Übersicht über Führungen 2024-25

Übersicht über die Führungen durch die Arzneimittelhistorische Sammlung Braunschweig 

in Zusammenarbeit mit dem Forum Industriekultur e.V.

1. Geschichten und Objekte aus der Alten Apotheke Wolfenbüttel

ab Januar 2024

 

Anette Marquardt und Bettina Wahrig

 

Seit dem 16. Jahrhundert gab es in Wolfenbüttel eine fürstliche Apotheke, die 1706 privatisiert und 1771 privilegiert wurde. Von 1843 bis 1960 führten Mitglieder der Familie Gerhard die Apotheke. Das nun nicht mehr als Apotheke genutzte Gebäude wird seit 2022 umfassend saniert. Für Dr. Anette Marquardt, Sammlungs- und Gefahrstoffexpertin, und Prof. Dr. Bettina Wahrig von der Abteilung für Pharmazie- und Wissenschaftsgeschichte der TU Braunschweig, ergab sich die Gelegenheit, zusammen mit Studierenden die umfangreichen Altbestände in Augenschein zu nehmen und zu untersuchen. Aufgefunden wurden kulturgeschichtlich und wissenschaftshistorisch wertvolle Objekte, die gesichtet, zu einem kleinen Teil in den Bestand der Arzneimittelhistorischen Sammlung der TU Braunschweig übernommen und zusammen mit fortgeschrittenen Studierenden erforscht werden konnten. Diese Forschungen sind noch lange nicht abgeschlossen, aber wir können Ihnen einen kleinen Einblick in unsere bisherige Tätigkeit geben. Interessant sind z.B. die für die Apotheke eigens hergestellten bedruckten Papiere, Schachteln und Behältnisse. Was enthielten sie? Welche Botschaften verbreiteten sie, was können sie uns über die Geschichte der Apotheke und die Beziehungen zu ihrem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umfeld erzählen? Was hatte ein Pflaster hinter dem Ohr zu suchen, wozu gab die Apotheke Medizinalhanf ab? Wie bewarb die Apotheke ihre selbst hergestellten "Schlankheitspillen"?

 

 

2. Riechen, räuchern, duften. Führung durch die Arzneimittelhistorische Sammlung

Anette Marquardt und Bettina Wahrig

ab Juni 2024

 

Nicht erst seitdem "Aromatherapie" in Mode gekommen ist, kennen wir Behandlungsmethoden mittels Dämpfen, Düften und Räucherungen. Wirksubstanzen wurden und werden durch Inhalation, lokale Räucherungen oder auch durch Aufbringen von Stoffen auf die Haut zur Wirkung gebracht. Traditionelle Substanzen wie etwa Weihrauch und Myrrhe, aromatischen Hölzer oder auch Aromen von Blütenpflanzen wurden in vielen Kulturen zur Vorbeugung oder Behandlung verschiedenster Krankheiten eingesetzt. Neueren Erkenntnissen zufolge verfügt der menschliche Körper über ca. 350 Geruchsrezeptoren, durch Mustererkennung im Gehirn können wir damit über 10.000 verschiedene Gerüche unterscheiden. Noch können wir nur in wenigen Fällen erkennen, welchen Beitrag die Rezeptoren zum therapeutischen Effekt der Substanzen beitragen; historisch können wir aber nachvollziehen, wie aromatische Substanzen verarbeitet und zur Wirkung gebracht wurden. Die Arzneimittelhistorische Sammlung Braunschweig verfügt über eine große Menge solcher Substanzen, und studentische Projekte haben einige Beispiele der historischen Verbindung von Wissenschaft, Kultur und Pharmazie erarbeitet.

 

3. Eine kleine Geschichte des weiblichen Körpers in 13 Stücken

 

ab 8. März 2025

 

Anette Marquardt und Bettina Wahrig

 

Anlässlich des Internationalen Tags der Frau werden ausgewählte Objekte aus der Arzneimittelhistorischen Sammlung Braunschweig gezeigt. Das Wort "Objekt" bekommt hier eine mehrfache Bedeutung, denn es geht auch um die Geschichte, wie Körper von Frauen, oder genauer gesagt, bestimmte Teile ihrer Körper, von der Forschung adressiert, beeinflusst und auch genutzt wurden. Weibliche Körper haben eine Schlüsselrolle bei der menschlichen Reproduktion, und dies ist historisch mit kulturellen Mustern verbunden. Die Objekte zeigen, dass wissenschaftliches Wissen verschiedener Zeiten auf weibliche Körper zielte, um sie zu beeinflussen, aber auch um sie zur Ressource zu machen. Wir zeigen z.B., welche Rolle Plazenta in kulturellen Praktiken und als Arznei in der Geschichte spielte, was Hautcremes mit Bleicremes und später mit weiblichen Hormonen zu tun hatten, wie der Urin von Menschen und Tieren zur Wirkstoffquelle wurde, wie "Weiblichkeit" in Relation zu "Männlichkeit" bzw. "Geschlecht" historisch verstanden und pharmakologisch hergestellt oder modifiziert worden ist. Die Ausstellung ist auch mit einer Führung durch die arzneimittelhistorische Sammlung Braunschweig verbunden.

Eine leicht modifizierte Version dieser Ausstellung ist zur Zeit im Institut für Geschichtswissenschaft, Bienroder Weg 81, auf Anfrage zu besichtigen.

4. Pharmakon: Gift und Arznei

ab Mai 2025

Dass "Pharmakon" neben der Bedeutung "Arzneimittel" auch die von "Gift" haben kann, ist den Meisten bewusst, denn schließlich macht die Dosis ja das Gift, wie Paracelsus behauptete. Im Griechischen bedeutete das Wort zusätzlich "Zaubermittel", und auch das ist z.B. für bewusstseinsverändernde Stoffe durchaus einleuchtend. Aber warum konnte des Wort auch "Farbe" bedeuten? Das hat uns vor fünf Jahren auf die Idee gebracht, eine Ausstellung zur Geschichte der Arzneimittel zu machen und diese nach Farben zu ordnen. Es hat erstaunlich gut funktioniert und vor allem gezeigt, in wieviel unterschiedlichen Funktionen ein bestimmter Stoff eingesetzt worden ist und wie oft die Entwicklung zwischen den vier Bedeutungen des Wortes "Pharmakon" hin- und herwechselte. Die Führung zeigt anhand von besonders interessanten Objekten aus der Arzneimittelhistorischen Sammlung Braunschweig dieses Hin und Her. Projektleitung hatte Anette Marquardt. Beiträge von Bettina Wahrig, Hermann Fischer und zahlreichen Studierenden aus dem Wahlpflichtfach Pharmaziegeschichte. Die Ausstellung war eine Kooperation mit der Universitätsbibliothek Braunschweig.

Die neue Auflage der Ausstellung setzt den Focus auf bestimmte Stoffe, z.B. die Wandlungen der Farbe "blau" vom pflanzlichen Textilfarbstoff zum Methylenblau und schließlich Indigo, von den verschiedenen "roten" Verbindungen wie etwa "Cochenille", ein aus einer Schildlausart gewonnenem roten Farbstoff, bis hin zum giftigen Zinnober oder schwergewichtigen Eisenoxid. Sie erklärt auch, wie frühere Weltbilder das Verständnis der Herstellung und Umwandlung von Stoffen erklärt haben und welche Herstellungstechniken damit erklärt wurden.