Die Technische Universität Braunschweig versteht Nachhaltigkeit als zentrales Leitprinzip in Forschung, Lehre und Transfer und richtet ihr Handeln konsequent an globalen Nachhaltigkeitszielen aus. Sie qualifiziert Studierende nicht nur fachlich, sondern befähigen sie auch als „Changemaker“, die gesellschaftliche Transformationsprozesse aktiv mitgestalten. Bereits heute weist rund ein Drittel aller Lehrveranstaltungen an der TU Braunschweig einen expliziten, inhaltlichen Bezug zu Nachhaltigkeitsthemen auf und trägt damit zur Sensibilisierung und Qualifizierung für zentrale Zukunftsfragen bei.
Zugleich zeigt eine Untersuchung der Modulbeschreibungen aller Studiengänge, dass die curriculare Sichtbarkeit von Nachhaltigkeitsthemen noch weiter gestärkt werden kann. Inhalte, Lehrformate und Kompetenzziele bieten vielfältige Ansatzpunkte, um die Leitidee einer nachhaltigen Entwicklung systematisch zu integrieren, sichtbarer zu machen und innovativ weiterzuentwickeln. Vor diesem Hintergrund möchte das Green Office der TU Braunschweig mit dieser Ausschreibung gezielt Lehransätze fördern, die Studierende in ihrer Rolle als Changemaker stärken und die damit die curriculare Verankerung von Nachhaltigkeit unterstützen.
Gefördert werden Konzepte zur gezielten (Weiter-)Entwicklung von Lehrveranstaltungen oder Modulen, z. B.:
Szenario 1: Sichtbarkeit von Nachhaltigkeitsthemen erhöhen (geringer Aufwand)
Eine Lehrperson überarbeitet die Beschreibung einer bestehenden Lehrveranstaltung mit dem Ziel, bereits vorhandene Nachhaltigkeitsaspekte systematisch zu konkretisieren und sichtbar zu machen. Hierzu werden insbesondere Lernziele geschärft und Inhalte aktualisiert sowie präziser beschrieben. Die Überarbeitung erfolgt auch mit Blick auf die Erfassung in digitalen Systemen wie HISinOne oder Stud.IP, sodass Nachhaltigkeitsbezüge für Studierende leichter erkennbar werden. Gleichzeitig leistet das Vorhaben einen Beitrag zur langfristigen Verbesserung des Monitorings nachhaltigkeitsbezogener Lehrveranstaltungen an der TU Braunschweig. Für die Umsetzung kann die Förderung beispielsweise zur Finanzierung einer studentischen Hilfskraft genutzt werden, die die inhaltliche Aufbereitung und Überarbeitung unterstützt.
Szenario 2: Methodische Neugestaltung durch praxisorientierte Lehrformate (hoher Aufwand)
Ein Lehrteam entwickelt ein innovatives, praxisorientiertes Lehrformat, in dem Studierende Nachhaltigkeitsthemen aktiv bearbeiten. Dies kann beispielsweise in Form eines Projektseminars mit externen Praxispartnern, eines Reallabors oder einer Exkursion geschehen. Studierende arbeiten dabei an realen Fragestellungen (z. B. aus Kommunen, Unternehmen oder zivilgesellschaftlichen Initiativen) und entwickeln eigenständig Lösungsansätze. Zur Umsetzung können Mittel etwa für Exkursionen, externe Expert*innen oder die Begleitung studentischer Projektarbeit eingesetzt werden. Ziel ist es, das entwickelte Lehrformat langfristig im Curriculum zu verankern und als wiederkehrendes Angebot zu etablieren.
Antragsberechtigt sind Lehrpersonen (Professor*innen, wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, Lehrbeauftragte) aller Fakultäten.
Bewerbungen sind sowohl als einzelne Lehrpersonen, als auch als Lehrteam (gerne auch fach- oder fakultätsübergreifend) möglich. Bei interdisziplinären Lehrteams kann die Fördersumme auch auf unterschiedliche Institute aufgeteilt werden.
