TU BRAUNSCHWEIG

Zitatsammlung



Amüsantes, Nachdenkliches, Nostalgisches und 'Sarkastisches'

 

Bei der wissenschaftlichen Arbeit, bei der Lektüre der Tagespresse, aber auch bei der (freizeitlichen) Beschäftigung mit den Werken der Altvorderen findet sich gelegentlich das Eine oder Andere. Und immer wieder stellt man fest, dass sich in den letzten 2000 oder 200 Jahren einiges offensichtlich nicht geändert hat.

Viel Vergnügen!

 


Es ist ja die Baustelle an sich, die das Leben lebenswert macht. Sie steht für Aufbruch, Zukunft, Unzufriedenheit mit dem Bestehenden. Zu Recht wirft man den Münchnern behagliches Verharren vor. Jede Provinzstadt baut sich mal ein schönes neues Rathaus, das Unsrige stammt aus uralten Zeiten. Selbst Würselen hat ein Spaßbad. Was haben wir? Eine Olympia-Schwimmhalle aus dem vergangenen Jahrtausend. Ein Volksbad, in dem es nicht mal ein Rutschenparadies gibt. Im Englischen Garten lümmeln die Leute auf dem Rasen, statt das Gelände wenigstens mal umzugraben.
Die Baustelle macht den Menschen das Leben unbehaglich. Sie verhindert, dass sie sich in der Gegenwart einrichten. Sie lässt uns im Gedanken leben: Wenn das erst einmal fertig ist, dann wird es schön. Aber jetzt müssen wir wühlen und uns ducken unter Kränen und durch Morast schlapfen. In Berlin haben sie einen Flughafen als Dauerbaustelle eingerichtet, damit die Menschen wissen: Es ist nie zu Ende, erst morgen wird Berlin fertig sein. Und morgen kommt nie, es bleibt immer: morgen.

Hacke, Axel: Oft hört man Klagen über die vielen Baustellen in München. Unser Kolumnist ist anderer Meinung, in: Süddeutsche Zeitung Magazin vom 27.10.2017, S. 62.


Typisch für diese Signature-Bauten (die gläserne Amöbe des Kunsthauses Graz von Peter Cook, das spiegelnde Gewächshaus des Louvre in Lens von Sanaa, das in Wolfsburg gelandete Raumschiff des Phaeno von Zaha Hadid) ist der unbedingte Wille zur Fotogenität, ein weniger ausgeprägtes Verhältnis zur Funktionalität und die gefährliche Neigung zur explosiven Kostensteigerung.

Marcus Woeller (freier Journalist und Redakteur) in der Welt am Sonntag vom 25.12.2016


Nach wie vor bestehen grundsätzliche organisatorische und fachliche Defizite des Architekten in der Koordinierung der Fachplaner, in der Qualitätskontrolle und der vorausschauenden Organisation der eigenen Planung. Diese sind weiter Gegenstand von Mängelanzeigen und führen weiter zu einem hohen Koordinierungsaufwand durch das Projektmanagement am Ende der Ausführungsplanung.

Aus dem "vierteljährlichen Bericht über die Tätigkeit der Stiftung Berliner Schloss – Humboldt-Forum bis 30.06.2015", zitiert nach dem Berliner Tagesspiegel vom 16.01.2016


Wenn die Warnungen nicht beherzigt werden, dann ist deutlich, wer es zu verantworten hat. Das möchte ich deutlich machen. Das gilt nicht nur aus meiner Sicht als derjenige Mensch, der das Bauprojekt betreut, sondern auch als Maßstab für Großbauprojekte in Deutschland. Wenn es zum Fiasko kommt, werden immer die Bauleute gescholten. Aber in 80 Prozent aller Fälle liegt es daran, dass die Nutzer nachträgliche Änderungen verlangt haben – zu einem viel zu späten Zeitpunkt. Da muss ich gar nicht auf den BER oder die Staatsoper verweisen, bei der Elbphilharmonie in Hamburg verhält es sich genau so.

Manfred Rettig, oberster Manager der Schlossbaustelle Berlin, über seine Ausstiegsgründe im Interview im Berliner Tagesspiegel am 14.01.2016


Im Übrigen ist das Interesse an der zeitigen Wiederinbetriebnahme eines von drei Opernhäusern der Stadt zwar für bestimmte Bevölkerungsgruppen erheblich, jedoch nicht von dringender Bedeutung für die Allgemeinheit im Ganzen. Schließlich hat [das Land Berlin] selbst eine erhebliche Verzögerung des Vergabenachprüfungsverfahrens zu vertreten. Denn die Vergabekammer ist Teil seiner Verwaltung, die [es] personell teilweise unbesetzt ließ und es so hinnahm, wenn nicht gar wünschte, dass dort keine Sachbearbeitung stattfindet.

Das Kammergericht Berlin in einem Vergabenachprüfungsverfahren, einen Auftrag die Staatsoper betreffend (Beschluss vom 27.01.2015 – Verg 9/14)


Die Ausbildung kann oft ein Hindernis sein, um Architektur zu erfahren. In meinem Büro schauen wir uns die Entwürfe immer zusammen an, und dann frage ich, wer findet, dass wir es so machen sollen? Den jungen Leuten von der Uni muss ich erst einmal abgewöhnen, sofort mit Begründungen anzufangen. Unsere Intuition weiß viel mehr als das Gehirn.

Architekt Peter Zumthor im Interview in der Süddeutschen Zeitung am 16./17. August 2014


Bei diesem Vertrag [Lichtplanung] fällt auf, dass die abgerechnete Leistung etwa das 4-fache der beauftragten Leistung beträgt. Grund sind zum einen Erhöhungen der anrechenbaren Kosten durch extensive Einplanung aufwändiger Lichtanlagen und zum zweiten Stundenlohnabrechnungen für die Leistungsphase 8 (Objektüberwachung) in Höhe von 275.000 € sowie „Schnittstellenaufwand“ und Technikplanung in Höhe von ca. 141.000 € brutto. Aufgrund der Tatsache, dass die Objektüberwachung der Beleuchtungsanlagen zu 100 % durch den TGA-Planer […] zu erbringen war und auch abgerechnet wurde und die gleiche Leistung im Stundenaufwand durch das Büro […] abgerechnet wird, ist auch hier eine Doppelvergütung festzustellen. Weiterhin ist nicht auszuschließen, dass Doppelvergütungen durch Abrechnung von Änderungsleistungen im Stundenaufwand erfolgen bei gleichzeitiger Erhöhung der anrechenbaren Kosten.

Abschlussbericht über die externe kirchliche Prüfung der Baumaßnahme auf dem Domberg in Limburg, Stand 14.02.2014


Bei dem Projekt Elbphilharmonie handelt es sich um ein höchst komplexes, äußerst anspruchsvolles Bauvorhaben mit einer einzigartigen Architektur von Weltklasse-Niveau, dessen bauliche Umsetzung höchste Anforderungen an alle Projektbeteiligten stellt.

Präambel der Schluss- und Aufhebungsvereinbarung zwischen der Elbphilharmonie Hamburg Bau GmbH & Co. KG und der Arbeitsgemeinschaft Generalplaner Elbphilharmonie Hamburg GbR


Die Leute haben es immer noch nicht kapiert! Sie sollen einfach mal ihren gesunden Menschenverstand einschalten. Dazu gehört zum Beispiel, dass jeder sein eigener Controller ist – das vereinfacht ungemein, dann kann ich diese Klugscheißerabteilung abschaffen. Außerdem unterstelle ich den meisten Firmen, dass alle Kompetenzen, die sie für eine Aufgabe brauchen, dort vorhanden sind. Weg mit Marktforschung und 28-jährigen McKinsey-Beratern, die sich vor den Rechner hocken und Zahlen anschauen.

Dieter Brandes, früher Aldi-Geschäftsführer, in SPIEGEL-Online am 18.11.2013


Der lernbare handwerkliche analytische normierte Teil wird bei den Ingenieuren sehr sehr stark gewichtet. Er wird auch an den Universitäten gelehrt, während der kreative Teil, eben die Entwicklung eines Konzeptes, bei der Ausbildung sehr stiefmütterlich behandelt wird.

Christian Menn, geb. 1927, em. Prof. der ETH Zürich und Brückenbauer


I have been accused of saying I was the greatest architect in the world and if I had so, I don’t think it would be very arrogant, because I don’t believe there are many – if any.

Frank Lloyd Wright (1867 – 1959)


I hate vacations. If you can build buildings, why sit on the beach?

Philipp Johnson (1906 - 2005)


Der Kapitalmarkt belohnt eine Firma, die Fenster putzt und Schnee schippt, während ein Unternehmen, das Brücken und Häfen baut, als risikoreich und margenarm abgestraft wird. Das tut einem Bauingenieur natürlich richtig weh.

Wolfgang Götsch im Interview im brand eins Wirtschaftsmagazin 05/2012


I don’t know why people hire architects and then tell them what to do.

Frank O. Gehry (1929 -)


Sauermilch (GRÜNE): Herr Präsident undich muß leider wieder einmal sagen – leeres Haus! In einer Lokalzeitung habe ich die eher beiläufige Mitteilung gelesen, daß ein Jäger im Wald versehentlich einen Architekten erschossen hat. Als Begründung gab der Jäger an, er habe den Architekten für ein Wildschwein gehalten. Die Vermutung liegt nahedeswegen berichte ich das hier, daß sich dieser Architekt in Ermangelung von Aufträgen auf Nahrungssuche befunden hat. Beeren, Blätter und hier und da ein mit Schwermetallen angereicherter Pilz können über eine gewisse Zeit Bestandteil des Überlebenstrainings jener Architekten sein, die immer noch glauben, daß dieser Berufsstand eine eigene Ethik zu verlieren habe.

Stenographischer Bericht der 86. Sitzung des Deutschen Bundestages vom 21.09.1984 anlässlich der Beschlussfassung zu einer HOAI-Novellierung


I use structural engineers. I use mechanical engineers. I use housing architects to tell me how big an apartment is because I don’t know. How to build a cheap apartment? How would I know? I‘m not interested. I have people to do that.

Philipp Johnson (1906 - 2005)


Der neue Eröffnungstermin hängt auch in der Luft, weil es auf und um die Baustelle nach Tagesspiegel-Informationen weiter nur kleine Fortschritte gibt. Demnach ist die Bestandsaufnahme noch immer nicht abgeschlossen, die Kommunikation mit der Genehmigungsbehörde weiter unzureichend. Diese bewertet den Plan Mehdorns, den Nordpier zunächst für wenige Flugzeuge am Tag in Betrieb zu nehmen, sehr skeptisch. Auch das von Mehdorn initiierte „Sprint“-Team, das die Eröffnung voranbringen soll, funktioniert nach Tagesspiegel-Informationen nur, wenn Mehdorn dabei ist. Ohne ihn blockieren sich die Experten oft weiter gegenseitig.

Berliner TAGESSPIEGEL vom 10.08.2013


Sie hatten neulich ein SPIEGEL-Gespräch mit den Architekten des Berliner Flughafens, der Elbphilharmonie und des Bahnhofs Stuttgart 21. Einer von ihnen sagte sinngemäß, man müsse am Anfang bei den Zeit- und Kostenplänen lügen. Als ich das gelesen habe, hat’s mir das Frühstücksbrötchen aus der Hand gehauen. Das hat mich fast vom Stuhl gerissen. Nein. So geht das heutzutage nicht mehr.

Hartmut Mehdorn im Interview im SPIEGEL 26/2013


Schauen Sie diese Tasse hier an, die vor mir steht. Sie symbolisiert jetzt mal die Elbphilharmonie. Man sagte anfangs, sie muss weiß sein und irgendwie Tee beinhalten. So in etwa wurde damals ausgeschrieben. Aber wie groß sie sein soll, dass es noch eine Untertasse geben soll und möglicherweise noch einen Löffel, das hat niemand gesagt. Und wenn das nicht alles drin ist im Leistungsverzeichnis, dann können Sie weder guten Gewissens einen Preis festlegen noch feste Terminpläne vereinbaren. Was damals fehlte, war die Zeit für eine sorgfältige Planung. Das hat die Politik jetzt und spät gelernt, jedenfalls in Hamburg.

