TU BRAUNSCHWEIG

Berichte KoMMa.G

Hier finden Sie verschiedene Berichte und Bilder zu den Workshops der Forschungsfelder oder der Summer School, geschrieben von den Stipendiat*innen.

       Workshop I - 15. Mai 2017

Der erste Workshop, der im Rahmen vom Graduiertenkolleg ‚Konfigurationen von Mensch, Maschine und Geschlecht. Interdisziplinäre Analysen zur Technikentwicklung‘ (KoMMa.G) vom Forschungsfeld 1 ‚Abstraktion und Modellierung‘ organisiert wurde, fand am 15.05.2017 an der Technischen Universität Braunschweig statt. Im Gegensatz zum folgenden zweiten Workshop, der den Fokus stärker auf ingenieurwissenschaftliche Perspektiven und Tätigkeiten im Labor legte, stand hier das Einarbeiten aller Teilnehmer*innen in geisteswissenschaftliche Konzepte auf dem Programm. Das Ziel war es dabei, sich dem Begriff Gender im Kontext der MINT-Fächer gemeinsam zu nähern.

Nach einer kurzen und auflockernden Begrüßungsrunde begann der vierstündige Workshop mit dem Anlegen persönlicher Mindmaps, in denen die Graduierten und Betreuer*innen den eigenen Wissensstand zum Thema Gender darstellen konnten.

Mehr Raum nahm im Folgenden das Plenum zur gendergerechten Sprache ein: Auf Basis verschiedener aktueller Leitfäden zu geschlechterbewusstem Umgang mit Sprache (u.a. von der Technischen Universität Braunschweig, der Universität zu Köln und der Humboldt-Universität zu Berlin) fand eine eingehendere Orientierung zum Thema der geschlechtergerechten Sprache statt. Die anschließende Frage, ob sich die Teilnehmer*innen von KoMMa.G für eine einheitliche Form des Genderns entscheiden, blieb an dieser Stelle noch offen.

Den größten Block, der zugleich den inhaltlichen Schwerpunkt bildete, stellte die Textarbeit dar: Um den Austausch untereinander zu fördern, teilten sich die Graduierten in vier Gruppen à vier Personen auf. Jede dieser Gruppen war einem speziellen Thema zugeordnet: Gruppe 1 las und diskutierte Texte über Begriffsklärungen zu Gender, Gruppe 2 zu Gender in den Ingenieurwissenschaften. Gruppe 3 beschäftigte sich mit Arbeiten zu Gender in den Naturwissenschaften und Gruppe 4 zu Gender und Technik. Die gemeinsamen Erkenntnisse wurden in großformatigen Postern zusammengefasst und anschließend den anderen Teilnehmer*innen präsentiert. Die Präsentation dieser Poster – an deren Diskussion auch die Betreuer*innen teilnahmen – erfolgte nach der Methode Infomarkt: Auf Gruppen von vier Personen angewandt sieht Infomarkt vor, dass jeweils zwei Gruppenmitglieder das eigene Poster erklären, während die übrigen zwei Teilnehmer*innen von Infostand zu Infostand gehen und sich die anderen Poster vorstellen lassen. Haben letztere alle Poster kennengelernt, werden die Rollen getauscht: Nun gehen die beiden Gruppenmitglieder, die zuvor ihr eigenes Poster präsentierten, von Infostand zu Infostand, während die zwei Teilnehmer*innen, die bereits die Runde gemacht haben, die Vorstellung des eigenen Posters übernehmen. Somit ist gewährleistet, dass alle Teilnehmer*innen sowohl ihr eigenes Poster vorgestellt, als auch alle anderen Poster besucht haben.

Die Präsentationsphase erwies sich nicht nur durch den aktiven Wechsel mit dem Besuch der verschiedenen Infostände als sehr belebend. Sowohl die Textarbeit in der Kleingruppe als auch die informativen Einblicke in die Themen der jeweils anderen Gruppen und das wiederholte Präsentieren des eigenen Posters erwiesen sich als gelungenes Einarbeiten in das gemeinsame geisteswissenschaftliche Arbeiten zum Begriff Gender in den natur- und technikwissenschaftlichen Fachbereichen – ein Austausch, der nicht zuletzt uns als Graduierte von KoMMa.G auf fachlicher wie auf kollegialer Ebene einander näher brachte.

Im Anschluss an diese Gruppen- und Präsentationsphase konnten die Kollegiat*innen und Betreuer*innen ihre zu Anfang aufgestellte Mindmap dahingehend überarbeiten, inwiefern sich das individuelle Verständnis des Begriffs Gender durch den Workshop verändert hatte.

