Die Integration von Nachhaltigkeit in die Lehre hängt wesentlich von geeigneten didaktischen Ansätzen und Methoden ab. Sie bestimmen, wie Inhalte vermittelt, reflektiert und in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang eingeordnet werden können. Besonders im Kontext von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) geht es dabei nicht nur um Wissensvermittlung, sondern auch um die Förderung von kritischem Denken, Perspektivwechsel und aktiver Mitgestaltung.
Methoden und Didaktik schaffen damit die Grundlage, um Nachhaltigkeitsthemen erfahrbar zu machen und Lernprozesse zu gestalten, die über reines Faktenwissen hinausgehen. Sie ermöglichen es, komplexe Zusammenhänge verständlich aufzubereiten und Studierende dazu anzuregen, eigene Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Die passende Methode finden
Welche Methode geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab: dem Lernziel, dem Thema, der verfügbaren Zeit, der Gruppengröße und dem jeweiligen Lehrformat. Die folgende Übersicht bietet eine Auswahl an Methoden, die sich für unterschiedliche Phasen und Ziele einer Lehrveranstaltung eignen.
Nutze die Übersicht als Inspiration und passe die Methoden an deine Lehrveranstaltung und die Bedürfnisse deiner Studierenden an. Viele Methoden lassen sich miteinander kombinieren oder in Umfang und Ablauf flexibel anpassen.
| Ziel | Geeignete Methode |
|---|---|
| Einstieg | Think-Pair-Share, Mentimeter, World Café |
| Diskussion Perspektivwechsel | Fishbowl, Rollenspiel, Dilemma |
| Kooperation & Partizipation | World Café, Gruppenpuzzle, Peer Instruction, Projektarbeit |
| Zukunft & Gestalten | Zukunftswerkstatt, Szenario Methode, Backcasting, Design Thinking |
| Systemisches Denken | Systems Mapping, Concept Map, Fallstudie |
| Reflexion | Lerntagebuch, One Minute Paper |
Kurzbeschreibung
Think–Pair–Share ist eine kooperative Lernmethode, bei der Studierende zunächst individuell über eine Fragestellung nachdenken (Think), sich anschließend mit einer Partnerin oder einem Partner austauschen (Pair) und ihre Ergebnisse schließlich mit der gesamten Gruppe teilen (Share). Die Methode aktiviert alle Teilnehmenden und fördert einen strukturierten Austausch.
Warum eignet sich die Methode für BNE?
Nachhaltigkeitsherausforderungen sind komplex und erfordern den Austausch unterschiedlicher Perspektiven. Think–Pair–Share bietet einen niedrigschwelligen Einstieg in Diskussionen und ermöglicht es Studierenden, eigene Ideen zu entwickeln, bevor sie diese gemeinsam reflektieren und weiterentwickeln.
Geförderte Kompetenzen
Geeignet für
Gruppengröße
Beliebig
Zeitaufwand
5–20 Minuten
Ablauf
Mögliche Leitfragen
Praxisbeispiel
Zu Beginn einer Veranstaltung zur Kreislaufwirtschaft überlegen Studierende zunächst einzeln, welche Herausforderungen sie mit dem Begriff verbinden. Anschließend diskutieren sie ihre Gedanken zu zweit und sammeln gemeinsam zentrale Aspekte im Plenum.
Kurzbeschreibung
Das Blitzlicht ist eine kurze Gesprächsrunde, in der alle Teilnehmenden nacheinander ihre Gedanken, Eindrücke oder Einschätzungen zu einer konkreten Fragestellung äußern. Ziel ist keine Diskussion, sondern das Sichtbarmachen unterschiedlicher Perspektiven.
Warum eignet sich die Methode für BNE?
Nachhaltige Entwicklung lebt vom Austausch verschiedener Sichtweisen. Das Blitzlicht ermöglicht es allen Studierenden, ihre Perspektive einzubringen, und schafft Raum für Vielfalt, ohne einzelne Positionen unmittelbar zu bewerten.
Geförderte Kompetenzen
Geeignet für
Gruppengröße
Bis etwa 30 Personen (bei größeren Gruppen können Kleingruppen gebildet werden.)
Zeitaufwand
5–15 Minuten
Ablauf
Mögliche Leitfragen
Praxisbeispiel
Nach einer Diskussion über Klimagerechtigkeit formulieren alle Studierenden in einem Satz, welche Erkenntnis sie besonders überrascht hat.
