TU BRAUNSCHWEIG

Institutsgeschichte

Das Institut für Sozialwissenschaften (ISW) an der TU Braunschweig entstand im Jahre 1996 aus der Zusammenführung der bis dahin selbstständigen Einheiten "Seminar für Politikwissenschaft und Soziologie" (alter Fachbereich 9) und "Seminar für Soziologie" (alter Fachbereich 10). Während ersteres eher die Magisterstudiengänge zu betreuen hatte, war letzteres schwerpunktmäßig mit der Lehramtsausbildung befasst. Zusammen mit dem Institut für Wirtschaftswissenschaften bildete das ISW seit 1999 den Fachbereich und seit Februar 2005 die Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Diese ging im Frühjahr 2007 in der Carl-Friedrich-Gauß-Fakultät (Fakultät 1) auf. Damit ist das ISW als „Department für Sozialwissenschaften“ eines der vier Departments der Fakultät 1.

Das Institut hat fünf Professuren, etwa 30 weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie etwa 20 Lehrbeauftragte, Honorarprofessoren, Gastprofessoren, Privatdozenten und Emeriti, die auch in der Lehre tätig sind. Es wird von einem Vorstand geführt, der aus drei stimmberechtigten Mitgliedern der Professorengruppe, einem Vertreter des Mittelbaus, einer Vertreterin der Verwaltungsangestellten und einer Vertreterin der Studierenden besteht. Geschäftsführender Leiter des ISW ist Prof. Dr. Nils Bandelow.

Das ISW gliedert sich um die Sekretariate in die Bereiche Innenpolitik, Internationale Beziehungen, Arbeitssoziologie, Sozialstruktur und Methodenlehre, Personalentwicklung im Betrieb und Kommunikations- und Medienwissenschaften.

Die Geschichte des "Seminars für Politikwissenschaft und Soziologie" geht bis zum Wintersemester 1964/65 zurück, als der erste Lehrstuhl für "Wissenschaft von der Politik" (ab 1972 Lehrstuhl A) eingerichtet wurde.[1] Dieser wurde zuerst besetzt mit Edgar Rosen (1965-1976), der aus dem amerikanischen Exil zurückgekehrt war, später mit Gilbert Ziebura (1978-1992) sowie Ulrich Menzel (1993-2015). Seit 2016 ist Anja P. Jakobi Inhaberin des Lehrstuhls. Zuvor wurde das Fach lediglich durch Lehraufträge im SS 1954 durch den Genter Staatsrechtler Peeters und von 1958 bis 1963 durch Bruno Lenz, stellvertretender Chefredakteur der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ vertreten. Der Lehrstuhl hatte das Studium Generale zu betreuen und Gymnasiallehrer/innen im Fach Sozial- und Gemeinschaftskunde auszubilden.

Während der erste Lehrstuhl die Bereiche Vergleichende Regierungslehre und Internationale Beziehungen vertrat, wurde 1972 ein zweiter Lehrstuhl (Lehrstuhl B) mit der Denomination Politische Theorie und Innenpolitik eingerichtet. Dieser war von 1972-2005 mit Klaus Lompe besetzt und wird seit 2007 von Nils Bandelow wahrgenommen. Den beiden Lehrstühlen wurde zur Verstärkung der Sozialkundelehrerausbildung ursprünglich Professuren in der Politikwissenschaft (Paul Kevenhörster 1974 und Norbert Konegen 1975-1977) und Soziologie (Ulrike Vogel ab 1970 Wissenschaftliche Mitarbeiterin und 1983-2005 Professorin) zugewiesen. Daraufhin wurde 1982 das "Seminar für Politikwissenschaft und Soziologie" gegründet. Mit der Wegberufung von Paul Kevenhörster und Norbert Konegen (beide gingen nach Münster) wurden diese Professuren nicht wiederbesetzt. Auf Professuren berufen wurden auch Lothar Brock (Akademischer Rat 1975-1980) nach Frankfurt, Gotthard Breit (Akademischer Oberrat 1976-1994) nach Magdeburg und Hartwig Hummel (Wissenschaftlicher Assistent 1993-2001) nach Düsseldorf. Am früheren "Seminar für Politikwissenschaft und Soziologie" tätig war auch Birgit Pollmann, die zuletzt das Amt der Regierungspräsidentin des Regierungsbezirks Lüneburg bekleidete.