Pierre de Meuron im Interview im SPIEGEL 24/2013


Manchmal denke ich: Wir bauen keinen Großflughafen, sondern eine industrielle Rauchgasabzugsanlage, an der nebenbei ein bisschen geflogen wird. Der Betriebszweck Fliegen ist im Grunde gewährleistet. Die Startbahnen sind fertig, der Bahnhof steht bereit, zeit- und kostengerecht, der Tower ist schon in Betrieb, die hochkomplexen Gepäckabfertigungsanlagen funktionieren, nur die verdammte Rauchgasbeseitigung funktioniert leider nicht.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer im Interview der FAZ am 25.03.2013


Der Architekt steht im Spagat zwischen Alleskönner und sich aller Disziplinen bedienender Dilettant.

Winfried Nerdinger, Direktor des Architekturmuseums der TU München, im einführenden Text des Katalogs zur Ausstellung „Der Architekt“ in der Pinakothek der Moderne, München 2012


Einen hohen Geist, unermüdlichen Fleiß, höchste Gelehrsamkeit und größte Erfahrung muss jener besitzen und vor allem eine ernste und gründliche Urteilskraft und Einsicht haben, der es wagt, sich Architekt zu nennen.

Leon Battista Alberti


„Der Entwurf zeichnet sich durch die außenliegende Nasszelle aus.“ Der Laie kennt die Fachsprache nicht, er kann nicht wissen, dass hier kein Klohäuschen im Garten, sondern ein Bad mit Fenster gemeint ist, also eine natürliche Belüftung als Qualitätsmerkmal.

Katja Domschky: Wirkungsvoll Auftreten - PR für Architekten. Db Deutsche Bauzeitung 03/2013.


Mit dem Erstellen der streitgegenständlichen Pläne habe er eine außergewöhnliche Leistung auf künstlerischem Gebiet erbracht. Der Kläger [Bauherr] habe ihn mit dem Wunsch nach einem „Brenner-Haus“ aufgesucht. Er sollte höchstpersönlich die Pläne erstellen und Hauptansprechpartner des Klägers sein. Das Haus sollte seiner Architektursprache entsprechen. Die hier streitgegenständliche Planung zeichne sich daher durch das Spiel von Wänden und Flächen aus. Außergewöhnlich sei auch die in den Plänen zum Ausdruck gekommene Plastizität. Seine Objekte seien Anziehungspunkte für Architekturtouristik. Sie seien Gegenstand verschiedener Ausstellungen regionaler und überregionaler Galerien. Für seine den Typus der Stadtvilla im Stadtgebiet S. prägende Formensprache sei er bereits für den … Award nominiert worden. Der Honorarrahmen der HOAI könne daher für ihn als Künstler nicht greifen.

Vortrag eines Architekten in einem Streit um das Honorar (Urteil des OLG Stuttgart vom 29.05.2012, Az. 10 U 142/11)


[Die Unterschrift] besteht, wie die vom Beklagten zur Akte gereichten Schriftproben zeigen, nach einem jahrzehntelangen, sukzessiven Abschleifungsprozess nur noch aus den stilisierten Überbleibseln einer Reihenfolge von Buchstaben, aus denen sich der Vor- und Nachname Rechtsanwalt M.s zusammensetzt. Gleichwohl weist der vom Berufungsgericht zutreffend als Abfolge von Strichen, Punkten und Haken beschriebene Schriftzug starke individuelle Merkmale auf, die insbesondere wegen der ungewöhnlichen Kombination der Schriftzeichen keinen ernsthaften Zweifel daran aufkommen lassen, dass es sich um eine von ihrem Urheber zum Zwecke der Individualisierung und Legitimierung geleistete Unterschrift handelt. Rechtsanwalt M. unterschreibt, wie er durch seine ebenso unterzeichnete eidesstattliche Versicherung glaubhaft gemacht hat, seit Jahren in dieser Weise […] Anders als das Berufungsgericht meint, können die Schriftzeichen links von einem langen senkrechten Strich, mit dem der stilisierte Namenszug beginnt, ohne weiteres als Kürzel „i. V.“ identifiziert werden. Sie lassen unzweifelhaft ein kleines „i“, dann einen Punkt, sodann einen als „V“ zu deutenden Haken und schließlich wieder einen Punkt erkennen. Ihr Erscheinungsbild ist entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts auch nicht „fast identisch“ mit den Zeichen rechts von jenem Strich. Dort finden sich zwar auch Punkte und Haken, die allerdings im unteren Bereich leicht gerundet sind und deshalb anders als der Haken links des Strichs, nicht die spitz zulaufenden Konturen eines „V“ aufweisen. Ein „i“ enthält der den Namen des Unterzeichnenden betreffende Teil der Unterschrift überhaupt nicht.

Urteil des Bundesgerichtshofs vom 26.04.2012 Az. VII ZB 36/10


„Schon in meiner Studienzeit wurde viel zu wenig gelehrt, wie die Wirtschaft wirklich funktioniert. Das Wissen darüber habe ich mir selbst aus Geschichtsbüchern zusammengesucht. Stattdessen mussten und müssen Studenten viel zu viel Mathematik Pauken.“ ZEIT: „Mathekenntnisse schaden Ökonomen doch sicher nicht.“ Johnson: „Mit Mathematik kann man mathematische Probleme lösen. Die Wirtschaftswissenschaft sollte sich aber auch um Fragen kümmern, die sich mit Formeln nicht beantworten lassen. Doch Studenten wird immer noch genau das Gegenteil suggeriert. Wer Karriere machen will, muss vor allem komplizierte Modelle aus vielen Formeln bauen können, um damit angeblich die Märkte zu erklären.“

Robert Johnson, Gründer des Institute for New Economic Thinking (INET) im Interview in der ZEIT vom 12.04.2012


Hing die klassische Moderne des „Neuen Bauens“ um 1930 dem strahlenden (und zugleich abgründigen) Sauberton Persilweiß an, huldigt die mehrfach gewendete Moderne um die Jahrtausendwende der scheinbar unwiderstehlichen Suggestivkraft von Grau. Grau wird (in Deutschland) zum Mythos. Vornehme Zurückhaltung, Kühle, emotionale und politische Indifferenz spiegelt sich darin, auch Sachlichkeit und Neutralität. Aber Grau ist noch mehr: Grau ist auch Geheimnis, Transzendenz, sogar ein Stück Romantik. Spätestens seit Gerhard Richters „Acht Grau“ 2002 im Guggenheim Berlin gibt es in der deutschen Gegenwartskunst geradezu eine Obsession für monochromes Mittelgrau, welches je nach Lichteinfall auch Weichheit und ruhige Unaufgeregtheit widerspiegeln kann. Passt Grau nach Dresden?

Aus einer Architekturbesprechung zum Congress Center Dresden (www.das-neue-dresden.de)


Mihi crede, felix illud saeculum ante architectos fuit, ante tectores.

L. Annaeus Seneca: Epistulae Morales ad Lucilium, XC. (Glaube mir, jenes Zeitalter war glücklich, bevor es Architekten und Innendekorateure gab)


Gebaut, immer frisch gebaut! Wir gestalten, das Bezahlen überlassen wir anderen.

Von Baron Haussmann zur Rechtfertigung für seine gewaltigen Budgetüberschreitungen gerne erzählte Anekdote, wie Ludwig XIV. seinen Architekten Mansart motiviert haben soll


Beigefarbener Backstein mit roten Einschüssen, ebenerdig mit einem über Erdniveau ragenden Kellergeschoss, beschönigend Tiefparterre oder Souterrain genannt. Dazu ein ausgebautes Dachgeschoss, erkennbar an einer überdimensionierten, auf Mitte gesetzten Gaube. Satteldach mit niedersächsisch breitem Krüppelwalm, gedeckt mit roten „Harzer Pfannen“, denen laut Hersteller „eine harmonisch lebendige Optik“ eignet, die sie „besonders auf großen Dachflächen schön zur Geltung kommen lässt.“ Die Haustür aus rötlichem Edelholz sitzt kess nach rechts verschoben in einem ziemlich kahlen Wandfeld am linken Eck. Von den vier mit apart hellgrauem Anstrich und Fensterkreuz dezent auf historisch getrimmten Fenstern sind zwei auf Mitte gezogen. Links außen das leicht zurückgesetzte Carport. Rechts entspricht ihm eine grazile Pergola, seit dem Wirtschaftswunder selbst in unseren nördlichsten Landstrichen unentbehrliches Utensil häuslicher Freizeit. Nur die diskret angebrachten Überwachungskameras …

„Durchschnitt“. Dieter Bartetzko im Feuilleton der FAZ vom 14.12.2011 zu einem EFH in Großburgwedel, dessen Finanzierungsmodalitäten die Presse und die Politik beschäftigten.


Nach Angaben eines Insiders vollzieht sich der Ablauf auf der Baustelle weitgehend unkoordiniert. „Wer zuerst kommt, zieht schnell seine Leitung.“ Wer später kommt, hat das Nachsehen, denn auf Bauzeichnungen kann er sich nicht verlassen. „Da verläuft schon mal ein Abwasserkanal auf gleicher Höhe wie ein Lüftungskanal.“ Ursache dafür seien die strengen Vorgaben des BND zur Geheimhaltung. „Pläne werden nur gestückelt herausgegeben, damit niemand den Gesamteindruck hat.“

„Geheimgehaltenes Chaos“. Ein Bericht des Berliner Tagesspiegel vom 20.11.2011 zum Neubau des Bundesnachrichtendienstes in Berlin


Insbesondere wurde das Projekt ausgeschrieben, bevor eine ausreichende Planungsgrundlage bestand. Wir haben immer wieder vor einer verfrühten Ausschreibung gewarnt. Kosten und Termine ließen sich nach unserer Einschätzung zum damaligen Zeitpunkt nicht mir der notwendigen Sicherheit bestimmen. Die kalkulatorischen Risiken waren zu groß.

Pierre de Meuron im Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 16.11.2011 mit dem Titel „Bei der Elbphilharmonie wackelt der Schwanz mit dem Hund“


Angesichts der hohen Bedeutung der Baumaßnahme wäre eine straffe und effiziente Projektorganisation mit einem verantwortlichen Entscheidungsgremium und einem qualifizierten Projektteam für Projektsteuerung und Projektabwicklung notwendig gewesen.

Bayerischer Oberster Rechnungshof 2002, Bericht über die Ursachen der Kostensteigerung beim Neubau der Pinakothek der Moderne in München
(Anmerkung: Und ein solches Projektteam gab es also nicht?)


Straßenbeläge werden gern abschnittsweise erneuert [ … ] Diese „Stückelei“ scheint jedoch Schwierigkeiten mit sich zu bringen, die wir Autofahrer bisher für unmöglich gehalten haben: So passen die drei gerade fertiggestellten Abschnitte auf der A 5 von Frankfurt nach Darmstadt nicht zusammen. An den Übergängen sind die Fahrspuren seitlich versetzt. Und das nicht nur um wenige Zentimeter, sondern in einem Ausmaß, dass sich das Autobahnamt nicht anders zu behelfen weiß, als die Verkehrsteilnehmer entlang aufgeklebter gelber Bänder auf die richtige Spur zu leiten [ … ] Zwei Antworten bieten sich an. Erstens: Die Pläne wurden seitenverkehrt ausgedruckt. Zweitens: Irgendwer hat den Straßenbauern den Zollstock geklaut.

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25.10.2011


In den USA haben Kommunikationsprobleme vor allem mit der allgemeinen Prozesssucht rund um das Bauen und nicht mit der Geschlechterfrage zu tun [ … ] Meine Mitarbeiterinnen haben sich in der Bauleitung hervorragend bewährt. Wahrscheinlich, weil sie immer ein bisschen mehr tun als verlangt. Dabei arbeiten sie aber höchst präzise, was meist von den Baufirmen anerkannt wird, und sind sehr gewissenhaft. Alle Architekten, die Bauleitung lernen, müssen sehr hart arbeiten, um ständig alles unter Kontrolle zu behalten, und dafür werden sie letztendlich respektiert und geschätzt.

Jeanne Gang, Studio Gang Architects, Chicago,
in: Architektur – eine weibliche Profession (Tanja Kullack Hg.), 2011


Der Beruf des Innenarchitekten ist, wie die klassische Architektur, dem allgemeinen technischen Bereich zuzuordnen und nicht der Kunst [ … ] Auch wenn die Gestaltung eines Raumkonzepts durchaus künstlerische Aspekte beinhaltet, steht die Beratungs- und Planungsleistung im Vordergrund, nicht aber die Erschaffung oder Planung eines Kunstwerks.

