TU BRAUNSCHWEIG

Sommersemester 2017

Montag, 8.5., 18.30

Haus der Wissenschaft, Raum Weitblick/Veolia

Rassismuskritik und Hochschule: Wie kann Rassismuskritik gelebt werden?

Vortrag von Professor Dr. Paul Mecheril, Oldenburg

Eine an demokratischen Prinzipien orientierte Universität muss das Ziel verfolgen, dass Zugänge weniger als zur Zeit von sozialen Zugehörigkeitsverhältnissen strukturiert sind. In diesem Sinne nähert sie sich der Idee an, grundsätzlich allen offen zu stehen. Dies setzt nicht nur bestimmte Strukturen innerhalb der Universität voraus. Es ist auch eine universitäre Kultur bedeutsam, die sich selbst und das von ihr produzierte Wissen reflektiert, wie es z.B. in den Diskussionen um das Themenfeld „Geschlechterverhältnisse und Macht“ bereits ansatzweise geschieht. Was dies heißt, soll rassismuskritisch erkundet werden. Die Technische Universität Braunschweig bezeichnet sich als “Weltoffene Hochschule” und positioniert sich – wie viele andere Hochschulen auch – gegen Fremdenfeindlichkeit. Damit verpflichtet sie sich dem Prinzip, dass unterschiedliche Lebenswirklichkeiten in Forschung, Lehre und Hochschulöffentlichkeit zum Ausdruck kommen können. Hochschule lebt jedoch von der Freiheit des Denkens und damit auch davon, Grenzen zu überschreiten. Wie kann eine demokratisch verfasste Hochschule mit dieser Spannung umgehen? Was bedeuten diese Widersprüche für eine rassismuskritische und demokratische Hochschulentwicklung? Die im Vortrag von Prof. Paul Mecheril angestellten rassismuskritischen Überlegungen skizzieren eine Hochschule, die die Vision der Demokratie in ihrem Selbstverständnis und in der Praxis ernstnimmt.

Prof. Dr. Paul Mecheril, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, ist Leiter des Arbeitsbereichs Migration und Bildung und Direktor des Center for Migration, Education and Cultural Studies. Sein akademischer Lebenslauf berührte viele unterschiedliche Felder der Psychologie und der Pädagogik mit Schwerpunkt interkulturelle Pädagogik.

Montag 3.7. 18.30

Raum Weitblick/Veolia

Haus der Wissenschaft, Pockelsstr. 11

Welches Saatgut - für eine gerechte und nachhaltige Landwirtschaft?

Es diskutieren: Anja Banzhaf, Garten- und Saatgutaktivistin, Autorin

Dr. Hermann Freudenstein, Bundessortenamt Hannover

Um zukünftig 10 Milliarden Menschen ernähren zu können, wird industrielle Landwirtschaft gebraucht, sagen die Einen; die Anderen sehen dadurch Pflanzen, Tiere und Umwelt auf unverträgliche Art und Weise beeinträchtigt. Sie verlangen einschneidende Veränderungen bzw. eine radikale Agrarwende. Sie weisen darauf hin, dass die Produktivität im Rahmen der industriellen Landwirtschaft langfristig sogar sinken wird und dass die jetzige Produktions- und Wirtschaftsweise die weltweite Verteilungsungerechtigkeit verschärfen wird. Frau Anja Banzhaf und Dr. Hermann Freudenstein diskutieren in diesem Zusammenhang: Was ist eine zukunftsfähige Landwirtschaft? Welchen rechtlichen Rahmen braucht diese? Welches Saatgut und welche Sorten benötigen wir dazu? Und welche Art von Züchtung ist dafür notwendig?

Die Geografin Anja Banzhaf ist Garten- und Saatgutaktivistin und engagiert sich für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Sie ist Mitbegründerin eines Netzwerks für urbane Gärten in Göttingen, hat in einer Samengärtnerei gearbeitet und setzt sich zudem künstlerisch mit dem Thema Saatgut auseinander. Sie studierte Geografie, Ressourcenökonomik und Botanik in Göttingen und Wellington/Neuseeland und hat viele soziale und landwirtschaftliche Projekte inner- und außerhalb Europas besucht.

Der Agrarwissenschaftlicher Dr. Hermann Freudenstein leitet seit 2003 am Bundessortenamt das Referat „Nationale und Internationale Sorten- und Saatgutangelegenheiten, Koordinierungsstelle beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft“, er ist Vertreter Deutschlands in Sorten- und Saatgutangelegenheiten bei der EU-Kommission, OECD Seed Schemes und FAO (Food and Agriculture Organisation der Vereinten Nationen). Er ist beteiligt an internationalen Projekten zur Etablierung/Weiterentwicklung von Sorten- und Saatgutsystemen in Osteuropa, Asien und Afrika.






