TU BRAUNSCHWEIG

Einkaufstipps: 2011

Dezember

Im Monat Dezember empfiehlt Ihnen Prof. Dr. Dietrich von der Oelsnitz:

Odysseus und die Wiesel

Für das Studium: "Odysseus und die Wiesel" von Georg von Wallwitz

Beim Thema Geld und Finanzmärkte scheiden sich die Geister: in den einen erwacht die Skepsis, in den anderen das Jagdfieber. Georg von Wallwitz ist Fondsmanager, Mathematiker und Philosoph – und zugleich ein wirklich cleveres Kerlchen, das ausgesprochen launig zu schreiben versteht. „Eine fröhliche Einführung in die Finanzmärkte“ gab er seinem Buch als Untertitel. Gleichzeitig ist es viel mehr: eine sehr gebildete Auseinandersetzung mit der menschlichen (Ir-)Rationalität und unserer heutigen Zeit. Der Unternehmer ist wie Odysseus: weniger tugend- als listenreich. Die Banker, Trader und Fondsmanager sind Wiesel – von der Natur schlecht ausgestattet und viel zu klein zum Beutemachen, aber nun einmal zum Jagen geboren. Ein ungemein inspirierendes Buch, das man gern studiumbegleitend lesen kann. Denn die Volkswirte bekommen auch ihr Fett weg!

P. S.: Sie können das Buch bei uns in der Institutsbibliothek unentgeltlich ausleihen.

 

Die Erfindung des Lebens

Für die Freizeit: "Die Erfindung des Lebens" von Hanns-Josef Ortheil

Die Erfindung des Lebens ist ein „überwältigendes Buch, das ich geradezu verschlungen habe“ sagt Giovanni di Lorenzo und dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Ein stummer Junge, schließlich gefeierter Pianist und letztlich zahlreich ausgezeichneter Schriftsteller, der heute kreatives Schreiben in Hildesheim lehrt, schafft den Spagat zwischen Leben und Tod durch die Erfindung des Lebens mittels Sprache und Musik. Als einzig überlebendes Kind (von fünf Söhnen) wendet sich Johannes – wie seine darüber stumm gewordene Mutter – von nahezu allen Zwängen des Alltagslebens ab, um die wahren Werte seines Lebens zu ergründen. Selbst das Abschreiben von Speisekarten, aber mehr noch ein Klavier, hilft ihm dabei. Das Musikstudium in Rom – dies ist auch für Johannes die Stadt der Liebe – führt ihn zu Erfolgen, eine schmerzhafte Sehnenscheidenentzündung jedoch zum jähen Ende eines großen Traumes. Dennoch bringen ihn die „Kräfte seines Lebens“ von Köln aus wieder nach Rom. In der ewigen Stadt wird der Leser zugleich eingebunden in die Entstehung dieses wunderbaren autobiografischen Romans.

(Birgit von der Oelsnitz)

November

Im Monat November empfiehlt Ihnen Michael Busch:

Für das Studium: Amabile, Teresa M. / Kramer, Steven J.: Was Mitarbeitern wirklich hilft, in: Harvard Business Manager, 32. Jg., 2010, Nr. 5, S. 36-38.

Der Beitrag schildert die Ergebnisse einer an der Harvard Business School durchgeführten Motivationsstudie. Diese finden sich zwischenzeitlich auch in Buchform: The progress principle – using small wins to ignite joy, engagement, and creativity at work, Boston 2011. Den Autoren zufolge ist die Hauptquelle der Zufriedenheit von Mitarbeitern der erkennbare Arbeitsfortschritt bzw. das deutliche Feedback, dass aufgabenspezifische Herausforderungen erfolgreich gemeistert wurden. Dies müssen nicht gleich Meilensteine, sondern können auch kleinere Erfolgserlebnisse sein. 238 Wissensarbeiter aus 26 Projektteams sollten für die Dauer ihres Projektes ein Arbeitstagebuch führen, in dem sie ihre motivationale Verfassung im Hinblick auf ihre Arbeit jeweils festhielten. Die Auswertung der so gewonnenen 12.000 Tagebucheintragungen ergab, dass sich die positivsten Emotionen und der stärkste Erfolgswille bei Mitarbeitern an jenen Tagen einstellte, „an denen sie mit ihrer Arbeit gut vorankamen oder Unterstützung erhielten, die ihnen half, Hindernisse zu überwinden. Dagegen sank ihre Stimmung und Motivation immer dann auf den Tiefpunkt, wenn sie das Gefühl hatten, auf der Stelle zu treten oder an der Bewältigung ihrer Aufgaben gehindert zu werden“ (Seite 36). Für Vorgesetzte bedeutet dies, dass sie ein konstruktives Arbeitsumfeld schaffen, Mitarbeiter von unnötigem operativem Ballast befreien und vor allem für eine intelligente Zielsetzung sorgen sollten.

 

Das Genie in mir

Für die Freizeit: Siefer, Werner: Das Genie in mir – Warum Talent erlernbar ist, Campus Verlag, Frankfurt/New York 2009.

