Mit der öffentlichen Vorstellung des Fahrzeugs am 11. Februar 2026 findet das Forschungs- und Entwicklungsprojekt „SUE“ (Self-Driving Urban E-Shuttle) seinen erfolgreichen Abschluss. Das Besondere: Von der Fahrzeugplattform über die Systemarchitektur bis zur autonomen Fahrsoftware wurde das autonome E-Shuttle vollständig in Deutschland entwickelt und erprobt. Die Entwicklung des automatisierten Fahrsystems erfolgte unter Leitung des Instituts für Fahrzeugtechnik (IfF) der Technische Universität Braunschweig.
„SUE“ ist ein deutsches Leuchtturmprojekt für technologische Souveränität im Bereich der autonomen Mobilität. Der vollelektrische, autonom fahrende People Mover wurde dabei für den realen Einsatz im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) konzipiert. Er soll insbesondere dort zum Einsatz kommen, wo bestehende Angebote enden oder neue Verbindungen entstehen sollen. Das Projekt wurde von UE Studios initiiert und umgesetzt und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.
Von der Forschung in die Anwendung
Das Fahrzeug basiert auf einer innovativen 48-Volt-Skateboard-Plattform mit flach integrierten Batteriesystemen und modularer Architektur. Eine Besonderheit ist die Auslegung für Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h – deutlich über dem Niveau vieler bisheriger Shuttle-Konzepte im Testbetrieb. Damit ist SUE konsequent auf den regulären Einsatz im urbanen und regionalen Verkehr vorbereitet. Eine geplante Einsatzstrecke zwischen Neustadt an der Donau und Bad Gögging steht exemplarisch für das Ziel, bestehende Mobilitätslücken zu schließen und neue Direktverbindungen zu schaffen. Das Projekt wurde von einem interdisziplinären Konsortium getragen. Neben den UE Studios und der TU Braunschweig waren unter anderem DB Regio, ElringKlinger, Faissner Petermeier Fahrzeugtechnik AG, Fraunhofer EMFT, die Technische Hochschule Ingolstadt sowie kommunale Partner wie der Landkreis Kelheim beteiligt.
Forschung, Sicherheit und Realerprobung
Die autonome Fahrsoftware wurde am Institut für Fahrzeugtechnik unter Leitung von Professor Dr.-Ing. Roman Henze entwickelt und in umfangreichen Realversuchen validiert. Zum Einsatz kommen KI-basierte Verfahren zur Objekterkennung, -verfolgung und Distanzschätzung sowie Strategien zur sicheren Interaktion mit besonders schutzbedürftigen Verkehrsteilnehmenden. Das System ist für Geschwindigkeiten bis 50 km/h ausgelegt. Die Arbeiten sind eingebettet in die Forschungsinfrastruktur des Niedersächsisches Forschungszentrum Fahrzeugtechnik (NFF), das als interdisziplinäre Plattform der TU Braunschweig Kompetenzen in Fahrzeugtechnik, Digitalisierung und nachhaltiger Mobilität bündelt. Realtests fanden unter anderem mit dem am Institut selbst aufgebauten Versuchsfahrzeug „RAION“ statt. Das Fahrzeug- und Sicherheitskonzept wurden gemeinsam mit TÜV NORD Mobilität geprüft.
Aktuell ist SUE nach Level-2-Standards zugelassen und sieht einen Operator im Innenraum vor. Die Architektur ermöglicht jedoch perspektivisch den Übergang zum vollautonomen Betrieb ohne grundlegende bauliche Anpassungen. Die modulare Plattform ist als skalierbares Smart-Chassis ausgelegt und eröffnet Perspektiven für weitere Fahrzeugkonzepte. Damit versteht sich SUE nicht als Einzelprototyp, sondern als technologische Basis für künftige Anwendungen.
Kontakt
Prof. Dr.-Ing. Roman Henze
Technische Universität Braunschweig
Institut für Fahrzeugtechnik
Hermann-Blenk-Straße 42, 38108 Braunschweig
Tel.: +49 531 391-66608
E-Mail: r.henze(at)tu-braunschweig.de