IKE | „Das Krankenhaus der Zukunft wird flexibel, patientenorientiert und digital vernetzter sein“

[Arch Aktuelles]

Professor Wolfgang Sunder zum Symposium „Space for Health“

Wie lassen sich Gesundheitsbauten gestalten, die den komplexen Anforderungen von Medizin und Pflege ebenso gerecht werden wie den Bedürfnissen der Menschen? Um diese Frage geht es beim Symposium „Space for Health“ am 6. November 2026 an der Technischen Universität Braunschweig, das vom Institut für Konstruktives Entwerfen, Industrie- und Gesundheitsbau (IKE) organisiert wird. Die Tagung bringt Expert*innen aus den Bereichen Architektur, Medizin und Gesundheitswesen zusammen. Im Vorfeld des Symposiums haben wir mit Professor Wolfgang Sunder vom IKE über aktuelle Herausforderungen gesprochen.

Herr Professor Sunder, Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit Gesundheitsbauten. Was macht einen Ort eigentlich zu einem „guten“ Gesundheitsbau?

Ich bin davon überzeugt, dass ein „guter“ Gesundheitsbau eine Umgebung schafft, in der sich Menschen sicher, wohl und gut aufgehoben fühlen. Er verbindet eine funktionale Architektur mit ausreichend Tageslicht, frischer Luft, Ruhe und einer angenehmen Atmosphäre. Gleichzeitig berücksichtigt er die Bedürfnisse von Patient*innen, Mitarbeitenden und Besucher*innen und ermöglicht kurze Wege sowie barrierefreie Zugänge.

Wenn wir über Krankenhäuser sprechen, wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für den Gesundheitsbau?

Eine der größten Herausforderungen ist es, steigende Anforderungen an Medizin und Pflege mit begrenzten finanziellen und räumlichen Ressourcen zu vereinen. Gleichzeitig müssen Krankenhäuser flexibel geplant werden, damit sie auf neue Technologien, veränderte Behandlungsmethoden und zukünftige Krisen reagieren können. Hinzu kommen der hohe Bedarf an Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Digitalisierung sowie der Fachkräftemangel. Entscheidend ist daher, Gebäude zu schaffen, die wirtschaftlich, nachhaltig und funktional sind und zugleich die Belange von Patient*innen und Mitarbeitenden in den Mittelpunkt stellen.

Beim Symposium „Space for Health“ kommen Architektur, Medizin, Gesundheitswesen, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft zusammen. Warum ist dieser interdisziplinäre Austausch so wichtig?

Wir sehen die komplexen und vielfältigen Themen des Gesundheitsbaus, die nur durch das Zusammenspiel unterschiedlicher Fachdisziplinen ganzheitlich gelöst werden können. Veranstaltungen wie unser Symposium   stellen den interdisziplinären Austausch in den Vordergrund und ermöglichen es, medizinische Anforderungen, architektonische Qualität, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Bedürfnisse zusammenzubringen.

Ein Schwerpunkt des Symposiums ist die Veröffentlichung der „Infrastruktur Gesundheitsbau“ auf der Wissensplattform PlanGesund.info. Was soll diese Infrastruktur leisten und für wen ist sie gedacht?

Die digitale Wissensplattform „PlanGesund.info“ soll Wissen, Erfahrungen und innovative Lösungsansätze rund um die Planung und Gestaltung von Gesundheitsbauten bündeln und zentral und kostenfrei zugänglich machen. Sie richtet sich an alle, die an der Entwicklung zukunftsfähiger Gesundheitsbauten beteiligt sind – von Architektur und Medizin über Wissenschaft und Politik bis hin zu Wirtschaft und Betreibenden. Ziel unserer Plattform ist es, den interdisziplinären Austausch zu fördern, Wissen zu vermitteln und zu vernetzen und damit die Qualität und Nachhaltigkeit zukünftiger Gesundheitsbauten zu verbessern.

Wagen wir einen Blick nach vorn: Wie wird das Krankenhaus der Zukunft aussehen? Und welche Rolle spielen dabei Klimawandel, Nachhaltigkeit und Digitalisierung?

Das Krankenhaus der Zukunft wird ein flexibler, patientenorientierter und digital vernetzter Ort sein, der medizinische Innovation mit einer heilungsfördernden Architektur verbindet. Der Klimawandel macht es notwendig, Gebäude widerstandsfähiger gegenüber Hitze und Extremwetter zu gestalten und gleichzeitig ihren Energie- und Ressourcenverbrauch deutlich zu reduzieren. Nachhaltigkeit wird dabei zu einem zentralen Planungsprinzip, das ökologische Verantwortung, Wirtschaftlichkeit und Aufenthaltsqualität miteinander vereint. Die Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten für intelligente Gebäudesteuerung, effizientere Abläufe und eine bessere medizinische Versorgung.

Vielen Dank!

Kontakt

Prof. Dr.-Ing. Architekt Wolfgang Sunder
Technische Universität Braunschweig
Institut für Konstruktives Entwerfen, Industrie- und Gesundheitsbau (IKE)
Pockelsstraße 3
38106 Braunschweig
Tel.: +49 531 391-2543
E-Mail: w.sunder(at)tu-braunschweig.de
www.tu-braunschweig.de/ike

Interview von Bianca Loschinsky aus dem MAGAZIN der TU Braunschweig