Leitsätze, Sozialgericht Berlin S 36 KR 282/10 vom 06.07.2011


Alle Wege des Systems müssen topologisch und kreisförmig aufeinander bezogen sein, damit begrifflich definitives, lokal transformierbares, polyedrisches Verständnis in unseren spontanen geodätisch strukturierten Gedanken erzielt werden kann.

Richard Buckminster Fuller, selbsternanntes Universalgenie, Erfinder der „geodätischen Kuppeln“ in seinem Buch „Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde“ von 1969


Bilinga  –  Bongossi  –  Bangkirai  –  Cumaru  –  Garapa  –  Mora  –  Wamara  –  Basralocus  –  Ipé  –  Cloeziana  –  Massaranduba

Aus dem Lieferprogramm eines Holzhändlers 2011


Frage: „Mittlerweile sind Sie ein Unternehmen mit 30 Angestellten …“ Antwort: „ … und alle sind fest angestellt. Ein fertiger Architekt wird bei uns nicht als Praktikant beschäftigt.“

Architektin Hilde Léon im Interview im Berliner Tagesspiegel am 03.07.2011


Man möge mir jede Baustelle melden, wo bei Tageslicht, auch am Abend oder früh um 5 Uhr, oder am Wochenende, nicht gearbeitet wird. Jede Baustelle bitte melden.

Minister Peter Ramsauer im ZDF am 29.06.2011 zum Thema Stau auf deutschen Autobahnen


Die Frage ist, wie wir als Architekten auf den Unmut der Bürger, der sich zusehends gegen unseren Berufsstand insgesamt richtet, reagieren sollen. Auf die Erfahrung unseres Metiers können wir uns nicht mehr berufen – wir haben sie verspielt und mit Füßen getreten. Dennoch spielen einige von uns diese Rolle weiter, hoffend, sich mittels Abstraktionen durchzumogeln zwischen Skylla und Charybdis, Modernismus und Historismus.

Hans Kollhoff, Architekt, am 12.05.2011 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung


Bei Schriftwerken wissenschaftlicher oder technischer Art findet der für einen Urheberrechtsschutz erforderliche geistig-schöpferische Gehalt seinen Niederschlag und Ausdruck in erster Linie in der Form und Art der Sammlung, Einteilung und Anordnung des dargebotenen Stoffs und nicht ohne weiteres auch – wie meist bei literarischen Werken – in der Gedankenformung und -führung des dargebotenen Inhalts. Die Frage, ob ein Schriftwerk einen hinreichenden schöpferischen Eigentümlichkeitsgrad besitzt, bemisst sich dabei nach dem geistig-schöpferischen Gesamteindruck der konkreten Gestaltung, und zwar im Gesamtvergleich gegenüber vorbestehenden Gestaltungen. Lassen sich nach Maßgabe des Gesamtvergleichs mit dem Vorbekannten schöpferische Eigenheiten feststellen, so sind diese der durchschnittlichen Gestaltertätigkeit gegenüberzustellen. Die Urheberrechtsschutzfähigkeit erfordert ein deutliches Überragen des Alltäglichen, des Handwerksmäßigen, der mechanisch-technischen Aneinanderreihung des Materials. [ … ] Ob ein wissenschaftlicher oder technischer Text unter dem Blickwinkel der Gedankenformung und -führung den nötigen geistig-schöpferischen Gehalt hat, beurteilt sich danach, ob sich der betreffende Text durch eine sprachliche Gestaltungskunst auszeichnet, die eine tiefe Durchdringung des Stoffes und eine souveräne Beherrschung der Sprach- und Stilmittel erkennen lässt, und ob es – im Falle der Komplexität des Darzustellenden – dem Verfasser gelingt, eine einfache und leicht verständliche Darstellung zu liefern.

Kammergericht Berlin, Beschluss vom 11.05.2011 Az. 24 U 28/11


Meine Studenten am MIT können die Bedeutung von „Suchen“ und „Nachdenken“ nicht mehr auseinanderhalten. Sie suchen bei Google und finden eine von vielen Antworten, die sie akzeptieren. Die Ergebnisse sind gut genug, um sie davon zu überzeugen, dass der Prozess abgeschlossen ist. Dabei geht die Arbeit jetzt erst los: Es müssten Theorien angewendet werden, Antworten in den historischen oder gesellschaftlichen Kontext gestellt werden. Das muss man lernen, aber kaum jemand will das noch auf sich nehmen.

Sherry Turkle, Professorin für Gesellschaftsstudien zu Wissenschaft und Technik am MIT, im Interview in brandeins 04/2011


Bittere Klage hat neulich ein Ingenieur erhoben, weil die Architekten sich mehr und mehr darauf verlegten, nur noch feine bunte Bilder in die Unterlagen einzubetten, die sie den Fachplanern geben. Keine Achsmaße mehr, keine Öffnungsmaße mehr, keine Unterzugsunterkanten mehr und keine Stützenabmessungen mehr - und so weiter und so fort. Offenbar, so mutmaßt dieser genervte Leser, ziehen viele Architekten die Grenzen ihrer Bearbeitung in der Befriedigung der Bauherrenbedürfnisse nach Farbe und Gestaltung und verschwenden keinen Gedanken mehr an die fachlich notwendige Grundlageninformation für ihre Ingenieurkollegen.

Editorial von Klaus Werwath im Deutschen IngenieurBlatt 04/2011


Jeder Dorfmetzger würde sofort vor den Richter gezogen, wenn er sein Fleisch so fahrlässig prüfte wie Guttenbergs Doktorvater die inkriminierte Dissertation. Dass die Peinlichkeit endlich herauskam, dürfte vielen Deutschen die Augen öffnen: Doktortitel werden ebenso überschätzt wie der akademische Betrieb dahinter. Insgesamt ist die Affäre Guttenberg ein Segen für die Bundesrepublik: Künftig werden die von Titeln so leicht beeindruckbaren Deutschen mit helvetischer Nüchternheit auf ihre Doktoren und auf ihre Adeligen blicken.

Roger Köppel, Verleger und Chefredakteur der in Zürich erscheinenden „Weltwoche“, in der FAZ vom 03.03.2011


Falls der neue Bahnhof in Stuttgart von Manufactum gebaut werden würde, im Stile der Kaiserzeit, gäbe es keine Proteste, egal, wie teuer er ist.

Harald Martenstein im ZEIT-Magazin vom 16.12.2010


Bei den Architekten ergaben sich erhebliche Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Entwurfs- in die Ausführungsplanung […] Der von Herzog & de Meuron gewählte Ansatz, anstelle von erfahrenen Ausführungsplanern die jungen, kreativen Entwurfsplaner zu Ausführungsplanern weiterzubilden, brachte sehr große Probleme […] Nachdem auch die Bürgerschaft dem Vertrag und dem Festpreis zugestimmt hatte, gab es eine Bauherren-Besprechung mit den Architekten, auf der ich mit großer Freude verkündet habe, dass das Parlament die beantragten Mittel bewilligt hat. Da hat der leitende Architekt von Herzog & de Meuron zu mir gesagt: „Und wo sind die 50 Millionen Euro, die wir jetzt noch für unsere Änderungen brauchen?“

Hartmut Wegener, ehemaliger Senatsbeauftragter für die Elbphilharmonie, im Interview mit dem Hamburger Abendblatt am 16.12.2010


Architekt Eike Becker trägt einen lilafarbenen Mantel aus Samt, darunter einen schwarzen Anzug mit purpurnen Längsstreifen. Lila scheint die Farbe der Saison zu sein, denn auch am Schal von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher ist sie zu finden. Über den roten Teppich schreiten die beiden am Donnerstag zusammen mit Designern und Projektentwicklern, in Anzuganthrazit gehüllt, zur Grube des lange verzögerten Neubaus „yoo“ am Zirkus 1.

Ralf Schönball am 17.09.2010 im Berliner Tagesspiegel zum ersten Spatenstich eines “durchgestylten Neubaus” (so im Untertitel des Artikels)


Science is analytic – it strives to understand nature, what is. Engineering is synthetic – it strives to create what can be. My favorite operational definition of engineering is “design under constraint”. Engineering is creating, designing what can be, but is constrained by nature, by cost, by concerns of safety, reliability, environmental impact, maintainability, and many other such “illities”. Engineering is not “applied science”.

William A. Wulf, President of the National Academy of Engineering. Remarks made 16 Feb. 1998 in Philadelphia at the annual meeting of the American Association for the Advancement of Science


Die sichtbare Wirklichkeit wird zur Referenz für individuelle künstlerische Übersetzungen. Oft gerät das Sujet Architektur dabei zum blossen Anlass für eine bildnerisch zu verhandelnde Thematik, die über eine rein mimetische Absicht hinausgeht.

Erläuterung in einer Ausstellung zum Thema Architekturfotografie, Berlin 2010


Nach Beendigen der Arbeiten ist ein Feuchtwischen des Auftragnehmers vorgeschrieben.

Aus einer Baustellenordnung für eine Großbaustelle (2010)


Die Beurteilung des ästhetischen Gesamteindrucks und damit auch der Schöpfungshöhe, die bei jeder Beurteilung einer Beeinträchtigung des Bauwerks vorzunehmen ist, ist eine Tatsachenwürdigung und Aufgabe der Kammer. Es kommt nicht auf die ästhetischen Feinheiten aus der Sicht von Fachleuten an, sondern auf den ästhetischen Eindruck, den das Werk nach dem Durchschnittsurteil des für Kunst empfänglichen und mit Kunstdingen einigermaßen vertrauten Menschen vermittelt. Das Gericht kann diese Einschätzung ohne Hinzuziehung eines Sachverständigen vornehmen.

Landgericht Stuttgart (Az. 17 O 42/10 vom 20.05.2010) zu Unterlassungsansprüchen der Erben des Architekten bezüglich eines Teilabrisses des Stuttgarter Hauptbahnhofs (Projekt Stuttgart 21)


Natürlich, es ist deprimierend, was in Berlin momentan passiert. Nicht nur am Alexanderplatz, sondern auch am sogenannten Marx-Engels-Forum und nicht zuletzt am Hauptbahnhof. Billig, billig, billig – das Primitivste, was man sich vorstellen kann.

Architekt Hans Kollhoff; Interview im Berliner Tagesspiegel vom 09.08.2010


Nun aber geistert auf der Nordseite des Bahnhofs das Monstergebilde einer Kommerz-Immobilie primitivster Machart und erdrückender Massigkeit herum. Glauben die Beteiligten, es sei dem Masterplan Genüge getan, seine Kubatur blockrandvoll mit Kommerzmasse auszubetonieren?

Architekt des Berliner Hauptbahnhofs Meinhard von Gerkan, in SPIEGEL Online 02.06.2009


Es widerspricht jeder Lebenserfahrung, dass ein bauüberwachender Architekt, der zwar nicht täglich, aber doch in regelmäßigen zeitnahen Abständen wenigstens eine kurze Zeit des Tages auf der Baustelle zu verbringen hat, nichts von einer gravierenden Planänderung mitbekommen hat. Die alternative Annahme, dass er über einen Monat nicht auf der Baustelle gewesen sei, entlastet ihn nicht.

Erhöhte Anforderungen an Bauüberwachungen bei Planungsabweichungen! (2. Leitsatz zum Urteil des OLG Dresden 9 U 1644/05 vom 27.03.2008)


Unsere besten Köpfe werden nicht mehr Ärzte oder Ingenieure, sondern Anwälte und Banker, die sich primär den Kopf darüber zerbrechen, wie man Gesetze umgehen kann.

Wirtschaftswoche vom 01.03.2010, den Darmstädter Bankenrechtler Uwe Schneider zitierend


Während das Charakteristikum der Veröffentlichung vergleichsweise einfach ex post zu erreichen ist, nötigt das Postulat systematischen Vorgehens jeder wissenschaftlichen Arbeit eine Auseinandersetzung mit der zu wählenden Forschungsmethodik ex ante ab.

Aus einer baubetrieblichen Dissertation des Jahres 2010


Die anwaltliche Einlassung stellt einen interessanten Cocktail aus subtiler Faktenverfälschung auf der Basis nachlässiger Lektüre und Verständnisunfähigkeit, geradezu vorsätzlicher Verständnislosigkeit für ausführlich erläuterte […] Zusammenhänge, nicht substanziierte Behauptungen zu […] Unterlagen und einer Argumentation unter der nicht statthaften Anwendung des ex post Wissens dar […] Der anwaltliche Vortrag stellt in der persönlichen, über 20-jährigen Erfahrung des Gutachters als […] Sachverständiger in seiner mangelnden Faktenorientierung und analytischen Flachheit, seinem dröhnenden Wortgestus und alles Sachliche erstickenden logorrhoischen Wortschwall ein Unikat anwaltlicher Tätigkeit dar.

