TU BRAUNSCHWEIG

Einkaufstipps: 2009

Dezember

Im Monat Dezember empfiehlt Ihnen Marcus Lorenz:

Buchcover von Cityboy

Für das Studium: „Cityboy: Beer and Loathing in the Square Mile“ von Geraint Anderson

Zugegeben: Die Regale in den Buchhandlungen sind momentan voll mit Enthüllungsromanen über die Ausschweifungen der Bankerelite. Aber „Cityboy“ ist anders – weil Geraint Anderson anders ist als viele seiner ehemaligen Kollegen.

Nach dem Abschluss seines Geschichtsstudiums hatte Anderson keine weiteren Interessen als in der Welt herumzureisen und Drogen zu konsumieren. Zum Investmentbanking kam er, weil ihm sein Bruder ein Vorstellungsgespräch bei einer Bank verschafft. Dementsprechend wenig Ahnung hat Anderson von Emissionsgeschäften und Chartanalysen – was sich jedoch als nicht weiter tragisch herausstellt, denn Anderson hat andere Talente: Er kann gut mit Menschen umgehen und besitzt ein überaus großes Ego. Sein Ehrgeiz wird geweckt, als er in einer Partie Golf vom aufgeblasenen Banker Hugo gedemütigt wird. Danach kennt Geraint nur noch ein Ziel: Er muss es Hugo heimzahlen! Was folgt ist der Aufstieg Andersons zu einem der besten Investmentbanker in London. Fast beiläufig lernen wir dabei das wirkliche Geschäft eines Investmentbankers kennen. Nicht intelligente und gründliche Analysen bringen den Erfolg. Es geht vielmehr darum, sich möglichst wichtig zu machen und die Kunden durch Besuche in teuren Restaurants, Konzertenoder Striplokalen für sich zu gewinnen.

Auch wenn die Ausführungen von Geraint Anderson sicherlich nicht für alle Banker gelten dürften, so bekommt man dennoch einen guten Einblick, warum eine ganze Branche in den letzten Jahren so außer Kontrolle geraten konnte. Dabei schafft es Anderson, seine Geschichte mit viel Humor und Selbstironie darzustellen.

 

Buchcover von Der menschliche Makel

Für die Freizeit: „Der menschliche Makel“ von Philip Roth

Schon seit Jahren gilt Philip Roth als einer der größten Anwärter auf den Literaturnobelpreis. Der vorliegende Einkaufstipp ist das vielleicht bekannteste Werk von Roth.

Der siebzigjährige Professor Coleman Silk macht in einem Seminar eine unglückliche Bemerkung gegenüber zwei afroamerikanischen Studenten. Durch dieses Ereignis gerät das Leben von Coleman Silk völlig aus den Fugen. Er verliert seinen Job und kurze Zeit später stirbt seine Frau infolge der Aufregung. Später beginnt Silk eine Affäre mit der Putzfrau Faunia Farley, die halb so alt ist wie er. Seine ehemaligen Kollegen prangern ihn daraufhin wegen der angeblichen sexuellen Ausbeutung einer unterprivilegierten Frau an. Auch seine eigenen Kinder wenden sich empört von ihm ab. Sie ahnen jedoch nicht, wie verrückt es ist, die Äußerung des Literaturprofessors als Vorurteil gegenüber Schwarzen zu interpretieren, denn dieser Mann, den sie alle für einen jüdischen Weißen halten, ist in Wirklichkeit selbst ein Afroamerikaner…

Meisterhaft erzählt Philip Roth das vielschichtige Geschehen von seinem Ende her und zum Teil aus der Perspektive seines bereits aus anderen Romanen bekannten Alter Ego Nathan Zuckerman. Der menschliche Makel wurde 2003 von Regisseur Robert Benton mit Anthony Hopkins, Nicole Kidman und Ed Harris in den Hauptrollen verfilmt.


November

Im Monat November empfiehlt Ihnen Oliver Tacke:

Schule in Hassfurt

Für das Studium: Video der Bildungsexpedition 2009 in Haßfurt

Einige sind überrascht, dass man in der Wikipedia nicht nur lesen, sondern auch eigene Beiträge verfassen und fremde bearbeiten kann. Andere verurteilen Twitter als "Klowand des Internets", ohne sich überhaupt selbst damit beschäftigt zu haben. Wieder andere sehen in sozialen Netzen im WWW einen nutzlosen Zeitvertreib. Selbst wenn Sie nicht Wirtschaftsinformatik studieren, sollten Sie sich nebenher mit dem geheimnisumwitterten Web 2.0 auseinandersetzen. Nicht nur, weil es unzählige interessante Möglichkeiten bietet - nein, schlicht weil immer mehr Unternehmen Instrumente wie Wikis oder Blogs produktiv im Tagesgeschäft nutzen (wollen) und Mitarbeiter benötigen, die sich in der Praxis damit auskennen.

