TU BRAUNSCHWEIG

Laufende Forschungsprojekte

Zelltheorie und religiöse Weltanschauung im 19. Jahrhundert: Eine Studie zum unveröffentlichten Werk Theodor Schwanns (finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, 2017-2020)

Die Zelltheorie des 19. Jahrhunderts wird – neben der Evolutionstheorie – als entscheidender Beitrag der Biologie zur Entstehung eines modernen und säkularen Weltbildes betrachtet. Während aber Darwins komplexes Verhältnis zur Religion seit langem Thema der Wissenschaftsgeschichte ist, ist die Bedeutung der Religion für die Geschichte der Zelltheorie bislang kaum erforscht worden. Das Projekt soll dazu beitragen, diese Forschungslücke zu schließen. Im Mittelpunkt steht das – in der Historiographie bislang wenig beachtete – unveröffentlichte Werk des deutschen Begründers der Zelltheorie Theodor Schwann (1810-1882). Auf der Grundlage seiner handschriftlichen Manuskripte der 1840er bis 1870er Jahre sollen Bezüge zwischen seiner Wissenschaft und seiner katholischen Weltanschauung umfassend untersucht und in einen breiteren kulturellen Kontext gestellt werden. Schwanns Werk wird als Teil einer intellektuellen Strömung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts betrachtet, die ein von der Religion losgelöstes Natur- und Menschenbild ebenso ablehnte wie eine demokratische Neuordnung der Gesellschaft. Parallelen und Differenzen zwischen Schwanns Ideen und anderen Gegenentwürfen zu materialistischen Konzepten sollen unter anderem anhand eines Vergleichs mit Matthias Schleiden (1804-1881) näher beleuchtet werden. Das Projekt soll damit eine neue Perspektive auf das Verhältnis von Biologie, Religion und Politik im 19. Jahrhundert eröffnen.
Projektdarstellung Vienne (pdf, 165 KByte)


Programm Workshop Materialism (pdf, 114 KByte)

Projektbearbeiterin

Dr. Florence Vienne
Abteilung für Pharmazie- und Wissenschaftsgeschichte der TU Braunschweig
Bethovenstr. 55
38106 Braunschweig

Kooperationspartnerinnen

Prof. Lynn K. Nyhart
Vilas-Bablitch-Kelch Distinguished Achievement Professor
Department of History
University of Wisconsin- Madison

Dr. Marion Thomas
Maître de conférences en histoire des sciences de la vie et de la santé
Université de Strasbourg
Faculté de médecine
Département d'histoire et de philosophie des sciences de la vie et de la santé (DHVS)
SAGE (Sociétés, Acteurs, Gouvernement en Europe)

Material Cultures of Knowledge: Netze wissenschafts-politischer Beziehungen zwischen Taiwan und Deutschland in Früher Neuzeit und Moderne

Die Treffen dienen als Startpunkt für den wissenschaftlichen Austausch im Bereich Geschichte der Wissenschaft zwischen Taiwan (der Republik China) und Deutschland. Die Geschichte Taiwans ist zwar eng verknüpft mit der Geschichte der Volksrepublik China und dem Kaiserreich China, diese sind jedoch nicht identisch. Bevor Taiwan 1895 eine japanische Kolonie wurde, damals bekannt als Formosa, war es Teil des Kaiserreich China. Der Fokus wird auf Fragen aus dem Bereich materielle Kultur, Medizin und Geisteswissenschaften in der frühen Neuzeit und der Neuzeit liegen. Damit werden verschiedene Aspekte der kulturellen Geschichte beider Länder von einer diachronischen und synchronischen Perspektive aus abgedeckt.

Auf zwei Workshops, einem in Braunschweig im Januar 2016 und einem in Taipei im Februar 2017, haben Wissenschaftshistoriker*innen, hauptsächlich aus Deutschland und Taiwan, gemeinsame Forschungsfelder identifiziert: 

1. Cultural History of Drugs

2. Body and Care

3. Mobile Resources

4. Materilizing Observations

Es sind weitere Treffen im Rahmen dieser vier Themenbereiche geplant. Zusätzlich werden Einzel- und Tandemprojekte bearbeitet.

Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft und Ministery of Science and Technologie, Taiwan. Kooperationspartner in Deutschland: Max Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte Berlin, Christian Albrechts-Universität Kiel.