Wortgewaltige Äußerungen eines Sachverständigen, woraufhin er wegen Besorgnis der Befangenheit abgelehnt wurde (OLG Hamm 1 W 85/09 vom 20.01.2010)


Rechtsanwalt Schlüter, von manchen seiner Kollegen auch „der Fuchs“ genannt, seufzte unter der Last von Alltag und Arbeit. Er fühlte sich alt und überflüssig [ … ] Zwanzig Jahre machte er diesen Job und er hatte sich noch immer nicht an das Verlieren gewöhnen können. Ebenso wenig gelang es ihm, Prozesse zu vermeiden, denn die Leute wollten Streit und das letzte Wort des Gerichts [ … ] Es könnte ein schöner Tag sein, dachte Schlüter, wenn die Prozesse nicht wären und die Mandanten nicht wären und wenn man in der Läge wäre, Hader und Streit für einen kleinen Augenblick zu vergessen [ …] Ob er sich einen Tee kochen sollte?

Krimi „Ziegelbrand“ von Wilfried Eggers, Rechtsanwalt und Notar auf dem Dorfe im feuchten Weser-Elbe-Dreieck (nach eigenem Bekunden)


Schlamperei, die leichtgemacht wurde? Das weist über die unmittelbaren Täter hier und anderenorts, mitunter zu Billiglöhnen angeheuerte Kolonnen aus dem ehemaligen Ostblock womöglich, zu deren damals üblichen „Erwerbskultur“ es gehört, dass sie sich durch Materialklau etwas hinzuverdienen, ebenso hinaus wie über die Ebene der Bauleiter, die, gemessen an ihrer Verantwortung, ebenfalls schlecht bezahlt und extremem Stress ausgesetzt sind. Es verweist auf die strukturellen Schwachstellen im System und die strukturellen Veränderungen, die das Bauen seit langem erfasst haben.

Andreas Rossmann in der FAZ vom 19.02.2010 „Bauherr ist die Schlamper GmbH“ zum Kölner U-Bahn-Skandal


Die Rechtsprechung erkennt eine Konstruktion der Untervertretung an, bei der der Vertreter in eigenem Namen die Untervollmacht erteilt, den Untervertreter also zu seinem Vertreter bestellt, der ihn in seiner Eigenschaft als Stellvertreter des (Haupt-) Vollmachtgebers vertreten sollte: sog. Vertreter des Vertreters.

Leitsatz OLG Düsseldorf 23 U 13/08 vom 25.11.2008 in einer Architektenangelegenheit


Der Vertrag kann den Ablauf der Baumaßnahme auch z. B. in organisatorischer Hinsicht regeln […] Er kann regeln, dass zuerst das 8. und dann das 4. Geschoss gebaut wird.

Kapellmann/Messerschmidt, VOB Teil A und B, VgV, 2. Auflage 2007; zu VOB/B § 2 bb) Rn 34


Ich glaube, als Außenseiter war ich sozusagen in der Position eines Mediators, emotional nicht betroffen, politisch unparteiisch. Das hat auch mit der Rolle des Architekten zu tun. In England ist dessen Position schwach, in Deutschland genießt er bedeutend mehr Wertschätzung, auch Schutz. Und deshalb tritt er anders auf. Ich übertreibe jetzt, aber der deutsche Architekt ist schon ein bisschen aggressiver: Ich will das so haben, genau so! Hört mir doch zu! Das kann sich in England kein Architekt leisten.

Der Architekt des Neuen Museums Berlin, David Chipperfield, im Interview im Berliner Tagesspiegel 31.01.2010


Bei den Ingenieuren wurden wir mit offenen Armen aufgenommen, weil sich mit unseren numerischen Anwendungen lästige Alltagsaufgaben schneller erledigen ließen. Bei den Architekten stießen wir dagegen zunächst auf Ablehnung. Maschinen schränken mich ein, hieß es da. Ein berühmter Architekt meinte sogar einmal: Wenn mir jemand einen Computer ins Büro schleppt, werfe ich ihn eigenhändig aus dem Fenster. Heute ist in Architektenbüros kein Zeichenbrett mehr zu finden.

Georg Nemetschek anlässlich seines 75. Geburtstags im Gespräch mit der FAZ, 21.08.2009


Hier muss schon in der Analyse der spezifischen Gesamtrepräsentanz hervorgehoben werden, dass der Gesamtpreis der Preisseite sich auf der Leistungsseite auf die Gesamtheit der zur Zeit des Vertragsschlusses manifestierten, für das Gesamtleistungsziel - den werkvertraglichen Erfolg - relevanten Leistungsinhalte, d. h. auf alle aus sämtlichen maßgeblichen Vertragsunterlagen und Informationen erkennbare Leistungen nach Art, Umfang und Leistungsumständen bezieht.

Vorsitzender Richter am OLG a. D. Dr. Karl Heyers: Die rechtlich spezifische und individuelle Repräsentanz im Pauschalvertrag, besonders in Bausachen; in Baurecht 4/1983


Ar, di Arr, di Arrckitucktn -/jarr, di sünd tautul pfarrucktn./Pauhn onz euburoll Quaduren,/vo se gurrnücht henngehuren.

Matthias Koeppel, Maler, Mitglied der „Schule der Neuen Prächtigkeit“, 1976 in einem Gedicht in der von den Mitgliedern der „Schule“ erfundenen Sprache „Starckdeutsch“, wider die Architekten und ihre rechten Winkel


Als Staatsbürger habe ich durchaus das Bedürfnis, meine Meinung zu sagen. Als Architekt nicht unbedingt. Ein Architekt baut am Ende das, was bestellt und bezahlt wird. Da hat man nur eine Möglichkeit, sich selber einzubringen. Indem man sagt, das mache ich, oder das mache ich nicht.

Architekt Peter Zumthor, in SPIEGEL Online 29.05.2009


Der typische bayerische Biergarten ist eine Gaststätte bzw. der im Freien gelegene Teil einer solchen, deren Betrieb im wesentlichen auf Schönwetterperioden während der warmen Jahreszeit beschränkt ist. Das Erfordernis des Gartencharakters verlangt eine Situierung des Betriebs im Grünen, jedenfalls im Freien. Das Idealbild des Biergartens ermöglicht, unter großen Bäumen im Schatten zu sitzen.[ … ] Biergärten erfüllen wichtige soziale und kommunikative Funktionen, weil sie seit jeher beliebter Treffpunkt breiter Schichten der Bevölkerung sind und ein ungezwungenes, soziale Unterschiede überwindendes Miteinander ermöglichen. Die Geselligkeit und das Zusammensein im Freien wirken Vereinsamungserscheinungen im Alltag entgegen.

Amtliche Begründung zur Bayerischen Biergartenverordnung vom 20. April 1999 (GVBl S. 142)


Es ist niederschmetternd, welche schlechte Qualität die Spitzenklasse nationaler und internationaler Architekten bei Regierungsbauten in der Hauptstadt abgeliefert hat. Was beispielsweise in den Bundestagsbauten nachgebessert werden muss, ist unfassbar. Absperrungen an Bauschäden, Eimer, die eindringendes Regenwasser auffangen, und Risse in Beton gehören mittlerweile zum Alltag in den Bundestagsbauten.

Peter Hettlich (Grüne), stellvertretender Vorsitzender des Bundestagsbauauschusses, laut Leipziger Volkszeitung vom 24.10.2008


Und deshalb sind mir Architekten suspekt, die einmal eine Masche erfunden haben und von dieser dann nicht mehr lassen können. Letzte Wahrheit nennen sie das dann und stellen überall auf der Welt dieselben Dinger ab, so wie dieser Deutsche, wie heißt er noch gleich, ach ja: Ungers. Furchtbar puritanisch.

Philip Johnson im Interview mit Hanno Rauterberg: Worauf wir bauen; Begegnungen mit Architekten, Prestel 2008


Es regnet in die Eingangshalle, es regnet in das Rampenhaus, und die Garagenmauer ist vollkommen durchnässt. Außerdem regnet es nach wie vor in mein Bad, das bei jedem Regenschauer unter Wasser steht.

Protestbrief der Hausherrin Eugénie Savoye von 1936 an den Architekten ihrer Stadtvilla, Le Corbusier, abgedruckt in:Jean-Louis Cohen, Tim Benton (Hrsg.), Le Corbusier Le Grand, London 2008


In Bonn hatten wir zum Beispiel einen ganz ekelhaften obersten Baubeamten. Da haben wir extra einen Partner abgestellt, der die Aufgabe hatte, den zu beschäftigen. Er ist jede Woche hingefahren, hat gesagt, Ihre Aktenvermerke stimmen nicht, hat ihm alles um die Ohren gehauen, sodass der wieder die ganze Woche zu tun hatte …. Der Axel Schultes, der das Kanzleramt gebaut hat, der ist schon ein lustiger Vogel. Aber beim Kanzleramt hat er formal überzogen. Das ist so ein Kinoding geworden, wo man immer drauf wartet, dass der Kanzler mit Elektrogitarre die Treppe runterkommt. Na, und dann der Reichstag. Gut, dem Norman Forster ist es immerhin gelungen, die Kuppel aus dem Symbolischen rauszuholen, sie thront nicht mehr. Aber innen  -  einige Räume sehen aus wie Wartesäle der DDR-Reichsbahn.

Günter Behnisch im Interview mit Hanno Rauterberg: Worauf wir bauen; Begegnungen mit Architekten, Prestel 2008


Frage: Das Bürohaus, das Sie selbst in Berlin gebaut haben, ist aber auch nicht gerade ein Ausbund an Lebendigkeit. Antwort: Leider nicht, da haben Sie recht. Ich finde es auch fürchterlich. Doch habe ich mich in  diesen Auftrag reindrängen lassen, ich hatte die Macht der Berliner Baubürokraten unterschätzt.

Philip Johnson im Interview mit Hanno Rauterberg: Worauf wir bauen; Begegnungen mit Architekten, Prestel 2008


Leider können sich ja 80 Prozent der Architekten die Dinge nicht räumlich vorstellen, für diese ist Architektur nur eine Grafik auf Papier, und sie übersetzen diese nicht in eine Vorstellung von dem, was einmal sein wird … Ich bin nicht wie der Behnisch, der mir vor zehn Jahren gesagt hat, dass er bei der Ausführung seiner Entwürfe nur noch das Dach und die Fassade anschaut und der Rest von seinen talentierten jungen Architekten erledigt wird. Das ist eine Haltung, die respektiere ich, so arbeiten ja die meisten meiner Kollegen. Ich aber nicht.

Peter Zumthor im Interview mit Hanno Rauterberg: Worauf wir bauen; Begegnungen mit Architekten, Prestel 2008


Darf die Bahngesellschaft die Bahn so vollständig benutzen, dass jede andere Concurrenz darauf erschwert wird?

Karl Friedrich Schinkel, Günther und Matthias: Gutachten der Oberbaudeputation vom 23.2.1838 zur Regelung des Eisenbahnverkehrs auf den Bahnstrecken und Bahnhöfen


Nur in Bau befindliche Wolkenkratzer zeigen die kühnen konstruktiven Gedanken, und überwältigend ist dann der Eindruck der hochragenden Stahlskelette. Mit der Ausmauerung der Fronten wird dieser Eindruck vollständig zerstört, der konstruktive Gedanke, die notwendige Grundlage für die künstlerische Gestaltung vernichtet.

Mies van der Rohe: „Hochhäuser“, in: Frühlicht I, 1922, Heft 4


Unsinn zu reden ist ein Grundrecht des Abgeordneten.

Bundestagsabgeordneter Hans Dichgans (CDU) am 25.10.1967 in einer Debatte zur Begrenzung der Redezeit im Bundestagsplenum auf maximal 15 Minuten; zitiert nach „Das Parlament“ vom 06.04.2009


Als Todesstoß kam der Verdacht einer unzureichenden Statik für die vielen Bücher, hinterher noch eine bedenkliche Erdbebenprüfung der Bundesbaubehörde. Was bisher als stolzer, in seinen teuren Details aus Marmor und Glas sogar beispielhafter Bau der bundesrepublikanischen sechziger Jahre gelten musste, wurde flugs zur Ruine erklärt … Italienische Statiker haben nun die Sicherheit des Gebäudes festgestellt, denn sollte die penible deutsche Erdbebenrechnung aufgehen, müsste ganz Rom samt allen Ministerien geräumt werden. Ob es nicht auch eine flexiblere Lösung eine Nummer kleiner gäbe? Nun hat ein deutscher Statikprofessor das letzte Wort.