Als kleinen Denkanstoß präsentiere ich daher in diesem Monat einen "kostenlosen Einkaufstipp": Das Video zeigt Sechstklässler, die sich weitgehend selbst den Umgang mit Wikis beigebracht haben. Was glauben Sie, wer in einigen Jahren mit Ihnen in Konkurrenz um einen Arbeitsplatz treten wird?

 

Logo drei Fragezeichen

Für die Freizeit: Die drei Fragezeichen

"Die drei Detektive. ???. Wir übernehmen jeden Fall. Erster Detektiv: Justus Jonas. Zweiter Detektiv: Peter Shaw. Recherchen und Archiv: Bob Andrews." Seit inzwischen 30 Jahren lösen "Die drei Fragezeichen" (die Hauptdarsteller in unveränderter Besetzung!) spezialgelagerte Sonderfälle in der gleichnamigen Hörspielserie - und ein Ende ist bisher nicht in Sicht. Regelmäßig erscheinen neue Episoden zum Kauf als Download, auf CD und gar noch auf Kassette. Unvergleichlich sind allerdings die Live-Aufführungen: Noch bis 15.11.2009 läuft die aktuelle Tour, die eine überarbeitete Fassung des "seltsamen Weckers" auf die Bühne bringt. Aus eigener Erfahrung vor einer Woche kann ich sagen: Es lohnt sich!


Oktober

Im Monat Oktober empfiehlt Ihnen Michael Busch:

Buchcover von Überflieger

Für das Studium: "Überflieger" von Malcolm Gladwell

Gladwell geht in diesem Buch der Frage nach, was Menschen zu Überfliegern macht, d. h. zu Individuen, deren Leistung die des Durchschnitts der Bevölkerung weit überragt. Die einfachste und naheliegendste Antwort auf diese Frage wäre: Die Einsteins werden geboren, das Talent liegt in ihren Genen. Gladwells Antwort dagegen lautet: 10.000 Stunden. Erst die Übung, das harte und kontinuierliche Training bringt Meister hervor. Als Beispiel führt er die Beatles an, die erst nach der mit unzähligen Auftritten verbundenen Hamburger Zeit zu dem wurden, was die Leute dann später kennenlernten. Daneben spielt laut Gladwell auch der Zeitpunkt unserer Geburt eine bedeutsame Rolle. So war Bill Gates gerade in dem richtigen Alter, als er Microsoft gründete. Oder die kanadischen Eishockey-Spieler, die fast alle in den ersten drei Monaten eines Jahres geboren sind. Zufall? Nein, der Stichtag entscheidet darüber, ob wir zu Eishockey-Profis werden oder nicht! Diese und ähnlich verblüffende Einsichten präsentiert Gladwell in seinem 250 Seiten umfassenden Buch und gibt damit zugleich die Anleitung, wie man einen Bestseller schreibt: Dinge sehen, die alle sehen, und denken, was sonst niemand denkt. Und dann das Ganze noch mund- bzw. lesergerecht aufbereiten und professionell vermarkten. Nun denn, wenn’s so einfach ist ...

 

Cover von Zeuge einer Verschwörung

Für die Freizeit: "Zeuge einer Verschwörung" von Paramount Home Entertainment

Auf diesen unter der Regie von Alan J. Pakula entstandenen Film bin ich per Zufall gestoßen. Auf der Suche nach dem Film "I wie Ikarus", der nun endlich Anfang Januar 2010 erscheinen soll, und als Freund von gut gemachten Politthrillern wie "Die drei Tage des Condor" habe ich mir die DVD bestellt und zwischenzeitlich auch angeschaut. Im Original heißt der Film "The Parallax View", was darauf verweisen soll, dass je nach Blickwinkel [auf eine Gesellschaft] etwas Unterschiedliches zum Vorschein kommt. Die Geschichte beginnt mit einem Attentat auf einen Senator. Alle Augenzeugen verschwinden allmählich. Warren Beatty spielt dann den Reporter, der den Kampf gegen die unbekannte Macht aufnimmt. Mehr soll hier nicht verraten werden. Insgesamt strahlt der Film eine düstere, leicht fatalistische, also für den geneigten Zuschauer angenehme Atmosphäre aus. Laut Wikipedia stand "Zeuge einer Verschwörung" seinerzeit im Schatten von "Chinatown" und wurde zum Teil auch von der Kritik schlecht bewertet. Dennoch: Er zieht einen in seinen Bann und weist einige überraschende Wendungen auf. Vielleicht noch das: Anders als so mancher Bronson-Schocker ist der Film meines Erachtens durchaus auch für Frauen geeignet. Diese sollten allerdings nicht auf das Happy End hoffen.


