Lehre im Sommer 2020

Liebe Studentinnen und Studenten,

vieles ist anders – wir stecken mitten in unserem ersten digitalen Semester. Das hat uns genauso überrascht wie Sie. Und ich hoffe sehr, dass wir gemeinsam gut durch diese Zeit kommen und vielleicht sogar manches besser läuft als vorher.

Wir, an meinem Lehrstuhl, denken jedes Semester darüber nach, wie wir Ihnen Ihr Lernen (Ihren Kompetenzerwerb, natürlich!) gut ermöglichen können. Wir machen viele Projekte, wir versuchen Sie zur Mitwirkung zu animieren – digital und in den Veranstaltungen. Und jedes Semester bereite ich meine Vorlesungen so gut ich kann vor – und beobachte, dass zu den meisten Terminen höchstens die Hälfte der angemeldeten Personen kommt. Selbst das verstehe ich, denn leider müssen viele von Ihnen arbeiten, viele lernen nicht gut beim Zuhören – ach, und manche haben manchmal auch keine Lust – ich war schließlich in grauer Vergangenheit auch Student. 

Wir haben daher die besondere Lage genutzt und Ihnen all das, was Sie bei uns mitnehmen sollen, digital aufbereitet (in Stud.IP). Das ist sicher noch nicht perfekt – wir hatten auch nicht so wahnsinnig viel Zeit. Aber ich denke, es ist eigentlich eine gute Basis für eine Lehre, die nicht allein auf Vorlesungen setzt. Denn vielleicht ist die Vorlesung auch einfach eine gute, alte Gewohnheit, die durchaus einmal ersetzt werden kann. Und ich bin wirklich stolz und dankbar, dass mein Team das mit mir so hingekriegt hat.

Auch wenn vieles anders ist: Manches bleibt gleich. Wir sind immer durchaus offen für Ihre Anregungen, Ihre Kritik oder Ihre Ideen. Das gilt jetzt besonders. Ich glaube durchaus, dass auf Sie derzeit viel Neues einstürmt. Und dass das verunsichert. Aber geben Sie doch uns und sich die Chance, sich darauf einzustellen. Es ist eine ganz wesentliche Kompetenz in der Lage zu sein, auch mit widrigen Umständen zurecht zu kommen, Unsicherheiten und manchmal sogar Widersprüchlichem zu begegnen. Das wird nicht mehr besser, heutzutage.

Daher macht es mich manchmal unglücklich, dass auch bei Einigen von Ihnen die Fragen an uns gleich bleiben. Und die möchte ich hier und jetzt beantworten. 

Sie fragen, ob es ein Skript gibt. Nun, gäbe es eines, dann hätten wir das gesagt. Und, wie bereits erklärt, versuchen wir unsere Lehre stärker digital zu gestalten und wie wir meinen auch besser in dem Sinne, dass es heutzutage insbesondere in einer Wirtschaftsinformatik kein eines Buch gibt, das alle aktuellen Entwicklungen zusammen mit allen unterschiedlichen Auffassungen und Diskussionen aufgreifen kann. 

Eine ähnliche, aber begründete Anmerkung von Ihnen ist, dass Sie doch gerne in einer Lernphase mit ein paar Papieren in der Hand arbeiten wollen. Darauf gehe ich gerne ein. Wir folgen hierzu gerne dem Wunsch, dass wir die Folien, die zentral unsere Inhalte begleiten, zusammenstellen und als PDF herausgeben. Aber das muss jetzt erst jemand von uns machen. 

Sie fragen, was klausurrelevant ist. Hm. Wenn wir nicht der Meinung wären, dass das, was wir digital zusammen gestellt haben, in irgendeiner Weise relevant ist, dann hätten wir uns die Arbeit nicht gemacht. Natürlich müssen Sie keine Youtube-Videos auswendig lernen, mit denen wir versuchen den Stoff einzuführen und in Ihrer Lebenswelt oder in der Praxis zu verankern. Und ich denke, wenn Sie erst einmal versuchen, in unsere Inhalte einzutauchen, dann werden Sie schon bemerken, dass viele ergänzende Quellen zu den Folien oder den Texten, die wir dazu geschrieben haben, passen und sie noch etwas erläutern. Dazu müssen Sie sich aber erst einmal auf die Inhalte einlassen – und dann gehört das tatsächlich auch zu einem universitären Wissenserwerb, dass man selber versucht, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Wenn Sie bei einzelnen digitalen „Bits“ nachhaltig unsicher sind – dann fragen Sie. Wir haben dazu extra in jedem Nano (jedem Abschnitt) einen Block eingeführt, in dem man Fragen stellen kann und wir beantworten diese, wie besprochen, jeweils zur Vorlesungszeit in einer Webkonferenz. Gerne mache ich dazu auch noch einen Live-Termin, sobald das möglich ist.