Zur Schließung des 1963 errichteten Deutschen Archäologischen Instituts in Rom in der FAZ („Nur Mörtelstaub im Wind“) vom 17.09.2008


Bekloppte Idee.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) laut dem Berliner Tagesspiegel vom 03.09.2008 anlässlich der Unterzeichnung des dänisch-deutschen Staatsvertrags zur Brücke über den Fehmarn-Belt durch Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD)


Die Atmosphäre gibt den magischen Moment, die Paulick’sche Adaption Knobelsdorffscher Provenienz ist dafür allemal gut genug, - den Ansprüchen guter Akustik muss nur noch ein wenig auf die Sprünge geholfen werden. Das Volumen wird durch Anhebung der Decke und das Einfügen eines Galeriegeschosses vergrößert, der Saal wird ein wenig luftiger, ein wenig höher, eine Prise Schinkel im 4. Rang. Der Entwurf schwingt unentschieden zwischen historisierendem und modernem Ansatz, ohne dabei eine eigenständige ästhetische Haltung zu entwickeln. Zwar steht das sichtbare Volumen im Einklang mit dem akustischen, die viel kritisierten Sichtverhältnisse sind jedoch weiter hinzunehmen. Die Jury erkennt an, dass hier mit viel Liebe und Bemühen um Verbesserung gerungen wurde. Im Licht des ja noch bestehenden Originals läuft das allerdings - der Meinung der Jury nach - auf keine Verbesserung des Status Quo hinaus […]

Beurteilung des Preisgerichts zum 3. Preisträger beim Architekten-wettbewerb um die Neugestaltung der Staatsoper Unter den Linden, Berlin 2008


 Der Architekt ist auf der Baustelle zunehmend unerwünscht, weil er dort nur stört, dreinredet und ändern möchte […] Es gibt zwar zum einen die hohe Akzeptanz des Architekten, auch der gesellschaftlichen Sprengkraft, die Architektur haben kann, aber zum anderen nimmt der Einfluss des Architekten auf den Bauablauf massiv ab.

Jacques Herzog im Interview im SPIEGEL 31/2008 vom 28.07.2008


Hat der Architekt Ihnen zuverlässige Baufirmen bei der Vergabe empfohlen? Wenn nein: Was war das Problem bei den Baufirmen? […] Bauarbeiter waren oft angetrunken?

Checkliste zur Architektenbewertung ; zum Download bei www.immobilienscout.de ; Stand 01.05.2008


Jeder, der sich auch nur im geringsten zum Architekten berufen fühlt, wird nie damit zufrieden sein, ein Gebäude bloß – oder hauptsächlich – seines Aussehens halber zu entwerfen, ebenso wenig wie ein Mann ein Pferd nur seiner Farbe wegen kauft. Was für einen Intellekt muss der Kritiker haben, der ein Gebäude nach seinem „Aussehen“ beurteilt, ohne eine Ahnung vom Wesen seiner Konstruktion zu haben?

Frank Lloyd Wright: Ein Testament. Zur neuen Architektur. 1957


Architekten scheinen heute nur noch eines gemein zu haben – nämlich etwas verkaufen zu wollen: um genau zu sein – sich selber. Natürlicherweise ist das, was schließlich verkauft wird, hauptsächlich sie selber. Auf Architektur kommt es ihnen dabei nicht an.

Frank Lloyd Wright: Ein Testament. Zur neuen Architektur. 1957


Die Instandhaltung der öffentlichen Landstraßen ist eine ungeheure Last für die ganze Nation; eine Last, über welche dieselbe stöhnt - und dabei ist der Zustand der Straßen ein recht schlechter.

Daniel Defoe: Über Projektemacherei. Erschienen 1697. Deutsche Übersetzung von 1890.


Für zwei nahezu identische innenliegende Atrien (je 54,50 m x 19,50 m) werden künstlerische Interventionen gewünscht, die die beiden Höfe voneinander unterscheidbar machen und Akzente setzen. Die Wahl des künstlerischen Mediums ist freigestellt. Realisierungskosten: bis zu 300.000 €.

Auslobung zum „Kunst am Bau“ – Wettbewerb für den Neubau des Bundesnachrichtendienstes in Berlin, Juni 2008


Wie die Beklagte einräumt, zeichnen sich Flüssigkeiten dadurch aus, dass sie einer Formänderung keinen, einer Volumenänderung hingegen einen recht großen Widerstand entgegensetzen, dass sie also volumenbeständig und formunbeständig sind. Das trifft zu. Eine Flüssigkeit nimmt daher anders als ein Festkörper die Form des Gefäßes an, in dem sie sich befindet, behält aber ihr Volumen auch unter Druck bei. […] Sämtliche Merkmale erfüllt der Beton, solange er noch transportfähig ist.

Das Berliner Kammergericht in einem Gerichtsurteil zu der Frage, inwieweit Beton als Flüssigkeit im Sinne des Haftpflichtgesetzes gilt (Aktenzeichen 20 U 121/03 vom 17. Juni 2004)


Diese überhängenden Stahlträger, die Art und Weise, wie die Struktur offengelegt ist! Man sieht genau, wie die Verstrebungen ineinandergreifen, wie die Statik ausbalanciert ist. Atemberaubend! Das hat eine Aura des Funktionalen, Technischen, die ist einzigartig. Vor allem wegen dieser Seite zum Rollfeld hin ist der Flughafen Tempelhof eines der besten Gebäude Berlins.

Peter Eisenmann, Architekt, in ZEIT Magazin Leben vom 7. Februar 2008


Die Betriebsbeamten müssen […] die Umgangssprache auf einem Ohr mindestens auf fünf Meter und auf dem anderen Ohr mindestens auf drei Meter verstehen.

Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) § 48 Anforderungen an Betriebsbeamte (derzeit gültig)


Frage: „Viele Städte begreifen sich heute als Markenunternehmen,die mit einer unverwechselbaren, möglichst spektakulären, markanten Architektur im Standortwettbewerb punkten wollen - wie es die baskische Industriestadt Bilbao mit Frank Gehrys Guggenheim-Museum vorgemacht hat. Deshalb touren heute berühmte Architekten wie Zaha Hadid, Rem Koolhaas oder Norman Foster wie Stars von Stadt zu Stadt. Ist das eine gute Idee?“ Antwort: „Gute Architekten einzuladen ist immer richtig. Auch Gian Lorenzo Bernini oder Michelangelo waren nichts anderes als die berühmten Architekten ihrer Tage, die damals europaweit bauen konnten. Problematisch wird es erst, wenn architektonische Marken wie Raumfahrzeuge in Städten landen und wenig oder gar nichts zu ihrer Entwicklung beitragen. Teilweise gebärden sich die Architekten allzu selbstverliebt, teilweise werden sie aber auch von den Bauherren geradezu genötigt, ihren Stil lupenrein zu reproduzieren: Mario Botta beispielsweise kann es sich kaum mehr leisten, ein Haus zu bauen, das nicht rund ist - auch wenn er es gern täte.“

Venedig schlägt Los Angeles. Vittorio Magnago Lampugnani im Interview mit Brand Eins, 12/ 2007


Die Zeit von Zaha Hadid, die kein Haus bauen kann, ohne ihre „Philosophie“ in mehrtägigen Pressekonferenzen zu erklären, dürfte ebenso vorbei sein wie die Ära des Jean Nouvel, in dessen Wohnbauten alles untersagt wird, was sich gegen die Ästhetik richten könnte.

Gerhard Matzig (Kritikerpreis der Bundesarchitektenkammer 1997 und 2002) in: Die Stunde der Ingenieure - auch Architekten müssen umdenken. Ingenieurbaukunst in Deutschland Jahrbuch 2007/2008


Es geschiehet öfters, daß der Architect der Arbeit währenden Bauwesen nicht beständig nachsehen kann, und da die Visitation eines der nöthigsten Stücke ist, wenn nicht eine schlechte Arbeit herauskommen oder manches gar nicht gemacht werden soll, wie ich solches öfters in Herrschaftl. Bauwesen gefunden, so muß man so denn einen solchen Bau nicht nur obenhin oder flüchtig durchlauffen, sondern man ist gehalten, die Risse, Bau-Überschläge und Accorde von Posten zu Posten durchzusehen, ob die Bauarbeit damit übereinkomme. Ja man hat dabey nöthig, die Fundamente aufgraben zu lassen, um sie gehörig visitiren zu können, alles nachzumessen, insonderheit was der Ruthe oder dem Schuh nach bezahlt wird. Ob von einem jeden Handwerks-Mann alles gehörig gemacht worden?

Der Entlarvte Baumeister. Das ist:Vortheilhaftige Vorschläge, wie man sich in Bauen vor den Misgriffen der betrügerischen Bauleute hüten könnte, entworfen von einem im Bauwesen langgeübten Baumeister. Erfurt, Jungnicolische Erben Buchhandlung 1757


The Massachusetts Institute of Technology has sued the architect Frank Gehry and a construction company, claiming that „design and construction failures“ in the institute’s $ 300 million Stata Center resulted in pervasive leaks, cracks and drainage problems that have required costly repairs. […] In an interview, Mr. Gehry, whose firm was paid $ 15 million for the project, said construction problems were inevitable in the design of complex buildings.

“These things are complicated,” he said, “and they involved a lot of people, and you never quite know where they went wrong. A building goes together with seven billion pieces of connective tissue. The chances of it getting done ever without something colliding or some misstep are small.” “I think the issues are fairly minor,” he added. “M.I.T. is after our insurance.”

M.I.T Sues Frank Gehry, Citing Flaws in Center He Designed. The New York Times November 7, 2007


Das ist der eigentliche Skandal an der Elbe: Die bis jetzt projektierte, 536 Meter lange und rund 156 Millionen Euro teure Brücke malträtiert das Elbtal nicht deshalb, weil sie eine Brücke ist. Sondern deshalb, weil sie eben keine Brücke ist, die diesen Namen angesichts einer an regelrechten Brückenbauwundern reichen Kulturgeschichte verdient. Sie ist lediglich ein proportional verunglücktes, in den konstruktiven Details armseliges und letztlich einfach ökonomistisch verkrampft wirkendes, zu Tode funktionalisiertes Verkehrsbauwerk, das seine klumpige Abkunft aus dem Reich der Bautabellen, des Straßenbaus und der Wirtschaftlichkeitsberechnungen nicht verbergen kann.

Mut zur Brücke. Süddeutsche Zeitung vom 06. 08.2007


Poliert, fein geschliffen, geschliffen, grob geschliffen, naturrau, naturrau anpoliert, naturrau angeschliffen, diamantgesägt, stahlsandgesägt, gesandelt, abgerieben, geschurt, sandgestrahlt, jetgestrahlt, beflammt, scharriert, frei von Hieb, gestockt, geriffelt, gezahnt, gebeilt, geflächt, gekrönelt, gespitzt, geprellt, gebosst.

Bezeichnungen für Sichtflächen von Natursteinen nach VOB/C DIN 18332 Naturwerksteinarbeiten


Anwälte: Werden zu allen möglichen Sachen konsultiert, sogar zu solchen, von denen sie gar nichts verstehen.

Gustave Flaubert: Dictionnaire des idées recues [Wörterbuch der gemeinen Phrasen]


Ich bin zwar kein Rechtsgelehrter, sondern ich rede blos als Sachverständiger; und hoffe, daß Bürger und Landleute mit meinem Gutachten zufrieden seyn werden, wenn auch die habsüchtige Schaar der Juristen darüber scheele Augen macht und das Maul ziehet.

Johann Georg Scheyers Hochfürstl. Hohenlohischen Ingenieur-Hauptmanns und Bau-Direktors praktisch-ökonomische Wasserbaukunst. Leipzig 1795, Seite 220


Mitglieder der Architektenkammer des Landes Berlin: 6.998 (davon 4.578 freischaffend). Das heißt: Auf 478 Einwohner kommt ein Architekt.