Dieses zur Zeit als Restauflage in gebundener Form bei Amazon für lediglich 4,95 Euro erhältliche Buch fügt sich in die Reihe aktueller Veröffentlichungen, die sich mit der Frage beschäftigen, ob Talent durch Übung erlernbar ist oder ob Talent letztlich eine unverdiente Gnade „von oben“ darstellt, die mit der Geburt, also ohne eigenes Dazutun erworben wird. Im Englischen finden sich für diese zwei Sichtweisen die Bezeichnungen Nature (= Gene) bzw. Nurture (= Umwelt). Anhand von Ergebnissen aus der Hirn- und Expertiseforschung versteht es Werner Siefer, den Leser mitzunehmen und zum Nachdenken anzuregen. Seine tröstende Botschaft: Talent ist erlernbar. Und: Das Alter ist nicht das Ende, sondern kann auch immer wieder ein Neubeginn sein (geistige und körperliche Bewegung vorausgesetzt). Die Plastizität des menschlichen Gehirns lässt selbst in späten Lebensabschnitten noch Weiterentwicklungen zu (wenn auch nicht mehr im selben Tempo wie in der Kindheit und Jugend). Talent gibt es jedoch nicht zum „Nulltarif“. Ohne Fleiß in Form von bewusster und anstrengender Übung, ohne Geduld und Ausdauer und ohne die notwendige Leistungsmotivation wird es niemand zu einem Talent bringen. In Bezug auf die Nature-Nurture-Debatte heißt dies, dass die Anlage lediglich das Material liefert, „an welchem die Umwelt ansetzt. Diese verändert im Feinen, was das grobe genetische Programm bereitgestellt hat“ (Seite 189 f.).

Oktober

Im Monat Oktober empfiehlt Ihnen Björn Hobus:

Wirtschaftskrisen

Für das Studium: "Wirtschaftskrisen – Geschichte und Gegenwart" von Werner Plumpe

Die aktuelle wirtschaftliche Situation – Eurokrise, Bankenkrise, Staatsverschuldung – gibt Anlass zur Sorge und ist Thema vieler Diskussionen. Doch trotz umfangreicher Berichterstattung fällt es nicht leicht, sich ein Bild zu machen und die tatsächliche Lage sowie die Reaktion der Politik einzuschätzen. Einen grundlegenden Beitrag hierzu leistet das 2010 in der Beck’schen Reihe Wissen erschienene Buch „Wirtschaftskrisen“. Es liefert einen kompakten und dennoch sehr fundierten Überblick. Zum einen wird sehr knapp und gut verständlich dargestellt, inwieweit die theoretischen Ansätze  geeignet sind, wirtschaftliche Krisen zu erklären und Gegenmaßnahmen zu entwickeln.  Zum anderen lässt der Wirtschaftshistoriker Plumpe die Wirtschaftskrisen der letzten Jahrhunderte Revue passieren (z.B. die „Tulpenmanie“, die „Südseeblasen“ oder die „Große Depression“, aber auch die aktuelle Situation) und arbeitet dabei verschiedene Typen von Krisen heraus. Besonderes Augenmerk richtet er dabei auf die „janusköpfige“ Rolle der Spekulation, die einerseits Innovation und Strukturwandel vorantreibt, andererseits aber auch Hasardeuren ein unbegrenztes Spielfeld bietet. Der Autor bezieht eine klare Position und verdeutlicht, dass Krisen „normaler Bestandteil des ökonomischen Geschehens“ darstellen und durch staatlichen Aktionismus nicht in den Griff zu bekommen bzw. sinnvoll zu steuern sind. Das Buch liefert viele interessante Einblicke und hilft dabei, die aktuellen Geschehnisse einzuordnen und sich selbst eine Meinung zu bilden.

 

Die Panne

Für die Freizeit: "Die Panne" von Friedrich Dürrenmatt

„Die Panne“ gehört zu meinen Lieblingserzählungen, da sie einerseits sehr originell und anderseits auch sehr spannend ist. Es geht um einen Handelsreisenden namens Traps, der aufgrund einer Autopanne in einem fremden Dorf übernachtet. Da alle Gasthöfe belegt sind, wird er zu einer Villa geschickt, wo gelegentlich Leute aufgenommen werden. Dort wird ihm eine kostenlose Übernachtung angeboten. Bei seinem Gastgeber handelt es sich um einen pensionierten Richter, der an diesem Abend bereits Besuch von zwei weiteren älteren Herren hat, ebenfalls Juristen, ebenfalls pensioniert,  der eine Rechtsanwalt, der andere Staatsanwalt. Traps lässt sich darauf ein, zum Zeitvertreib ein Spiel zu spielen: es soll eine Gerichtsverhandlung nachgestellt werden, in der er die noch freie Rolle des Angeklagten übernehmen soll. Er willigt ein und die Verhandlung nimmt ihren Lauf. Doch was als Spiel außerordentlich vergnüglich begonnen hat, entwickelt sich schleichend zu einer sehr ernsten Angelegenheit: verhandelt wird ein Mord, und es stellt sich bald heraus, dass auch ein Henker anwesend ist ...