Wintersemester 2016/17

Montag, 12.12., 18.30 Uhr
PK 4.3.
TU Altgebäude, Pockelsstr. 4

Selbst gemacht und selbst gefällig? Medienkompetenz und Mediennutzung im Zeitalter der neuen Medien


Es diskutieren:

Susann Kohout, Braunschweig
Nina Wicke, Braunschweig
Helga Hansen, Hannover

Die Medienlandschaft hat sich in den letzten 30 Jahren stark verändert. Durch neue Medien, speziell Soziale Netzwerkseiten, ist ein (teil-)öffentliches Publizieren von Inhalten und Meinungen nicht mehr ausschließlich Journalisten vorbehalten: Jeder kann vom Rezipient zum Produzent werden und Inhalte publizieren, die zunehmende Reichweite haben. Welche Konsequenzen hat das?
Welche kommunikativen Muster weisen Phänomene wie Shitstorms und Abwertungsspiralen auf? Welche Möglichkeiten der Erzeugung von Gegenöffentlichkeiten und von Widerstand bieten die Neuen Medien? Inwiefern ist Medienkompetenz im Umgang mit Neuen Medien notwendig?


Susann Kohout ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Kommunikations- und Medienwissenschaften, Leitung Prof. Dr. Monika Taddicken, TU Braunschweig. Im Rahmen ihres Dissertationsprojekts "Digitale Emotionen – Der Einfluss von Emotionen auf Netzkommunikation und dessen Empfangende" befasst sich Susann Kohout mit Emotionen und Emotionalisierungsprozessen in der Anschluss- und Netzkommunikation. Zuvor hat sie sich mit den Effekten der Benutzung von Smartphones auf das Befinden der NutzerInnen beschäftigt.

Nina Wicke ist ebenfalls wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Kommunikations- und Medienwissenschaften. Ihr Dissertationsvorhaben untersucht Erwartungen an und Bewertungen von (Online-)Informationsnutzung und -suche. In ihrer Masterarbeit hat sie sich empirisch mit dem Medien- und Kommunikationshandeln Studierender während eines Auslandsaufenthaltes beschäftigt.

Helga Hansen ist Diplomingenieurin (FH) in Biotechnologie und hält einen Master of Science in Biochemie. Zuvor war sie Koordinatorin des fiMINT-Projekts, das die Stärkung der Präsenz von Frauen in den MINT-Fächern zum Ziel hat. Redakteurin des deutschsprachigen Make Magazins. Sie schreibt und bloggt seit mehreren Jahren zu Feminismus, Politik und Technik.





Mo., 14.11., 18.30 Uhr
PK 4.3.
TU Altgebäude, Pockelsstraße 4

Big Brother liest mit: Informationstechnologie zwischen Überwachungsstaat und gesellschaftlichem Nutzen

Vortrag: Prof. Dr. Michael Strube, HITS Heidelberg

Moderation: Annette Bartsch

Natural Language Processing (NLP) ist ein wachsendes Forschungs- und Technologiefeld innerhalb der Computerlinguistik. Die Anwendungen gehen von individuell verwendbaren Lösungen wie dem elektronischen Diktat durch Spracherkennung bis hin zur maschinellen Auswertung großer Textmengen – in Zukunft auch gesprochener Sprache, z.B. für Suchmaschinen und elektronische Assistenten.Elektronische Sprachanalyse könnte z.B. eine Hilfe für Gehörlose sein, sie könnte aber auch die von Großkonzernen oder Nachrichtendiensten ausgewertete Datenmenge erheblich vergrößern.
Wie groß ist der mögliche Nutzen, welches sind die Gefahren? Prof. Dr. Michael Strube ist ein ausgewiesener Spezialist auf dem Feld des NLP.

Michael Strube ist Leiter der Natural Language Processing (NLP) Gruppe und stellvertretender Institutssprecher des Heidelberger Institut für Theoretische Studien sowie Honorarprofessor am Institut für Computerlinguistik der Universität Heidelberg. Seine Forschung konzentriert sich vor allem auf die automatische Verarbeitung, das Verstehen und Erzeugen von Sprache. Er beschäftigt sich insbesondere mit automatischen Textverstehen und dessen Anwendungen. Eines seiner Forschungsthemen gilt der Frage, inwieweit das Feld der Computerlinguistik für militärische Zwecke verwendbar ist. 2015 war Michael Strube Co-Vorsitzender des Programmkomitees der Konferenz der Association for Computational Linguistics in Peking.