Als Ausklang des Workshops fand eine offene Runde zur Klärung entstandener Fragen und für Rückmeldungen verschiedenster Art statt. Neben positivem Feedback und einigen Verbesserungsvorschlägen für kommende Workshops wurde darauf hingewiesen, dass sich die Arbeits- und Herangehensweisen in der gemeinsamen Textarbeit vor allem zwischen MINT- und geisteswissenschaftlichen Fächern unterschieden. Deutlich wurde, wie sehr KoMMa.G bereits das Selbstverständnis und die Neugier entwickelt hatte, die Differenzen zwischen den Fachdisziplinen und -kulturen als Gelegenheit wahrzunehmen, gemeinsam über das eigene Fach hinaus zu arbeiten und den Horizont des eigenen Themas auf nachhaltige Weise zu erweitern.

Thomas Nückel und Katharina Losch

       Workshop II - 19. Juni 2017

Gruppenbild der zweiten Workshops

Am 19.06.2017 fand der zweite Workshop des laufenden Semesters statt. Diesmal ging es an die Ostfalia nach Wolfenbüttel. Zur Vorbereitung galt es einige Sachen zu lesen. Einen Laborumdruck zum Versuch Füllstandsregelung, einen zugehörigen von Studierenden angefertigten, selbstverständlich anonymisierten Bericht und ein Paper, welches von Dagmar Meyer, die das Labor der Regelungstechnik betreut, als Erstautor*in mitverfasst wurde. Über diese drei der Regelungstechnik zugeordneten Textdokumente wurde sich in der ersten Stunde ausgetauscht. Insbesondere ging es um Begrifflichkeiten und die Benutzung derselben. Beispielsweise hat das Wort Strecke in der Regelungstechnik folgende Bedeutung: Eine Regelstrecke ist der Teil eines Regelkreises, der die zu regelnde physikalische Größe enthält. Dieser Begriff ist ähnlich wie der Begriff Sprungantwort für viele von uns wenig fassbar gewesen. Dagegen stellten spezifische Begriffe wie P-Regler ein geringeres Problem dar, da diese nicht im allgemeinen Sprachgebrauch vorkommen und daher bei fachfremden Leser*innen für weniger Irritationen sorgten.

Im Anschluss wurde das Labor für Regelungstechnik von der Gesamtgruppe besucht und durch Axel van der Kamp und Dagmar Meyer vorgestellt. Hier wurde der Versuch zur Füllstandsregelung, welcher dem Bachelorstudium zugeordnet ist, vorgeführt. Dies hat zumindest bei mir (Max) einiges des Gelesenen klarer werden lassen und auch sehr schön veranschaulicht, wie eine Wissensübertragung anhand des Laborumdruckes und den zwei Vorlesungen in die angewandte Praxis erfolgt. Zusätzlich wurde auch ein Versuch aus dem Masterstudium gezeigt, in dem ein physikalisches Pendel an einer Laufkatze so geregelt wird, dass das Pendel bei einer Bewegung der Laufkatze nicht zu schwingen anfängt. An dem Versuch konnte sehr schön gezeigt werden, wie Regelungstechnik wirkt, da das gezeigte Ergebnis der Alltagserfahrung widerspricht.

In der abschließenden Zeit wurden über zwei wissenschaftskritische Texte geredet, einer von Ludwik Fleck und der andere von Karin Knorr-Cetina. Einige der in den Texten beschriebenen Phänomene von Fachdisziplinen haben wir am Vormittag im Labor und bei der vorherigen Besprechung im Kolleg erleben dürfen. Begriffe werden verschieden verstanden und benutzt, Abbildungen unterschiedlich gesehen bzw. interpretiert. Es wurde deutlich, dass die Texte Situationen beschreiben, mit denen wir im Forschungskolleg KoMMa.G derzeit konfrontiert sind.

Die Kombination aus Theorie und praxisnahen Beispielen in diesem spannenden Workshop regte viel zu Diskussionen an. Dadurch lernen wir, an den bereits beschriebenen und immer wieder zwischen uns auftauchenden Verständnis- und Verständigungsproblemen zu arbeiten und uns anderen Fächern öffnen, um eine gemeinsame Basis zu erhalten. Es war ein durchaus gelungener zweiter Workshop, bei dem wir einiges von- und miteinander lernen konnten.

Im Anschluss an den sehr interessanten und klar zeichnenden Workshop gab es für Interessierte noch eine Führung durch Wolfenbüttel. Fürs nächste Mal könnte die Bibliothek auf dem Programm stehen, die leider montags geschlossen hat.