Kurzbeschreibung
Mentimeter ist ein webbasiertes Abstimmungs- und Interaktionstool, mit dem Studierende über ihre mobilen Endgeräte anonym Fragen beantworten können. Die Ergebnisse werden in Echtzeit visualisiert und können unmittelbar in die Lehrveranstaltung eingebunden werden.
Warum eignet sich die Methode für BNE?
Mentimeter ermöglicht eine niedrigschwellige Beteiligung aller Studierenden und macht unterschiedliche Meinungen, Erfahrungen oder Wissensstände sichtbar. Gerade bei kontroversen Nachhaltigkeitsthemen kann dies den Einstieg in Diskussionen erleichtern und verschiedene Perspektiven sichtbar machen.
Geförderte Kompetenzen
Geeignet für
Gruppengröße
Beliebig
Zeitaufwand
5–15 Minuten
Ablauf
Mögliche Einsatzmöglichkeiten
Praxisbeispiel
Zu Beginn einer Veranstaltung beantworten Studierende anonym die Frage: "Welches Nachhaltigkeitsziel (SDG) wird Ihrer Meinung nach in Ihrem Fachgebiet am stärksten beeinflusst?" Die Ergebnisse dienen als Ausgangspunkt für eine Diskussion über unterschiedliche Perspektiven und fachliche Anknüpfungspunkte.
Kurzbeschreibung
Fishbowl ist eine Diskussionsmethode, bei der eine kleine Gruppe im Innenkreis diskutiert, während die übrigen Studierenden die Diskussion zunächst aus einem Außenkreis verfolgen. Durch einen freien Platz im Innenkreis können sich die Beobachtenden jederzeit an der Diskussion beteiligen. Die Methode ermöglicht eine strukturierte Diskussion und macht unterschiedliche Argumente und Perspektiven sichtbar.
Warum eignet sich die Methode für BNE?
Nachhaltigkeitsthemen sind häufig durch unterschiedliche Interessen, Werte und Zielkonflikte geprägt. Die Fishbowl-Methode schafft Raum, verschiedene Positionen zu einem Thema einzunehmen, Argumente auszutauschen und diese kritisch zu reflektieren. Gleichzeitig ermöglicht sie es, auch komplexe oder kontroverse Fragestellungen gemeinsam zu bearbeiten.
Geförderte Kompetenzen
Kritisches Denken
Perspektivwechsel
Kommunikationsfähigkeit
Argumentationsfähigkeit
Reflexionsfähigkeit
Geeignet für
Vorlesungen
Seminare
Übungen
Projektveranstaltungen
Gruppengröße
10–30 aktive Teilnehmende; auch für größere Gruppen geeignet
Zeitaufwand
20–60 Minuten
Ablauf
Die Lehrperson stellt eine Fragestellung oder ein kontroverses Thema vor.
Eine kleine Gruppe nimmt im Innenkreis Platz und beginnt die Diskussion.
Die übrigen Studierenden beobachten die Diskussion aus dem Außenkreis.
Wer sich beteiligen möchte, nimmt einen freien Platz im Innenkreis ein und bringt die eigene Perspektive ein.
Zum Abschluss werden die Diskussion und zentrale Erkenntnisse gemeinsam reflektiert.
Mögliche Leitfragen
Welche unterschiedlichen Interessen treffen bei dieser Fragestellung aufeinander?
Welche Argumente sprechen für oder gegen die jeweiligen Positionen?
Welche Zielkonflikte werden sichtbar?
Welche Perspektiven wurden in der Diskussion besonders deutlich?
Praxisbeispiel
Im Rahmen einer Veranstaltung zur nachhaltigen Stadtentwicklung diskutieren Studierende die Frage, wie der Autoverkehr in Innenstädten reduziert werden kann. Im Innenkreis vertreten sie unterschiedliche Perspektiven, beispielsweise von Anwohnerinnen, Pendlerinnen, Einzelhandel, Stadtplanung und Umweltverbänden. Die übrigen Studierenden beobachten die Diskussion und können sich jederzeit beteiligen. Anschließend werden die unterschiedlichen Interessen und möglichen Zielkonflikte gemeinsam reflektiert.
