Gebäude, Räume und Flächen gehören zu den wertvollsten Ressourcen einer Universität. Jede nicht effizient genutzte Fläche verursacht potenziell durch Betriebs-, Sanierungs- und ggf. Anmietkosten einen überhöhten Ressourceneinsatz, der den Nachhaltigkeitszielen des Landes und der TU Braunschweig, und nicht zuletzt auch der sparsamen Nutzung von Steuermitteln entgegensteht. Darum setzt sich die TU Braunschweig das Ziel, in Zukunft die Vergabe von Flächen in einem bedarfsgesteuerten System abzubilden. Mit Flächen sind hierbei alle Räumlichkeiten gemeint, die von den Instituten, Abteilungen und Organisationseinheiten genutzt werden.
Konkreter Zweck des Prozesses Flächensteuerung ist es, eine datenbasierte, belastbare Übersicht über die Flächennutzung aller Organisationseinheiten der TU Braunschweig zu gewinnen und fachlich aufbereitet als Flächenbilanz (Soll-Ist-Vergleich) bereitzustellen. Diese Bilanz ist dann die Grundlage für eine Flächensteuerung hin zu einer effizienteren Flächennutzung.
Für die Flächensteuerung an der TU Braunschweig gibt es sowohl eine äußere Motivation, die von externen Akteuren und Anforderungen ausgeht, als auch eine innere Motivation, die unmittelbar in der Universität selber gründet.
Angestrebt und inzwischen realisiert wurde ein professioneller, umfänglicher und fortschreibbarer Bilanzierungsprozess, an welchen ein gerechter, ganzheitlicher, einfach handhabbarer und auf die TU-Bedürfnisse abgestimmter Steuerungsprozess angeschlossen ist. Zudem wurde ein hoher Grad an Automatisierung hinsichtlich der Datenflüsse und internen Prozesse angestrebt, bei gleichzeitigem Anspruch von Übersichtlichkeit und intuitiver Usability.
Verantwortlich für Koordination, inhaltliche Ausgestaltung sowie Fortschreibung, Weiterentwicklung und Betreuung des Projektes ist die Abteilung 37 Flächenmanagement. Projektleiter und Ansprechpartner
Im Zeitraum 2021-2025 wurde das Projekt Flächensteuerung mit dem aktuellen Ansatz entwickelt. Während der Entwicklungsphase wurde die rheform GmbH (ähnlich HIS-HE) als externer Dienstleister in das Projekt eingebunden (2021-2023) und mit der Ko-Entwicklung von Bilanzierungsmodell, Excel-Tool und Beratungsaufgaben beauftragt.
Die sechs Fakultäten wurden von Beginn an eingebunden und per regelmäßiger Besprechung beteiligt:
Es fanden (und finden anlassbezogen auch weiter) sogenannte Plausibilisierungsgespräche mit allen sechs Fakultäten (jeweils Fakultätsgeschäftsführung und Raumbeauftragte) statt – bedarfsweise ebenso im Bereich der Zentralen Einrichtungen bzw. der Zentralen Verwaltung. Dieser intensiv durchgeführte Plausibilisierungsprozess gewährleistet, dass Unschärfen des Modells angepasst, „grobe Schnitzer“ im Vorfeld bereinigt und die Spezifika der jeweiligen Organisationseinheiten angemessen berücksichtigt wurden.
Mitte 2025 war die Entwicklungsphase des Projektes in wesentlichen Punkten abgeschlossen und die Flächensteuerung ist, per Beschluss des Präsidiums und Bestätigung durch den Senat, als stetiger Prozess an der TU Braunschweig eingeführt worden. Es liegt mit diesem Jahr erstmals eine TU-weite Flächenbilanz vor – zunächst für die Kategorie Büroflächen.
Mitte 2026 wird die Flächenbilanz um die Kategorien Labor, Lager und Lehre angereichert und fortan in diesem Format jährlich fortgeschrieben. Die Flächenbilanz wird jeweils den relevanten hochschulinternen Akteuren zur Verfügung gestellt.
Ermittelt wird für jede Organisationseinheit ein Soll-Ist-Vergleich in Bezug auf die Ressource Fläche. Die aktuelle Flächennutzung (bestehendes Flächen-Ist in m²) wird dem methodisch ermittelten Flächenbedarf (rechnerisches Flächen-Soll in m²) gegenübergestellt. Das Ergebnis ist eine Flächenbilanz zum Status Quo (jetzigen Stand), also bei der aktuellen Personalzahl der jeweiligen Organisationseinheit. Ergänzend dazu wird eine perspektivische Flächenbilanz ermittelt, die auch die derzeit bestehenden Vakanzen einbezieht und somit die mittelfristig zu erwartende Veränderung der Bilanz sichtbar macht. (Siehe Beispiel unten.)
