Rückblick auf das 21. Braunschweiger Baubetriebsseminar

Beschleunigung von Bauprojekten

Am 13. März 2026 fand in den Hallen des WESTAND Event & Kultur das mittlerweile 21. Braunschweiger Baubetriebsseminar des Instituts für Bauwirtschaft und Baubetrieb (IBB) zum Leitthema „Beschleunigung von Bauprojekten – Zielsetzung, Grundlagen und Realisierung“ statt. Ziel der Veranstaltung mit knapp 200 Teilnehmenden war es, Hemmnisse und Strategien für beschleunigte Abläufe in Planung und Ausführung zu beleuchten und zugleich den Dialog zwischen verschiedenen Beteiligten der Praxis zu fördern.

In der Eröffnung hob Herr Prof. Patrick Schwerdtner die steigende gesellschaftliche und wirtschaftliche Relevanz des Themas hervor. Angesichts der drängenden Bedarfe – u. a. im Bereich der Infrastruktur, des Wohnungsbaus und der Energiewende – sei die Beschleunigung von Bauprojekten ein zentrales Zukunftsthema für die Bau- und Immobilienwirtschaft. Im Anschluss präsentierte Herr Andreas Irngartinger aus Sicht der DEGES eine ehrliche Bestandsaufnahme der Herausforderungen. Angesichts der besonderen Randbedingungen im Hinblick auf das Baurecht und die Finanzierung könnten sich Produktivitätssteigerungen, eine partnerschaftliche Projektabwicklung und eine konsequente Digitalisierung (Schwerpunkt BIM) positiv auf die Realisierungsdauer auswirken.

Im zweiten Block wurden Handlungsoptionen im Zuge der Vergabe aufgezeigt. Zunächst stellte Frau Dr. Ruth Herten-Koch die relevanten Grundlagen des Vergaberechts und vorhandene Beschleunigungsansätze im Beschaffungsprozess vor. Da vergaberechtlich ausreichend Möglichkeiten vorhandenen seien, käme es eher auf die konsequente und zielorientierte Umsetzung einer frühzeitig formulierten Strategie an. Anschließend nahm Herr Andreas Jancar das Auditorium mit auf eine Reise zu zwei bedeutenden Vorhaben im Brückenbau, die aktuell durch einen zügige Vergabeprozess und einen (mindestens) planmäßigen Baufortschritt für positive Schlagzeilen sorgen. Durch den Vergleich der Ersatzneubauten der Talbrücke Rahmede und der Ringbahnbrücke in Berlin anhand verschiedener Meilensteine (u. a. bei den Bewertungskriterien für die Vergabe) wurde deutlich, dass Geschwindigkeit bei der Erneuerung der Infrastruktur eine relevante und machbare Zielsetzung darstellt. 

Nach der Mittagspause folgt eine Betrachtung des Umgangs mit Beschleunigungen während der Bauausführung. Zunächst verdeutlichte Herr Prof. André Maire die Varianten der Beschleunigung aus baubetrieblicher Sicht. Nach einer Abgrenzung zwischen geschuldeter und angeordneter (bzw. „gewünschter“) Beschleunigung wurden sechs mögliche Handlungsbereiche beschrieben, die bspw. mittels zusätzlicher Kapazitäten, verfahrenstechnischen Änderungen oder organisatorischen Maßnahmen umgesetzt werden können. Hierauf aufbauend startete Herr Prof. Heiko Fuchs seinen Vortrag zu Beschleunigungsanordnungen und -vereinbarungen mit einer rechtlichen Einordnung der Optionen. Die weiteren Ausführungen verdeutlichten insbesondere die Bedeutung der Dispositionsfreiheit des Unternehmers und die Grenzen des (zeitlichen) Anordnungsrechts, bevor konkrete Hinweise zur Gestaltung und Wirksamkeit von Beschleunigungsvereinbarungen vorgestellt wurden.

Im vierten Block des Seminars dienten zwei Impulsvorträge dazu, über innovative Ansätze der Realisierung zu diskutierten. Zunächst erläuterte Herr Gerrit Placzek anhand der Forschungsergebnisse aus dem Sonderforschungsbereich „Additive Manufacturing in Construction“ (TRR 277) und den weiteren Erkenntnissen aus der Arbeit an seiner Dissertation wesentliche Grundlagen, Anwendungsbereiche und Vorteile des „3D-Drucks“. Frau Dagmar Frenz präsentierte die Möglichkeiten und Anforderungen einer Symbiose von Produkt und Produktion, um hieraus resultierende Vorteile in monetärer und terminlicher Hinsicht zu nutzen.

Im Anschluss komplettierten Herr Daniel Barthold von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und Herr Prof. Heiko Fuchs das Panel der Podiumsdiskussion, bei der unter der Überschrift „Beschleunigte Projektrealisierung – Technologie- und/oder Systemfrage?“ die Handlungsoptionen und mögliche Barrieren beleuchtet wurden. Im Kern wurde deutlich, dass für die unterschiedlichen Charakteristika und Ziele der Vorhaben in Deutschland sehr unterschiedliche Wege der Realisierung zur Verfügung stehen, die bei einer frühzeitigen Weichenstellung insbesondere zur Beschleunigung von Bauprojekten genutzt werden können.

Das IBB bedankt sich bei allen Teilnehmenden, den Referentinnen und Referenten sowie dem Team des WESTAND. Die Beiträge erscheinen demnächst im Rahmen der IBB-Schriftenreihe. Damit bleibt das Braunschweiger Baubetriebsseminar seinem Leitgedanken treu, Erkenntnisse aus Theorie und Praxis zu vernetzen und Impulse für eine zukunftsfähige Bauwirtschaft zu setzen.