Kurzbeschreibung
Die Methode des Perspektivwechsels ermöglicht es Studierenden, eine Fragestellung bewusst aus unterschiedlichen Sichtweisen zu betrachten. Dabei setzen sie sich mit den Interessen, Bedürfnissen und Argumenten anderer Personen oder Gruppen auseinander. Die Methode hilft dabei, komplexe Fragestellungen differenziert zu betrachten und die eigene Sichtweise zu reflektieren.
Warum eignet sich die Methode für BNE?
Nachhaltige Entwicklung betrifft unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen und ist häufig mit Zielkonflikten verbunden. Ein Perspektivwechsel macht diese unterschiedlichen Interessen sichtbar und ermöglicht es Studierenden, vertraute Sichtweisen zu hinterfragen. Dadurch können komplexe Nachhaltigkeitsfragen differenzierter betrachtet und gemeinsame Lösungsansätze entwickelt werden.
Geförderte Kompetenzen
Perspektivwechsel
Kritisches Denken
Empathiefähigkeit
Kommunikationsfähigkeit
Reflexionsfähigkeit
Geeignet für
Vorlesungen
Seminare
Übungen
Projektveranstaltungen
Gruppengröße
Beliebig
Zeitaufwand
15–45 Minuten
Ablauf
Die Lehrperson stellt eine Fragestellung oder ein konkretes Szenario vor.
Die Studierenden erhalten unterschiedliche Perspektiven oder Rollen.
Sie setzen sich mit den Interessen und möglichen Argumenten der jeweiligen Perspektive auseinander.
Die unterschiedlichen Sichtweisen werden vorgestellt und miteinander verglichen.
Abschließend wird reflektiert, wie sich die Perspektivübernahme auf die eigene Einschätzung ausgewirkt hat.
Mögliche Leitfragen
Wie könnte diese Fragestellung aus der Sicht einer anderen Person oder Gruppe bewertet werden?
Welche Interessen und Bedürfnisse sind aus dieser Perspektive besonders wichtig?
Welche Zielkonflikte entstehen zwischen den verschiedenen Perspektiven?
Hat sich die eigene Einschätzung durch den Perspektivwechsel verändert?
Praxisbeispiel
In einer Veranstaltung zur Mobilität der Zukunft beschäftigen sich Studierende mit der Frage, wie eine nachhaltige Stadt gestaltet werden kann. Verschiedene Gruppen übernehmen beispielsweise die Perspektiven von Jugendlichen, älteren Menschen, Pendler*innen, Stadtplanung, Einzelhandel und Umweltverbänden. Anschließend stellen sie ihre jeweiligen Sichtweisen vor und diskutieren, welche Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Zielkonflikte sichtbar werden.
Kurzbeschreibung
Mehrere Kleingruppen diskutieren Fragestellungen an verschiedenen Tischen und entwickeln gemeinsam Ideen weiter.
Fördert insbesondere
Geeignet für
Dauer
30–90 Minuten
Ablauf
Schritt für Schritt erklärt.
Beispiel aus der Nachhaltigkeitslehre
Wie kann der Campus klimaneutral werden?
Material
Varianten
Kurzbeschreibung
Das Gruppenpuzzle ist eine kooperative Lernmethode, bei der ein komplexes Thema in mehrere Teilbereiche aufgeteilt wird. Die Studierenden erarbeiten zunächst in Kleingruppen jeweils einen Teilbereich und werden anschließend in neuen Gruppen zusammengeführt. Dort vermitteln sie ihr Wissen an die anderen Gruppenmitglieder und setzen die verschiedenen Teilbereiche zu einem Gesamtbild zusammen. Dadurch übernehmen die Studierenden Verantwortung für den eigenen Lernprozess und für den Wissensaustausch innerhalb der Gruppe.
Warum eignet sich die Methode für BNE?
Nachhaltigkeitsfragen sind häufig komplex und lassen sich nicht aus einer einzelnen fachlichen oder gesellschaftlichen Perspektive betrachten. Das Gruppenpuzzle ermöglicht es, verschiedene Aspekte eines Themas arbeitsteilig zu bearbeiten und anschließend miteinander zu verknüpfen. Dadurch können Zusammenhänge zwischen ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen und weiteren Dimensionen sichtbar werden.
Geförderte Kompetenzen
Systemisches Denken
Kooperation
Kommunikationsfähigkeit
Perspektivwechsel
Selbstständiges Lernen
Geeignet für
Vorlesungen
Seminare
Übungen
Projektveranstaltungen
Gruppengröße
Ab ca. 9 Personen
Zeitaufwand
30–90 Minuten
Ablauf
Die Lehrperson teilt ein komplexes Thema in mehrere Teilbereiche auf.