September

Im Monat September empfiehlt Ihnen Gary Schwarzer:

Resilienz

Für das Studium: "Resilienz" von Klaus Fröhlich-Gildhoff und Maike Rennau-Böse

In dem Buch von Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff und Maike Rennau-Böse geht es um einen Begriff, der sich mit der außerordentlichen Widerstandskraft von Menschen trotz widriger Lebensumstände beschäftigt.

Aufmerksam auf diese Eigenschaft wurden Forscher bei Nachuntersuchungen der NS-Diktatur und der KZ-Inhaftierten. Sie stellten fest, dass manche der ehemaligen Gefangenen die Situationen besser aushielten und verarbeiteten als andere. Das stellte sie vor die Frage warum, denn die Haftbedingungen waren für alle gleich schrecklich.

So entstand das Forschungsgebiet der Resilienz, das heute hauptsächlich für die Kinder- und Jugendentwicklung herangezogen wird. Dementsprechend gibt es auf dem Buchmarkt meistens Bücher über dieses Thema, die sich mit Kinder und Jugendlichen beschäftigen, außer das hier vorgestellte. Dieses gibt einen allgemeinen Ein- und Überblick über das Thema.

Es ist ein eher kurzes Buch über dieses Thema, fasst jedoch alle Facetten der Resilienz gut zusammen. Es umfasst fünf Kapitel die von der Theorie bis zur Praxis alles abdecken. Der Aufbau ist somit klar strukturiert, sowie auch der logische Zusammenhang. Die klare Strukturierung setzt sich im Textteil weiter durch und wird durch Grafiken und Tabellen unterstützt. Die Grafiken dienen dann noch mal zur Verdeutlichung des eben gelesenen, sind aber aufgrund der Größe des Buches oftmals auf der nächsten Seite oder das Buch muss gedreht werden um die Grafik zu lesen. Ansonsten ist es aber gut verständlich, da es mit Studien und Praxisbeispielen unterfüttert ist.

Hier also eine klare Praxisempfehlung für das Studium und in weiterer Folge für das Leben, um schwierige Situationen und Zeiten aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

 

Kein Schweigen, dass nicht endet

Für die Freizeit: "Kein Schweigen das nicht endet" von Ingrid Betancourt

In der obigen Buchbeschreibung wurde absichtlich auf die Beschreibung der Resilienzfaktoren verzichtet, da diese in dem Buch von Ingrid Betancourt in Ihrer (fast) Reinform erzählt werden.

Die grobe Geschichte der in Kolumbien von der FARC entführten Politikerin Ingrid Betancourt dürfte durch den medialen Aufwand der damals betrieben wurde hinlänglich bekannt sein. Das es überhaupt zu der Entführung kommen konnte, liegt vielleicht auf der Schattenseite der Resilienz – der Wille etwas unbedingt zu schaffen, sich nicht unterkriegen lassen. Sechs Jahre war Betancourt Gefangene der FARC. Wie sie diese "grüne Hölle" durchstehen konnte beschreibt das Buch mit seinen 82 Kapiteln, die vom Leben im Lager, den Diskriminierungen, ihrer Befreiung und den persönlichen Entwicklungen erzählt.

Eine besondere Entwicklung die Betancourt durchmacht ist ihre zunehmende Gottgläubigkeit und die Vertiefung in die Bibel. Bei einem Befreiungsversuch der Armee muss das FARC Lager fluchtartig verlassen werden und sie muss ihre Bibel zurücklassen. Dies ist ein herber Rückschlag für sie. Hier besteht nun die erste Verbindung zur klassischen Resilienz. Menschen die an etwas glauben können mit Krisen leichter fertig werden.

Ein weiterer Resilienzfaktor ist, zu wissen dass die Lage sich ändern wird, die Situation nicht ewig so bleiben wird. Auch dies ist bei Ingrid Betancourt ein entscheidender Durchhaltefaktor. Sie hofft jeden Tag auf Befreiung und lässt keine Möglichkeit aus zu fliehen. Dass die Fluchtversuche nie glückten ist bekannt, jedoch gab sie die Hoffnung nie auf.

Hoffnung gab ihr auch der Gedanke an ihre Familie, besonders an ihren Vater sowie ihre Kinder. Sie fertigte in der Gefangenschaft sogar kleine Geschenke zu den Geburtstagen der Familienmitglieder an, in der Hoffnung beim nächsten Geburtstag wieder in Freiheit zu sein. Hier besteht der Zusammenhang zur Resilienz, dass einen die Familie und der soziale Kontakt Kraft schenkt außerordentliche Strapazen durch zu halten.

Das Ingrid Betancourt nach Ihrer Befreiung sehr apathisch und entkräftet wirkte, scheint nach den Anstrengungen nur verständlich. Das Sie aus diesem Tief heraus aber mit einem Buch kontert, das nur zwei Jahre nach diesem Martyrium erscheint, ist m.E. ein weiteres Zeichen für die ihr inhärente Resilienz.

