TU BRAUNSCHWEIG

Neue Wege der Analyse der (De)Standardisierung von Lebensläufen - Überprüfung, Entwicklung und Vereinfachung von Methoden der Sequenzdatenanalyse

Kurzbeschreibung (deutsch):

Das Projekt schließt inhaltlich an ein klassisches Thema der soziologischen Lebenslaufforschung an, nämlich die modernisierungs- und differenzierungstheoretisch inspirierte Frage nach dem langfristigen Strukturwandel des modernen Lebenslaufs. Veränderungen von Lebensläufen sind zu verstehen als aggregierte Folgen fortlaufender individueller Entscheidungen der Mitglieder aufeinander folgender Geburtskohorten, die unterschiedliche Lebensbereichen betreffen (insbesondere in den Bereichen Lebensformen und Familie, Ausbildung und Erwerbstätigkeit sowie dem damit verbundenen Wanderungsverhalten). Die zentrale methodische Grundlage der Lebenslaufforschung ist die Analyse von Längsschnittdaten, mit deren Hilfe der Eintritt und die Abfolge von Ereignissen und Episoden abgebildet sowie die Dynamik von Ereignissen (z.B. die Geburt des ersten Kindes) in Abhängigkeit von anderen Ereignissen (z.B. im Beruf oder in der Partnerschaft) erklärt werden können. Die empirische Forschung hat sich in der Vergangenheit überwiegend mit einzelnen Übergängen befasst, während Fragen nach dem Wandel übergeordneter Strukturmuster, insbesondere die klassische Fragestellung nach langfristigen Dynamiken der (De)Standardisierung von Lebensläufen, aus dem Blick geraten sind. Erst in jüngerer Zeit hat sich nicht zuletzt in Folge der Adaption von Verfahren der Sequenzdatenanalyse das Interesse an einer ganzheitlicheren Analyse von Lebenslaufstrukturen (wieder) verstärkt. In der Debatte um Vor- und Nachteile der verschiedenen vorgeschlagenen Verfahren der kohortenvergleichenden Analyse von Lebensläufen fehlen jedoch bislang Studien, welche die in der Theoriediskussion identifizierten Dimensionen von (De)Standardisierung mit Verfahren der Sequenzdatenanalyse verknüpfen. Darüber hinaus gibt es bislang keine etablierten Verfahren, mit denen kausale Einflüsse auf das Ausmaß der (De)Standardisierung von Lebensläufen methodisch fundiert untersucht werden können.

Beide Problembereiche sollen im Projekt systematisch bearbeitet werden. Zu diesem Zweck werden vier Teilziele verfolgt: Erstens wird die dimensionale Struktur von Destandardisierung mit Verfahren der Sequenzdatenanalyse untersucht, um zu klären, welche der in der Literatur diskutierten Dimensionen empirisch unabhängige Aspekte von (De)Standardisierung bilden und welche inhaltlich zusammenhängen und daher nicht getrennt untersucht werden müssen. Zweitens soll nachgewiesen werden, dass die gängigen, auf Clusteranalysen basierenden Verfahren der Analyse von Lebenslaufsequenzen vereinfacht werden können. Drittens wird das bislang wenig beachtete Problem der Analyse kausaler Einflüsse auf Lebenslaufsequenzen im Rahmen unterschiedlicher Regressionsmodelle bearbeitet. Abschließend sollen die entwickelten und verglichenen Methoden in einem Analysetool implementiert werden, dass eine einfache Anwendung der wichtigsten methodischen Innovationen bei schneller Verfügbarkeit der relevanten Informationen ermöglicht.

Laufzeit: 10/2014 - 09/2017

 

Abstract (english):

The project connects to a classic theme of sociological life course research inspired by differentiation and modernization theory, namely the issue of long-term changes in the structure of the modern life course. Changes in cohort-specific life course patterns are best understood as aggregated consequences of the decisions made by individual members of successive birth cohorts. These decisions relate to central life domains, especially the areas of living arrangements and family, education and employment as well as associated migration behavior.

Methodologically, life course research is based on the analysis of longitudinal data which enable researchers to map the entry and sequence of life events (transitions) and episodes as well as to explain the dynamics of life events (e.g. the birth of the first child) in dependence of other events (e.g. at work or in personal relationships). In the past, empirical research mainly dealt with specific transitions, while questions about more complex life course patterns were neglected; this is especially true for the classic issue of long-term dynamics of standardization and de-standardization of the life course. Only in recent years, driven by innovative methods of sequence data analysis, the interest in more holistic approaches to life course research has been increasing again. However, the current debate about the pros and cons of various methods of analysis of cohort-specific life course patterns is flawed by a lack of theoretical and empirical contributions that link the concept of standardization and its various sub-dimensions with specific methods of sequence data analysis in a theoretically meaningful way. In addition, there is a lack of established procedures which enable us to examine causal influences on the degree of (de)standardization of life courses in a methodologically sound way.

In the proposed project, both problem domains will be addressed systematically. For this purpose, we pursue four goals: First, we analyze the dimensional structure of the construct “(de)standardization” by using methods of sequence data analysis. Here, the aim is to clarify which dimensions of (de)standardization discussed in the literature represent empirically independent aspects of de-standardization and which are related to each other and therefore do not need to be examined separately. Second, we aim to demonstrate that the standard methods of analyzing life course sequences, which are based on cluster analysis, can be simplified. Third, we address the hitherto neglected problem of analyzing causal influences on life course sequences using different kinds of regression models. Finally, we aim at implementing a statistical tool for the various methods developed and compared in our project, providing a simple application of the most important methodological innovations and fast availability of relevant background information.

 

Kontakt:

TU Braunschweig
Institut für Sozialwissenschaften
Okka Zimmermann
Bienroder Weg 97
38106 Braunschweig

E-Mail: o.zimmermann[at]tu-bs.de
Tel.: +49 531 391 8934
Fax: +49 531 391 8938

 

Gefördert von der:

DFG


  aktualisiert am 15.09.2014
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