Nachdem bereits 1984 im Zuge der Reduzierung der Lehramtsausbildung in Niedersachsen das Fach Sozialkunde in Braunschweig wieder gestrichen wurde, standen die Magisterstudiengänge für Politikwissenschaft und Soziologie im Zentrum der Lehre. Dieses hatte sich im Jahre 2002 mit der Wiedereinführung des Unterrichtsfachs Politik im Lehramt an Gymnasien zwischenzeitlich wieder geändert. Dieser Studiengang ist allerdings nach einigen Jahren wieder ausgelaufen.

Eine Arrondierung erfuhr das Fach Politikwissenschaft im ISW im Jahre 2003, als mit der Auflösung des "Seminars für Sachunterricht und Politik" aus dem Fachbereich 9 die "Abteilung für Politische Wissenschaft und Politische Bildung" in das ISW integriert wurde. Diese geht wiederum zurück auf das "Seminar für Politische Wissenschaft und Politische Bildung" und dessen Vorläufer, den Lehrstuhl Politische Wissenschaft/ Politische Bildung, im alten Fachbereich 10 bzw. zuvor in der Pädagogischen Hochschule. Vertreten wurde das Fach dort von Heinrich Rodenstein (1948-1967), der bis 1967 zugleich erster Vorsitzender der 1960 neu gegründeten GEW war, dann von Wilhelm Josef Alff (1969-1974), Walter Gagel (1975-1987) und Erhard Forndran (1976-1993), der nach Magdeburg wegberufen wurde. Seit dieser letzten Fach-zu-Fach-Integration war das ISW auch für das Fach Politikwissenschaft im Rahmen der Studiengänge "Lehramt an Grund-, Haupt- und Real­schulen" zuständig, das von 1980–2006 von Gerhard Himmelmann betreut wurde. Mit der Ersetzung der alten Lehramtsstudiengänge durch die neuen BA/MA-Studiengänge in der Fakultät für Geistes- und Erziehungswissenschaften ist dieser Bereich ausgelaufen. Damit wird die traditionsreiche politische Bildung in Braunschweig leider nicht mehr betrieben. Das ISW leistet nur noch Dienstleistungen für die Lehramtsstudiengänge der Fakultät 6.

Streng genommen begann das Fach Politikwissenschaft rudimentär bereits im Jahre 1931 mit der Berufung von Ernst August Roloff auf den Lehrstuhl "Geschichte und Staatsbürgerkunde" an der damaligen TH Braunschweig. Nach einer politisch bedingten Unterbrechung im Wintersemester 1945/46 war er bis 1953 im Amt. Eine institutionelle Verbindung zum 1965 eingerichteten Lehrstuhl von Edgar Rosen gibt es allerdings nicht.

Die Braunschweiger Soziologie geht bis auf Theodor Geiger zurück, der von 1928 bis zu seiner Emigration im Jahre 1933 Inhaber des ersten Lehrstuhls im Institut für Soziologie der "Abteilung für Kulturwissenschaft" der damaligen Technischen Hochschule war. Sein Nachlass wird zusammen mit anderen Materialien im Theodor Geiger-Archiv des ISW verwahrt.

Nach der erzwungenen Unterbrechung durch die NS-Zeit wurde das Fach durch die Berufung von Franz Zwilgmeyer (Lehrstuhlinhaber 1948-1968) an der ehemaligen Pädagogischen Hochschule wiederbelebt. Mit deren Integration in die TU Braunschweig im Jahre 1978 wurde die Soziologie im Rahmen des 1982 gegründeten "Seminars für Soziologie und Sozialarbeitswissenschaft" Teil des Erziehungswissenschaftlichen Fachbereichs.