 

August

Im Monat August empfiehlt Ihnen Prof. Dr. Dietrich von der Oelsnitz:

Das katholische Abenteuer

Für die Freizeit 1: "Das katholische Abenteuer" von Matthias Matussek

Der jüngste Wurf des Spiegel-Mannes Matussek ist gute 350 Seiten stark. Dass es dem Autor nicht um eine sorgfältig abgewogene und ausbalancierte Darstellung des katholischen Glaubens in der Moderne geht, wird bereits auf den ersten Seiten klar: "Wir schwimmen in einem Ozean aus Relativierungen. Sinn macht ein solches Buch als solches nur, wenn es mit einem Bekenntnis verbunden ist" (S. 11).

Es folgen fünf, bisweilen in Inhalt und Stoßrichtung recht heterogene Kapitel. In "Ausgangslagen" wird in wenigen, knackigen Worten der Kern der theologischen Botschaft dargelegt. Dies geschieht u. a. anhand einer humorig-reflexiven Betrachtung der in der Bibel genannten sieben Totsünden. Das zweite Kapitel ("Glaubensschlachten") ist politischer – es geht um die Auseinandersetzung des katholischen Glaubens insbesondere mit dem Islam. Lesenswert ist in diesem Kapitel insbesondere das Gespräch, das der Autor mit dem Philosophen Rüdiger Safranski über den katholischen Kulturkanon geführt hat. Kernaussage hier: "Die Brücken nach oben sind abgebrochen, und alle Energie wird in die profane Existenz investiert" (S. 89). Hier findet sich auch eine interessante Auseinandersetzung mit dem "primitiven Biologismus und Materialismus unserer Tage". Matussek geht damit nicht nur gegen Bestsellerautor Richard Dawkins vor, sondern auch gegen einige Redaktionskollegen: "Die scharfsinnigsten Geister halten es für erstrebenswert, unsere und ihre eigene geistige Existenz auf das Spiel von Proteinen und Enzymketten und Genen herunterzurechnen" (S. 88).

Hier schimmert die griffige SPIEGEL-Stilistik durch. Noch ein Beispiel gefällig? – "Heutzutage beginnt das Spaßpublikum zu hyperventilieren, wenn es in einer Talkshow einen schwarzen Talar sieht und einen Mann, der zölibatär lebt. Die Debattenbeiträge zum Thema katholische Kirche sind eine geradezu beleidigende Unterforderung der Intelligenz, denn sie kreisen um die immer gleichen Reizthemen: Zölibat, Papst, Priester. Gleich drei Verstörungen, nämlich kein Sex, keine Demokratie, keine Gleichberechtigung. Völlig quer, der Haufen!" (S. 46). Solche Sätze mögen für Nicht-Christen oder religiös unmusikalische Menschen ein Ärgernis sein; für einen Gläubigen dürften sie angesichts der politisch korrekten Indifferenz eine Wohltat sein.

Dennoch bleiben Defizite. So kann man sich als Leser des Eindrucks nicht erwehren, dass der Autor in der 2. Hälfte des Buches noch fröhlich einige frühere Essays mitverwurstet hat. Einiges wirkt montiert, was den bunt-chaotischen Eindruck des Textes noch verstärkt. Alles in allem schielt Matthias Matussek nicht auf Zielgruppen und potentielle Käuferschichten. Er bleibt klar und entschlossen in seiner Aussage. Negativ interpretiert könnte man das einseitig und undifferenziert nennen, positiv gewendet aber auch von Authentizität und Glaubensstärke sprechen. Denn natürlich hat sein Verfasser in vielen Punkten recht – die grassierende Kirchenkrise ist eigentlich eine Glaubens- bzw. Gotteskrise.

 

Element of Crime

Für die Freizeit 2: "Mittelpunkt der Welt" von Element of Crime

Die Bremer Jungs um den charismatischen Sven Regner – vielen wohl auch als Romanautor und Erfinder von "Herrn Lehmann" alias Christian Ulmen bekannt – haben viele schöne CDs gemacht (und machen sie hoffentlich auch weiter). Man tut sich mit der Hervorhebung einer CD schwer; dennoch wage ich es mit "Mittelpunkt der Welt". Diese bietet den typischen Band-Stil in komprimierter Form: Liebeszweifel, etwas schräge Heimatromantik, Skurriles, mittelschwere Melancholie und ein Schuss Lebensweisheit in norddeutscher Form. Das zaubert einem ein Lächeln ins Gesicht! Mir gefällt das. Aber ein Geheimtipp sind die Jungs ja schon lange nicht mehr...

Für die Anderen zum Reinhören: Live in Delmenhorst

 

Juni

Im Monat Juni empfiehlt Ihnen Marcus Lorenz:


Für das Studium: "Johnny Bunko" von Daniel H. Pink

Bestseller-Autor Daniel H. Pink hat für seinen Karriereratgeber einen recht unkonventionellen Weg gewählt. In Form eines Mangas erzählt er die Geschichte von Johnny Bunko. Der ist neu in der Firma und steht noch ganz unten auf der Karriereleiter.  Spaß macht ihm sein Bürojob nicht. Denn Johnny hat sein Leben lang auf die Ratschläge anderer Leute gehört - Eltern, Lehrer und Berufsberater. Was die sagten, war immer dasselbe: "Du brauchst einen Plan, wenn du vorankommen willst. Mach deinen Abschluss in BWL, dann bekommst du immer einen Job."
Den Job hat Johnny jetzt, nur Lust darauf hat er keine. Die Schönheit von Zahlenkolonnen und Exceltabellen will sich ihm einfach nicht erschließen. Als Johnny sich wieder bis spät in die Nacht über seine Tabellen beugt und nebenbei etwas Fast Food einverleibt, erscheint ihm Diana. Die gute Fee aus der Sushi-Box taucht auf, wenn Johnny eines der magischen Essstäbchen zerbricht. Diana nimmt sich der Karriere des glücklosen Bürohengstes an - und verwandelt Bunko aus der Buchhaltung in Johnny, den Marketing-Cowboy…
Wer jetzt neugierig geworden ist, kann hier den Trailer dazu anschauen
http://www.youtube.com/watch?v=WtRNiMZsTro