September

Im Monat September empfiehlt Ihnen Björn Hobus:

Buchcover von Die fünfte Disziplin

Für das Studium: "Die fünfte Disziplin" von Peter Senge

Mit diesem Buch hat sich Peter Senge einen Platz in der "Hall of Fame" des Managements gesichert. Gleichzeitig hat er dem Thema "Organisationales Lernen" in Wissenschaft und Praxis zum Durchbruch verholfen. Sehr anschaulich und praxisorientiert schildert Senge, wie unsere eingeübten Denkmuster den Umgang mit komplexen Systemen erschweren und das Lernen hemmen. Ein Problem (neben vielen anderen) ist, dass wir schleichende Systemveränderungen und deren Gefahren oft nicht erkennen. Eine originelle Verdeutlichung bietet das "Gleichnis vom gekochten Frosch": wird ein Frosch in heißes Wasser gesetzt, springt er sofort heraus; in langsam erhitztem Wasser hingegen fühlt er sich zunächst wohl, wird langsam schlapper und schlapper, bis er unfähig ist, noch aus dem kochendem Wasser herauszuhüpfen. Wie ein solcher Frosch hat die amerikanische Automobilindustrie bis weit in die 80er Jahre hinein die wachsende Bedrohung durch japanische Konkurrenten nicht erkannt und dauerhaft große Marktanteile verloren.

Um zu einer lernenden Organisation zu werden, muss ein Unternehmen nach Senge folgende fünf Disziplinen beherrschen: Personal Mastery (Selbstführung und Persönlichkeitsentwicklung), Reflexion mentaler Modelle, Entwicklung gemeinsamer Visionen, Team-Lernen und Systemdenken. Die letzte (fünfte) Disziplin ist die wichtigste, da sie die anderen integriert. Sie beruht auf Systemgesetzen, die unserem gewohnten Denken teilweise widersprechen, z. B.

  • Die "Lösungen" von gestern sind die Probleme von heute.
  • Je mehr man sich anstrengt, desto größer wird das Problem.
  • Das Systemverhalten verbessert sich, bevor es sich verschlechtert.
  • Ursache und Wirkung liegen nicht nahe beieinander
  • Schneller ist langsamer.

Um systemisch handeln zu können, ist daher ein umfassendes Umdenken erforderlich. Senge spricht viele wichtige Organisationsthemen an und liefert interessante Einsichten und Praxisbeispiele, die helfen, das Systemverständnis ("die Kunst, den Wald und die Bäume zu sehen") und die Lernfähigkeit zu erhöhen.

 

Cover von Die Entdeckung der Langsamkeit

Für die Freizeit: "Die Entdeckung der Langsamkeit" von Sten Nadolny

Beim Ballspielen taugt er nur zum Schnurhalten und auf Bäume kann er nur klettern, wenn er sich alle Astgabelungen zuvor genau eingeprägt hat: der kleine John Franklin aus dem englischen Dorf Spilsby ist einfach zu langsam, um mit den anderen Kindern mithalten zu können. Doch dank seiner unbeirrbaren Willens- und Durchhaltekraft sowie außergewöhnlicher Lernfähigkeit gelingt es Franklin, Seemann zu werden. Nach grausamen Erfahrungen in der Kriegsmarine erhält er später das Kommando über mehrere Expeditionen in die Arktis. Auf der Suche nach der Nordwestpassage retten schließlich seine Ruhe und seine langsamen, aber gründlichen Überlegungen der Mannschaft mehrfach das Leben.

Ein beeindruckend erzählter Roman, der auf der realen Biographie des Polarforschers John Franklin (1786-1847) beruht. Nadolny gibt seinem Protagonisten jedoch mit der nahezu lähmenden Langsamkeit eine gravierende Schwäche mit auf den Weg, die ihn zum eigentlich chancenlosen Außenseiter macht. Doch er kämpft mit Erfolg darum, die Nachteile seiner Langsamkeit zu kompensieren und die Vorteile von Beharrlichkeit und Gründlichkeit gezielt zu nutzen. Es geht jedoch nicht um ein Plädoyer für die Langsamkeit an sich – auch bei Nadolny bleibt Franklin der Erfolg wegen mangelnder Reaktionsfähigkeit und Unentschlossenheit oft genug versagt. Vielmehr geht es darum, in kritischen Situationen durch bewusste Entschleunigung zu einer ganzheitlichen, reflektierenden Sichtweise zu gelangen und auch die im Verborgenen lauernden Risiken zu erkennen (man beachte die Parallele zu Senge!). Manche Fehlentwicklungen der heutigen schnelllebigen Zeit, in die wir durch Hektik und übersteigerten Ehrgeiz geraten, ließen sich vielleicht mit etwas mehr Umsicht und Besonnenheit vermeiden...