Förderhöhe: bis zu 2.000 € pro Projekt
Laufzeit: Die Förderphase beginnt im Juni 2026 und endet mit dem Abschluss des Wintersemesters 2026/2027. Sollten Maßnahmen über den Förderzeitraum hinaus umgesetzt werden, steht das Green Office weiterhin beratend zur Verfügung.
Auftakt
Eine Informationsveranstaltung zum Ideenwettbewerb sowie zu möglichen Förderszenarien hat am 20. April um 14:00 Uhr als digitales Format stattgefunden.
Begleitende Beratung
Der Förderzeitraum beginnt im Juni 2026 und endet mit dem Wintersemester 2026/2027. Während dieses Zeitraums besteht jederzeit die Möglichkeit einer individuellen Beratung.
Für September 2026 bitten wir Sie, einen verbindlichen Check-up-Termin mit dem Green Office zu vereinbaren, um den aktuellen Stand Ihres Vorhabens gemeinsam zu besprechen.
Abschluss
Für Februar 2027 ist eine Abschlussveranstaltung vorgesehen. In diesem Rahmen evaluieren die geförderten Teams den Stand ihrer Projekte, tauschen sich über ihre Erfahrungen aus („Was lief gut?“, „Welche Lessons Learned ergeben sich?“) und knüpfen Kontakte untereinander.
Maßnahmen die gefördert werden, informieren wir rechtzeitig über alle Termine.
Folgende Umgestaltungs- und Erweiterungsmaßnahmen werden im Pilotdurchlauf unseres Ideenwettbewerbs 2026/2027 gefördert:
Worum geht es?
Die Lehrveranstaltung „Lebensmitteltoxikologie“ vermittelt grundlegende Kenntnisse zu gesundheitlich relevanten Stoffen in Lebensmitteln sowie deren toxikologischer Bewertung. Thematisiert werden unter anderem Kontaminanten und Rückstände, Mykotoxine, Pestizide, Prozesskontaminanten, natürliche toxische Stoffe, Tierarzneimittel, Antibiotikaresistenzen und Lebensmittelunverträglichkeiten.
Ergänzt wird die Vorlesung durch ein Seminar und ein Laborpraktikum, in denen Studierende aktuelle Fragestellungen der Lebensmitteltoxikologie eigenständig bearbeiten, präsentieren und diskutieren. Das Praktikum verbindet analytische und toxikologische Methoden mit biologischen Testsystemen und vermittelt praxisnah Kompetenzen im Nachweis von Schadstoffen sowie in der Bewertung toxikologischer Wirkungen.
Geförderte Maßnahmen
Im Rahmen der Fördermaßnahme wird eine nachhaltige Umgestaltung des Praktikums unterstützt. Ziel ist es, bislang verwendete tierische Komponenten und Versuchssysteme schrittweise durch moderne Alternativen zu ersetzen, ohne die wissenschaftliche Aussagekraft der Versuche zu reduzieren.
Dazu gehören insbesondere:
Darüber hinaus werden die Studierenden aktiv in die Reflexion über Reproduzierbarkeit, Nachhaltigkeit und ethische Fragestellungen toxikologischer Forschung eingebunden. Die Umstellung wird von einer curricularen Weiterentwicklung sowie neuen Lehr- und Lernmaterialien begleitet.
Lehrperson(en): Jun.-Prof. Dr. Jana Raupbach und Team, Institut für Lebensmittelchemie
Worum geht es?
Die Lehrveranstaltung verbindet sozialwissenschaftliche Perspektiven mit technischer Produktentwicklung und kombiniert DIY-Kultur, kritisches Denken und Prototyping. Studierende setzen sich mit Erkenntnissen aus den Gender Studies, den Intersectionality Studies sowie den Science and Technology Studies auseinander und reflektieren, wie gesellschaftliche Machtverhältnisse technische Entwicklungsprozesse prägen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass technische Artefakte – von Maschinen bis zu Apps – aufgrund von Geschlecht, Körperbau, Alter oder sozialem Hintergrund nicht für alle Menschen gleichermaßen funktionieren und unterschiedliche Ein- und Ausschlüsse erzeugen können. Ziel der Lehrveranstaltung ist es, angehende Ingenieur*innen dafür zu sensibilisieren, eigene Vorannahmen zu hinterfragen und Technikentwicklung aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.