Mitteilung der Architektenkammer Berlin vom Mai 2007


Der gute Ingenieur denkt immer an die ästhetischen Konsequenzen seiner Entscheidungen, während der gute Architekt immer auch an die technischen Konsequenzen der Formen denkt, die er schafft.

Helmut Jahn im Katalog zur Ausstellung „ARCHI-NEERING Helmut Jahn Werner Sobek“ 1999  im Städtischen Museum Leverkusen


Offensichtlich wird das Gutachten des „Sachverständigen“ eingeführt, um letztendlich mit ungleichen Mitteln vorzutragen, nämlich einen Vortrag zu schaffen, der letztendlich über den Verständnishorizont der Beklagten hinaus gehen dürfte. Es soll hier eine angebliche Wand des Wissens aufgebaut werden, die so in ihrer Masse erschlagend ist, dass sich dem letztendlich auch das Gericht beugen soll. Es ist nur zu hoffen, dass das Gericht diesen Versuch der Überrumpelung erkennt ……

Aus einem Schriftsatz des Prozessbevollmächtigten der Beklagten in einem Rechtsstreit zu Bauangelegenheiten (2005)


Früher musste man erst gebaut haben, bevor man eine Architekturprofessur angeboten bekam. Heute lehren zu viele von denen, die nie etwas zu bauen hatten.

Michael Zimmermann, Architekt, Geschäftsführender Gesellschafter bei KSP Architekten, im Immobilienmanager 06/2007


Frage: „Muss denn ein Architekt nicht Muslim sein, um eine Moschee bauen zu können?“ Antwort: „Nein, natürlich nicht. Er muss ja auch nicht krank sein, um ein Krankenhaus zu bauen.“

Paul Böhm, Architekt aus Köln, im Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 08.06.2007 zum Entwurf der Moschee in Köln-Ehrenfeld


Wenn man uns Architekten konsequent tun ließe, wovon wir träumen, wäre die Welt ein besserer Ort.

Zaha Hadid in der ZEIT Nr. 35, 25. August 2005


Ließe man Architekten einfach bauen, was sie bauen wollen, sähe die Stadt hinterher aus wie ein nicht aufgeräumtes Kinderzimmer nach einem Kindergeburtstag.

Michael Zimmermann, Architekt, Geschäftsführender Gesellschafter bei KSP Architekten, im Immobilienmanager 06/2007


Wer zahlt, schafft an. Architekten und Ingenieure haben nicht gezahlt, selbst eine Spende von 100 Euro pro Architekt wollten 99 Prozent nicht beisteuern. Sie bekommen die Stiftung, die sie verdienen - im Stiftungsrat werden drei Vertreter der Ministerien plus fünf Abgeordnete sitzen, aber nur fünf Nichtpolitiker. Bei dieser Konstruktion kommt wenig Unabhängiges heraus. So hat eine dumpfe Politikfeindschaft der Profis, die sich gern als Kreative sehen, dazu geführt, dass die Nörgler am Ende Recht behalten: eine Self-fulfilling Prophecy [ … ] Wenn aus der Stiftung dennoch etwas Gutes herauskommen sollte, dann trotz der Architekten.

Gert Kähler: Eine verpasste Chance: Die Bundesstiftung Baukultur ist gegründet - in einer verstümmelten Form. DIE ZEIT 18.01.2007


Es gibt Statiker und Baubeamte, die in den wackligen Fassaden der Neubauten keinen Zufall sehen. Ihren Namen möchten sie nicht in der Zeitung lesen, wenn sie sagen: „Architekten wollen alles luftig und leicht, möglichst schwebend. Und wenn jemand Bedenken hat, dass es womöglich nicht hält, sehen sie gleich ihr Kunstwerk zerstört.“

Der Berliner Tagesspiegel am 20.01.2007 (nach dem Absturz eines Fassadenelements am Berliner Hauptbahnhof)


Ein am Sectionssitze nicht wohnender Accordant hat einen daselbst domicilirenden Insinuations-Mandatar aufzustellen.

§ 4 Nr. 8 Satz 1 der Allgemeinen Bedingnisse für Erd- und Kunstbau-Arbeiten bei dem Baue der königlich bayerischen Eisenbahnen. Staatsministerium des Innern, München, den 22. Mai 1848


Der Literaturwissenschaftler Ernst Robert Curtius lehnte 1920 einen Ruf an die Technische Hochschule Aachen ab, weil er nicht von dem Professor für Heizung und Lüftung mit „Herr Kollege“ angeredet werden wollte. Heute wird die RWTH von Eon gesponsert, einem Energieunternehmen, das großes Interesse an angewandter Heizungswissenschaft hat, und vermutlich freuen sich die Aachener Germanisten, wenn sie auf den Gängen überhaupt noch gegrüßt werden.

Geisteswissenschaften - Nutzen im Sinn. Kommentar im Berliner TAGESSPIEGEL vom 28.01.2007 zur offiziellen Eröffnung für das „Jahr der Geisteswissenschaften“.


Ohne technische Normen ist eine Planwirtschaft unmöglich; außerdem sind technische Normen erforderlich, um den zurückbleibenden Massen zu helfen, sich auf das Niveau der Fortschrittlichen zu erheben. Die technischen Normen sind eine große regulierende Kraft, die die breiten Arbeitsmassen in der Produktion um die fortschriuttlichen Elemente der Arbeiterklasse organisieren (J. W. Stalin)

Vorwort zu „Technisch begründete Arbeitsnormen für die volkseigene Bauindustrie der Deutschen Demokratischen Republik. Grundnormen Maurerarbeiten Bauleistung L IV/3. Zweite Ausgabe vom 1. Februar 1952.“ Die hier erwähnten „Arbeitsnormen“ haben letztlich zum Aufstand des 17. Juni 1953 geführt.


Wenn du nicht arbeitest, kommst du in den Bunker! „Se tu non lavori, devi andare al Bunker!“

Italienisch auf Baustellen. Sprachführer für den Verkehr mit italienischen Arbeitern auf Baustellen. Herausgegeben von der Wirtschaftsgruppe Bauindustrie. Franckh’sche Verlagshandlung Stuttgart 1941.


Bei der notwendigen starken Ausweitung der Bautätigkeit wird im Verlauf der nächsten Jahre auch die Frage auftauchen, ob die deutschen Bauunternehmen die personellen Kapazitäten besitzen, um die umfangreichen Bauarbeiten der nächsten Jahre in den neuen Bundesländern ausführen zu können. Es dürfte für die deutschen Bauunternehmen auf jeden Fall in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre notwendig werden, ihre personellen Kapazitäten - insbesondere für die Baustellentätigkeiten - zu erhöhen.

Baubedarf in den neuen Bundesländern bis 2005. ifo Studien zur Bauwirtschaft München 1992 (Eine klassische Fehlprognose)


Faule Profs, faules System. Sprechstunden fallen aus, Seminare sind überfüllt, Vorlesungen langweilig. Schuld sind Professoren, die aus Standesdünkel und Desinteresse ihre Studenten ignorieren.

ZEIT Campus 1/2007


Einem Professor bringt die Zuneigung seiner Studenten nichts.

Michael Hartmann, Professor in Darmstadt. Zwischentitel in ZEIT Campus 1/2007


An der Fachhochschule Gelsenkirchen wurde im November 1997 ein Fest mit ca. 1.200 Teilnehmern und im Dezember 1998 ein Fest mit ca. 1.500 Teilnehmern veranstaltet. Diesen Teilnehmern standen nur die Mensa-Sanitäranlagen im Untergeschoss zur Verfügung. Laut eigenen Angaben hatten die Benutzerinnen der Damen-Toilette keine Wartezeiten. Zu Stoßzeiten entstanden in der Herren-Toilette Schlangen bis zu drei Personen vor jedem Urinal. Jedoch betrugen die Wartezeiten nie mehr als 3 min.

Zu viele Sanitärobjekte. Ergebnisse einer Untersuchung der Sanitäreinrichtungen in zwei Hochschulen Nordrhein-Westfalens. Bundesbaublatt Heft 3 / 2000


Mittels des Begriffspaars Repräsentationen und Praktiken sind die Bewegungen des Objektes von der Idee bis zu seiner Stabilisierung im Feld verfolgbar. Institutionalisierung bezieht sich auf die Zielgerichtetheit des Prozesses, also auf die Herstellung von solchen Objekteigenschaften, die das Objekt am Ende - möglicherweise - zu einer etablierten Rechtsauffassung machen, die rechtswissenschaftliches Wissen verkörpert und mit Legitimität versehen.

Rechtswissenschaftliche Expertise für den Tiergartentunnel. Zur Institutionalisierung eines Grenzobjektes. Matthias Horwitz, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH 2000, Seite 32


Das Eindringen des Schwenkarms eines Baukrans in den Luftraum des Nachbargrundstücks beeinträchtigt den betroffenen Nachbarn in seinen Besitzrechten und begründet einen Unterlassungsanspruch.

Landgericht Lüneburg, Beschluss vom 06.11.1998 - Az 1 T 177/98


Architekt S. war mir aufgefallen, weil ein Architekturmagazin über seinen beispielhaften Umbau eines Schuppens in ein Eigenheim berichtet hatte. Er hatte einen Lehrauftrag für Architektur. Im Stadtbild konnte man modernen Wohnungsbau aus dem Büro des Architekten S. bewundern. „Ein Wintergarten für Ihr Reihenhaus?“, hatte er gesagt, „das machen wir Ihnen schnell.“ Kein Thema. „Das machen wir nicht zum ersten Mal.“ Okay, ich bin auf den Typen reingefallen, weil er graue Schläfen hatte und einen Saab* fuhr.

Susanne Mayer: Kann man an einem Wintergarten sterben? Oder seinetwegen zum Mörder werden? Chronik eines Anbaus. DIE ZEIT 22. Februar 2001. *) Aufgrund einer Anmerkung eines saabfahrenden Nichtarchitekten: statistisch nicht relevant, da n = 1.


An independent report released by the Massachusetts Turnpike Authority (MTA) indicates that leaks in the Interstate 93 tunnel roof, part of Boston’s Central Artery Tunnel Project, or „Big Dig“, will continue for years.The report estimates that while 3,600 leaks will be sealed in 2005, more than 42 percent of them are expected to reopen. As a result, the MTA expects to seal approximately 1,543 leaks in 2006, 661 in 2007, 284 in 2008, 121 in 2009, and 77 in 2010. No projections were made beyond 2010 […] When the leaks were first reported, Jack K. Lemley, F. ASCE, an outside consultant, said that repairs could take up to a decade, despite the fact that the project managers Bechtel, based in San Francisco, and Parsons Brinckerhoff, based in New York City, contended that the repairs would take only months.

The Boston Globe, zitiert nach Civil Engineering October 2005


Es stärkt jedenfalls die Interessen der Baukultur in Deutschland gegenüber den Interessen der anderen am Bau Beteiligten. Das hat es meines Wissens in dieser Deutlichkeit noch nie gegeben. Ich kann mich an keinen vergleichbaren Fall erinnern, in dem die Urheberrechte eines Architekten und die Authentizität eines Werkes so herausgestellt wurden. Aber das mag auch daran liegen, dass Architekten üblicherweise nicht klagen. Auch für uns war die Klage ja Ultima Ratio, weil alle unsere Versuche, zu einem Kompromiss zu kommen, von der Bahn abgeschmettert wurden. Wir wären ja gern bereit gewesen, uns zu einigen. Aber es ging nicht, und deshalb war es richtig, schließlich zu klagen. Es ging uns ja auch um die öffentliche Wirkung eines solchen Bauwerks, das im Ausland sehr stark wahrgenommen wird als Ausdruck deutscher Baukultur. Und natürlich ging es uns auch, keine Frage, um unser eigenes Renommee und um unser eigenes Selbstverständnis.

Architekt Meinhard von Gerkan in einem Interview zum Urteil des Berliner Landgerichts 16 O 240/05 vom 28.11.2006 betreffend Berliner Hauptbahnhof (Tagesspiegel vom 29.11.2006)


Wir werden nun in erster Instanz dazu verurteilt, die ursprünglichen Pläne des Architekten umzusetzen. Das verstehe mal einer - wir nicht. Deshalb gehen wir in Berufung, notfalls bis zur letzten Instanz. Für uns geht es um die entscheidende Frage: Welche Rechte hat der Bauherr? Meine Meinung sage ich unmissverständlich: Kunden, Mitarbeiter und Steuerzahler dürfen nicht die Zeche für einen Egotrip des Architekten bezahlen.