August

Im Monat August empfiehlt Ihnen Prof. Dr. Dietrich von der Oelsnitz:

Cover von Menschliche Kommunikation

Für das Studium: "Menschliche Kommunikation: Formen, Störungen, Paradoxien" von Paul Watzlawick, Janet Beavin und Don Jackson

Bekanntlich kann man nicht nicht kommunizieren - menschliche Kommunikation ist der Grundpfeiler jeden Miteinanders, jeder Wirklichkeitsinterpretation. Dieses klassische Buch des weltbekannten österreichisch-amerikanischen Sozialforschers sieht diese Erkenntnis vor allem unter systemischen Aspekten; es konzentriert sich vor allem auf die Störungen und Hindernisse unserer sprachlichen Interaktionen. Alles Verhalten ist Kommunikation und Konstruktion – aber längst nicht alles kommt so an, wie es gemeint ist bzw. der objektiven Wirklichkeit entspricht. Aber: Gibt es die überhaupt?

 

Cover von Hammerstein oder Der Eigensinn

Für die Freizeit: "Hammerstein oder Der Eigensinn" von Hans Magnus Enzensberger

Dieses bereits von der FAZ im vergangenen Jahr vorabgedruckte Buch gibt es jetzt zum studentenfreundlichen (Taschenbuch-)Preis von 9,90 Euro. Es trägt den Untertitel "Eine deutsche Geschichte" und dreht sich um einen Mann, der heute fast vergessen ist – und das, obwohl er zu einem der einflussreichsten und entschlossensten Gegner Hitlers gehörte. Kurt von Hammerstein-Equord war ein hochintelligenter Mann voller Widersprüche: Charismatiker, konservativer Rebell, Grenzgänger, genial-fauler preußischer Generaloberst mit Eigensinn (und u. a. drei kommunistischen Töchtern). 1933, kurz nach Hitlers Machtergreifung, trat er als Chef der deutschen Armee zurück. Dieses Buch erzählt in beeindruckender Sprache und neuen künstlerischen Formen sein Leben. "Atemberaubend spannend" sagt Denis Scheck, "ein zeitgeschichtlicher Krimi" meint Focus. Ich sage: Ein beeindruckendes Stück Geschichtsschreibung, das den Leser mit auf eine Reise nimmt: Die Reise zum Mittelpunkt der Wahrheit.


Juli

Im Monat Juli empfiehlt Ihnen Marcus Lorenz:

Cover von Große Ökonomen

Für das Studium: "Große Ökonomen und ihre Theorien: Ein chronologischer Überblick" von Hans Putnoki und Bodo Hilgers

Was hat John M. Keynes mit einer Weinprobe zu tun? Warum ließ Hernan Cortez nach der Landung bei den Azteken seine Schiffsflotte verbrennen? Und warum sollte man nie mit einem Monetaristen zusammen Auto fahren? Hierauf und auf viele weitere ökonomische Fragestellungen geben Hans Putnoki und Bodo Hilgers in diesem Buch Antwort. Anhand von witzigen Cartoons stellen die beiden VWL-Professoren die zentralen ökonomische Theorien und die dahinter stehenden Köpfe vor. Chronologisch werden Leben und Werk der bedeutendsten ökonomischen Denker (z.B. Karl Marx, Joseph Schumpeter, Herbert Simon und Joseph Stiglitz) vorgestellt und in die historische Entwicklung volkswirtschaftlicher Theorien eingeordnet. Am Ende treten die ökonomischen Denkschulen in einem Wettkampf gegeneinander an. Wer da wohl gewinnen wird?

Durch die anschaulichen und fachlich guten Erläuterungen eignet sich das Buch sogar zur Vorbereitung für die nächste VWL-Klausur. Ihr Professor wird begeistert sein, wenn Sie das Saysche Theorem anhand eines Nasenhütchens oder das Nash-Gleichgewicht anhand einer Gaststätte souverän erläutern.

