TU BRAUNSCHWEIG

Entwurf eines Profils der Allgemeinen Pädagogik am Institut für Erziehungswissenschaft

 

Die Allgemeine Pädagogik an der Technischen Universität Braunschweig verfolgt zwei zentrale Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Zum einen realisiert sie deutlich den Umbau von der Historischen Pädagogik hin zu einer Historischen Bildungsforschung, die in Lehre und Forschung sich mit der soziokulturellen und ideengeschichtlichen Entwicklung seit der Aufklärung befasst. Hier stehen neben schulgeschichtlichen Untersuchungen Fragstellungen der Historischen Sozialisations-, Jugend- und Familienforschung im Vordergrund. Ergänzt werden diese Perspektiven durch die Akzentsetzung einer Historischen Wissenschaftsforschung, die sich mit der disziplinären Entwicklung der Erziehungswissenschaft und dem Konzept der „Lokalen Wissenschaftskulturen“ befasst. Im Rahmen der historischen Arbeit bezeichnet das seit 2007 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützte Projekt zur Aufarbeitung des umfangreichen Nachlasses des Doyens der Historischen Bildungsforschung, Friedrich Paulsen, einen Forschungsansatz, in dem Netzwerkanalyse und die neuere Transformation der „intellectual history“ in die Auswertung einbezogen werden. In diesem Kontext besteht die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Unterstützung von Arbeiten, die sich mit den Fragen der Wissenschafts- und Gelehrtenkultur beschäftigen. Bildungsgeschichtlich wird auch an der Relativierung „klassischer“ Überzeugungen der Reformpädagogik gearbeitet: Etwa indem vor dem Hintergrund lebensphilosophischer Strömungen um 1900 Bewegungen wie die „Ethische Kultur“, der „Monismus“ oder der „Darwinismus“ in ihren (überraschenden) Implikationen für (lebens-)reformpädagogisches Denken durchleuchtet werden. Überdies betreut die Allgemeine Pädagogik das „Eduard Spranger Archiv“, in dessen Bestand sich alle Schriften Sprangers, zahlreiche Briefwechsel und eine beachtliche Menge von Sekundärliteratur befinden.

Zum anderen dokumentieren sich im Feld der Systematischen Pädagogik die Schwerpunkte der Arbeit nicht zuletzt über die Qualifizierungsprojekte der Wissenschaftlichen Mitarbeiter. Hier gibt es neben Fokussierungen auf eine kritische Analyse der Ritualisierungen bzw. Gewohnheitsbildungen in pädagogischen Kontexten, die sich im Themenfeld der Pädagogischen Anthropologie bewegen,  auch Arbeiten zur Internationalen und Vergleichenden Erziehungswissenschaft, die sich etwa mit der Bedeutung von Nationalstaatsbildungen für die Entstehung und Entwicklung kultureller Identitäten befassen. Weiterhin wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Förderung von Eliteuniversitäten und Elitestudiengängen auch geschlechtsspezifische Konsequenzen zeitigen. Daneben ist die Arbeit an systematischen Problemen der Erziehungswissenschaft aber auch durch gleichsam ganz traditionelle Fragen, Gegenstandsbereiche und Ansätze gekennzeichnet. So werden etwa im Rahmen der Erstellung eines „Nietzsche-Lexikons“ die Linien einer pädagogischen Rezeption des „Philosophen mit dem Hammer“ rekonstruiert und es gehört zu den weiteren Schwerpunkten in der systematischen Arbeit auch die umfassende (nicht nur pädagogische) Rekonstruktion einer möglichen zeitgemäßen Transformation des Pragmatismus als Grundlegung erziehungswissenschaftlicher Theoriebildung.

 


  last changed 14.04.2015
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