Hartmut Mehdorn, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG, in einem Beitrag zum Urteil des Berliner Landgerichts 16 O 240/05 vom 28.11.2006 (Tagesspiegel vom 01.12.2006)


Zeuge von Gerkan: Die Regel ist bei nahezu allen öffentlichen Bauten, dass Kostenrahmen genannt werden, die unrealistisch sind, weil, um ein öffentliches Projekt politisch zu befördern, er in der Regel sich in einem moderaten Rahmen bewegen muss. Das sind auch die wahren Ursachen, weswegen Bauten im Nachhinein mit Kostensteigerungen realisiert werden. Oftmals liegt es einfach daran, dass das politische Ziel nicht mit der Realität übereinstimmt.

Bericht des 2. Untersuchungsausschusses des Abgeordnetenhauses von Berlin - 15. Wahlperiode - zur Aufklärung der Hintergründe um die Finanzierung und den Betrieb des Kreuzberger „Tempodroms“ und etwaige in diesem Zusammenhang geleistete Zuwendungen an politische Parteien, Zeugenbefragung Seite 271 (von insgesamt 1095)


Nur 54 Prozent der Architektenhäuser werden termingerecht fertig, Fertighäuser zu 70 Prozent, Bauträgerhäuser zu 85 Prozent. Wir machen Dampf.

Corinna Merzyn, Geschäftsführerin des Verbandes Privater Bauherren


Es gibt keinen Erfahrungssatz, daß die Prüfung und Feststellung des Rechnungsbetrages durch den Architekten regelmäßig fehlerfrei ist und mit den tatsächlich erbrachten Leistungen übereinstimmt.

OLG Hamm, Urteil vom 12.03.1996, 21 U 147/95


Wir ordnen und befehlen hiermit allen Ernstes, dass die Advocati wollene schwarze Mäntel, welche bis unter das Knie gehen, unserer Verordnung gemäß zu tragen haben, damit man diese Spitzbuben schon von weitem erkennt.

Kabinettsorder vom 15.12.1726 des Preußenkönigs. Aus: Forschung & Lehre 11/06, S. 664


Würden Architekten trockene Keller bauen, könnten die Beiträge zur Berufshaftpflichtversicherung rund 20% günstiger sein.

Aus einer Mitteilung der AIA, Tochtergesellschaft der MAF, eines der größten europäischen Spezialversicherer für Architekten und Ingenieure


Die Frage privater Bauherren an Architekten und Ingenieure lautet häufig: Bekomme ich für alles einen Festpreis? Nicht selten scheint die Frage auf Architekten und Ingenieure eine ähnliche Wirkung zu haben wie der Knoblauch auf den Vampir: Entsetztes Zurückweichen ist die Folge.

Was erwartet der Bauherr? Vortrag von Prof. Dr. Edda Müller, Vorstand Verbraucherzentrale Bundesverband - vzbv 30.11.2005


Wenn die Kosten eines Baues den zehnten Teil des Anschlages übersteigen, so sollen die Baumeister gehalten sein, dasjenige, was der Bau mehr kostet, aus eigenen Mitteln zu bezahlen.

Landesherrliches Rescript für das Herzogthum Braunschweig an das fürstliche Consistorium vom 27. Mai 1773. Enthalten in: Die Praxis des Baurechts, ein Handbuch zur Selbstbelehrung vorzüglich für Nichtjuristen, insbesondere für Baumeister, Baubeflissene, Architekten, Ingenieure, Haus-, Mühlen- und Fabrikbesitzer, Bauunternehmer etc., von C. Matthiae, Kreisrichter in Holzminden, Braunschweig 1861, Verlag C.U. Schwetschke und Sohn


In meiner etwa 43jährigen Tätigkeit als Unternehmer habe ich bzw. meine Gesellschaft mindestens 400 Verträge mit deutschen Reichs-, Staats-, Provinzial- und Kommunalbehörden sowie privaten Stellen abgeschlossen und abgewickelt. Daß unter diesen Verträgen viele waren, an denen ich bzw. meine Gesellschaft Geld verloren haben, brauche ich wohl nicht besonders zu erwähnen. In der langen Zeit meiner Tätigkeit ist aber nur - wie ich feststellen konnte - in neun Fällen das in den Verträgen vorgesehene Gericht zur Entscheidung über die während der Bauausführung entstandenen Meinungsverschiedenheiten angerufen worden.

Julius Berger: Meine Lebenserinnerungen. Berlin, im Mai 1933 (Selbstverlag)


Es war eine bewährte Tradition, dass größere Baumaßnahmen nach Fertigstellung abgenommen wurden. Anschließend lud dann die ausführende Firma den Bauherrn und die örtliche Bauleitung zu einem Umtrunk mit Essen ein. Diese übliche Praxis artete im Laufe der Zeit allerdings ziemlich aus. Es war keine Seltenheit, dass neben den unmittelbar Beteiligten bis zu zehn Beamte des Wasserwirtschaftsamtes zusätzlich in der Gastwirtschaft erschienen. Alle Beamte, die gerade „zufällig“ im Außendienst waren, fanden sich wie bei einer Sternfahrt ein, um am Essen teilzunehmen. Die z. T. recht hohen Kosten wurden einfach in Baumaßnahmen eingerechnet.

Günter Heußer: Ich, das Bauernopfer. Die Doppelmoral in der Kommunalpolitik und ihre Auswirkungen (Der Autor des Buches ist wegen Bestechlichkeit im Amt als Geschäftsführer eines Abwasserverbands im Jahr 1995 zu einer Bewährungsstrafe von 1 Jahr und 10 Monaten sowie zu einer Geldstrafe von DM 100.000 verurteilt worden).


Berufsaufgabe der Architektinnen und Architekten ist es, zweckmäßig, baukünstlerisch, technisch, wirtschaftlich, umweltgerecht und sozialverträglich zu planen und zu gestalten.

Niedersächsisches Architektengesetz (NArchtG) in der Fassung vom 17. Juli 1990 (Nds. GVBl. S 347), zuletzt geändert am 13. Oktober 2005 (Nds. GVBl. S. 316)


Kein erfahrener Ingenieur wird die Wichtigkeit der Rolle bezweifeln, die das technische Gefühl in der Baupraxis spielt. Das dem technischen Gefühl entspringende Urteilsvermögen kann jedoch nicht auf Andere übertragen werden und sein Träger ist unersetzlich. Die Richtigkeit der Urteile kann erst an den Wirkungen der Maßnahmen erkannt werden. Das technische Gefühl kann in ungewöhnlichen Fällen versagen und versagt auch häufig. Die Erfahrung bewirkt bestenfalls eine Vertiefung des technischen Gefühls bei denjenigen, welche die Erfahrung gemacht haben …

Karl Terzaghi, Zivilingenieur und Professor am amerikanischen Robert College in Konstantinopel: Erdbaumechanik auf bodenphysikalischer Grundlage, Verlag Franz Deuticke, Leipzig und Wien 1925


Wer ist aber unter euch, der einen Turm bauen will, und sitzt nicht zuvor und überschlägt die Kosten, ob er’s habe hinauszuführen? Auf daß nicht, wo er den Grund gelegt hat und kann’s nicht hinausführen, alle, die es sehen, fangen an sein zu spotten und sagen: Dieser Mensch hob an zu bauen und kann’s nicht hinausführen.

Lukas 14


Der Museumsbau bleibt auf jeden Fall ein bayerisches Wunder. Aber wir hatten keine glückliche Zusammenarbeit mit dem Architekten […] Ich habe Behnisch nicht ein einziges Mal auf der Baustelle gesehen. Er hat den ersten Wettbewerbsentwurf gemacht und dann alles an seine Satrapen weitergegeben. Um eine Garage haben wir die förmlich angefleht. Es gibt sie nicht.

Lothar-Günther Buchheim im SPIEGEL 36/2000 zum Museum in Bernried


Sehr oft muß „etwas außerhalb der Vorschriften“ gearbeitet werden, wenn eine Baustelle mit den spezifischen Schwierigkeiten ihres internen Mechanismus fertig werden will. Um das Risiko in seinem ganzen Umfang zu kalkulieren, braucht es den perfekten Ingenieur mit einem gut entwickelten Gespür dafür, was noch zu verantworten ist, und mit der „Witterung des Tieres“ für heraufziehende Gefahren!

Günter Kühn: Handbuch Baubetrieb VDI-Verlag 1991 (Ausrufezeichen im Original!)


Zumindest bis zum ersten Weltkrieg waren in Deutschland die Preise im Baugewerbe so konstant, daß vielfach Neuaufstellungen der Einzelpositionen bekannter Bauvorgänge nur Zeitverschwendung gewesen wären. Die Angebote wurden durch Einsetzen eines prozentualen Zuschlags berichtigt, der den speziellen und örtlichen Verhältnissen Rechnung trug und mit Sorgfalt ermittelt wurde. Dazu kommt, daß die Kunst der Kalkulation eine „Geheimwissenschaft“ der erfahrenen Bauleiter war und peinlichst als privates, geistiges Eigentum vor den Augen der noch Uneingeweihten, auch in der eigenen Firma, behütet wurde.

Hans Meyer-Heinrich: Philipp Holzmann AG im Wandel von hundert Jahren 1849 - 1949, Umschau-Verlag 1949


Tand, Tand ist das Gebilde aus Menschenhand.

Theodor Storm: Die Brücke am Tay (Die Brücke stürzte am 28. Dezember 1879 ein)


Sonde hat gestern Abend 6 3/4 Uhr Scheidewand passirt, nach derselben ist Durchschlag. Differenz quasi null. Soeben 5 1/2 Uhr Morgens Einfahrt zum Beginn der letzten Bohrung. Gegen Mittag Durchschlag effectuiert. Medaillenverteilung Montag Morgen.

Depesche von Ingenieur Zollinger an Oberingenieur Bridel in Luzern anlässlich des Durchstichs des Gotthard-Eisenbahntunnels am 28.Februar 1880 (Rechtschreibung im Original der Zeit)


Neben Sex ist Verhandeln das häufigste und problematischste Engagement unter zwei Personen, und zwischen beiden Aktivitäten besteht ein Zusammenhang.

John Kenneth Galbraith in einer Buchbesprechung zu "Das Harvard-Konzept" von Fisher/Ury/Patton (Originaltitel "Getting to Yes", 1981)


Ein Grund für die Flut an Gedrucktem liegt sodann in einer Besonderheit juristischer Texte, die es in anderen Disziplinen nicht gibt. Ein Physiker oder ein Mediziner schreibt etwas, wenn er etwas Neues mitzuteilen hat. Ein Jurist schreibt etwas, wenn er seine Meinung zu irgendetwas mitteilen will. Und eine Meinung hat man schnell. Jeder Jurist kann daher jederzeit ohne Schwierigkeiten zu jedem beliebigen juristischen Thema einen Aufsatz schreiben. Er ist entweder dafür oder dagegen, oder er ist teils dafür, teils dagegen (differenzierende Meinung).

Fritjof Haft, Juraprofessor an der Universität Tübingen: Einführung in das juristische Lernen, Verlag Gieseking 1997, S. 294


Bei der Planung des primären Produktionsprozesses ist das Thema der jeweiligen Situation in der ferneren Zukunft angesiedelt. In der Anleitung des Primärprozesses müssen sich Bauleiter auf die nahe Zukunft konzentrieren. Beim Auftreten kontingenter Ereignisse liegt der thematische Fokus dagegen zunächst in der unmittelbaren Gegenwart; Bauleiter versuchen in diesem Fall, möglichst zügig auf ein gerade stattgehabtes oder bemerktes Ereignis und seine aktuellen Folgen zu reagieren. Erst im Laufe der einzelnen Phasen ihrer Antwort auf die Herausforderung durch die Kontingenz weitet sich ihr Zeithorizont in Vergangenheit und Zukunft auf, indem er reflexive Einschlüsse möglicher Ursachen und Folgen erhält.

