung“ aufgeführt, während eine wachsende Zahl von Expertinnen und Experten die Störung konzeptuell im Bereich der Verhaltenssüchte verortet.
Auch empirisch hat sich der Forschungsstand erheblich weiterentwickelt. Eine aktuelle Meta-Analyse zur Prävalenz von CBSD über verschiedene Kultur- und Bevölkerungsgruppen hinweg räumt mit verbreiteten Unklarheiten zu Alters- und Geschlechtsunterschieden auf und zeigt zugleich, dass insbesondere junge Menschen eine besonders vulnerable Risikogruppe darstellen. Digitale Konsumumgebungen (von Online-Shops bis hin zu sozialen Medien) sind rund um die Uhr verfügbar und verstärken Kaufimpulse durch algorithmisch gesteuerte Anreize erheblich.
Im Versorgungsbereich markiert die neue AWMF-S1-Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung von Internetnutzungsstörungen einen wichtigen Meilenstein. Sie berücksichtigt erstmals explizit Online-spezifische Ausprägungen von CBSD und bietet konkrete Handlungsempfehlungen für Diagnostik und Therapie. Zugleich eröffnet die aktuelle Forschung neue Perspektiven, etwa hinsichtlich deliktischer Verhaltensweisen im Kontext von CBSD und der psychologischen Mechanismen, die diesen zugrunde liegen.
Der Vortrag gibt einen kompakten Überblick über aktuelle Entwicklungen in Prävalenzforschung, Klassifikation und Versorgung sowie über neu aufkommende Forschungsfragen und zeigt, welche klinischen und wissenschaftlichen Herausforderungen – aber auch Chancen – sich daraus für die zukünftige Arbeit mit Betroffenen ergeben.
Dr. Sarah Engelmann
MA Psychologie, International Psychoanalytic University Berlin
Wann: 17.09.2026, 17:00 - 18:30 Uhr
Wo: tu-braunschweig.webex.com/meet/nils.christensen
Abstract:
Unsere Kommunikation basiert auf dem Versuch sich auf Bedeutungen zu einigen. Symbole, Metaphern, Sprachbilder bilden dabei ein Medium, das einen assoziativ freien und zugleich strukturell begrenzten Interpretations- bzw. Deutungsraum ermöglicht. In psychotherapeutischer Arbeit kann an diesen Stellen ein tieferes Verstehen psychischer Zusammenhänge entstehen. Anhand von literarischen Beispielen (z.B. Kafka, Sebald, Perkins-Gilman,...) soll diese Form der Kommunikation vorgestellt und diskutiert werden. Hierbei fließen auch kommunikationspsychologische und linguistische Aspekte ein. Die Anwendung in tiefenpsychologischer und analytischer Arbeit soll beispielhaft vermittelt werden.
Prof. Dr. Scott Gissendanner
Qualitätsmanager und Rehabilitationsforscher, Berolina Klinik, Löhne und apl. Prof. an der Georg-August-Universität Göttingen
Dipl.-Psych. Heiko Stark
Psychologischer Psychotherapeut, Burghof-Klinik, Rinteln
Wann: 19.11.2026 , 17:00 - 18:30 Uhr
Wo: tu-braunschweig.webex.com/meet/nils.christensen
Abstract:
Weil eine gute Situation im Arbeitsleben vor psychischer Überbelastung schützt und die Rückkehr zu stabilen Lebensverhältnissen nach einer psychosomatischen oder psychiatrischen Erkrankung erleichtert, wird das Thematisieren beruflicher Problemlagen in der Psychotherapie sowohl für die medizinische Rehabilitation als auch für die Akutpsychiatrie empfohlen. So werden aber PsychotherapeutInnen in diesen Behandlungssettings vor neue Herausforderungen gestellt: Sie müssen neben den bekannten psychologischen Problemlagen auch soziale und berufliche Problemlagen erkennen und gemeinsam mit unterschiedlich motivierten PatientInnen individuelle Lösungsansätze entwickeln. Die Erkennung typischer Problemlagen in Kombination mit Screening-Instrumenten kann hierbei hilfreich sein. Zu den typischen beruflichen und psychosozialen Problemkonstellationen in diesen Versorgungssituationen gehören psychisch bedingte Erschöpfung, Arbeitsplatzangst nach langer Arbeitsunfähigkeit, chronische Anpassungsschwierigkeiten an strukturelle Veränderungen sowie Coping-Problemen bei chronischer Erkrankung.
Die Referenten beschreiben unterschiedliche Methoden zur Erfassung beruflicher Problemkonstellationen aus der Praxis. Herr Gissendanner berichtet aus der beruflich orientierten psychosomatischen medizinischen Rehabilitation mit einem Fokus auf basalen Screening-Verfahren für Gruppentherapien, Herr Stark aus der Akutpsychiatrie mit einem Fokus auf ambulanter Gruppentherapie für ArbeitsrückkehrerInnen. Ziel ihrer Zusammenarbeit ist die Identifikation musterhafter Behandlungsstrategien für typische Problemkonstellationen. Dabei wird unter anderem berücksichtigt, wie bislang funktionale Glaubenssätze und Lebensentwürfe durch neue berufliche Anforderungen infrage gestellt werden und wie die erlebte Sinnhaftigkeit des beruflichen Lebens verloren geht.