 

Cover von Alpe Dhuez

Für die Freizeit: "Post aus Alpe D’Huez" von Peter Winnen

Am Wochenende startet wieder das berühmteste Radrennen der Welt. Wer sich vorab ein wenig einstimmen möchte oder schon immer das Leben eines Radprofis hautnah miterleben wollte, ist mit „Post aus Alpe D’Huez“ bestens bedient. Peter Winnen, holländischer Radprofi in den 1980er Jahren, beschreibt in diesem Buch anhand von Briefen an einen fiktiven Freund seine Erlebnisse als Radprofi. Dabei durchlebt man alle Höhen und Tiefen Winnens Karriere: Die ersten Siege im Amateurbereich, die vielen Stürze, Olympiateilnahme und die großen Erfolge bei der Tour de France – und am Ende der Karriere die Einsicht, dass nach jahrelangem Raubbau der Körper einfach nicht mehr mithalten kann. Durch das große Sprachtalent und die tiefen Einblicke in das Innenleben des Autors bekommt man einen unmittelbaren Eindruck darüber, was es heißt, jeden Tag bei Wind und Wetter fernab von der Familie mehrere hundert Kilometer auf dem Fahrrad abspulen zu müssen. Auch das Thema Doping wird offen und ehrlich thematisiert. Gelungen sind vor allem die detaillierten, teils derben Beschreibungen der Strapazen der Bergetappen – besonders seiner beiden Siege in Alpe D’Huez. Faszinierend!


Juni

Im Monat Juni empfiehlt Ihnen Oliver Tacke:

Cover von Mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit

Für das Studium: "Mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit" von Hans-Hermann Dubben und Hans-Peter Beck-Bornholdt

Spätestens dann, wenn man sich empirisch mit einer Fragestellung beschäftigt, kommt man mit Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung in Berührung - und gerader bei letzterer versagt häufig die menschliche Intuition. Das Buch "Mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit" macht auf unterhaltsame Art und Weise deutlich, welchen Irrtümern man allzu schnell beim Hantieren mit Zahlen unterliegen kann: Wieso sagt ein Vaterschaftstest mit 99,999% Sicherheit vielleicht gar nichts aus? Weshalb können durch zusätzliche Straßen mehr Staus entstehen? Und warum meinen einige, aus Statistiken herauslesen zu können, dass Raucher länger leben? Diese und weitere Fragen werden anschaulich und verständlich beantwortet. Und wer nach der Lektüre immer noch nicht genug haben sollte, darf sich an die beiden anderen, ebenfalls empfehlenswerten Werke der Autoren heranmachen: "Der Hund, der Eier legt" und "Der Schein der Weisen".

 

Cover von Denken Sie selbst, sonst tun es andere für Sie

Für die Freizeit: "Denken Sie selbst! Sonst tun es andere für Sie" von Vince Ebert

Zugegeben: Einiges von dem, was man in "Denken Sie selbst!" findet, hat man anderswo schon gelesen. Dennoch schafft es der Kabarettist Vince Ebert, all dies auf humorvolle Weise zu verbinden und gleichzeitig noch ein Plädoyer dafür auszusprechen, den eigenen Denkapparat einfach mal einzuschalten. Schonungslos und herrlich überzogen macht er auf den Unsinn des Alltags aufmerksam, dem wir ununterbrochen ausgesetzt sind, macht aber auch vor der "Wissenschaft" nicht halt: "Wissenschaftliches Denken ist, banal gesagt, eine Methode zur Überprüfung von Vermutungen, Wenn ich vermute: 'Im Kühlschrank könnte noch Bier sein...', und ich schaue nach, dann betreibe ich im Prinzip schon eine Vorform von Wissenschaft. In der Theologie dagegen werden Vermutungen in der Regel nicht überprüft. Wenn ich also nur behaupte: 'Im Kühlschrank ist Bier', bin ich Theologe. Wenn ich nachsehe, bin ich Wissenschaftler. Wenn ich nachsehe, nichts finde, aber trotzdem behaupte: 'Es ist Bier drin!', dann bin ich Esoteriker." (Hörprobe aus dem Bühnenprogramm)

Einfach ein lustiges Buch, das gleichzeitig nachdenklich macht und dazu aufruft, einfach ein bisschen häufiger mal die eigene Perspektive zu wechseln.


Mai

Im Monat Mai empfiehlt Ihnen Dr. Michael Busch:

Buchcover

Für das Studium: "Structuring the project environment for learning" von Andrew J. Sense

Im vorliegenden Aufsatz will der Autor dazu beitragen, ein vertieftes Verständnis für die innerhalb von Projekten stattfindenden Lernprozesse zu entwickeln. Er unterscheidet hierbei zwischen einer situativen und eine kognitiven Dimensionen des Lernens.