Sommersemester 2016

Montag, 9. Mai 2016 18.30 Uhr
Hörsaal PK 4.3., TU-Altgebäude, Pockelsstraße 4


Frisst die Informations- und Kommunikationstechnik ihre Kinder? - Technikentwicklung und Verantwortung

Es diskutieren:
Prof. Dr. Hans-Jörg Kreowski, Universität Bremen
Prof. Dr. Wolf-Tilo Balke, Technische Universität Braunschweig

In steigendem Maße wird unser Leben durch Informations- und Kommunikationstechnologien bestimmt. Der Allgemeinheit ist selten bekannt, wie sie funktionieren. Algorithmen, z.B. in Suchmaschinen, in Finanz- oder Vermittlungsagenturen basieren zudem auf Vorannahmen über die Menschen, die sie nutzen. Diese wissen oft nur vage oder gar nicht, wie ihre Daten verarbeitet werden. Damit stellt sich die Frage, ob (bzw. wann) digitale Technik Ungleichheiten eher verstärkt oder eher ausgleicht. Jenseits der bekannten Probleme des Missbrauchs persönlicher Daten stellt sich an der Schwelle zur “Arbeitswelt 4.0” die Frage: Wie ist eine verantwortungsvolle Technik-Entwicklung möglich?

Prof. Dr. Hans-Jörg Kreowski hat bis vor einem Jahr die Forschungsgruppe Theoretische Informatik des Fachbereichs Mathematik und Informatik der Universität Bremen innerhalb des Technologiezentrum Informatik und Informationstechnik geleitet. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit den ethischen Implikationen von Technikentwicklung u.a. im Bereich Sicherheits- und Militärtechnologie. Er ist Vorstandsmitglied des FIfF (Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung).

Vortragsfolien

Prof. Dr. Wolf-Tilo Balke leitet das Institut für Informationssysteme der TU Braunschweig. Er beschäftigt sich als Informatiker mit Spezialisierung in Datenbanken und Informationssystemen u.a. mit nutzerorientierter Entwicklung von Informationssystemen und digitalen Bibliotheken.

Vortragsfolien

Links zu zwei alternativen Suchmaschinen finden Sie in der Linkssammlung der Abteilung Pharmaiegeschichte.

Mittwoch, 20. April 2016, 18.30 Uhr
Hörsaal PK 4.3., TU-Altgebäude, Pockelsstraße 4

30 Jahre nach Tschernobyl – und kein Ende der Katastrophe

Vortrag von:
Anna Fitseva und Dr. Angelika Claußen

Im Herbst 2015 schlug unerwartet der Strahlen-Detektor eines Kernkraftwerks an, als ein Besucher die Schranke passierte. Er hatte Wildschwein-Braten aus dem Böhmerwald im deutsch-tschechischen Grenzgebiet verzehrt.  In dieser Gegend sind – wie in vielen anderen – Pilze und Wild mit radioaktivem Cäsium belastet, teilweise so stark, dass von ihrem Verzehr abgeraten wird.

Die Folgen des Unglücks sind in der Gegend um Tschernobyl nach wie vor zu spüren. Von den Verantwortlichen wurden Ausmaß und Folgen meist heruntergespielt. Aber auch in Deutschland sind 30 Jahre nach Tschernobyl und fünf Jahre nach Fukushima die langfristigen Folgen einer atomaren Kernschmelze immer noch nicht ausreichend bekannt.

Die Zeitzeugin Anna Fitseva, die 1986 im weißrussischen Gomel-Gebiet lebte, das besonders stark von den Auswirkungen betroffen ist, wird über das Leben während und nach der Tschernobyl-Katastrophe in Weißrussland berichten. Dr. med. Angelika Claußen ist Mitglied der IPPNW  (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges – Ärzte in sozialer Verantwortung). Sie war lange Zeit Vorsitzende der deutscher Sektion und ist seit zwei Jahren Vorsitzende der Sektion Europa. Sie wird Ergebnisse wissenschaftlicher Studien zu den langfristigen gesundheitlichen Folgen der Katastrophe in Europa präsentieren.

Flyer und Plakat zum Herunterladen.

NEU: Beiträge von Radio Okerwelle zur Veranstaltung:

Bericht von Radio Okerwelle über den 26.4. 1986 und Braunschweig

Interview mit Bettina Wahrig auf Radio Okerwelle  am 18.4. 2016


  aktualisiert am 16.06.2017
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