Als Tipp: Vor allem auf den Folien finden Sie häufig etwas, das wir Strukturen nennen. Diese sind wichtig und man sollte sie wissen. Das z. B. ein Transaktionsprozess aus drei Phasen besteht. Und dass eine neue Dienstleistungstheorie einen value in use von einem value in exchange und einem value in interaction unterscheidet. Denn diese Strukturen helfen Ihnen, wenn Sie in Zukunft entsprechende Informationssysteme gestalten wollen. Rund um die Strukturen herum sollen Sie verstehen, was wir Ihnen vermitteln wollen. Sie sollen es durchaus auch kritisch reflektieren, auf verschiedene Situationen übertragen und anwenden können. Damit Sie etwas sicherer in Ihrem Lernen sind, haben wir zudem besprochen, dass wir in jedem Nano die Fragen stellen, die Sie zu beantworten in der Lage sein sollten. Das müssen wir vielleicht noch an der einen oder anderen Stelle ergänzen. Machen wir. Und wir haben besprochen, dass wir Ihnen beispielhafte Klausurfragen zur Verfügung stellen. Aber die müssen wir noch zusammen suchen – das dauert noch etwas.

Sie fragen, wie das mit der Prüfung aussieht. Das wissen wir selber noch nicht. Die Universität wird froh sein, wenn sie es geschafft hat, in der Pfingstwoche die noch vom letzten Semester ausstehenden Prüfungen anzubieten. Für uns heißt das, dass die Universität jetzt Erfahrungen darin sammelt, mit den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen Präsenzklausuren abzuhalten. Und daher gehe ich davon aus, dass wir eine schriftliche Klausur anbieten werden können. Ganz normal. Ansonsten, und das kann man in den Folien nachlesen, die wir in der Einführung präsentiert haben, gilt sowohl im Bachelor als auch im Master, dass man Teile seiner Abschlussnote im Modul durch eigene Projektarbeit beeinflussen kann. Mit dem AIM-Projekt, das halb in die Klausur Elektronische Märkte einfließt und mit ACDC in E-Services, das im Mastermodul die Abschlussnote um bis zu einer Notenstufe verbessern kann.

Und Sie fragen, ob man jetzt noch mit verschiedenen Projekten und Seminaren beginnen kann. Das kann man nicht. Der Semesterbeginn war am 20. April, unsere Einführungen waren erst am Ende der ersten Woche – und inzwischen wird in allen Teams bereits gearbeitet, da kann man nicht im Nachhinein einsteigen. Nicht in ein bestehendes Team, denn das wäre nicht fair und auch nicht mit einem eigenen, neuen Team oder alleine, denn das ist für uns nicht zu koordinieren.

Ganz besonders unglücklich macht mich, dass wir manchmal das Gefühl haben, dass der eine oder andere nicht wirklich darüber nachdenkt, wie viele Sie sind. Und dass in einem Semester über 300 von Ihnen herausfinden müssen, wie alles läuft. Ich bin sicher, dass wir viele Informationen verteilen. Dass wir an unterschiedlichsten Stellen digital erklären, wie alles bei uns läuft. Und ich würde mich sehr freuen, wenn jede und jeder von Ihnen zunächst versuchen würde, selber herauszufinden, wann er oder sie was, wie bei uns tun kann und wo man sich wann für eine Einführung trifft. Was Sie vielleicht nicht wissen: wir sind zwar ein ziemlich großes Team, aber ich habe nur drei Stellen für MitarbeiterInnen, die mit mir (zu einem gewissen Anteil ihrer Stelle) für die Lehre verantwortlich sind. Alle anderen arbeiten in Projekten, für welche sie von Kooperationspartnern bezahlt werden. Wenn wir zu Beginn des Semesters von allen jede Frage einzeln beantworten müssten, dann hätten wir für nichts anderes Zeit. Und da wir immer für ca. 10% von Ihnen eine höchstpersönliche Betreuung per Mail zu den Fragen leisten müssen, die eigentlich durch eigene Recherche beantwortbar wären, haben wir zu wenig Zeit für die wirklich wichtigen Aufgaben: mit Ihnen zu diskutieren und zusammen zu arbeiten.

Vieles ist anders. Wir haben viele digitale Kanäle zu Ihnen, die wir auch verstärkt nutzen – denn wir können ja weniger vor Ort für Sie da sein. Daher: wenden Sie sich gerne per Mail an mich, wenn Sie Fragen oder Wünsche haben, die Ihnen das Internet nicht beantworten kann. Ich antworte. Vielleicht nicht immer sofort. Und wenn Ihre Frage für viele wichtig ist, dann antworte ich für alle hier. Im Blog. 

Tja. Soviel wollte keiner von Ihnen von mir lesen. Aber vielleicht ist es manchmal auch wichtig zu erklären, warum wir manches wie sehen.

Und damit verbleibe ich, mit dem Wunsch auf ein für Sie und uns erfolgreiches Semester,

Susanne Robra-Bissantz