Das situative Lernverständnis folgt im wesentlichen Karl E. Weick, der Lernen als ein Phänomen begreift, das stets in einen sozialen Kontext eingebettet ist. Lernen ergibt sich demzufolge aus der alltäglichen Interaktion zwischen Projektmitgliedern. Diese können dabei aber nicht als vergleichbare „Einheiten“ betrachtet werden, sondern sie zeichnen sich durch je unterschiedliche kognitive Grundausrichtungen aus, d. h. sie weisen je unterschiedliche Präferenzen im Hinblick auf die Sammlung, Verarbeitung und Interpretation von Informationen auf („learning styles“). Beides zusammengenommen führt dann zu einem konstruktivistisch geprägten Lernverständnis.

Anhand einer Einzelfallstudie versucht der Autor, seine konzeptionellen Überlegungen zu verifizieren. Über einen Zeitraum von 18 Monaten wurde dabei ein Restrukturierungsteam in der australischen Schwerindustrie beobachtet. Im Ergebnis kommt eine Erkenntnis heraus, die allerdings nicht unbedingt neu ist. Handeln allein reicht demnach nicht aus; das Team muss auch denken, sprich: dafür Sorge tragen, dass regelmäßige Reflexionsschleifen durchlaufen werden.

Sense, Andrew J.: Structuring the project environment for learning, in: International Journal of Project Management, Nr. 4 (2007), S. 405-412.

 

Cover

Für die Freizeit: "Joseph Fouché" von Stefan Zweig

Stefan Zweig, der mit Arthur Schnitzler und Sigmund Freud befreundet war, ist bekannt für seine feinsinnigen, die psychologischen Tiefen auslotenden Biographien. In der Lebensschilderung des Joseph Fouché, Herzog von Otranto, liefert er ein wahres Meisterwerk seiner Gattung, das historische Genauigkeit mit erzählerischem Können verbindet. Die Biographie zieht den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann.
Zweig gelingt es, Fouché in seiner ganzen Vielschichtigkeit zu erfassen: Der Überlebenskünstler, der Robespierre hinter sich ließ und selbst Napoleon das Fürchten lehrte. Der Opportunist, der mit seinem feinen Sensorium die günstige Gelegenheit des Umschwungs – den Kairos – witterte. Der Machtmensch, der geradezu zwanghaft die Fäden im Hintergrund zog. Der Organisator, der einen stasiähnlichen Polizeiapparat aufbaute. Der Kaltblüter, der im Sturm ruhig blieb und seiner Beute geradezu stoisch auflauerte.

Man könnte noch viele Bezeichnungen aufführen. Aber es gelingt nie ganz, Fouché zu fassen. Wie ein glitschiger Aal entwindet er sich der endgültigen Bestimmung. Vielleicht lag darin sein Wesen, wie Zweig mutmaßt. Nach der Lektüre dieser sprachlich virtuosen Darstellung sieht man sich in seinem Wissen nicht nur über Joseph Fouché und die turbulenten Umstände der französischen Revolution bereichert, sondern gewinnt auch einiges an Menschenkenntnis hinzu.


April

Im Monat April empfiehlt Ihnen Björn Hobus:

Cover

Für das Studium: "Moon Shots for Management" von Gary Hamel

Welche sind die großen Herausforderungen, denen sich das Management in der Zukunft stellen muss? Welche Veränderungen sind notwendig, um Unternehmen fit zu machen für eine zunehmend „volatile“ Welt? Dies sind die Fragen, mit denen sich vor kurzem 35 Managementforscher und -praktiker auf einer zweitägigen Konferenz in Kalifornien beschäftigt haben (u. a. so renommierte Wissenschaftler wie Chris Argyris, Yves Doz, Gary Hamel, Henry Mintzberg, Peter Senge).

Andere Disziplinen verfolgen z. B. die Entschlüsselung des menschlichen Genoms, die Heilung von Krankheiten wie AIDS oder die Umkehr der globalen Erwärmung. Welche sind die entsprechenden, hochambitionierten Ziele im Management? Das Ergebnis der Diskussionen sind 25 „moon shots“, die den Pfad zu einem „Management 2.0“ abstecken sollen: nicht alle neu, aber alle regen zum Nachdenken an - und das lohnt sich ja immer...

Hamel, Gary: Moon Shots for Management, in: Harvard Business Review, February 2009, S. 91-98.

 

Cover

Für die Freizeit: "Dein Gehirn. Das fehlende Handbuch" von Matthew MacDonald

Wie wird man vom Gehirnbesitzer zum Gehirnbenutzer? Und das ohne Anleitung? Hier ist es nun: das fehlende Handbuch für das Gehirn. In sehr kompakter und ansprechender Form vermittelt es die wichtigsten neurowissenschaftlichen Erkenntnisse über „das sehr weiche, rötliche, geleeartige Organ, das zwischen unseren Ohren wohnt“. Auf unterhaltsame Weise erfährt man viele interessante Fakten über das Gehirn und erhält Hinweise, wie man dem eigenen Kopf, der von Natur aus zu „schlampigem Denken“ neigt, auf die Sprünge helfen kann. Viele spannende Fragen werden behandelt, z. B.

