Zukunftstag 2026 am PVZ – Forschung, die Medizin neu denkt

Am 23. April 2026 öffnete das PVZ der Technische Universität Braunschweig seine Türen für den „Zukunftstag 2026 – Forschung, die Medizin neu denkt“. Ziel der Veranstaltung war es, Schülerinnen und Schülern spannende Einblicke in die Welt der Forschung zu geben und zu zeigen, wie Wissenschaft und Technologie die Medizin von morgen gestalten.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich durch das Zusammenspiel von Pharmazeutischer Verfahrenstechnik, Biotechnologie und Künstlicher Intelligenz eine personalisierte, wirksamere und zugleich bezahlbare Gesundheitsversorgung entwickeln lässt.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Arno Kwade und Prof. Dr. Carsten Schilde. Prof. Kwade stellte die vielfältigen Initiativen der Universität zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses vor und betonte insbesondere Programme, die schon früh das Interesse an Naturwissenschaften wecken – darunter die Kinder-Uni, bei der junge Zuhörerinnen und Zuhörer Wissenschaft hautnah erleben können. Prof. Schilde widmete sich anschließend der wachsenden Bedeutung von Künstlicher Intelligenz in Forschung und Lehre. Er zeigte auf, wie moderne Tools neue Wege des Lernens und Arbeitens eröffnen und wie diese bereits heute in wissenschaftliche Prozesse und die akademische Ausbildung integriert werden.

Im Anschluss wurden die Teilnehmenden in sechs Gruppen eingeteilt, die jeweils eines der MINT-Fächer repräsentierten:

Mathematik
Mathematik wurde ganz praktisch erlebt mit Unterstützung von Emanuela Montefrancesco (PVZ) und von Hainrich-Andreas Schneider von der RoboFunktion GmbH: Die Schülerinnen und Schüler lernten die Funktionsweise eines Industrieroboters kennen und steuerten ihn mithilfe von Künstlicher Intelligenz. Dabei testeten sie, wie der Roboter Gegenstände bewegt und transportiert – und erlebten so, wie mathematische Konzepte in moderner Technik Anwendung finden.

Informatik
Die Informatik-Gruppe vom Institut für Partikeltechnik (iPAT) vermittelte spielerisch die Grundlagen der Künstlichen Intelligenz. Die Teilnehmenden erfuhren von Christoph Thon und Trung Anh Nguyen, wie KI funktioniert und wo sie im Alltag eingesetzt wird. Anhand von Bildgenerierung wurde nachvollzogen, wie KI aus Beispielen lernt. Anschließend entwickelten die Kinder in Gruppen eigene Videospielkonzepte und setzten diese mit Hilfe von KI-Tools um – ein praxisnaher Einblick in die Zusammenarbeit zwischen Menschen und Maschine.

Biologie
Die Biologie bot spannende Einblicke in die Welt der Biotechnologie. In einer kindgerechten Einführung wurde von Jan-Angelus Meyer, vom Institut für Bioverfahrenstechnik, erklärt, wie natürliche Prozesse zur Herstellung von Wirkstoffen genutzt werden. Die Teilnehmenden lernten die Antikörperproduktion im Bioreaktor kennen, arbeiteten mit modernen Mikroskopen und übten grundlegende Labortechniken wie das Pipettieren. Ein besonderes Highlight war das Färben und Untersuchen echter Zellen sowie ein Viabilitätstest nach der Behandlung mit Antikörpern.

Chemie
In der Chemie wurde experimentiert und entdeckt: Die Teilnehmenden stellten mit Chistopher Heidenreich vom Institut für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie (IPhTB) eine Brausepulvergrundlage her und testeten diese. Mit einfachen Materialien bauten sie eine funktionierende „Zitronenbatterie“ und erforschten chemische Reaktionen im Alltag. Zudem verglichen sie verschiedene ätherische Öle und schulten dabei ihren Geruchssinn – eine spannende Verbindung von Wissenschaft und Sinneserfahrung.

Physik
In der MINT-Gruppe „Physik“ unter der Leitung von Hazal Kutluk, Jeroen Bugter, Jozef Di Fiore und Alexandra Hegemann sammelten die Teilnehmer praktische Erfahrungen mit modernen bioingenieurwissenschaftlichen Techniken, indem sie einfache mikrofluidische Geräte herstellten und sich mit dem 3D-Druck beschäftigten. Darüber hinaus arbeiteten sie mit Hydrogelen und beobachteten fluoreszenzgefärbte biologische Zellen unter dem Mikroskop, was insbesondere den jüngeren Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen anschaulichen und spannenden Einblick in die mikroskopische Welt bot.

Technik
In der Technik-Gruppe konnten Teilnehmende selbst aktiv werden: Sie pressten Tabletten aus Pulvern und entdeckten dabei, wie sogar komplexe Formen entstehen können. Mit einem anschaulichen Lego-Modell wurde die Funktionsweise eines Rasterkraftmikroskops erklärt und eigene „Proben“ gebaut. Außerdem zeigte der Einsatz eines 3D-Druckers, wie individuelle Medikamente der Zukunft entstehen könnten – von klassischen Tabletten bis hin zu kreativen Formen. Hier unterstützen vom Institut für Partikeltechnik (iPAT) Jan Henrik Finke, Henry Brauns, Ingo Kampen und Patrick Fuchs.

In kleinen Gruppen entdeckten die Schülerinnen und Schüler verschiedene Stationen, die in Zusammenarbeit mit universitären Instituten und Industriepartnern gestaltet wurden. Dort konnten sie selbst experimentieren, Modelle entwickeln und wissenschaftliche Fragestellungen praxisnah erleben. Begleitet wurden die Stationen von Anna-Lina Kelsch und Miriam Sprick vom Institut für Thermodynamik (ift).

Der Nachmittag bot einen abwechslungsreichen Ausgleich zum intensiven Forschungsprogramm: In zwei Workshops – Australian Football und Hip-Hop-Tanz – standen Bewegung, Teamarbeit und Kreativität im Vordergrund. Diese Kombination aus körperlicher Aktivität und gemeinschaftlichem Erleben rundete den Tag ab und sorgte für neue Energie.

Der Zukunftstag 2026 am PVZ zeigte eindrucksvoll, wie eng Wissenschaft, Kreativität und Zusammenarbeit miteinander verknüpft sind. Die Veranstaltung machte deutlich, dass die Zukunft von Medizin und Technologie von interdisziplinärem Denken, Offenheit und Vielfalt lebt – und dass genau darin die Chance liegt, die nächste Generation von Forscherinnen und Forschern zu inspirieren.