Projektbeschreibung

Das vom BMBFSFJ geförderte Verbundprojekt „ReLePro“ (Reflexive Lernprozessbegleitung im Fach Sport) verfolgt das Ziel, ein lernwirksames und diversitätssensibles Konzept für den Sportunterricht zu entwickeln, zu erproben und nachhaltig in die Schulpraxis zu überführen. Im Mittelpunkt steht die Verbindung von reflexivem Lernen und formativem Assessment zu einer innovativen Form der reflexiven Lernprozessbegleitung. Der Sportunterricht bietet dabei ein besonders spannendes Forschungsfeld, weil hier vielfältige Diversitätsdimensionen sowohl pädagogische Herausforderungen als auch Chancen für fachliches und überfachliches Lernen eröffnen. An den Standorten Braunschweig und Köln arbeiten Wissenschaftler:innen und Sportlehrkräfte im Rahmen eines Design-Based-Research-Prozesses (DBR) eng zusammen. In drei Entwicklungszyklen wird das Konzept mit Sportlehrkräften und Schüler:innen im Sekundarbereich iterativ erprobt, analysiert und weiterentwickelt. Die Lehrkräfte sind nicht nur aktiv an der Entwicklung beteiligt, sie erproben das Konzept auch anschließend im eigenen Unterricht im Hinblick auf seine Praxistauglichkeit. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt aus unterschiedlichen erziehungswissenschaftlichen und sportdidaktischen Perspektiven. Sie untersucht Veränderungen im Unterricht hinsichtlich der Lernwirksamkeit, Diversitätssensibilität und der Entwicklung des sogenannten „Professionellen Blicks“ der Lehrpersonen. Zum Einsatz kommen Methoden wie Videografien, Interviews und schriftliche Befragungen in einer Mixed-Methods-Fallstudie mit Längsschnittdesign, die als Grundlage für die Evaluation und Weiterentwicklung des Konzeptes genutzt werden. Die Ergebnisse des Projekts werden gemeinsam mit Partner:innen aus allen Phasen der Lehrkräftebildung adressat:innenorientiert aufbereitet und veröffentlicht. Dadurch wird die nachhaltige Verankerung der reflexiven Lernprozessbegleitung im Bildungssystem – von der universitären Ausbildung bis zur schulischen Anwendung – angestrebt.

Teilprojekt 1: „Unterrichtstransformation und Lernwirksamkeit“

Teilprojekt 1 „Unterrichtstransformation und Lernwirksamkeit“ wird im Rahmen einer engen Kooperation zwischen der Abteilung Schulforschung des Instituts für Erziehungswissenschaft (Prof.‘in Dr. Svenja Vieluf, Prof.‘in Dr. Julia Gerick, Peter Schießl) und des Institutes für Sportwissenschaft und Bewegungspädagogik (Prof.‘in Dr. Esther Serwe-Pandrick, Luka Schlosser) der TU Braunschweig geplant und realisiert. Am Institut für Erziehungswissenschaft wird untersucht, wie sich der Sportunterricht in den untersuchten Klassen über die Zeit hinweg verändert und welche Bedeutung diese Veränderungen für das fachliche und überfachliche Lernen im Sportunterricht haben. Beantwortet werden diese Forschungsfragen mit Hilfe strukturierter Befragungen der Schüler*innen und vor allem auf Basis einer videografischen Beobachtung des Unterrichts. Die Daten sollen quantitativ ausgewertet werden. Am Institut für Sportwissenschaft und Bewegungspädagogik wird die Frage fokussiert, wie Schüler:innen mit den entwickelten Konzepten, kognitiven Aktivierungsformen und Reflexionsinstrumenten im Unterricht umgehen und wie sie selber deren Lernwirksamkeit einschätzen. Als Datenbasis dienen hier ebenfalls Unterrichtsvideos, aber auch Artefakte (u. a. Lerntagebücher) und Interviews mit den teilnehmenden Schüler*innen. Die so anfallenden Daten werden qualitativ auf praxeologische und interaktionale Aspekte hin analysiert.
 

Teilprojekt 2: „Unterrichtstransformation und Diversitätssensibilität“

An der Universität zu Köln gehen Prof. Dr. Matthias Martens und Ellen Kolb der Fragestellung nach, wie Schüler:innen und Lehrpersonen im Rahmen einer reflexiven Lernprozessbegleitung den Umgang mit Diversität im Sportunterricht gestalten und weiterentwickeln. Ein Fokus liegt auf der Veränderung von Wahrnehmung und Bearbeitung von differenten Bildungs- und Lernvoraussetzungen während der Entwicklungsarbeit. Das reflexive Bewusstmachen von Differenzkategorien und ihrer Bedeutung für das Bewegungslernen und die Unterrichtsinteraktion ist eine wichtige Voraussetzung. Als empirische Datengrundlage dienen vertiefende rekonstruktive Analysen ausgewählter Unterrichtsvideographien und Schüler:innendaten (Lerntagebücher, Interviews). Die Daten werden mit der Dokumentarischen Methode (Asbrand & Martens, 2018; Nohl, 2017) ausgewertet.
 

Teilprojekt 3: Der „Professionelle Blick“

Dieses an der Deutschen Sporthochschule Köln (Prof.‘in Dr. Reuker, Alina Kulüke) angesiedelte Teilprojekt fokussiert die Professionalisierungsprozesse der Lehrkräfte als eine zentrale Gelingensbedingung zur Umsetzung der reflexiven Lernprozessbegleitung. Konkret geht es der Frage nach, wie sich der Professionelle Blick, und damit die Wahrnehmungen, Deutungen und Handlungsentscheidungen der Sportlehrkräfte, im Laufe des Projekts verändert. Die beteiligten Sportlehrpersonen werden dazu anhand bereits vorliegender Videovignetten mit offenen Leitfragen befragt. Die Auswertung erfolgt mittels qualitativer Inhaltsanalyse und etablierter Kategoriensysteme. Darüber hinaus wird der Professionelle Blick auch im Rahmen von Gruppeninterviews in sogenannten Videoclubs erhoben. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse dienen nicht nur der tieferen Analyse der Veränderungen im Professionellen Blick, sondern liefern zugleich wertvolle Impulse für die gemeinsame Weiterentwicklung der Unterrichtsinstrumente.