Selbstverständnis
Das IMDR versteht Gestaltung und Darstellung als Erkenntnistätigkeiten. Wer genau hinsieht und das Gesehene gestaltend fasst, bringt Wissen hervor, das im Vollzug seine eigenen Regeln findet. Diese Überzeugung prägt unsere Lehre in der Studieneingangsphase ebenso wie unsere Forschung.
Am Anfang steht das genaue Sehen. Bereits Baumgarten hat die sinnliche Erkenntnis als eigenständiges Vermögen beschrieben, das dem Besonderen in seiner Fülle nachgeht, wo der Begriff auf das Allgemeine zielt. Daran knüpfen wir an. Studierende lernen, ihre eigene Wahrnehmung zu befragen und die Strukturen freizulegen, die zu einem Eindruck führen. Sie lassen Irritationen zu, statt sie vorschnell aufzulösen, und gewinnen daraus eine Haltung, die sie in den interdisziplinären Diskurs einbringen.
Unsere Methoden bilden sich im Vollzug. Sie entstehen, während gearbeitet wird, und werden dort überprüfbar, wo eine Entscheidung fällt. Damit rückt der Arbeitsprozess in den Vordergrund, in dem sich Varianten erproben und das Gefundene weiterentwickeln lässt. Zwischen einem offenen, suchenden Arbeiten und einem prüfenden, konkretisierenden Arbeiten bewegen sich Gestaltende beständig hin und her, und beide Zustände gehören zusammen.
Die Darstellung behandeln wir als Untersuchung. Im Handzeichnen wird das Denken sichtbar. Aus der genauen manuellen Konstruktion der ersten Semester entwickelt sich ein Zeichnen, das deutet und Möglichkeiten eröffnet, die zu Beginn nicht sichtbar waren.
Lehre und Forschung greifen am IMDR ineinander. Fragen, die in den Grundlagen entstehen, führen wir in die Forschung weiter, und was dort sichtbar wird, kehrt in die Lehre zurück. Als junges Institut konsolidieren wir in dieser Bewegung unsere Themen und Kooperationen. Ein nächster Schritt ist das geplante Labor für ästhetische Wissensproduktion und Transfer, in dem gestalterische und naturwissenschaftliche Untersuchung an gemeinsamen Phänomenen zusammenkommen.