Die Studierenden werden zunächst in sogenannte Expert*innengruppen eingeteilt und bearbeiten jeweils einen Teilbereich.
Anschließend werden neue Gruppen gebildet, in denen jeweils Personen aus den verschiedenen Expert*innengruppen vertreten sind.
Die Studierenden stellen sich gegenseitig ihre Ergebnisse vor und erklären
Kurzbeschreibung
Die Zukunftswerkstatt ist eine kreative Methode, mit der Studierende sich mit bestehenden Problemen auseinandersetzen und gemeinsam Vorstellungen für eine wünschenswerte Zukunft entwickeln. Die Methode besteht aus mehreren Phasen, in denen zunächst Kritik gesammelt, anschließend Zukunftsvorstellungen entwickelt und daraus konkrete Handlungsmöglichkeiten abgeleitet werden.
Warum eignet sich die Methode für BNE?
Nachhaltige Entwicklung erfordert die Auseinandersetzung mit bestehenden Herausforderungen und die Entwicklung von Vorstellungen für eine wünschenswerte Zukunft. Die Zukunftswerkstatt ermöglicht es Studierenden, Probleme kritisch zu betrachten, eigene Zukunftsbilder zu entwickeln und daraus konkrete Ideen für Veränderungen abzuleiten.
Geförderte Kompetenzen
Kritisches Denken
Kreativität
Vorausschauendes Denken
Problemlösungskompetenz
Kooperationsfähigkeit
Handlungsorientierung
Geeignet für
Seminare
Übungen
Workshops
Projektveranstaltungen
Gruppengröße
8–30 Personen
Zeitaufwand
60–180 Minuten
Ablauf
In der Kritikphase sammeln die Studierenden Probleme, Herausforderungen und Kritikpunkte zum jeweiligen Thema.
In der Phantasiephase entwickeln sie unabhängig von bestehenden Einschränkungen Ideen und Vorstellungen für eine wünschenswerte Zukunft.
In der Verwirklichungsphase werden die Ideen auf ihre Umsetzbarkeit geprüft und konkrete Handlungsmöglichkeiten entwickelt.
Abschließend werden die Ergebnisse vorgestellt und gemeinsam reflektiert.
Mögliche Leitfragen
Was funktioniert an der aktuellen Situation nicht?
Wie würde eine wünschenswerte Zukunft aussehen?
Was müsste sich dafür verändern?
Welche konkreten Schritte könnten wir heute bereits unternehmen?
Praxisbeispiel
Im Rahmen einer Veranstaltung zur nachhaltigen Mobilität entwickeln Studierende zunächst eine Kritik an der aktuellen Verkehrssituation. Anschließend entwerfen sie ihre Vorstellungen einer nachhaltigen Mobilität der Zukunft. In der letzten Phase überlegen sie, welche Maßnahmen notwendig wären, um diese Zukunft schrittweise zu verwirklichen.
Backcasting
Kurzbeschreibung
Backcasting ist eine Methode zur Entwicklung von Strategien für eine wünschenswerte Zukunft. Anders als bei einer Prognose wird nicht von der aktuellen Situation ausgehend überlegt, was wahrscheinlich passieren könnte. Stattdessen wird zunächst ein konkretes Zukunftsbild entwickelt und anschließend rückwärts gedacht: Welche Veränderungen und Schritte sind notwendig, um dieses Ziel zu erreichen?
Warum eignet sich die Methode für BNE?
Nachhaltige Entwicklung erfordert langfristiges Denken und die Auseinandersetzung mit der Frage, wie wünschenswerte Zukunftsvorstellungen erreicht werden können. Backcasting unterstützt Studierende dabei, Zukunftsbilder zu entwickeln, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen und konkrete Handlungsschritte abzuleiten.
Geförderte Kompetenzen
Vorausschauendes Denken
Strategisches Denken
Problemlösungskompetenz
Kritisches Denken
Handlungsorientierung
Systemisches Denken
Geeignet für
Seminare
Übungen
Workshops
Projektveranstaltungen
Gruppengröße
Beliebig
Zeitaufwand
30–90 Minuten
Ablauf
Die Studierenden beschreiben zunächst eine wünschenswerte Zukunft für ein ausgewähltes Thema.