Die Studierenden analysieren selbstgewählte technische Artefakte kritisch und entwickeln in einer praxisorientierten Blockphase in Kleingruppen eigene Prototypen, die diese Ein- und Ausschlüsse sichtbar machen und alternative Wege der Technikentwicklung aufzeigen. Die praktische Umsetzung erfolgt gemeinsam mit einem Lehrbeauftragten im MakerSpace der Protohaus gGmbH und wird durch Präsentationen und gemeinsame Reflexionsformate begleitet. Dabei erwerben die Studierenden die Fähigkeit, gesellschaftliche Strukturen wie Geschlechterverhältnisse, Intersektionalität und Stereotypisierung im Kontext technischer Entwicklung zu analysieren und kritisch zu reflektieren. Gleichzeitig stärken sie ihre Kompetenzen im interdisziplinären Arbeiten, im innovativen Denken sowie in der schnellen Entwicklung und Umsetzung eigener Prototypen.
Geförderte Maßnahmen
Mit der Förderung soll die Veranstaltung inhaltlich präzisiert und erweitert werden, damit Lern- und Arbeitsumfang 5 CP bzw. 4 SWS entsprechen (bislang: 2 CP/2 SWS). Darüber hinaus ist geplant, Bezüge zu anderen Lehrveranstaltungen aus den Studiengängen der Fakultät Maschinenbau herauszuarbeiten, um die bereits erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Studierenden passgenauer einbinden zu können und Beispiele zu nutzen, die einen Studien- und Praxisbezug haben.
Eine studentische Mitarbeiterin unterstützt die Weiterentwicklung des Curriculums sowie die Zusammenstellung geeigneter Grundlagenmaterialien aus den Science and Technology Studies sowie den Gender- und Intersektionalitätsstudien. Ziel ist es, die Lehrveranstaltung fachlich zu schärfen, den Praxis- und Studiengangsbezug auszubauen und den Studierenden innovative Methoden kritischer Technikentwicklung nachhaltig zugänglich zu machen.
Lehrperson(en): Jun.-Prof. Dr. Henriette Bertram und Team, Institut für Bauklimatik und Energie der Architektur
Worum geht es?
Das Einführungsseminar setzt sich aus erziehungswissenschaftlicher und soziologischer Perspektive mit der Lebensphase Jugend auseinander. Im Mittelpunkt stehen gesellschaftliche Herausforderungen wie Leistungsdruck, Zukunftsunsicherheit, soziale Ungleichheit, ökonomische Prekarität, Klimakrise und kriegsbedingte Verunsicherung. Dabei verfolgt die Lehrveranstaltung eine ungleichheitssensible Perspektive, die insbesondere marginalisierte jugendliche Lebenswelten sichtbar macht.
Die Studierenden arbeiten in kleinen Forschungsgruppen und führen eigenständig empirische Forschungsprojekte durch. Mithilfe qualitativer Methoden wie Interviews, Beobachtungen sowie der Analyse von Text- und Bildmaterial untersuchen sie unterschiedliche jugendliche Lebenswelten in Schulen, Jugendzentren, Vereinen oder öffentlichen Räumen.
Das Seminar verbindet wissenschaftliches Arbeiten, forschendes Lernen und Wissenschaftskommunikation und stärkt damit sowohl fachliche als auch praxisrelevante Kompetenzen.
Geförderte Maßnahmen
Das bestehende Vertiefungsseminar wird sowohl konzeptionell als auch didaktisch weiterentwickelt und inhaltlich stärker auf Fragen sozialer Ungleichheit sowie auf marginalisierte jugendliche Lebenslagen ausgerichtet. Im Zentrum steht dabei eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Auswirkungen gesellschaftlicher Polykrisen auf unterschiedliche Jugend(-en). Darüber hinaus wird das Seminar um ein forschungsorientiertes Lehrformat erweitert, in dem Studierende eigenständig empirische Forschungsprojekte planen, durchführen und auswerten.
