Digital-unterstützte Präsenzlehre

Lehr-Lern-Setting der Zukunft

Präsenzlehre und Digitale Lehre sind keine dichotomen Lehr-Lern-Formen, sondern im Sinne einer Lehre der Zukunft zwei Seiten derselben Medaille. Erfahren Sie in diesem Beitrag, wie digitale Materialien und Tools universitäre Angebote ergänzen und deren Methodenvielfalt erhöhen können.


Einleitung

Hochschullehre lebt von angeregten Diskussionen, der direkten reaktiven Kommunikation und der sozialen Interaktion zwischen Lehrenden und Studierenden im Hörsaal und Seminarraum. Gleichwohl kann sie mit unterschiedlichen Hürden einhergehen, z.B. der, dass komplexe Lehr-Lern-Inhalte einer heterogenen Studierendengruppe mit unterschiedlichen Vorkenntnissen, Lebenssituationen, Sprachbarrieren oder Motivationen vermittelt werden müssen. Digital-unterstützte Präsenzlehre kann hierbei helfen: Sie fördert eine studierendenorientierte Ausrichtung und hält diverse Möglichkeiten bereit, um Lehr-Lern-Settings anschaulich, abwechslungsreich, flexibel und nachhaltig zu gestalten.

Mit den gesammelten Erfahrungen in der digitalen Lehre unter Pandemiebedingungen sowie der zunehmenden Verbesserung der technischen Rahmenbedingungen an Hochschulen gewinnt dieser Ansatz zunehmend an Bedeutung: Studierende und Lehrende wünschen sich für eine zeitgemäße Gestaltung von Studium und Lehre vermehrt eine (Präsenz-)Lehre, die durch digitale Lehr-Lern-Materialien und Tools sinnvoll angereichert bzw. im Blended Learning-Format umgesetzt wird (u.a. Berghoff et al., 2021, S. 2, S. 27). Reine Wissensvermittlung kann dabei zunehmend asynchron über digital aufbereitete Materialien im Selbststudium erfolgen, während in der Präsenz mehr Zeit für die Vertiefung des Gelernten entsteht: für Nachfragen, Austausch, Lernen am Modell, Anwendung, Diskussion, Interaktion und Soziales Lernen. Je nach Bedarf kann dieser Ansatz auch in Form Hybrider Lehre umgesetzt werden: Das Ergebnis ist ein flexibles Zukunftskonzept von Hochschullehre, das Studierenden ermöglicht, ausgehend von ihrer individuellen Lebenswirklichkeit und Lernpräferenz zeit- und ortsvielfältig, live oder on-Demand zu studieren; dies schließt auch internationales und barrierefreies Studieren ein.

Der Beitrag geht auf grundlegende Bausteine einer mit digitalen Medien angereicherten Präsenzlehre sowie auf digitale Unterstützungsmöglichkeiten für Interaktion und Kollaboration zwischen Lehrenden und Studierenden sowie Studierendengruppen ein. Dabei finden sich sowohl Hinweise auf digitale Möglichkeiten der (Inhalts-)Vermittlung und Aktivierung von Studierenden sowie potenziell einsetzbare digitale Tools als auch Optionen für die didaktische Gestaltung.


Präsenzlehre mit digitalen Lehr-Lern-Elementen anreichern

Präsenzlehre

Längere Vorträge stellen häufig eine Herausforderung für die Konzentration und Aufmerksamkeit der Zuhörenden dar. Die Einbindung digitaler Lehr-Lern-Elemente in die darbietende Lehre, z.B. Präsentationen, Videos, aber auch Abstimmungssysteme, kann dabei unterstützen, die Studierenden durch eine anschauliche und ansprechende Vermittlung des Lernstoffs sowie durch Interaktionsmöglichkeiten zu aktivieren.