Nach Einstellung der Studienrichtung Sozialarbeitswissenschaft betreute das neue selbstständige "Seminar für Soziologie" (Lehrstuhlinhaber 1968-1995 Siegfried Bachmann und seit 1995 Herbert Oberbeck) schwer­punktmäßig die Studiengänge "Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen" sowie "Diplom in Erziehungs­wissenschaften". Weiterhin war es federführend für den vom Seminar in Kooperation mit dem VW-Konzern entwickelten Weiterbildungsstudiengang "Personalentwicklung im Betrieb" (PIB), für den seit 1995 Herbert Oberbeck verantwortlich ist. Weitere Vertreter des Faches Soziologie neben Ulrike Vogel waren Andreas Feige und Ulrich Heyder, die beide 1994 zu Apl. Professoren ernannt wurden und 2007 ausgeschieden sind. Während die erste Professur schwerpunktmäßig für Industrie-, Betriebs- und Wirtschaftssoziologie zuständig ist, vertritt die zweite Professur Dirk Konietzka seit 2009 die Gebiete Sozialstrukturanalyse und Methodenausbildung.

Mit dem Wintersemester 2006/07 wurde die institutionelle Integration der Fächer Politikwissenschaft und Soziologie auch auf der Ebene des Studiums nachvollzogen. An die Stelle der separaten Magisterstudiengänge Politikwissenschaft und Soziologie traten der Bachelor-Studiengang „Integrierte Sozialwissenschaften“ und der Masterstudiengang „Organisationskulturen und Wissenstransfer“, der 2013 in "Organisation, Governance, Bildung" umbenannt wurde. Beide Studiengänge sind interdisziplinär angelegt. Der Bachelor wird durch obligatorische und fakultative wirtschaftswissenschaftliche Komponenten ergänzt, der Master ist eine Koproduktion von Sozialwissenschaften und Erziehungswissenschaft bzw. Pädagogischer Psychologie.

Zu den neuen und den auslaufenden alten Studiengängen, die alle weiterhin vom ISW betreut werden, kommt die Mitwirkung in den Kombinationsstudiengängen Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen mit den drei Fachrichtungen Bauingenieurwesen, Elektrotechnik und Maschinenbau sowie beim "Fächerübergreifenden Angebot" (FÜGRA), eine Art Studium Generale für die ingenieurwissenschaftlichen Diplomstudiengänge.

Eine Ausweitung in Richtung Kommunikations- und Medienwissenschaften hat das ISW im Jahre 2001 mit der neu eingerichteten Professur "Medieneinsatz in der Wissenschaft" (Christian Floto, 2001-2006) erfahren. Sie wirkt mit im BA-Studiengang, der gemeinsam von der TU Braunschweig und der Hochschule für Bildende Künste (HBK) getragen wird, sowie ist verantwortlich für den Master-Studiengang "Medientechnik und Kommunikation". Die Professur wurde 2008 umgewidmet in „Kommunikations- und Medienwissenschaft“ und wird von Monika Taddicken geleitet. Der Lehrstuhl Medienwissenschaften an der TU wirkt bei dem im Wintersemester 2006/07 begonnenen Bachelor-Studiengang Medienwissenschaften mit, der gemeinsam von HBK und TU Braunschweig getragen wird. Ein Masterstudiengang „Medientechnik und Kommunikation“ hat im WS 2009/10 den Lehrbetrieb aufgenommen.


[1] Vgl. Arne Schrader, Geschichte der Politikwissenschaft in Braunschweig. Magisterarbeit. TU Braunschweig 2006.


Abteilung für politische Wissenschaft und politische Bildung

Im folgenden finden Sie die Publikationen der ehemaligen Abteilung für Politische Wissenschaft und Politische Bildung, die im Sommersemester 2006 in das ISW integriert wurde.

Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2007 war Prof. Dr. Gerhard Himmelmann Inhaber des Lehrstuhls. Dr. Detlef Eichner war als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl tätig und führt die Betreuung der inzwischen ausgelaufenen politikwissenschaftlichen Lehramtsstudiengänge fort.

Neben diversen Literaturverweisen stehen stehen folgende aktuelle Analysen als Download bereit:


  aktualisiert am 08.05.2017
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