Auswärtiger Vortrag am 10.7.  im Rahmen dieser Kooperation:

Yubin Shen, PhD, Max Planck-Institut für Wissenschaftgeschichte

State Medicine, International Health, and the Global Network of Tropical Medicine in Nanjing (China): The Department of Parasitology of the Central Field Health Station, 1931-1936.

Vortrag Yubin Shen (pdf, 179 KByte)

History of Science, Technology and Medicine in Germany 2013-2016: vierjähriger Forschungsbericht (finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft)

Seit 1979 erstattet das Nationalkomitee der DHST,  d. h. der “Division of History of Science and Technology of the International Union of History and Philosophy of Science and Technology” (IUHPST), Bericht über Forschung und Lehre in der deutschen/deutschsprachigen Naturwissenschafts-, Medizin- und Technikgeschichte. Wie zuletzt 2012 findet auch 2016 eine Umfrage statt, auf deren Basis der mittlerweile 10. DHST-Forschungsbericht erstellt wird, der bis zum Juli 2017 für den 25. Internationalen Kongress für Geschichte der Wissenschaft, Technik und Medizin in Rio de Janeiro vorgelegt werden soll.

Verwiesen sei auch auf die Online-Datenbank WissTecMed*Lit, die als laufende Bibliographie der in Deutschland publizierten Arbeiten zur Naturwissenschafts-, Technik- und Medizingeschichte auch künftig zur Verfügung stehen wird.

Zur Zeit sind deutsche und deutschsprachige Forschungsinstitutionen gebeten, die jeweils 10 wichtigsten Publikationen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für den Zeitraum 2013-2016 einzupflegen. Die daraus entstehende Bibliographie wird ein Teil der Forschungsdokumentation sein.

Beteiligte WissenschaftlerInnen

Prof. Dr. Bettina Wahrig
Abteilung für Pharmazie- und Wissenschaftsgeschichte der TU Braunschweig
Beethovenstr.55
38106 Braunschweig

Prof. Dr. Reinhold Bauer
Universität Stuttgart
Historisches Institut, Wirkungsgeschichte der Technik
Keplerstr. 17
D-70174 Stuttgart



Flipped and Diversified Classroom - Lehr-Lernprojekt als Pilotprojekt für Erstsemester im Studium der Pharmazie

Eine der Grundlagen des Pharmazie-Studiums ist das Erlernen von elementarer Terminologie, die im ersten Semester in der Pflichtvorlesung „Pharmazeutische und Medizinische Terminologie“ nach dem Frontalunterrichts-Prinzip und den AAppO-Standards vermittelt wird. Die jeweiligen ausbildungstechnischen, familiären und sprachlichen Hintergründe der Studierenden sind jedoch so divers, dass die Schwierigkeit in einer einheitlichen Vermittlung des umfangreichen Stoffs besteht. Ziel des Projekts ist es, den Kurs mit einem Fokus auf selbstständiges, zeitlich und inhaltlich flexibles Lernen nach dem Flipped-Classroom-Modell umzustrukturieren, um die Lehre integrativer, individueller und familiengerechter zu gestalten.

Basis für eine Diversifizierung ist dabei vor allem die Sprache, in der die Lehrmaterialien verfasst sind. Studierende sollen diese deshalb teilweise selbst erstellen und über Stud.IP online zur Verfügung stellen. Zusätzlich sollen ein datenbankbasiertes Wiki, eine Videoaufzeichnung der Vorlesung sowie interaktives Spiel- und Übungsmaterial entstehen.

Es soll dabei von den Fähigkeiten und nicht den Defiziten der Studierenden ausgegangen werden, so dass sprachliche und kulturelle Diversität zur Chance für Lernklima und -inhalte werden. Vielsprachigkeit ist nicht nur der Ausgangspunkt für Diversity Policy und ein Beitrag zur schnelleren Integration zwischen deutsch- und anderssprachigen Studierenden, sondern erlaubt auch in der Vermittlung von Fachtermini didaktisch neue Wege zu gehen. Indem ab Studienbeginn eigenständiges, projektorientiertes, teambasiertes Lernen in Verbindung mit Methodenreflexion eingeübt wird, wird außerdem zur Erhöhung der Forschungskompetenz der Studierenden beigetragen.

