iBMB | Löwenstark auf dem Beetzsee – Die TU Braunschweig bei der 20. Betonkanu-Regatta

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Zement, Sand und Wasser – für viele sind das die klassischen Bestandteile von Beton. Dass daraus jedoch schwimmfähige Wettkampfboote entstehen können, zeigte die 20. Betonkanu-Regatta in Brandenburg an der Havel. Vom 18. bis 20. Juni 2026 präsentierte ein studentisches Team der TU Braunschweig zwei selbst entwickelte Betonkanus und stellte sich damit dem Wettbewerb mit Hochschulen und Schulen aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland.

Die Baulöwen: Sechs Monate Planung, Konstruktion und Teamarbeit

Unter dem Motto „Baulöwen“ – passend zur Löwenstadt Braunschweig und dem Siegel der TU Braunschweig – begann für 24 Studierende vor rund sechs Monaten die intensive Vorbereitungsphase. In den Bereichen Organisation, Konstruktion, Bau und Kommunikation arbeiteten sie gemeinsam an der Entwicklung zweier Betonkanus. Unterstützt wurde das Team dabei durch das Institut für Baustoffe, Massivbau und Brandschutz (iBMB).

Ziel der Betonkanu-Regatta ist die Entwicklung eines Kanus, das nicht nur schwimmt, sondern auch die Wettkampfstrecken über 100 Meter Sprint und 100 Meter Slalom erfolgreich bewältigt. Darüber hinaus werden die Boote von einer Fachjury in den Kategorien Konstruktion, Design und Nachhaltigkeit bewertet. Veranstaltet wird der Wettbewerb vom InformationsZentrum Beton.

Im Mittelpunkt des diesjährigen Braunschweiger Konzepts standen zwei unterschiedliche Ansätze: Einerseits sollte ein besonders leichtes und dünnes Kanu entstehen, dessen Gewicht durch den Einsatz von Blähglas reduziert wurde. Andererseits entwickelte das Team ein nachhaltiges Kanu mit einem möglichst geringen CO₂-Fußabdruck.

Vom Rückschlag zum fertigen Betonkanu

Wie bei vielen Projekten verlief auch die Entwicklung der Kanus nicht ohne Herausforderungen. Zunächst plante das Team, eine Schalungskonstruktion aus vergangenen Wettbewerbsjahren weiterzuverwenden und an die neue Bootsform anzupassen. Damit sollten Ressourcen geschont und vorhandene Materialien sinnvoll genutzt werden.

Während der Herstellung zeigte sich jedoch, dass die eigens entwickelte Betonrezeptur nur schwer zu verarbeiten war. Insbesondere das Einbringen des Materials in die filigrane Schalung sowie die Kombination mit den eingelegten Glasfaserbewehrungen erwiesen sich als anspruchsvoll. Beim Ausschalen kam es schließlich zum Bruch des Kanus und der Schalung.

Trotz dieses Rückschlags entschied sich das Team für einen Neuanfang. Die Schalung wurde grundlegend überarbeitet und die Betonrezeptur erneut getestet und optimiert. Der Aufwand zahlte sich aus: Ende April konnte das erste Kanu erfolgreich ausgeschalt werden. Der „Hydrolöwe“ war geboren – 5,1 Meter lang, nur 55 Kilogramm schwer und mit einer Wandstärke von lediglich fünf Millimetern.

Direkt im Anschluss begann die Fertigung des zweiten Kanus. Für dieses nachhaltige Konzept setzte das Team auf eine alternative Betonrezeptur sowie Jutematten als Bewehrung. Zusätzlich wurden Kokosfasern integriert, um Schwindrisse zu minimieren. Aufgrund der langen Mischzeiten und des hohen Wasserbedarfs der Naturfasern wurde der Mischprozess mit Eis gekühlt, um die Temperaturentwicklung zu begrenzen.

Auch dieser Bauabschnitt verlief erfolgreich. In kurzer Zeit entstand das zweite Kanu „Leo“, das bei einer Länge von 5,1 Metern rund 87 Kilogramm auf die Waage brachte. Die sichtbaren Jutematten verliehen dem Boot dabei seinen charakteristischen „Piratenlook“ und machten die nachhaltige Bauweise unmittelbar erkennbar.

Gemeinsam nach Brandenburg

Neben der technischen Entwicklung der Kanus engagierte sich ein weiteres Team für die Außendarstellung des Projekts. Es entwickelte das Ausstellungskonzept, betreute die Social-Media-Kanäle für den Wettbewerb und gestaltete die Präsentation des Teams vor Ort.

Ein besonderer Dank gilt den zahlreichen Unterstützern des Projekts. Durch das Engagement von Ludwig Freytag, TSN Beton, GP Betonwerke, der Ingenieurkammer Niedersachsen, MICON Drilling, Bötel, Kroker sowie der Fahrschule Schmidt konnten Materialien beschafft, Schalungen gefertigt und die Reise des gesamten Teams nach Brandenburg ermöglicht werden.

Auf dem Gelände der Regattastrecke Beetzsee richteten die Baulöwen ihren Ausstellungsstand sowie den gemeinsamen Campingbereich ein. Während der Veranstaltung präsentierten die Studierenden ihre Konzepte der Jury und standen zahlreichen interessierten Besucherinnen und Besuchern für Fragen rund um die Konstruktion und Herstellung der Kanus zur Verfügung.

Erfolgreicher Wettkampf mit unerwarteter Wendung

Bei sommerlichen Temperaturen von rund 30 Grad gingen die Baulöwen mit zwei Herren-Teams, einem Damen-Team und einem Mixed-Team an den Start.

Bereits in den ersten Wettkampfrunden konnten die Studierenden wichtige Erfolge feiern. Beide Kanus bewältigten die Strecken zunächst unbeschadet, und sowohl das Damen-Team als auch das Mixed-Team sowie ein Herren-Team qualifizierten sich für die nächste Runde.

Im weiteren Verlauf musste das Team jedoch einen Rückschlag hinnehmen. Das ursprünglich als besonders robust konzipierte Kanu wurde durch die hohen Belastungen beim Wettkampf beschädigt und nahm Wasser auf. Dank der Unterstützung der Wettkampfleitung durfte das Team auf das nachhaltige Kanu „Leo“ wechseln und die Rennen fortsetzen.

Trotz großem Einsatz reichte es aufgrund des höheren Gewichts und der raueren Oberfläche des Ersatzbootes nicht für weitere Qualifikationen. Mit einer Bestzeit von 1:54,02 Minuten präsentierte sich die TU Braunschweig dennoch konkurrenzfähig und sammelte wertvolle Erfahrungen für kommende Wettbewerbe.

Mehr als ein Wettbewerb

Auch wenn es in diesem Jahr weder für einen Jurypreis noch für eine Platzierung auf dem Siegerpodest reichte, fällt das Fazit der Baulöwen durchweg positiv aus. Die vergangenen Monate waren geprägt von Teamarbeit, technischem Tüfteln, kreativen Lösungen und der Bereitschaft, Rückschläge gemeinsam zu überwinden.

Die 20. Betonkanu-Regatta hat einmal mehr gezeigt, wie viel Engagement, Fachwissen und Begeisterung in studentischen Projekten steckt. Die Baulöwen blicken bereits nach vorn – und freuen sich über alle, die das Team bei zukünftigen Wettbewerben unterstützen möchten.

Mehr Bilder und Videos von der Betonkanuregatta findet Ihr auf unserem Instagram-Account:

https://www.instagram.com/betonkanu_tu.braunschweig/

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