Die Flächenbilanz wird für alle Organisationseinheiten der TU Braunschweig gleichermaßen erstellt. Dabei wird ausschließlich die primäre Nutzungsfläche (NUF 1-6) ausgewertet, nicht aber Technikflächen, Verkehrsflächen usw. Eine Erläuterung der Nutzungsflächen finden Sie in den FAQ.
Es wird in vier Kategorien bilanziert:
Für das Soll der Büroflächen sind Vorgaben des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur (MWK) maßgebend, die hier nachzulesen sind (siehe Punkt 4.2 Büroflächenansätze Universitäten). Flächenansätze für das Soll der Labore usw. basieren wiederum auf Benchmarks und Fachwissen der Rheform GmbH, vgl. dazu FAQ.
Neben diesen Eingangsgrößen fließen weitere Parameter in das System ein, die zentralen Input-Daten sind dabei:
Die Daten werden stichtagsbezogen erhoben und 1x jährlich aktualisiert: Personaldaten vom 01.06., Flächendaten vom 01.06.
Übrigens findet in der Methodik auch ein sogenannter Abminderungsfaktor (oder: Flächenverschnittfaktor) Berücksichtigung, vgl. dazu FAQ.
Die gesamte Methodik wurde vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) anerkannt, bestätigt und als wegweisend hervorgehoben.
Um die vorigen Ausführungen anschaulicher werden zu lassen, folgt ein konkretes Beispiel für ein mögliches Ergebnis der Flächenbilanzierung. Dargestellt ist die Ergebnisübersicht (grafisch und tabellarisch) für ein einzelnes fiktives Institut.
Im Beispielfall beläuft sich in der Kategorie Büro die Differenz zwischen Ist (382 m²) und Soll (287 m²) auf +95 m² (+33 %) für den Status Quo, also bei aktueller Personalzahl. Die betreffende Organisationseinheit hat also zurzeit rund ein Drittel mehr Fläche zur Verfügung (Ist) als es der berechnete Bedarf (Soll) vorsieht. Da in den Daten ein zu erwartender Personalzuwachs von 1 Professor:in und 3 Wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen hinterlegt ist (vorhandene Vakanz), beläuft sich die perspektivische Differenz auf nur noch +43 m² (+13 %).
Anders verhält es sich für die Fläche in der Kategorie Labor. Dort besteht rechnerisch gegenwärtig eine Unterdeckung in Höhe von -16 m² (-9 %), die sich perspektivisch vergrößern könnte auf -40 m² (-21 %).
Lehrflächen (Theorie-LV) werden nicht institutsweise bilanziert und daher sind hier in dieser Kategorie 0 m² aufgeführt (vgl. FAQ).
Über alle Kategorien hinweg besteht ein Flächen-Überhang in Höhe von +77 m² der sich perspektivisch in Summe ausgleichen könnte auf -8 m².
Trotz des ermittelten derzeitigen Flächenüberschusses in der Kategorie Büro muss ein solches Ergebnis kein Anlass zu Besorgnis sein. Insofern eine Flächensteuerung nur als großes Ganzes sinnvoll möglich ist und die Verantwortung dezentral bei den Fakultäten liegt (vgl. Punkt Umsetzung und Parameter), wird ein solches Einzelergebnis zunächst ein Anhaltspunkt sein, die Verhältnisse am Institut und in der Fakultät näher zu betrachten. Die Geschäftsführung der Fakultät wird im Dialog mit den jeweiligen Institutsleitungen und andererseits dem Hauptberuflichen Vizepräsidenten (HVP) sowie Abteilung 37 (Flächenmanagement) ein ganzheitliches Bild der Situation gewinnen – und oft hat die Geschäftsführung auch bereits eine eigene Intuition, wie die Situation zu interpretieren ist und ob gegebenenfalls Handlungsbedarf besteht.
Die Abbildung skizziert, wie der jährlich ablaufende Prozess Flächensteuerung in wesentlichen Punkten aussieht. Die angegebenen Zeitpunkte beziehen sich auf das jeweils laufende Kalenderjahr.
Begleitet und gemonitort wird der gesamte Prozess durch den oben dargestellten Flächenbeirat.
Weitere Kernaufgaben von Flächenbeirat und Abteilung 37 umfassen in diesem Zusammenhang das Erschließen von Verbesserungspotenzialen, das Bearbeiten von Härtefällen sowie das Nachsteuern und Feinjustieren.
In unseren FAQ finden Sie weitergehende Fragen und Antworten zur Flächensteuerung.
Einen Überblick über die Historie des Projekts Flächensteuerung erhalten Sie hier.