Die Ergebnisse dieser Projekte sollen nicht ausschließlich im Seminar verbleiben, sondern im Sinne öffentlicher Wissenschaftskommunikation über Podcasts sowie mögliche Diskussions-veranstaltungen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Langfristig ist vorgesehen, das Projektseminar dauerhaft im Wintersemesterturnus zu etablieren und damit nachhaltig im Lehrangebot zu verankern.
Lehrperson(en): Dr. phil. Kai Schade und Team, Institut für Erziehungswissenschaft
Worum geht es?
Die Lehrveranstaltung richtet sich an Studierende im Verkehrswesen mit Schwerpunkt Eisenbahnsicherungstechnik. Im Mittelpunkt steht die Planung von Eisenbahnsignalanlagen, die sowohl theoretisch als auch praktisch erlernt wird. Zunächst werden grundlegende Konzepte, Prozesse und Rahmenbedingungen der Signalplanung vermittelt. Darauf aufbauend wenden die Studierenden ein professionelles Planungstool (ProSig) an, um konkrete Planungsaufgaben im Rahmen einer Modellbahnhof-Projektarbeit zu bearbeiten. Dabei dokumentieren und reflektieren sie ihre Planungsentscheidungen und setzen sich mit aktuellen sowie zukünftigen Entwicklungen der Signaltechnik auseinander.
Die Lehrveranstaltung wird konzeptionell zu einem stärker integrierten, praxisnahen und zukunftsorientierten Lehrformat weiterentwickelt.
Geförderte Maßnahmen
Die bisherige Trennung von Theorie- und Praxisphasen wird durch ein verzahntes didaktisches Konzept ersetzt, in dem beide Elemente kontinuierlich aufeinander aufbauen und miteinander verschränkt sind.
Inhaltlich wird die Veranstaltung um Aspekte der digitalen Transformation im Bahnwesen erweitert, insbesondere um cloudbasierte Datenverwaltung, elektronische Planungsprozesse und Automatisierungstechnologien. Diese Inhalte werden nicht nur theoretisch behandelt, sondern direkt in praktischen Aufgaben angewendet.
Zudem werden zukünftige Entwicklungen im Eisenbahnsystem – etwa automatisierte Betriebsformen wie Moving Block, sowie deren Auswirkungen auf die Planung und dem Berufsbild von Planer*innen von Leit- und Sicherungstechnik stärker berücksichtigt. Zur Erhöhung des Praxisbezugs werden außerdem externe Expert*innen aus der Industrie eingebunden, die aktuelle Anwendungen und Entwicklungen vorstellen und mit den Studierenden diskutieren.
Lehrperson(en): Jiaming Liu und Dr. Gunnar Bosse, Insttut für Eisenbahnwesen und Verkehrssicherung
Die aktuelle Förderrunde des Ideenwettbewerbs „Zukunft Lehren!“ startet im Juni 2026 und endet mit Abschluss des Wintersemesters 2026/2027. Aufgrund der hohen Nachfrage wird derzeit geprüft, ob der Ideenwettbewerb auch im Jahr 2027 fortgeführt werden kann. Informationen hierzu werden fortlaufend auf dieser Seite veröffentlicht.
Lehrende der TU Braunschweig sind herzlich eingeladen, auch künftig innovative Ideen für eine nachhaltigkeitsorientierte Hochschullehre einzubringen und gemeinsam neue Impulse für Studium und Lehre zu setzen. Bei Fragen oder Projektideen können Sie jederzeit Kontakt mit uns aufnehmen.
Kontakt für Rückfragen zum Ideenwettbewerb.
Die Maßnahmen werden durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) im Rahmen des Programms „zukunft.niedersachsen“ finanziert.