TU BRAUNSCHWEIG

Genderunterschiede in familienbezogenen Lebenslaufphasen

Hintergrund

Die Lebenslaufforschung fokussierte mit der zentralen Hypothese der Dreiteilung des Lebenslaufes (Kohli 1985) zunächst auf männliche, erwerbszentrierte Lebensläufe. Schnell wurde jedoch deutlich, dass die Theorie unter Einbezug von Familienaspekten, die bis heute in weiblichen Lebensläufen wichtiger sind als in männlichen, erweitert werden musste (Kohli 2007). Dabei kann davon ausgegangen werden, dass sich die zentrale Lebenslaufphase, die durch Erwerbstätigkeit oder zumindest –fähigkeit gekennzeichnet ist, zumindest in den meisten weiblichen Lebensläufen in drei Phasen aufteilen lässt: Eine vorfamiliäre Erwerbstätigkeit, eine Phase der Vereinbarung von Familie und Beruf und eine nachfamiliäre Erwerbstätigkeit (Geissler/Oechsle 1996). Die meisten Frauen streben in ihrem Lebenslauf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie an (Hakim 2000), richten darauf auch schon ihre Berufs- und Arbeitsplatzwahl aus (Born 2001, Krüger 2014). Ihre Erwerbsverläufe sind in Westdeutschland daher nach der Familiengründung durch Teilzeitarbeit geprägt (Klenner/Schmidt 2011). Unter jungen Männern wird die Familienphase in der Lebensplanung hingegen oft gar nicht thematisiert oder unter dem Aspekt berücksichtigt, dass vor einer Familiengründung eine sichere und hohe berufliche Position erreicht werden soll (Witzel/Kühn 2001).

Vorgehen & Ziele

Ziel des Projektes ist es, den Forschungsstand zu vorfamiliärer und familiärer Lebensphase zu erweitern, insbesondere mit Blick auf Genderunterschiede. Die geplante Veröffentlichung fasst die Ergebnisse von Studierendenprojekten zusammen und macht sie anderen ForscherInnen zugänglich. Die in dem Projekt angestellten studentischen Hilfskräfte sollen sich praktisch vertiefend mit qualitativer Auswertungsmethodik auseinandersetzen. Gleichzeitig sollen Sie die Genderaspekte des Themenbereiches besser verstehen.

In dem Projekt sollen im einzelnen die im vorherigen Seminarkontext erhobenen Daten zusammengeführt und vertiefend ausgewertet und abschließend veröffentlicht werden. Dazu sind im Sinne der inhaltlich strukturierenden Inhaltsanalyse (Kuckartz 2014) die folgenden Arbeitsschritte notwendig

  1. Entwicklung eines differenzierten Kategoriensystems
  2. Anwendung des neuen Kategoriensystems auf das Material
  3. Auswertung durch thematische Zusammenstellung und Interpretation des Materials

Da es sich nur um eine vergleichsweise kleine Erhebung in kurzen Interviews handelt, wäre es ggf. wünschenswert in einem erweiterten Projektrahmen die Ergebnisse zu vertiefen. In diesem Sinne kann das Projekt als eine Art Vorstudie betrachtet werden, um weitere Forschungsschritte vorzubereiten. Die Ergebnisse des Projektes fließen in die Lehre in dem Themenbereich ein, indem sie beispielsweise in zukünftigen Lehrveranstaltungen vorgestellt und diskutiert werden.

Kontakt

TU Braunschweig
Institut für Sozialwissenschaften
Okka Zimmermann
Bienroder Weg 97
38106 Braunschweig

E-Mail: o.zimmermann[at]tu-bs.de
Tel.: +49 531 391 8934
Fax: +49 531 391 8938

Das Projekt wird gefördert vom:

bzgs


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Literatur

Born, Claudia (2001): Modernisierungsgap und Wandel. Angleichung geschlechterspezifischer Lebensführungen? In: Born, Claudia/Krüger, Helga (Hrsg.): Individualisierung und Verflechtung. Geschlecht und Lebenslauf im deutschen Lebenslaufregime. Weinheim/München: Juventa, S. 29-54.

Geissler, Birgit/Oechsle, Mechtild (1996): Lebensplanung junger Frauen : zur widersprüchlichen Modernisierung weiblicher Lebensläufe. Weinheim: Dt. Studien-Verl

Hakim, Catherine (2000). Work-Lifestyle Choices in the 21st Century. Oxford: Preference Theory.

Klenner, Christina/ Schmidt, Tanja (2011): Teilzeitarbeit im Lebensverlauf von abhängig beschäftigten Frauen, in: Klammer, Ute/Motz, Markus (Hrsg.), Neue Wege – Gleiche Chancen. Expertisen zum Ersten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung, VS-Verlag Wiesbaden 2011, S. 253-311.

Kohli, Martin (1985): Die Institutionalisierung des Lebenslaufs. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 37(1): 1-29.

Kohli, Martin (2007): The institutionalization of the life course. Human Development 4(3-4): 253-271.

Krüger, Judith (2014): Erwerbsverläufe von FacharbeiterInnen. Untersuchung eines Automobilunternehmens unter besonderer Berücksichtigung der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Berlin: Logos.

Kuckartz, Udo (2014): Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Computerunterstützung. Weinheim & Basel: Beltz Juventa.

Witzel, Andreas / Kühn, Thomas (2001): Biographiemanagement und Planungschaos. Arbeitsmarktplatzierung und Familiengründung bei jungen Erwachsenen. In: Born, Claudia / Krüger, Helga (Hrsg.): Individualisierung und Verflechtung. Geschlecht und Generation im deutschen Lebenslaufregime. Weinheim, München: Juventa, , S. 55-82.



  aktualisiert am 21.02.2017
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