Anschließend wird betrachtet, wie diese Zukunft konkret aussehen könnte und welche Bedingungen dafür erfüllt sein müssen.
Die Studierenden denken schrittweise rückwärts und identifizieren wichtige Veränderungen und Zwischenziele.
Daraus werden konkrete Maßnahmen und Handlungsschritte für die Gegenwart abgeleitet.
Abschließend werden die verschiedenen Wege zur Erreichung des Zukunftsziels diskutiert.
Mögliche Leitfragen
Wie soll die Situation in 10, 20 oder 30 Jahren aussehen?
Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit diese Zukunft möglich wird?
Was müsste sich auf dem Weg dorthin verändern?
Welche Schritte können bereits heute umgesetzt werden?
Praxisbeispiel
In einer Veranstaltung zur Klimaneutralität entwickeln Studierende zunächst ein Bild davon, wie eine klimaneutrale Hochschule im Jahr 2040 aussehen könnte. Anschließend überlegen sie, welche Veränderungen bis dahin notwendig sind und welche Zwischenziele erreicht werden müssten. Daraus leiten sie konkrete Maßnahmen ab, die bereits heute umgesetzt werden könnten.
Design Thinking
Kurzbeschreibung
Design Thinking ist ein kreativer und nutzer*innenorientierter Ansatz zur Entwicklung von Lösungen für komplexe Probleme. Ausgangspunkt sind die Bedürfnisse und Perspektiven der Menschen, die von einer Herausforderung betroffen sind. In einem iterativen Prozess werden Probleme verstanden, Ideen entwickelt, erste Lösungen gestaltet und anschließend getestet und weiterentwickelt.
Warum eignet sich die Methode für BNE?
Nachhaltigkeitsherausforderungen sind häufig komplex und erfordern Lösungen, die unterschiedliche Bedürfnisse und Perspektiven berücksichtigen. Design Thinking verbindet kreative Problemlösung mit einer konsequenten Orientierung an den betroffenen Menschen. Studierende können dadurch eigene Lösungsansätze entwickeln, diese praktisch erproben und aus Rückmeldungen weiterentwickeln.
Geförderte Kompetenzen
Kreativität
Problemlösungskompetenz
Empathiefähigkeit
Kooperation
Kritisches Denken
Innovationsfähigkeit
Geeignet für
Seminare
Übungen
Workshops
Projektveranstaltungen
Gruppengröße
6–30 Personen
Zeitaufwand
60 Minuten bis mehrere Stunden
Ablauf
Die Studierenden setzen sich mit einer konkreten Herausforderung und den Bedürfnissen der betroffenen Personen auseinander.
Sie formulieren das Problem ausgehend von den gewonnenen Erkenntnissen.
Anschließend entwickeln sie möglichst viele unterschiedliche Ideen und wählen geeignete Ansätze aus.
Die ausgewählten Ideen werden in Form eines einfachen Prototyps sichtbar gemacht.
Die Prototypen werden getestet und die Rückmeldungen ausgewertet.
Auf Grundlage der Ergebnisse werden die Lösungsansätze weiterentwickelt.
Mögliche Leitfragen
Wer ist von der Herausforderung betroffen?
Welche Bedürfnisse und Probleme haben die betroffenen Personen?
Welche unterschiedlichen Lösungen sind denkbar?
Wie lässt sich eine Idee schnell und einfach sichtbar machen?
Was kann aus dem Feedback für die Weiterentwicklung gelernt werden?
Praxisbeispiel
In einer Lehrveranstaltung zur nachhaltigen Campusgestaltung entwickeln Studierende Ideen, wie der Hochschulalltag nachhaltiger gestaltet werden kann. Sie untersuchen zunächst die Bedürfnisse verschiedener Nutzer*innengruppen und entwickeln anschließend mögliche Lösungen. Eine Idee wird als einfacher Prototyp umgesetzt, beispielsweise als Modell, Ablaufplan oder digitales Konzept, und anschließend von anderen Studierenden getestet und weiterentwickelt.
Kurzbeschreibung
Systems Mapping ist eine Methode, mit der komplexe Zusammenhänge und Wechselwirkungen innerhalb eines Systems sichtbar gemacht werden. Dabei werden relevante Akteur*innen, Faktoren und Prozesse identifiziert und miteinander in Beziehung gesetzt. Durch die visuelle Darstellung können Abhängigkeiten, Rückkopplungen und mögliche Ansatzpunkte für Veränderungen gemeinsam untersucht werden.