  • Warum schlafen wir? Wie wirkt sich Schlafmangel aus?
  • Warum und wie werden eigene Erinnerungen verfälscht?
  • Wie sieht eine gehirnfreundliche Ernährung aus?
  • Wie entstehen und wirken Emotionen?
  • Wie kann man die schlimmsten Irrtümer, die unserem Gehirn unterlaufen, vermeiden?


März

Im Monat März empfiehlt Ihnen Prof. Dr. von der Oelsnitz:

Cover

Für das Studium: "Management im 21. Jahrhundert" von Peter Drucker

Wer kennt ihn nicht, wer zitiert ihn nicht? Peter Drucker, schon zu Lebzeiten eine Legende, war ein Mann besonderer Gaben: Klarsichtigen Weitblick verband er mit einer breiten und zugleich tiefen Allgemeinbildung. Diese Verbindung erlaubte es ihm, dort Zusammenhänge zu entdecken, wo andere nur Chaos sahen. In diesem hier zur Lektüre vorgeschlagenen Reader findet sich die Bestätigung: Globalisierung, Wissensgesellschaft, demographischer Wandel, Nonprofit-Management, Strategie – eigentlich ist jeder Beitrag lesenswert.

 

Cover

Für die Freizeit: "Das Wissen der Religion" von Norbert Bolz

Das jüngste Buch von Norbert Bolz schwimmt auf der derzeitigen Religionswelle mit – es ist aber mitnichten ein Mitläuferprodukt. Statt ideologischer Debatten á la Richard Dawkins' "Gotteswahn" geht Bolz, Professor für Kommunikationswissenschaft an der TU Berlin, schlicht davon aus, dass Gott existiert und die zweitausend Jahre alte christliche Religion eine Tiefenweisheit entwickelt hat, die sich dem modern-aufgeklärten Zeitgeist entzieht. Tradition, Rituale, Gut & Böse, der Teufel – Bolz geht die großen Themen frontal an und bürstet hier einiges bewusst "gegen den Strich". Heute ist es schick, auf den Papst einzudreschen – auch wenn man bis gestern gar nicht wusste, wer die Pius-Brüder eigentlich sind und für was sie stehen. Illner, Maischberger, Beckmann: Keine Talkshow ohne den klassischen Dreikampf: Zölibat, Frauenpriesterschaft, Homo-Ehe. Bolz arbeitet klarsichtig und pointiert die zentralen Themen ab, geht aber inhaltlich weit darüber hinaus. Ein soziologischer, psychologischer, philosophischer Diskurs, der zwar nicht ganz leicht zu verdauen, dafür aber anspruchsvoll und geistreich ist. Ein gutes Buch, gerade auch für – um es mit Bolz zu sagen – religiös Unmusikalische!


Februar

Im Monat Februar empfiehlt Ihnen Marcus Lorenz:

Cover

Für das Studium: "Speed Reading" von Tony Buzan

Wer kennt das nicht: Die Papierflut will kein Ende nehmen - überall türmen sich Berge ungelesener Schriftstücke und die Prüfung rückt immer näher. Nicht verzweifeln, sondern schneller und effektiver durch die Stapel kommen, lautet das Angebot von Tony Buzan, dem Erfinder der Mind-Map-Methode. Dies gilt insbesondere für Menschen, die viel lesen müssen - wie etwa Studenten. Sie alle müssen in kürzester Zeit viel Stoff bewältigen und das neu erworbene Wissen auch abrufen können. Speed Reeding ermöglicht beides: Zum einen wird die Lesegeschwindigkeit kontinuierlich erhöht und zum andern gewährleistet die Mind-Map-Technik ein langfristiges Abrufen von Informationen. Darüber hinaus werden die Konzentrationsfähigkeit sowie das Verstehen komplexer Zusammenhänge verbessert.

Auch wenn nicht alle Techniken in diesem Buch für das Lesen komplizierter wissenschaftlicher Texte geeignet erscheinen - so wie bspw. das Lesen mehrerer Zeilen gleichzeitig oder die "Zick-Zack"-Methode - die Lesetechniken helfen, die tägliche Informationsflut zu bewältigen.