Max Metzger und Tanja Heuer

 

 

       Summer School I “Missing Links” – 18./19. September 2017

Gruppenbild der ersten SummerSchool

Für die erste Summer School, die sich auf Grund des Wetters eher wie eine Herbstschule anfühlte, traf sich das Kolleg diesmal etwas außerhalb Braunschweigs in den hellen Räumen des Niedersächsischen Forschungszentrums Fahrzeugtechnik, direkt am Forschungsflughafen. Wegen der relativ kurzen Vorlaufzeit wurde sie in Kooperation unserer Forschungsfelder 3 und 4 eher im Stil einer Klausurtagung unter dem Thema “Missing Links” konzipiert. Ziel war vor allem die bessere Vernetzung innerhalb des Kollegs sowie das Aufspüren inhaltlicher und methodischer Schnittstellen.

Für einen ausgesprochen erfrischenden Einstieg sorgte Prof. Dr. Martin Korte von der Graduiertenakademie der TU Braunschweig mit einem heiteren Grußwort. Anschließend gaben die Sprecherinnen CORINNA BATH und BETTINA WAHRIG mit ihrem Grußwort eine Art Auftaktvortrag, in dem sie auf ausgewählte Methoden der Gender Studies zu sprechen kamen, diese anhand einiger Beispiele erläutertern und dabei auch die Interdisziplinarität des Kollegs mitdachten.

Hauptprogrammpunkt der Summer School waren die Posterpräsentationen der einzelnen Stipendiat*innen, anhand derer die möglichen Schnittstellen untereinander sowie aktuelle Fragen und Herausforderungen diskutiert werden konnten. Dies fand in Form von vier Infomärkten á zwei Stunden statt, bei denen jeweils vier Stipendiat*innen gleichzeitig ihre Poster präsentierten, während sich der Rest in kleineren Gruppen auf die Poster aufteilte und nach jeweils 30min. zum nächsten Poster rotierte. Für die Vortragenden bedeutete das, zwei Stunden am Stück zu präsentieren, diskutieren und Frage und Antwort zu stehen – also eine durchaus intensive Auseinandersetzung mit den eigenen aktuellen Schwachstellen, Sackgassen und Fragezeichen, aber auch viel Zeit, um sich Ratschläge und Anregungen zu notieren. Für die jeweils Zuhörenden bot sich dadurch der Rahmen, um sich in die anderen, meist fachfremden Dissertationsprojekte so gut wie über die disziplinären Gräben hinweg eben möglich hineinzudenken. Schade war vor allem an dieser Stelle, dass nich alle Betreuenden anwesend waren und so z.B. nicht bei der Darlegung der verwendeten Methoden und Forschungskontexte der Projekte unterstützen konnten.

Impulse und hilfreiche Erklärungen in Bezug auf das Verständnis und die Verwendung der Kategorie Gender in der wissenschaftlichen Forschung bot der Abendvortrag am Ende des ersten Tages von HELENE GÖTSCHEL, Professorin für Gender in Ingenieurwissenschaften und Informatik an der Fakultät für Maschinenbau und Bioverfahrenstechnik der Hochschule Hannover. Sie legte zunächst sehr zugänglich Theorien und Ansätze aus der Geschlechterforschung dar und zeigte, wie diese auch für die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) fruchtbar gemacht werden können. Dafür nutzte sie anschauliche Beispiele aus der eigenen Lehre und zeigte, wie mit einer gendersensiblen bzw. intersektionalen Perspektive die Vermittlung physikalischer Grundlagen an Studierende analysiert und auch (um-)gestaltet werden kann. Götschels Vortrag übermittelte m.E. wichtige Punkte, auf die während der Posterdiskussionen am zweiten Tag der Summer School rekurriert werden konnte.

Auch die öffentliche Keynote von NICOLA MARSDEN, u.a. Leiterin des Netzwerks Gender-Wissen-Informatik, am Morgen des zweiten Tages lieferte unter dem Titel „Von Personas und Geschlechterstereotypen: Wie werden Nutzer*innen bei der Entwicklung von Mensch-Technik-Interaktion berücksichtigt?“ einige Denkimpulse. Vor allem die Diskussion über die Verwendung von Personas war für die Dissertationsprojekte, die sich mit Entwicklungsprozessen von Produkten beschäftigen, sicherlich interessant.

Nach den Infomärkten des zweiten Tages kamen zum Abschluss alle vier Forschungsfelder, inklusive der zugehörigen Betreuenden, unter sich zusammen. Es wurde diskutiert, was das eigene Forschungsfeld ausmacht sowie Gemeinsamkeiten, Herausforderungen und Chancen formuliert und auf Flipcharts festgehalten, die anschließend im Plenum präsentiert wurden.

Insgesamt ermöglichte die Summer School einen intensiven Austausch sowohl innerhalb der vier Forschungsfelder als auch des gesamten Kollegs. Neben gemeinsamen Abendessen ergaben sich um das Hauptprogramm herum auch viele weitere Treffen, wie zum Beispiel eines zur Planung der nächsten gemeinsamen Workshops und der Summer School 2018 sowie ein Lesekreis.

Myriam Raboldt

  


  aktualisiert am 18.10.2017
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