Warum eignet sich die Methode für BNE?
Nachhaltigkeitsherausforderungen sind durch vielfältige ökologische, soziale, wirtschaftliche und politische Zusammenhänge geprägt. Systems Mapping unterstützt Studierende dabei, über einzelne Ursachen oder Auswirkungen hinauszudenken und ein komplexes Problem als Teil eines größeren Systems zu betrachten. Dadurch können Wechselwirkungen und mögliche Zielkonflikte sichtbar werden.
Geförderte Kompetenzen
Systemisches Denken
Kritisches Denken
Problemlösungskompetenz
Perspektivwechsel
Analysefähigkeit
Kooperationsfähigkeit
Geeignet für
Vorlesungen
Seminare
Übungen
Projektveranstaltungen
Gruppengröße
3–30 Personen
Zeitaufwand
30–90 Minuten
Ablauf
Die Lehrperson stellt eine komplexe Fragestellung oder Herausforderung vor.
Die Studierenden sammeln wichtige Akteur*innen, Faktoren und Einflussgrößen.
Die gesammelten Elemente werden auf einer gemeinsamen Fläche angeordnet.
Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen den Elementen werden durch Pfeile oder andere Verbindungen dargestellt.
Das entstandene System wird gemeinsam betrachtet und auf besonders relevante Zusammenhänge, Zielkonflikte und mögliche Ansatzpunkte für Veränderungen untersucht.
Mögliche Leitfragen
Welche Faktoren beeinflussen die Situation?
Welche Akteur*innen sind beteiligt oder betroffen?
Wie hängen die einzelnen Faktoren miteinander zusammen?
Welche Wechselwirkungen oder Zielkonflikte entstehen?
An welchen Stellen könnte eine Veränderung besonders wirksam sein?
Praxisbeispiel
In einer Veranstaltung zur nachhaltigen Ernährung erstellen Studierende gemeinsam eine Systemkarte. Sie betrachten unter anderem Landwirtschaft, Konsumverhalten, Lebensmittelpreise, politische Rahmenbedingungen, Ressourcenverbrauch und soziale Aspekte. Durch die Verknüpfung der einzelnen Faktoren werden Zusammenhänge und Wechselwirkungen sichtbar und mögliche Ansatzpunkte für eine nachhaltigere Ernährung diskutiert.
Kurzbeschreibung
Bei der Fallstudienmethode setzen sich Studierende anhand eines konkreten oder realitätsnahen Falls mit einer komplexen Fragestellung auseinander. Sie analysieren die Ausgangssituation, wenden ihr fachliches Wissen an und entwickeln mögliche Lösungsansätze. Dabei können unterschiedliche Perspektiven und Rahmenbedingungen berücksichtigt werden.
Warum eignet sich die Methode für BNE?
Nachhaltigkeitsfragen treten in konkreten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Zusammenhängen auf und sind häufig mit unterschiedlichen Interessen und Zielkonflikten verbunden. Fallstudien ermöglichen es Studierenden, abstraktes Wissen auf eine konkrete Situation anzuwenden und die Auswirkungen verschiedener Entscheidungen zu untersuchen. Dadurch wird die Verbindung zwischen fachlichen Inhalten und realen Herausforderungen hergestellt.
Geförderte Kompetenzen
Kritisches Denken
Analysefähigkeit
Problemlösungskompetenz
Perspektivwechsel
Entscheidungsfähigkeit
Anwendungsorientiertes Denken
Geeignet für
Vorlesungen
Seminare
Übungen
Projektveranstaltungen
Gruppengröße
2–30 Personen
Zeitaufwand
30–120 Minuten
Ablauf
Die Lehrperson stellt einen konkreten Fall und die dazugehörige Fragestellung vor.
Die Studierenden analysieren die Ausgangssituation und identifizieren relevante Informationen und Herausforderungen.
In Kleingruppen oder individuell werden mögliche Handlungsoptionen entwickelt.
Die verschiedenen Lösungsansätze werden vorgestellt und hinsichtlich ihrer Auswirkungen diskutiert.
Abschließend werden die Ergebnisse gemeinsam reflektiert und auf den größeren Zusammenhang übertragen.
Mögliche Leitfragen
Welche Herausforderungen und Interessen sind in diesem Fall relevant?