 


Für die Freizeit: "How I met your mother"

Im Jahre 2030 erzählt Ted Mosby seinen beiden Kindern, wie er einst deren Mutter kennengelernt hat. Damals, in den 2000er Jahren, hat er sein Architekturstudium abgeschlossen und teilt sich mit seinem besten Freund Marshall Eriksen eine Wohnung in New York. Dieser steht kurz vor seinem Jura-Abschluss und ist seit einigen Jahren mit der Kindergärtnerin Lily Aldrin zusammen, mit der eine gemeinsame Zukunft plant. Auch Ted wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich seine Traumfrau zu treffen. Sein Freund Barney Stinson will ihm dabei helfen und zieht mit ihm regelmäßig um die Häuser. Allerdings ist der Frauenheld bloß an Sex interessiert, was sich für Teds Suche nach der Richtigen nicht besonders förderlich erweist. Dennoch lernt er bei einem ihrer Streifzüge durch New York die hübsche Robin Scherbatsky (Cobie Smulders) kennen. Ted verliebt sich in die kanadische Nachrichtensprecherin. Doch schnell wird klar, dass sie im Jahre 2030 nicht seine Frau sein wird. Doch wie lernt er dann die zukünftige Mutter seiner Kinder kennen?
Ähnlich wie die Kult-Sitcom „Friends“ aus den 1990er Jahren konzentriert sich auch die Comedy-Serie von Carter Bays und Craig Thomas auf eine Clique von Freunden, die in New York auf der Suche nach dem privaten Glück sind. Dank witziger Einfälle erweist sich dies als ungemein unterhaltsam. Zusätzliche Spannung bezieht die Serie aus der Titelgebenden Prämisse. Protagonist Ted erzählt seinen Kindern in Rückblicken die vielen Erlebnisse seiner Vergangenheit, weil er detailliert erklären will, wie er einst ihre Mutter kennen gelernt hat. So fragt man sich immer wieder, wer seine Zukünftige schließlich sein wird und ob man ihr nicht vielleicht schon in einer Folge begegnet ist. Durch die Erzählweise wirkt die Serie der linearen Handlung der meisten Sitcoms entgegen. Die Autoren greifen immer mal wieder voraus und streuen einzelne Hinweise in die Handlung ein, die später wieder aufgenommen werden. Dadurch ergeben sich nicht selten grandiose Gags, die sich nur Denjenigen erschließen, die jede Folge aufmerksam verfolgen.

Mai

Im Monat Mai empfiehlt Ihnen Oliver Tacke:

Cover von Against Intellectual Monopoly

Für das Studium: "Against Intellectual Monopoly" von Michele Boldrin und David Levine

Michele Boldrin und David Levine fragen sich in ihrem Buch, wie belastbar Aussagen der Art "Patente fördern Innovation" wirklich sind. Die beiden Ökonomen halten zunächst fest, dass sie Eigentum an materiellen Gütern keinesfalls ablehnen, die Übertragung des Begriffs auf Ideen oder Wissen jedoch keinesfalls so einfach ist, wie häufig suggeriert wird: Patentrecht und Copyright (nicht identisch und nicht zu verwechseln mit dem deutschen Urheberrecht) schafften monopolartige Strukturen, die zwar angenehm für Unternehmen sind, aber keinesfalls Innovationen fördern und die aus jeder VWL-Einführungsveranstaltung bekannten Nachteile für die Wohlfahrt mit sich bringen. Ihre Thesen fundieren sie sowohl theoretisch wie auch empirisch. Während Fragen wie "Warum hat Goethe ohne Urheberrecht überhaupt Bücher geschrieben?" eher anekdotischer Natur sind, falsifizieren sie etwa mittels Zahlen aus verschiedenen Branchen die Behauptung der Innovationsförderung. Nirgends habe sich durch die Einführung von Patenten die Innovationsleistung erhöht. Sie hätte eher dazu geführt, dass sich Unternehmen an überholte Geschäftsmodelle klammern und diese juristisch verteidigen statt auf Forschung und Entwicklung zu setzen - nur Exploitation, keine Exploration, Sackgasse Kompetenzfalle.

Im Buch werden noch viele weitere Dysfunktionen der "geistigen Monopole" behandelt, die hier in Kürze nicht einmal aufgezählt, geschweige denn diskutiert werden können. Wer das Lesen wagt, sollte sich zudem nicht nur auf viele, sondern auch dicht gepackte Informationen gefasst machen. Aber es lohnt sich und vielleicht spornt es an, dass Eric Maskin, Douglass North und Edward Prescott (allesamt Nobelpreisträger) großes Lob für das Buch übrig haben.

