Lehre

Architektur beginnt mit dem Sehen

Gestaltung als Erkenntnisproduktion räumlicher Ordnung

Die Lehre am IMDR versteht Gestaltung und Darstellung als erkenntnisbildende Praktiken. Sie verbindet die Einführung in methodische Grundlagen mit der vertieften Untersuchung räumlicher Ordnungen im Entwurf.

Im Bachelor werden die Voraussetzungen geschaffen, unter denen Architektur als Gegenstand des Wahrnehmens, Denkens und Gestaltens erscheinen kann. In Grundlagen der Gestaltung wird Wahrnehmung nicht vorausgesetzt, sondern systematisch geschärft. Irritationen gelten als produktiver Ausgangspunkt, um verborgene Strukturen freizulegen. Gestaltung entsteht aus der präzisen Analyse des Vorgefundenen und entwickelt ihre Logik im Vollzug.

Das Modul Einführung in das Zeichnen etabliert Zeichnung als epistemisches Instrument der Architektur. Von der freien Skizze über konstruierte Perspektiven bis hin zu exakten Schnitten und Grundrissen werden zeichnerische Verfahren aufgebaut und differenziert. Zeichnung dient sowohl der Präzisierung als auch der Erkenntnis: Sie bildet nicht nur ab, sondern macht räumliche Zusammenhänge sichtbar, artikuliert Atmosphären und strukturiert komplexe Konstellationen.

Im Master verschiebt sich der Akzent von der Einführung zur Untersuchung komplexer Raumgefüge. Raum wird nicht als isoliertes Objekt verstanden, sondern als Gefüge von Übergängen, Abfolgen und Hierarchien. Entwurfsformate analysieren, wie Schwellen, Niveaus, Blickachsen und Wege Ordnungen erzeugen, wie Körper geführt und Öffentlichkeiten gestaffelt werden. Gestaltung wird hier zu einem Instrument der Transformation: Sie untersucht bestehende Strukturen, verschiebt sie und entwirft neue räumliche Konstellationen.

Seminare mit Spezialistinnen und Spezialisten angrenzender Disziplinen sowie zeichnerische, fotografische und druckgrafische Verfahren erweitern diese Auseinandersetzung. Darstellung fungiert dabei nicht als Illustration, sondern als eigenständiger Modus architektonischen Denkens.