Chipmangel, Pandemie und geopolitische Handelskonflikte haben in den vergangenen Jahren die Verwundbarkeit globaler Lieferketten deutlich gemacht. Insbesondere in der Automobilindustrie führten Versorgungsengpässe wiederholt zu Produktionsunterbrechungen und erheblichen wirtschaftlichen Schäden. Dabei zeigte sich, dass Unternehmen unterschiedlich stark von diesen Störungen betroffen waren. Neben Faktoren wie Lagerbeständen, Lieferantenanzahl und Netzwerkstruktur könnte auch die Art der Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen eine entscheidende Rolle für die Resilienz ihrer Lieferketten spielen.
Grundsätzlich lassen sich zwei Ansätze unterscheiden. Kompetitive Lieferantenbeziehungen sind durch einen hohen Wettbewerbs- und Kostendruck sowie die Möglichkeit gekennzeichnet, Aufträge flexibel zwischen verschiedenen Lieferanten zu verlagern. Kooperative Lieferantenbeziehungen setzen dagegen stärker auf langfristige Partnerschaften, gegenseitiges Vertrauen, einen intensiven Informationsaustausch und gemeinsame Problemlösungen. Beide Ansätze bieten potenzielle Vorteile, gehen jedoch auch mit unterschiedlichen Abhängigkeiten und Risiken einher. Während die deutsche Automobilindustrie traditionell eher durch wettbewerbsorientierte Lieferantenbeziehungen geprägt ist, gelten die japanischen Keiretsu-Strukturen als Beispiel für eine stärker kooperationsorientierte Zusammenarbeit.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie sich unterschiedliche Formen der Lieferantenzusammenarbeit auf die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten gegenüber Störungen auswirken. Sind langfristige Partnerschaften und gegenseitige Unterstützung im Krisenfall von Vorteil, oder ermöglicht eine wettbewerbsorientierte Lieferantenstruktur eine schnellere Anpassung an veränderte Bedingungen? Welche Rolle spielen dabei die Art und das Ausmaß einer Störung?
Im Rahmen dieser Masterarbeit sollen die Auswirkungen kooperativer und kompetitiver Lieferantenbeziehungen auf die Resilienz von Lieferketten mithilfe von Simulationen untersucht werden. Hierzu sollen unterschiedliche Formen der Lieferantenzusammenarbeit modelliert und hinsichtlich ihres Verhaltens bei verschiedenen Störungsszenarien verglichen werden.
Bei Interesse melden Sie sich bitte bei: Moritz Proff