 

Cover der Autobiografie von Carlo Pedersoli

Für die Freizeit: "Bud Spencer: Mein Leben, meine Filme. Die Autobiografie" von Carlo Pedersoli

Carlo Pedersoli muss man eigentlich niemandem mehr vorstellen, auch wenn ihn die Welt eher unter dem Namen Bud Spencer kennt. In unzähligen Filmen begeistert er Jung wie Alt, und dass obwohl er nie wirklich Schauspielunterricht genommen hat und sich selbst auch nicht als Schauspieler sieht. Nach seiner Karriere als Schwimmer und vielen verschiedenen Gelegenheitsjobs in Italien und Südamerika rutschte der gebürtige Neapolitaner zufällig in die Branche, über eine Komparsenrolle beim Klassiker "Quo Vadis". Und als er zusammen mit Mario Girotti (Terence Hill) seinen Durchbruch feierte, war er auch bereits rund 40 Jahre alt und glaubte noch immer nicht an eine Zukunft beim Film. Nun, wie wir alle wissen, kam es zum Glück anders.

Wer ein bisschen mehr über das Leben von Carlo Pedersoli erfahren möchte, bekommt mir seiner jüngst erschienenen Autobiografie Gelegenheit dazu. Aus erster Hand erfährt man beispielsweise, dass er als kleiner Junge im zweiten Weltkrieg nur knapp einem Bombardement entkam, Chemie und Jura studierte - allerdings ohne Abschluss - und sich auch als Erfinder betätigt. Das Buch ist trotz einiger philosophischer Einschübe keine "große Literatur". Pedersoli hat nicht versucht, einen Bestseller zu landen. Aber vermutlich gefällt mir sein Buch gerade deshalb so gut. Es ist wie er selbst - bescheiden und unprätentiös - und versucht nicht mehr zu sein, als es ist: die schriftliche Erinnerung eines eigentlich ganz normalen Mannes.


April

Im Monat April empfiehlt Ihnen Michael W. Busch:


Für das Studium: Stephan, M./Rosteck, F.: Think Tanks in Unternehmen, in: WiSt – Wirtschaftswissenschaftliches Studium, 39. Jg., 2010, Nr. 7, S. 355-359.

Michael Stephan, Professor am Lehrstuhl für Technologie- und Innovationsmanagement an der Philipps-Universität Marburg, und Florian Rosteck, Trainee Sales bei Ferrero Deutschland, beschreiben in diesem aktuellen Stichwort in bündiger Form das Phänomen unternehmerischer »Think Tanks«. Ursprünglich dem – wie so oft – Bereich des Militärischen entstammend, wo Think Tanks bombensichere Räumlichkeiten bezeichneten, in denen Schlachtpläne und Einsatzstrategien diskutiert werden konnten, leisten Think Tanks in Unternehmen ein »Denken auf Vorrat«, erkunden und skizzieren Trends, identifizieren mögliche Geschäftsfelder und sorgen für die effektive Vernetzung interner und externer Wissensquellen. Diesen Luxus freien Denkens und Assoziierens können sich gleichwohl nur Großunternehmen wie Daimler, Henkel oder 3M leisten. Bei der Telekom wurde auf diese Weise ein Spracherkennungsprogramm entwickelt, das den Ärger des Anrufers anhand seiner Stimmlage registriert. Geholfen ist dem Kunden damit gleichwohl noch nicht ... (vgl. Welt online, 03.01.2009, In den geheimen Katakomben der Telekom).

 



Für die Freizeit: "Die Lust am Bösen" von Eigen Sorg

Eines vorneweg: Es handelt sich eher um eine Streitschrift denn um ein wissenschaftliches Traktat. Der Stil des Verfassers ist durchweg packend, allerdings nichts für schwache Gemüter. Nun zum Inhalt: Warum treten Jugendliche weiter auf ihr Opfer ein, selbst wenn es schon am Boden liegt? Warum kommt es immer wieder zu Gewalteskalationen bis hin zum Völkermord? Die Antwort des Autors ist recht einfach: Es gibt in jeder Gesellschaft Menschen, die – sobald sich ihnen die Gelegenheit dazu bietet – hochgespült werden und ihre Aggressionen wild ausleben, weil sie schlicht Freude daran haben, Macht auszuüben und andere leiden zu sehen. Erklärungen wie soziale Benachteiligung, schwere Jugend und all die anderen äußeren Umstände, die den Täter mit feuilletonistischen Pirouetten zum Opfer stilisieren, weist Sorg entschieden von sich. Jeder habe – auch und gerade in Extremsituationen der Gesetzlosigkeit – die Wahl, sich zwischen Gut und Böse zu entscheiden. Im letzten Teil des Buchs geht Sorg insbesondere auf islamistische Terroristen ein, die – ähnlich wie die Anhänger der RAF – meistenteils aus begütertem Elternhaus stammen und nicht selten eine westliche Ausbildung genossen. Die verschiedenen Rezensionen haben diesem Teil mangelnde Differenzierung vorgeworfen. Hierauf würde der Autor wohl antworten, dass gerade die Religion – wie überhaupt jede wirkungsmächtige Ideologie – für latent aggressive Menschen zum idealen Feigenblatt des eigenen gewaltsamen Handelns werden kann. Mit Balthasar Gracian lässt sich daher resümieren: Man gelange dazu, sich vor sich selbst zu fürchten!


