Institut für Geomechanik und Geotechnik

IGB
Bildnachweis: Robert Zech/TU Braunschweig

Aktuelles vom IGG-TUBS

Wir haben uns umbenannt!

Mit dem amtlichen Verkündungsblatt Nr. 1282 vom 17. Dezember 2019 der TU Braunschweig heißt das ehemalige Institut für Grundbau und Bodenmechanik jetzt Institut für Geomechanik und Geotechnik.

Zur Begründung dieser Umbenennung nachfolgend Auszüge aus dem Antrag von Univ.-Prof. Dr.-Ing. Joachim Stahlmann im Juni 2019:

"Die Begriffe 'Grundbau' und 'Bodenmechanik' sind tradierte, aber veraltete Bezeichnungen und decken nur zu einem Teil die Inhalte der Lehre und Forschung des Institutes ab. Diese orientieren sich an der durch eine Weiterentwicklung und Ausweitung der Aufgabenfelder entstandenen modernen Geotechnik mit den Bereichen Bodenmechanik, Felsmechanik, Salzmechanik, Grundbau, Felsbau, Tunnelbau, Untertägiger Hohlraumbau, Geomesstechnik, Umweltgeotechnik, Grundbaudynamik und numerische Geotechnik.

Nicht zuletzt äußert sich dies in der schon vor Jahren vorgenommenen Änderung der Bezeichnung des Pflichtmoduls im Bachelorstudium in 'Geotechnik'. Auch die Standesvertretung hat bereits in den 1990er Jahren ihren Namen 'Deutsche Gesellschaft für Erd- und Grundbau' in 'Deutsche Gesellschaft für Geotechnik' geändert. Darüber hinaus führen auch fast alle artverwandten Institute der TU9 den Begriff 'Geotechnik' in ihrem Namen.

Während in den 1990er Jahren der Schwerpunkt in der Geotechnik vorwiegend im Grund- und Felsbau lag und die Boden- und Felsmechanik einen eher geringeren Anteil hatte, nahm die Bedeutung der mechanisch geprägten Felder in den letzten Jahren stetig zu. Noch immer wird die Geomechanik unter dem Begriff 'Geotechnik' subsummiert, dies entspricht aber nicht mehr ihrer heutigen Bedeutung. So ist gerade im Bereich der Forschung mit der Entwicklung moderner höherwertiger Stoffmodelle und ihrer Anwendung in numerischen Analysen eine erhebliche Zunahme an Forschungsprojekten zu verzeichnen.

National ist der Begriff 'Geomechanik' zurzeit nur an der TU Clausthal im Institut für Aufbereitung, Deponietechnik und Geomechanik eingeführt. Der in diesem Institut angesiedelte Lehrstuhl für Deponietechnik und Geomechanik beschäftigt sich überwiegend mit Salzmechanik. Im deutschsprachigen Ausland führt die österreichische Standesorganisation die Bezeichnung 'Österreichische Gesellschaft für Geomechanik'. Im internationalen Umfeld finden sich sowohl die Bezeichnung 'Geomechanics' als auch 'Geotechnics'.

Die von meinem Institut angebotene Lehre umfasst alle obengenannten Bereiche der Geomechanik und Geotechnik. So werden im Bachelorstudium das Pflichtmodul 'Geotechnik' und das Wahlpflichtmodul 'Tunnelbau' gelehrt. Im Masterstudium werden die Pflichtmodule 'Theoretische und experimentelle Boden- und Felsmechanik' und 'Grund- und Felsbau und Grundbaudynamik' sowie die Wahlpflichtmodule 'Tiefenlagerung (toxischer und radioaktiver Abfälle)', 'Untertägiger Hohlraumbau' und 'Numerik in der Geotechnik und Geomesstechnik' angeboten.

In der Forschung werden zurzeit zwei Schwerpunktbereiche in meinem Institut bearbeitet. Zum einen sind dies die Gründungsstrukturen von Offshore-Windenergieanlagen, die nicht der klassischen Bodenmechanik und dem klassischen Grundbau zuzurechnen sind. Hier steht die Weiterentwicklung von Stoffmodellen gepaart mit ihrer Überprüfung an großmaßstäblichen Modellversuchen zur zyklischen Belastung dieser Gründungsstrukturen im Vordergrund.

Zum anderen werden umfangreiche Forschungen im Zusammenhang mit der End- oder Tiefenlagerung hochradioaktiver Abfallstoffe durchgeführt. Im Rahmen dieser Forschungen werden Stoffmodelle für Steinsalz entwickelt, felsmechanische Ansätze zur Durchströmung verfolgt, numerische Methoden angewendet, Konzepte für Tiefenlager entwickelt etc..

Dieser durch die jetzige Institutsbezeichnung in keiner Weise repräsentierte Bereich, ist auch für die Region Braunschweig von besonderer Bedeutung. Die Region liegt in unmittelbarer Nähe zu bestehenden oder zukünftigen End- bzw. Tiefenlagern für radioaktive Abfallstoffe. Weiterhin stellen die in Niedersachsen anstehenden geologischen Formationen potentielle Wirtsgesteine für ein Endlager für hochradioaktive, wärmeentwickelnde Abfälle dar, sodass im Rahmen des Standortauswahlverfahrens auch in Niedersachsen weiterer Forschungsbedarf entsteht. In der Region sind mit der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE und BGE Technology), der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, einige der bedeutendsten Institutionen der Endlagerung angesiedelt. Neben diesen äußeren Randbedingungen haben auch die Kompetenz und die Kontakte des Instituts dazu geführt, dass das Thema Tiefenlagerung mit all seinen Facetten einen hohen Stellenwert in Forschung und Lehre an der TU Braunschweig eingenommen hat und als ein Leuchtturmprojekt in der deutschen Hochschullandschaft angesehen werden kann.

Zukünftige Entwicklungen durch eine Verlagerung von Forschungsschwerpunkten wären mit dieser Namensänderung auch berücksichtigt. So entwickelt sich zurzeit ein neuer Forschungszweig im Bereich des Rückbaus oder der nachträglichen Ertüchtigung von Offshore-Gründungstrukturen. In Bezug auf die Energiewende wird der Bau von Energiespeichersystemen und -formen diskutiert, der neue Herausforderungen für die Geotechnik darstellen wird. Diese Aufgabenfelder sind unter den bisherigen Begriffen 'Bodenmechanik' und 'Grundbau' nicht zeitgemäß zu beschreiben."

 

 


Kontakt

Univ.-Prof. Dr.-Ing.
Joachim Stahlmann
Institut für Geomechanik und Geotechnik
Beethovenstraße 51b
38106 Braunschweig

Tel.: +49 (0)531 391 62000
Fax: +49 (0)531 391 62040
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