Welche unterschiedlichen Handlungsoptionen gibt es?
Welche Auswirkungen haben die jeweiligen Entscheidungen?
Welche Zielkonflikte können entstehen?
Welche Lösung erscheint unter den gegebenen Bedingungen umsetzbar und warum?
Praxisbeispiel
In einer Veranstaltung zur nachhaltigen Unternehmensführung analysieren Studierende den Fall eines Unternehmens, das seine Produktion nachhaltiger gestalten möchte. Dabei müssen ökologische Auswirkungen, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und die Interessen verschiedener Anspruchsgruppen berücksichtigt werden. Die Studierenden entwickeln unterschiedliche Strategien und diskutieren deren mögliche Folgen.
Kurzbeschreibung
Ein Lerntagebuch begleitet den individuellen Lernprozess über einen längeren Zeitraum. Studierende halten regelmäßig fest, welche Inhalte sie gelernt haben, welche Fragen offen geblieben sind und wie sich ihr Verständnis entwickelt. Der Fokus liegt auf der bewussten Auseinandersetzung mit dem eigenen Lernen und der Verknüpfung von Theorie, Praxis und persönlichen Erfahrungen.
Warum eignet sich die Methode für BNE?
Bildung für nachhaltige Entwicklung erfordert nicht nur Fachwissen, sondern auch die Fähigkeit, eigene Werte, Annahmen und Handlungsweisen zu reflektieren. Ein Lerntagebuch unterstützt Studierende dabei, komplexe Nachhaltigkeitsthemen kritisch zu hinterfragen, unterschiedliche Perspektiven einzuordnen und ihren eigenen Lernprozess bewusst zu gestalten.
Geförderte Kompetenzen
Geeignet für
Gruppengröße
Beliebig
Zeitaufwand
5–15 Minuten pro Eintrag über das gesamte Semester
Ablauf
Mögliche Leitfragen
Praxisbeispiel
Im Rahmen einer Lehrveranstaltung zur nachhaltigen Stadtentwicklung reflektieren Studierende nach jeder Sitzung, wie sich ihr Verständnis von nachhaltiger Mobilität verändert hat und welche Zielkonflikte sie erkennen.
Kurzbeschreibung
Reflective Journaling ist eine strukturierte Form der schriftlichen Reflexion. Im Gegensatz zum klassischen Lerntagebuch steht weniger die Dokumentation des Lernfortschritts als vielmehr die kritische Auseinandersetzung mit Erfahrungen, Entscheidungen, Emotionen und Werthaltungen im Mittelpunkt. Die Methode fördert ein tieferes Verständnis komplexer Fragestellungen und unterstützt die Entwicklung einer reflektierten beruflichen Haltung.
Warum eignet sich die Methode für BNE?
Nachhaltigkeitsherausforderungen sind häufig von Unsicherheiten, Zielkonflikten und unterschiedlichen Wertvorstellungen geprägt. Reflective Journaling bietet Raum, diese Aspekte bewusst zu reflektieren und die eigene Rolle als zukünftige Fach- und Führungskraft kritisch zu betrachten.
Geförderte Kompetenzen
Geeignet für
Gruppengröße
Beliebig
Zeitaufwand
10–20 Minuten pro Reflexionseinheit
Ablauf
Mögliche Leitfragen
Praxisbeispiel
Nach einer Stakeholder-Diskussion zur Energiewende reflektieren Studierende, welche Werte die unterschiedlichen Akteur*innen vertreten, welche Zielkonflikte sichtbar werden und wie sich ihre eigene Position im Verlauf der Diskussion verändert hat.
Die vorgestellten Methoden können je nach Lehrveranstaltung, Lernziel und Gruppe angepasst und miteinander kombiniert werden. Entscheidend ist nicht die Methode selbst, sondern wie sie den Lernprozess unterstützt und Studierende dabei begleitet, Nachhaltigkeit zu verstehen, zu reflektieren und aktiv mitzugestalten.
Die vorgestellten Methoden bieten einen Einstieg in die Gestaltung nachhaltigkeitsorientierter Lehre. Weitere Anregungen, Methoden und Praxisbeispiele findest du in ausgewählten externen Methodensammlungen. Sie bieten zusätzliche Impulse und können dabei helfen, passende Methoden für die eigene Lehrveranstaltung zu finden und weiterzuentwickeln.
methode n (netzwerk n)