März

Im Monat März empfiehlt Ihnen Björn Hobus:

Cover

Für Studium und Freizeit: "Miteinander reden" von Friedemann Schulz von Thun.

„Miteinander reden“ ist ein, wenn nicht der Klassiker zum Thema Kommunikation. In drei Bänden vermittelt Schulz von Thun anschaulich und gut verständlich psychologische Grundlagen von Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung. Im Mittelpunkt des ersten Bandes steht das bekannte „Vier-Ohren-Modell“: jede Nachricht enthält demnach vier Seiten (Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell). So beschreibt z.B. der immer wieder gerne gegebene Hinweis des Beifahrers an den Autofahrer „Du, da vorne ist grün“ nicht nur die Ampelfarbe, sondern heißt meist auch „Gib Gas, Du Trottel“. Alle vier Aspekte können Auslöser für Kommunikations-störungen sein. Wir müssen uns also bewusst machen, dass wir immer auf diesen vier Frequenzen senden und empfangen, wobei die Interpretation der vier Seiten durch Sender und Empfänger nur selten übereinstimmt. Sehr aufschlussreich, eigene und fremde Botschaften so zu analysieren ...

Der zweite Band beschäftigt sich mit individuellen Kommunikationsstilen
(z.B. helfender, selbst-loser, aggressiv-entwertender oder bestimmend-kontrollierender Stil). Acht verschiedene Stile werden ausführlich beschrieben, zugrunde liegende Werte aufgedeckt und jeweils Richtungen der Persönlichkeitsentwicklung aufgezeigt. Spannend herauszufinden, welche(n) Stil(e) man selbst verwendet ...

Im dritten Band geht es schließlich um die „Stimmigkeit“ der Kommunikation: sie muss zum einen situationsgerecht sein und zum anderen authentisch. Letzteres bedeutet, dass die Kommunikation in Übereinstimmung mit dem eigenen Selbst steht, d.h. mit dem gesamten „inneren Team“. Denn das „Ich“ stellt sich als ein „zerstrittener Haufen“ dar - analog zum realen Team, das erst zusammenfinden muss. In der „inneren Team-konferenz“ müssen alle Beteiligten (z.B. der Skeptiker, das Nervenbündel, der Habgierige, der Sozial-Gewissenhafte, ...) unter einen Hut gebracht werden, so dass es möglich wird, nach außen eindeutig und kraftvoll zu kommunizieren. Interessant, die eigenen Teammitglieder kennen-zulernen ...

Alle drei Bände liefern Informationen und Anregungen, die sowohl im Privatleben als auch in Studium und Beruf (z.B. Personalführung) sehr nützlich sind. Wer Prof. Schulz von Thun in Aktion sehen möchte, dem sei noch seine Abschiedsvorlesung vom 23.10.2009 empfohlen.


Februar

Im Monat Februar empfiehlt Ihnen Gary Schwarzer:

Cover

Für das Studium: "Einstellungen erkennen, beeinflussen und nachhaltig verändern: Von der Kunst, das Leben aktiv zu gestalten" von Jens-Uwe Martens

Einstellungen. Ein Thema das sehr relevant für das Studium ist, genauso aber in alle weiteren Lebensbereiche wirkt (dazu mehr beim zweiten Buch).

Jens Uwe Martens, der gleichnamige Autor des Buches „Die Kunst der Selbstmotivierung“ geht in diesem Buch noch ein Stückchen tiefer in das innere unserer Psyche und fragt: Woher kommt unser Verhalten?
Dieser Fragestellung wird durch einen sehr gut strukturierten Aufbau des Buches in allen Facetten nachgegangen. Doch auch die Tiefe des Buches lässt in dem von Martens definierten Rahmen keine Wünsche offen. Eher im Gegenteil. Man wird mit Details und Hintergründen konfrontiert, die so noch nicht klar waren und zum Nachdenken veranlassen. Dieses ist bei diesem Neuheitswert den der Inhalt vermittelt auch unbedingt notwendig, denn man stellt sich immer wieder die Frage: „Wie sieht es denn eigentlich mit meiner Einstellung aus?“

An diesem Punkt wird es nun für alle weitern Lebensprojekte interessant. In Bezug auf die hiesige Thematik dieses Artikels, kann nun die Einstellung zum seinem Studium oder ganz aktuell in diesen Zeiten: die Einstellung zu Prüfungen, Prüfungsleistungen, Lernvorbereitung, Wissensverarbeitung uvw. hinterfragt werden.

Martens lässt einem mit diesen Neuigkeiten aber nicht alleine, sondern er schafft es, auch mit Bezug auf die großen Psychoanalytiker unserer Zeit, Konzepte und Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen die bei der Veränderung der Einstellung helfen.
Insgesamt ist es ein sehr leserfreundliches Buch, das nicht nur durch seine detaillierte Aufbereitung brilliert, sondern auch durch Fallbeispiele, Grafiken und anschaulichen sowie auch manchmal heiteren Erklärungen des Autors.