Projektleiterin:

Prof. Dr. Bettina Wahrig
Abteilung für Pharmazie- und Wissenschaftsgeschichte der TU Braunschweig
Beethovenstr.55
38106 Braunschweig

Ansprechpartnerin: Martina Nawrath

Mitwirkende: Melanie Nowak, Armel Julio Tegue Tedio, Lisa Kolb, Jessica Buck-Emden



Prekäre Identitäten: Gift und Vergiftung in Wissenschaft und Film (finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft)

Gegenstand dieses gemeinsamen Projekts der Filmwissenschaftlerin Heike Klippel und der Wissenschaftshistorikerin Bettina Wahrig ist – je nach Perspektive – ein Stoff oder ein Vorgang: Gift bzw. Vergiftung. Jedes Teilprojekt für sich und beide gemeinsam untersuchen bestimmte Konzepte, die mit dem durch Gifte und Vergiftungen umrissenen semantischen Feld in Zusammenhang stehen, die Art und Weise, wie sie in unserem jeweiligen Gegenstandsbereich repräsentiert sind, sowie die Interdiskurse.

Der zeitliche Fokus beider Projekte ist nicht identisch und kann es auch nicht sein, da der Film als Medium das Motivrepertoire von Wissenschaft und Literatur zumindest seit der Frühen Neuzeit ausschöpft. Das gemeinsame Dritte (Literatur und “causes célèbres”) wird durch eine bereits länger bestehende Kooperation mit LiteraturwissenschaftlerInnen sowie durch die Präsenz forensisch-medizinischer Literatur im Quellenkorpus des wissenschaftshistorischen Teilprojekts mit einbezogen.

Für die Filmwissenschaft ist ein zentrales Konzept, von dem ausgegangen wird und dessen Funktionalität gleichzeitig untersucht werden soll, das Abjekt, das in seinem Verhältnis zum Objekt und dessen (Un-)Sichtbarkeit untersucht werden soll. Für die Wissenschaftsgeschichte steht im Zentrum einer erprobenden Analyse das Konzept der prekären Stoffe. Beide Konzepte werden mit den Mitteln der jeweiligen Teildisziplin untersucht, für die Filmwissenschaft durch historisch und theoretisch perspektivierte Motivforschung, in der Wissenschaftsgeschichte durch eine Analyse von Stoffnarrativen, wobei als Methode eine Kombination von Begriffs-, Metaphern- und Experimentalgeschichte angewandt wird. Beide Projekte fragen nach expliziten und impliziten Konstruktionen von Männlichkeit und Weiblichkeit im Zusammenhang mit Giften, Vergiftungen, VergifterInnen und WissenschaftlerInnen.

Zentrale Forschungsfrage für das wissenschaftshistorische Projekt ist die Interaktion zwischen wissenschaftlichen Praktiken und Konzeptualisierungen von „Gift“ und „Vergiftung“ in einer longue durée - Perspektive mit einem Untersuchungsschwerpunkt auf der Zeit zwischen dem späten 18. Jahrhundert und der Wende zum 20. Jahrhundert. Im Zuge der Vorarbeiten fiel auf, dass Elemente aus dem Motivkomplex des Abjekts (z.B. die Mischung und das Reine/Unreine, Weiblichkeit als prädisponierend für Vergiftung) wiederzufinden sind, ebenso wie das Narrativ der prekären Stoffe (z.B. kleine Menge, große Wirkung, Nähe von Heilung und tödlicher Gefahr) in den wissenschaftlichen Texten wie auch in den filmischen Erzählungen auffindbar ist.

Gefragt wird auf dieser Ebene konkret nach:

  • Mythen, Strukturen und rhetorischen Figuren in wissenschaftlichen Giftnarrativen und ihren Transformationen in das Medium Film
  • literarischen Giftnarrativen in der Wissenschaft und im Film - der konkreten Funktion von Causes célébres im wissenschaftlichen Diskurs und damit vergleichend im Film.

Betreuerinnen:

Prof. Dr. Bettina Wahrig
Abteilung für Pharmazie- und Wissenschaftsgeschichte der TU Braunschweig
Beethovenstr.55
38106 Braunschweig

Prof. Dr. Heike Klippel
Institut für Medienforschung
Hochschule für Bildende Künste
Johannes-Selenka-Pl. 1
D-38118 Braunschweig

Links: HBK





  aktualisiert am 18.06.2018
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