Angesichts fehlender Anreize zur Abfallvermeidung und zur sortenreinen Erfassung von Bauabfällen werden auf Baustellen die Zielvorgaben zu Mischquoten häufig verfehlt. Die Ergebnisse des Vorgängerprojekts „Zero Waste Baulogistik“ (Az. 10.08.18.7-24.26) bestätigen, dass die Abfallentstehung und -trennung bei Neubauvorhaben weniger an technischen Möglichkeiten, sondern an fehlenden logistischen Konzepten und am Verhalten der Baubeteiligten scheitern. Mangelhafte Trennung, Überbestellungen, ungenutzte Verschnittmengen oder die Entsorgung von Mehrwegpaletten sind Ausdruck nicht-nachhaltiger Entscheidungen, welche durch regulatorische Vorgaben allein bislang nicht verändert werden konnten.
Studien aus der Verhaltensökonomie zeigen, dass durch die Gestaltung von Entscheidungsoptionen das Verhalten von Menschen in eine gezielte Richtung gelenkt werden kann. Mittels sogenannter „Nudges“ (engl. für „anstupsen“), die auf Basis kognitiver Heuristiken, wie bspw. dem Default-Effekt, basieren, können ökonomische und ökologische Verbesserungen erreicht werden. Anders als bei klassischen Regulierungsansätzen wird beim Nudging die Entscheidungsfreiheit der Nutzenden gewahrt und die Verhaltensakzeptanz erhöht.
Im Projekt „Zero Waste Baulogistik II“ wird gemeinsam vom Institut für Bauwirtschaft und Baubetrieb (IBB) der TU Braunschweig, der Lindner SE, und der Zeppelin Rental GmbH untersucht, wie das Abfallverhalten der Baubeteiligten durch gezielte Gestaltung der Entscheidungsarchitektur „subtil“ beeinflusst werden kann. Hierzu werden baustellenspezifische „Nudges“ wie visuelle Hinweise oder strategisch platzierte Sammelstellen entwickelt, auf Baustellen der Praxispartner erprobt und die Einsparung anhand von Feldstudien quantifiziert. Ziel ist es, nachhaltigere Entscheidungs- und Handlungsmuster bei den Baubeteiligten zu fördern. Die im Projekt entwickelten Nudges werden anschließend den Baubeteiligten als Maßnahmenkatalog zur Verfügung gestellt.
Das Ziel des Projekts „Zero Waste Baulogistik II“ ist es, durch subtile Maßnahmen (Nudges) ein Bewusstsein für Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft in der Baupraxis zu fördern. Es sollen die Gesamtabfallmengen reduziert, Sortierquoten auf Baustellen nachhaltig verbessert, die Recyclingquoten erhöht und folglich die Entsorgungskosten und -emissionen gesenkt werden. Das Projekt leistet einen Beitrag zur Minimierung von Materialverlusten, zur Reduktion unnötiger Transporte und zur Stärkung kreislaufgerechter Bauweisen – mit Fokus auf die praktische Umsetzbarkeit ohne relevanten Aufwand zu generieren.
Ziel ist es, Baustellen so zu gestalten, dass weniger Abfall entsteht und verwertbare Stoffe getrennt werden. Mit Hilfe einfacher Anreize soll das Bewusstsein für eine ressourcenschonende Bauweise gestärkt und ein Beitrag zu einer Kreislaufwirtschaft im Hochbau geleistet werden.
Für das Forschungsprojekt haben sich das Institut für Bauwirtschaft und Baubetrieb der TU Braunschweig (IBB) und die Praxispartner Zeppelin Rental GmbH und Lindner SE zusammengeschlossen. Hierdurch kann die praxisbezogene Datenerhebung ermöglicht werden sowie auf die Nutzung der Fachexpertise bei der Entwicklung von Optimierungsstrategien zurückgegriffen werden. Im Vordergrund stehen dabei die Bauleistungen des allgemeinen Ausbaus bei Hochbauprojekten.
Seit 08/2026 bis 08/2028