Nachhaltiges Lernen durch die Bereitstellung digitaler Lehr-Lern-Materialien ermöglichen

Nachhaltiges Lernen

Veranstaltungsbegleitende digitale Lehr-Lern-Materialien und -Einheiten sind vorteilhaft, da sie sowohl vertiefende Informationen und Möglichkeiten zur Anwendung des Gelernten bereitstellen können als auch die Flexibilität zum orts- und zeitunabhängigen (Selbst-)Lernen der Studierenden schaffen. Digitale Materialien wie Skripte und Screencasts sowie Selbstlerneinheiten mit konsekutiven Selbsttests bieten eine gute Grundlage für die Vor- und Nachbereitung der Sitzung sowie eigenständige Wiederholung der Inhalte und können den Studierenden z.B. über Stud.IP strukturiert und langfristig zur Verfügung gestellt werden. Um sicherzustellen, dass alle Studierenden die Lehr-Lern-Materialien finden, ist es ratsam, zu Beginn des Semesters gemeinsam den organisatorischen Rahmen sowie Veranstaltungsablauf zu besprechen und offene Fragen zu klären (Ablageorte der Materialien, eindeutige Bearbeitungshinweise und Termine, Kommunikationskanäle). Die Studierenden entscheiden anschließend individuell, wann, wo, wie lange und wie häufig sie sich mit den Materialien auseinandersetzen, ebenso ob sie dies allein, in einem Lerntandem oder einer -gruppe machen möchten. Auf diese Weise kann den unterschiedlichen Bedarfen und Lebenssituationen der Studierenden begegnet und ein wichtiger Beitrag für die Gewährleistung einer barrierefreien Hochschullehre geleistet werden. Zudem kann sich der Zeitaufwand der Lehrenden langfristig durch die digital geschaffene Unterstützungsstruktur reduzieren, da diese häufig ohne große Anpassungen in weiteren Semestern genutzt werden kann.

Vertiefende Informationen zu digitalen Lehr-Lern-Materialien werden im Modul Online-Lehre im Abschnitt Asynchrone Lehr-Lern-Einheiten bereitgestellt.

 


Kollaboratives Lernen digital unterstützen

Kollaboratives Lernen

Kollaboratives Lernen ist ein verbreiteter methodischer Ansatz, um Studierende dazu zu aktivieren, sich eigenständig mit Lerninhalten in sozialen Konstellationen auseinanderzusetzen. Studierende arbeiten hierbei in Partner- oder Gruppenarbeit gemeinsam an z.B. Aufgaben, Problemlösungen oder der Umsetzung ganzer Projekte. Der Einsatz digitaler Tools kann die Möglichkeiten und Formen der Organisation, Kommunikation, Interaktion und Dokumentation erweitern und sowohl die synchrone Zusammenarbeit in der Präsenz-, Online- oder Hybriden Lehre als auch die asynchrone Zusammenarbeit von Studierenden unterstützen. Ein eigenes Endgerät (Laptop oder Tablet; Smartphones eignen sich aufgrund des kleinen Displays weniger) gehört dabei zur Grundausstattung.


Synchrone Kommunikation und Organisation asynchron erweitern

Synchrone Kommunikation

Wie eingangs genannt, lebt Hochschullehre von der angeregten Diskussion, der direkten reaktiven Kommunikation und der sozialen Interaktion zwischen Lehrenden und Studierenden im Hörsaal oder Seminarraum. Digitale Tools ermöglichen es, Kommunikation um eine ort- und zeitunabhängige Komponente zu erweitern und Austausch im Plenum oder in Kleingruppen/Lerntandems auch nach der Veranstaltung synchron oder asynchron fortzuführen. Geeignete Kanäle hierfür bieten beispielsweise Stud.IP oder der TUBS Messenger.