 

Ich bin denn mal schlank

Für die Freizeit: "Ich bin dann mal schlank" von Patric Heizmann

Wir haben einen besonderen Jahresabschnitt der zwei Phasen ineinander vereint: Einmal die „Nachbereitung“ des Körpers nach den Festtagen und die „Vorbereitung“ des Körpers auf den Sommer.
Die guten Vorsätze dazu sind gefasst, die Mitgliedschaft im Fitness-Studio unterschrieben, die Laufschuhe entstaubt, der Kühlschrank, bis auf ein Gürkchen, von Dickmachern dekontaminiert.
Doch schon nach wenigen Wochen wird der Geist und mit ihm das Fleisch schwach (wie „geistiger Schwäche“ beizukommen ist, ist dem oben vorgestellten Buch zu entnehmen). Die Fleischesschwäche hat nun nicht nur geistige Gründe, sondern vor allem ernährungsorganisatorische.

In dem hier vorgestellten Buch von Patric Heizmann nimmt sich der Autor dem Problem des schwachen Fleisches und des schwachen Geistes an. Das Buch hört sich erst mal an als sei es wieder nur ein Ratgeber von dem es schon Dutzende gibt. Was Heizmann hier aber anders macht ist, dass er die Einstellung zu Ernährung und die Umsetzung dieser erklärt.

Am Anfang des Buches gibt es einen Einblick in die Biochemie des Körpers, die einfach dargestellt wird um die weiteren Wirkungsweisen von Lebensmitteln besser zu verstehen. Des weiteren versucht er mit Bildern und „Schauergeschichten“ den Leser wach zu rütteln damit dieser erkennt, dass nur er selbst seine Ernährung bestimmt und somit auch verändern kann. Womit wir wieder bei dem Thema Einstellungen wären…

Zwischen durch postet er auch sehr provokante Thesen wie: „Wenig essen ist die wichtigste Grundlage um langfristig dick zu werden.“ Eines wird dadurch klar: Nur Freude macht dieses Buch nicht, denn die Umstellung der Einstellung des Ernährungsverhaltens ist ein mühsamer Prozess der auch einiges an Arbeit erfordert.
Mit dem hier vorgestellten Buch wird es einem aber leichter gemacht als mit vielen anderen Ratgebern aus dem Genre. Nicht umsonst wurde sogar in eine Bühnenshow investiert, die im April auch in Braunschweig präsentiert wird.

Januar

Im Monat Januar empfiehlt Ihnen Prof. Dr. Dietrich von der Oelsnitz:

Buchcover Rache am Chef

Für das Studium: "Rache am Chef" von Susanne Reinker

Für diejenigen, die sich über die Vorlesung Personalführung hinaus mit den Folgen schlechter Führung durch inkompetente oder übertrieben karriereorientierte Vorgesetzte beschäftigen wollen, wird dieses Buch interessant sein. Es steht ganz in der Tradition negativer Erfahrungsberichte à la "Morgen bringe ich ihn um – eine Chefsekretärin packt aus", "Manager oder Menschenschinder?" und "Psychopathen bei der Arbeit". Die Autorin formuliert zwar schmerzhaft plakativ – Motto: "Von der Topkraft zum Tarnkappenträger: das Sein bestimmt das Kranksein" – aber dennoch sind die Details ihrer Recherche durchaus interessant. Im Jahr 2004 verloren Deutschlands Unternehmen z. B. rund 21% ihrer Arbeitsstunden durch Bummelei oder subversive Tätigkeiten der Mitarbeiter. Das entspricht 8,5 Milliarden Arbeitsstunden!

 

Buchcover Die Moltkes

Für die Freizeit: "Die Moltkes" von Jochen Thies

Der Untertitel dieses vor allem den geschichtsinteressierten Leser ansprechenden Buches sagt bereits das Wesentliche zu Thema und Methode des Verfassers: "Von Königgrätz nach Kreisau. Eine deutsche Familiengeschichte". Behandelt wird die Geschichte einer Familie, die ihrerseits Geschichte geschrieben hat: Helmuth Carl Bernhard von Moltke gewann als preußischer Feldmarschall seinem König den deutschen Kaisertitel. Bekannt geworden aus dieser an Talenten überreich gesegneten Dynastie ist zwei Generationen später auch Helmuth James von Moltke, der als entschlossener Widerstandskämpfer noch 1945 von den Nazis gehängt wurde.

Das Buch hat mich nicht nur deshalb so gefesselt, weil ich einen Hang zu Preußen habe, sondern auch, weil sein Autor packend schreibt. (Jochen Thies war als ausgebildeter Historiker übrigens auch Redenschreiber von Helmut Schmidt.) Man beginnt zu ahnen, welch unermeßlichen Verlust an Intelligenz, Sittlichkeit, Disziplin und Tatkraft Deutschland durch das Nazi-Regime und den Zweiten Weltkrieg insgesamt erlitten hat.


  last changed 03.01.2012
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