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Vortrag: Remote Tower - Chancen und Risiken bei der Fernüberwachung von Flughäfen

28. September 2020, 19:00 Uhr - 20:00 Uhr
Auf ihren Displays kann die Fluglotsin das Vorfeld, die Rollwege und die Start- und Landebahn des Flughafens Saarbrücken sehen.
Eine Fluglotsin der Deutschen Flugsicherung kontrolliert aus dem Remote Tower Center in Leipzig die An- und Abflüge des Flughafen Saarbrücken. Bildnachweis: DFS/Deutsche Flugsicherung

Veranstaltungsreihe "Luftfahrt der Zukunft" im Haus der Wissenschaft.

Die Fernüberwachung von kleineren Flughäfen kann mehrere Vorteile bieten. Beispielsweise reduzieren sich die Wartungs- und Betriebskosten oder schlechte Sichtbedingungen können durch moderne Kameratechnik kompensiert werden. Des Weiteren können mehrere kleinere Flughäfen in einem Remote Tower Center zusammengeschaltet werden. Dies würde eine wesentlich effizientere Zuordnung von Fluglotsen zu den Flughäfen ermöglichen. Die Lotsen arbeiten flexibel an Flughäfen, an denen Verkehr stattfindet. In komplexeren Verkehrszeiten können ein, zwei oder mehrere Fluglotsen einen Flughafen steuern, während in weniger intensiven Verkehrszeiten auch ein einziger Lotse für einen oder mehrere Flughäfen zuständig sein kann.

Ob und unter welchen Bedingungen Fluglotsen mehr als einen Flughafen gleichzeitig kontrollieren können, wirft für Forscher und Industrie noch zahlreiche technische und auch systemergonomische Fragen auf. Seit der Erfindung des Remote Tower Konzepts durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Jahr 2002 hat das Konzept viele Entwicklungsschritte gemacht und wird mittlerweile bei ersten kleinen Flughäfen in Schweden, Ungarn und Deutschland für die Überwachung aus der Ferne eingesetzt.

Die Forschung eröffnet den Flugsicherungen den Weg zu einem Paradigmenwechsel, bei dem die Flugsicherung an Flughäfen entkoppelt vom Ort und von konventionellen Turmgebäuden stattfinden kann. Im Vortrag werden Chancen und Risiken dieses bahngreifenden Konzeptes aufgegriffen und kritisch reflektiert.

 

Referent: Jörn Jakobi, Institut für Flugführung, DLR Braunschweig