 

  Tools für synchrone Kommunikation Tools für asynchrone Kommunikation
Kommunikation im Plenum Gruppenkanäle im Messenger Gruppenkanäle im Messenger, Stud.IP Forum
Kommunikation in Kleingruppen/Lerntandems Gruppenkanäle oder Privatchat im Messenger, Videokonferenzräume in Stud.IP Gruppenkanäle oder Privatchat im Messenger, BBB in Stud.IP
Kommunikation von der Lehrperson aus an die Studierenden (Informationen an Studierende kommunizieren) Ad-hoc Kommunikation über Gruppenkanal im Messenger Rundmail in Stud.IP

Die digitalen Kommunikationsmöglichkeiten können gezielt in das Veranstaltungskonzept eingebunden werden und so das Methodenrepertoire erweitern. Haben Studierende z.B. ihre Gespräche in der Kleingruppe am Ende der Präsenzsitzung nicht abgeschlossen, besteht die Möglichkeit, sie synchron via Videokonferenz oder Messenger fortzusetzen. Zudem lassen sich Kanäle dieser Art nutzen, um Fragen (an Kommiliton*innen oder je nach Zugang an die Lehrperson) zu stellen, die sich nach der Präsenzsitzung oder während der Bearbeitung einer (Haus-)Aufgabe ergeben. Sind alle Veranstaltungsteilnehmer*innen Mitglieder mindestens einer gemeinsamen Messenger-Gruppe, können zudem relevante Informationen für alle schnell und einfach kommuniziert werden. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass alle Studierenden (sowohl bezüglich der Antworten auf offene Fragen als auch bezüglich relevanter Ankündigungen) auf demselben Kenntnisstand sind.

Denkbar ist auch die Einbindung von asynchronen Diskussionen in ein Veranstaltungskonzept. Hierbei können sich Studierende z.B. während der Selbstlernphase bzw. bis zur nächsten Präsenzsitzungen im Stud.IP Forum mit Fragen oder Sichtweisen zu einem konkreten Lerngegenstand auseinandersetzen. Die Ergebnisse der Diskussion, ebenso wie interessante Aspekte des Diskussionsverlaufs können dann Ausgangspunkt für weitere Vertiefungen in der Präsenzveranstaltung sein.

Wichtig für die Verortung während der Selbstlernphase bzw. die Einbindung asynchroner Lehr-Lern-Elemente in die Präsenzveranstaltung ist eine verlässliche, transparente Kommunikation des organisatorischen Rahmens. Relevante Informationen und Termine sollten den Studierenden z.B. zu einem festen (wöchentlichen) Zeitpunkt über einen fixen Kanal wie Stud.IP Rundmail zur Verfügung gestellt werden.


Literatur

Adesope, O. O., & Nesbit, J. C. (2012). Verbal redundancy in multimedia learning environments: A meta-analysis. Journal of Educational Psychology, 104(1), 250.

Berghoff, S., Horstmann, N., Hüsch, M., & Müller, K. (2021). Studium und Lehre in Zeiten der Corona-Pandemie. Gütersloh: Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). URL: www.che.de/download/studium-lehre-corona/, zuletzt geprüft am 04.05.2022.

Carney, R. N., & Levin, J. R. (2002). Pictorial illustrations still improve students' learning from text. Educational psychology review, 14(1), 5-26.

Gaaw, S., & Wifek, J. (2020). Selbstreguliertes Lernen hoch 2 – Neue Herausforderungen und mögliche Handlungsstrategien. In: Potentiale und Herausforderungen digitaler Hochschulbildung, Diskussionspapier 02/2020. Dresden: Zentrum für Qualitätsanalyse (ZQA), TU Dresden.

Persicke, M. (2019). Videos in der Lehre: Wirkungen und Nebenwirkungen. In: Niegemann, H., & Weinberger, A. (Hg.), Handbuch Bildungstechnologie. Konzeption und Einsatz digitaler Lernumgebungen (S. 259-270). Berlin: Springer.
 
Schneider, M., & Mustafic, M. (Hg.). (2015). Gute Hochschullehre. Eine evidenzbasierte Orientierungshilfe. Berlin, Heidelberg.

Zentrum für Lehre und Lernen der TUHH (2022, 24.01.). Kollaboratives Schreiben. URL:  www2.tuhh.de/zll/freischwimmer/kollaboratives-schreiben-2/, zuletzt geprüft am 04.05.2022.