 

Cover

Für die Freizeit: "Schande" von J. M. Coetzee

David Lurie, Professor für Neuere Philologien am Cape Town University College in Kapstadt, verführt auf ziemlich ungeschickte Weise eine seiner Studentinnen. Natürlich wird die Tat bald aufgedeckt und Lurie der Universität verwiesen. Lurie reist daraufhin in die Ost-Kap-Provinz zur Farm seiner Tochter. Lucy, die Mitte Zwanzig ist, kehrte dem Schick der Stadt den Rücken und lebt nun auf fünf Hektar Land vom Blumen- und Gemüseanbau und einem Hundeasyl. "Nichts könnte einfacher sein", denkt David. In Wirklichkeit könnte nichts schwieriger sein - oder, jetzt im neuen Südafrika, gefährlicher. Weit davon entfernt, die Zuflucht zu sein, die er gesucht hat, ist in Salem kaum etwas sicher. Gerade als sich David in seine vorübergehende Rolle als Landarbeiter und wenig begeisterter Freiwilliger im Tierheim eingelebt hat, werden er und Lucy von drei schwarzen Männern überfallen. Unfähig, seine Tochter zu beschützen, ist Davids Schande nun komplett. Ihre ist allerdings weitaus größer.

J.M. Coetzee, der insbesondere für dieses Werk 2003 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet wurde, erzählt in diesem Roman von der Entwicklung Südafrikas nach Ende der Apartheid. Die Sprache Coetzees ist bewusst geradlinig und einfach. Dennoch gelingt es ihm eine Geschichte zu erzählen, die den Leser erschüttert und so schnell nicht vergessen lässt. Lesen!


Januar

Im Monat Januar empfiehlt Ihnen Oliver Tacke:

Cover

Für das Studium: "Citavi" von Swiss Academic Software

Früher oder später ist es im Studium soweit: man muss seine Abschlussarbeit verfassen. Wer dabei den Überblick nicht verlieren möchte, sollte sich das Programm Citavi ansehen (bisher leider nur für Windows verfügbar).

Mit Citavi lassen sich typische Schritte bei der Erstellung von Arbeiten unterstützen: Angefangen bei der Aufgabenplanung und der Online-Recherche in zahlreichen Bibliotheksdatenbanken über die Verwaltung von Literatur und dort gefundenen Zitaten bis hin zur automatischen Erstellung eines Literaturverzeichnisses.

Der Clou dabei: Citavi ist kostenlos! Bereits mit der Free-Version lassen sich 100 Datensätze verwalten - in der Regel reicht das für eine Diplomarbeit. Wem das nicht genügt, kann im Rahmen einer Campuslizenz der TU (siehe http://www.biblio.tu-bs.de/citavi.html) auch kostenlos die uneingeschränke Pro-Version erhalten.

http://www.citavi.com

 

Cover

Für die Freizeit: "Amiga Forever" von Cloanto

Im Jahre 1985 kam der "Amiga" auf den Markt: Ein Computer, der überlegene Multimedia-Technik mit einer einfachen Bedienung vereinigte. Damals passten sich die Computer noch dem Benutzer an - nicht umgekehrt. Im Zuge der Pleite der Mutterfirma Commodore im PC-Sektor verschwand jedoch auch der Amiga. Zwar gibt es auch heute noch ein Unternehmen in den USA, das den Namen trägt und die zugehörigen Rechte besitzt, doch produziert es nicht viel mehr als heiße Luft. Interessierte sollten sich lieber mit dem "AmigaOS 4" der Firma Hyperion beschäftigen, das Ende 2008 in einer aktualisierten Fassung erschienen ist.

Die guten alten Zeiten kann man aber ebenfalls recht einfach aufleben lassen: Die italienische Firma Cloanto emuliert mit dem Programmpaket "Amiga Forever 2008" nicht nur die alte Hardware auf modernen Rechnern, sondern liefert auch gleich noch zahlreiche Spiele und Demos mit. Über eine komfortable Benutzeroberfläche lassen sie sich per Knopfdruck starten. Weitere Perlen der Softwaregeschichte lassen sich herunterladen (siehe http://www.amigaforever.com/games/). Titel wie Turrican, Kick Off, Pinball Fantasies oder Ambermoon dürften Kennern das Herz höher schlagen lassen - wer sie nicht kennt, sollte sie unbedingt einmal ausprobieren.

Die günstigste Variante von "Amiga Forever 2008" ist online bereits für rund 15 Euro zu haben. Wer gleich rund 40 Euro investiert, erhält zusätzlich zur CD mit der Software zwei DVDs mit vielen historischen Videos, darunter die Einführungspräsentation des Amigas anno 1985 mit Andy Warhol und das "Deathbed Vigil", das die letzten Tage vom Commodore dokumentiert.

http://www.amigaforever.com


  last changed 24.10.2011
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