Ekardt, H.-P.; Löffler, R.; Hengstenberg, H.: Arbeitssituationen von Firmenbauleitern, Campus-Verlag 1992


Ernesto-Rui Novais da Silva, Michael Nowak, Günter Nowak, Tzichat Nteli, Nichat Nteli, Ibro Nukovic, Jose-Luis Nunes-Romao, Ebidowei Odisi, Bert Oelze, Musa Öz, Fahri Özdemir, Wieslaw Olecki, Fernando Antonio Oliveira, Jose Matias Oilveira Concalves, Carlos Alberto Oliveira Guimaraes, Joao Baptista Oliveira Rocha, Marian Ollik, Almer Omeroric, Christian Opiolla

Auszug aus der Namenliste der am Bau des Lehrter Bahnhofs Beteiligten, In: Grewe, K., Timmers, B. (Hrsg.): Der Ingenieurbahnhof – Der Bau des neuen Berliner Hauptbahnhofs. Verlag Nelte 2005


Architecte, siehe Baumeister. Dort: Baumeister, Architecte. Wird diejenige Person genannt, welche verstehet zu allerley Art der Gebäude, regelmäßige Entwürfe zu verfertigen, und die Anzeige der Baukosten zu machen, auch den Bau zu führen weiß.

Ingenieur, siehe Kriegsbaumeister. Dort: Kriegsbaumeister, Ingenieur. Ist eine Person, welche allen Unterricht hat, und welche verstehet, alle Arten der Befestigungswerke abzustecken, deßgleichen die Fehler der Kriegsplätze zu erkennen, und selbige zu verbessern; auch den Angriff sowohl, als die Vertheidigung allerley Posten zu erleichtern weiß.

Lukas Bochs, Ingenieur und Architekt, auch der kayserlichen Akademie freyer Künsten und Wissenschaften Ehrenmitglied, allgemeines Baulexicon oder Erklärung der deutschen und französischen Kunstwörter in der bürgerlichen, Kriegs- und Schiffbaukunst wie auch der Hydrotechnik und Hydraulik. Verlag bey Matthäus Riegers sel. Söhnen, Augsburg und Leipzig 1781


Mancher Ingenieur hat es einmal erleben müssen, daß der Gegner Erde die Frucht seiner Arbeit verschüttet, daß der Gegner Wasser, aus allen Hohlräumen des Bodens hervorquellend, sein in Arbeit befindliches Bauwerk überflutet und alles zusammensacken lässt, was er gerade mit Mühe und Not aus dem Untergrund herausgeholt hat, daß das Feuer das mit gierigen Fängen umzüngelt, was in einigen Tagen dem Betrieb übergeben werden sollte. Wie unendlich klein ist der Mensch, wenn er den tobenden Elementen gegenübersteht. Staunend verhält er sich in den Jahren der Lehre, hart emporwallt das Gefühl der menschlichen Unzulänglichkeit in den Jahren des verantwortlichen Meisters. Und gerade hieraus schießt immer gleichzeitig der Wille zum letzten Gegenangriff und zur zähen Verteidigung empor und lässt sie zur Tat werden.

A. Agatz, Prof. für Grund- und Wasserbau an der Technischen Hochschule Berlin, im Vorwort zu: Der Kampf des Ingenieurs gegen Erde und Wasser im Grundbau, Verlag von Julius Springer 1936


Der Vorwurf, dass die Architekten zu wenig Verständnis für das Tragverhalten haben, mag wohl zutreffen. Dies entlastet uns aber kaum. Die Ausbildung der Architekten in Statik und Festigkeitslehre bzw. seit 15 Jahren in Tragwerkslehre besorgen wir Ingenieure. Wenn ausnahmsweise doch ein Architekt dran kam, musste er sich stark an der Ingenieurvorstellung orientieren. Wir Ingenieure haben versucht, den Architekten Wissenschaft beizubringen - besser gesagt, was wir für Wissenschaft halten. Wir haben sie dabei verwirrt und verhindert, dass sich bei ihnen das Gefühl für das Tragverhalten bildet.

Stefan Polónyi, ehemals Professor für Tragwerkslehre an der Universität Dortmund, in: Der Tragwerksingenieur - Erfüllungsgehilfe oder Partner des Architekten. Kolloquium der Gesamthochschule Kassel am 8./9. Oktober 1981 „Der Bauingenieur in Geschichte und Gegenwart des Bauwesens“


Wir haben’s geschafft.

Irrtum eines Bundeskanzlers am 24.11.1999 vor dem Gebäude der damaligen Philipp Holzmann AG


I love construction sites.

Ieoh Ming Pei, Architekt, am 16.04.2002 anlässlich des Richtfestes für den Anbau des Zeughauses in Berlin


Ingenieure, die Qualität und Sicherheit einer technischen Dienstleistung ohne Rückgriff auf den höheren kulturellen Zusammenhang bemessen, untergraben aber nicht nur ihre eigene Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit, sondern degradieren sich zum bloßen Werkzeug. Sie verzichten darauf, sich an einer umfassenderen Diskussion wünschbarer gesellschaftlicher Ziele zu beteiligen. Dabei kann nicht entschuldigend wirken, dass die gegenwärtigen Entscheidungsverfahren in der Regel von Zahl und Maß bestimmt werden, wie z.B. in der Kosten-Nutzen-Analyse. Faktoren, wie die Einbettung in natürliche Gegebenheiten, menschliche Fehlbarkeit oder die ästhetische Seite eines Problems, bedürfen deshalb der besonderen Beachtung.

www.bundesingenieurkammer.de (Stand 10.03.2006)


Der Architekt ist also nicht nur Entwerfer oder gar Künstler, sondern viel mehr. Er ist [...] Garant für kontrollierte Qualität am Bau, technische Perfektion, Schadensfreiheit, Wirtschaftlichkeit, Kostensicherheit, Terminsicherheit.

www.bundesarchitektenkammer.de (Stand 10.03.2006)


Das Preisgericht tagt in einer leeren Fabrikhalle, an die verschachtelten Stellwände sind 267 Grundrisse, 267 Querschnitte, 267 Skizzen und 267 Erläuterungstexte geheftet, davor steht auf einem Stühlchen jeweils - ärmlich wie ein Lego-Häuslein - das jeweilige Modell, mal aus Holzklötzchen, mal aus Pappe, bei internationalen Großbüros aus computergefrästem Acryl, bei raffinierten Jungdesignern aus gestanztem Silberpapier. Die Preisrichter stehen in zwei Gruppen herum, dort die Fachpreisrichter, der Hochadel der Architektenschaft, Männer mit Cordhosen und Damen mit Art-Deco-Schmuck, fast alle mit Professorentitel und untereinander per Du, und hier, säuberlich getrennt wie Buben und Mädchen bei der ersten Tanzstunde, die Sachpreisrichter, das Proletariat aus den Niederungen der Kommunalpolitik, schlichte Gemüter, die zu einem Baum einfach Baum sagen statt Grünausstattung oder die nach dem Radlweg fragen statt nach dem Durchwegungs- und Erschließungskonzept für den nichtmotorisierten Verkehr. Einfach peinlich!

Dem Weltgeist auf der Spur. Architekten-Wettbewerbe. Christian Ude (Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München): Ich baue ein Stadion und andere Heldensagen. Verlag Piper 2. Auflage 2004


Die Anordnung der Arbeit am Canal trug man anfangs einem deutschen Ingenieur Namens Breckel auf, welcher ein eingebildeter Mann war, der an nichts zweifelte, und welcher, nachdem er in russische Dienste getreten war, wie ein Orakel angesehen wurde; es zeigte aber der Ausgang klärlich, dass er von der Wasser-Baukunst nichts verstand. Er steckte den Canal so schlecht als möglich ab, und legte den Grund zur ersten Schleuße mit so weniger Vorsichtigkeit, dass sobald man die Thore schloß, um das Wasser eines Falles aufzuhalten, selbiges unter dem Schleußenboden hindurch lief, welcher in kurzer Zeit nebst den Seitenmauern weggerissen wurde. Breckel entwich heimlich aus Russland, um der verdienten Strafe zu entgehen. Ein neues Beispiel, wie sehr wichtig es ist, solche Arten von Bau nur Männern anzuvertrauen, von deren Geschicklichkeit und Erfahrung man völlig versichert ist.

Zu einem Kanal, den der Zar Peter der Große in Auftrag gegeben hatte. In Bernard Forest de Belidor: Architectura Hydraulica oder Die Kunst, das Gewässer des Meeres und der Flüsse zum Vortheil der Vertheidigung der Festungen, des Handels und des Ackerbaus anzuwenden. Im französischen Original 1737, in deutscher Übersetzung ab 1769 erschienen.


Engineers shall perform services only in areas of their competence.

Fundamental Canons, in: Code of Ethics of the American Society of Civil Engineers (ASCE) as adopted September 2, 1914 and most recently amended November 10, 1996


Es führen viele Spuren ausgesprochener, ja großer Begabungen in die warme und dumpfe Höhle des Baubeamtentums, aber keine wieder hinaus.

Rede des stellvertretenden Vorsitzenden des Bundes Deutscher Architekten Professor Hans Poelzig auf dem 28. ordentlichen Bundestag des BDA in Berlin am 4. Juni 1931


Das Studium legt den Schwerpunkt auf Entwerfen, Baukonstruktion und Statik. Gebiete wie Baugeschichte und Denkmalpflege gehören dazu. Themen aber wie den Umgang mit Bauherren, Arbeitsrecht, Urheberrecht, Controlling, Steuerrecht, Honorarrecht, Mitarbeiter- und Verhandlungsführung musste auch ich mir im Laufe meines Berufslebens im „learning by doing“ erarbeiten. Meinen Alltag bestimmen diese Bereiche aber ganz wesentlich. Nur einen geringen Teil meiner Arbeitszeit kann ich noch dem Entwerfen widmen.

Stephan Braunfels: Architektur für die Westentasche. Piper Verlag 2005


Mit der Objektüberwachung beauftragte Architekten und Ingenieure verletzen die ihnen obliegenden Überwachungs- und Koordinationspflichten, wenn sie nicht bemerken, dass bei dem in ein Gebäude eingebauten Glasaufzug weder die gläserne Kabinenwand von außen noch die Scheiben der Glasschachtwand von innen gereinigt werden können, weil der Zwischenraum zwischen Aufzugsschacht und Kabine so gering ist, dass die Scheiben mit keinem bekannten Reinigungsgerät gereinigt werden können. Sie haben die Kosten der Mängelbeseitigung zu tragen. Dasselbe gilt, wenn bei der Objektüberwachung das Fehlen von Fassadensicherungshaken für Fensterreinigungsarbeiten nicht bemerkt wurde.

Urteil des OLG München vom 16.02.2005 (Az. 27 U 886/03)


Bei der Anordnung von Dehnfugen (Gleitfugen) handelt es sich um Standardwissen, das jeder Architekt besitzen muss.

Kammergericht Berlin, Leitsatz des Urteils vom 13.12.2005

(AZ 6 U 140/01) Revision zum BGH nicht zugelassen.


Es kann nicht zuvorderst unser Anliegen sein, die Berufsaussichten für die Absolventen der juristischen Fakultäten zu verbessern.

Dr.-Ing. Hans-Peter Keitel, Vorstandsvorsitzender der Hochtief AG, in einer Rede an der TU Berlin 1999.


Die Immobilienwirtschaft und hierin eingeschlossen die Bauwirtschaft wird noch harte Jahre zu überwinden haben. Dennoch scheinen mir die Hinwendung zur Handlungsbereitschaft, die Offenheit für Veränderungen im Markt und die Wahrnehmung der Chancen im erweiterten Europa Möglichkeiten zu sein, wieder Bedeutung für die Volkswirtschaft zu erlangen. Noch eines ist mir ein Anliegen: Ich halte es für unabdingbar, dass ingenieurmäßig vorgebildete Fachleute auch weiterhin in den Führungsebenen der Unternehmen vertreten sind. Dieses setzt Veränderungen an den Hochschulen voraus. Hier sind die Bauingenieure auf dem richtigen Weg.

Dipl.-Ing. Bernd Hermann, Geschäftsführer der NILEG Immobilen Holding GmbH Hannover, anlässlich der Verleihung des Bauindustriepreises 2004


Die Beschäftigung mit Wirtschaftlichkeitskriterien wird als etwas minderwertiges gesehen, was man lieber anderen Berufsgruppen und den Bauträgern überlassen sollte.

Herbert Pfeiffer: Die Architekten und das liebe Geld oder können Architektur-Studenten vom Fach Bauwirtschaft profitieren? In: Festschrift Egon Leimböck zum sechzigsten Geburtstag, 1996


Wer heute studiert, wird in zehn bis zwanzig Jahren die wichtigsten Entscheidungen in der Bauwirtschaft fällen. So weit müssen wir wenigstens nach vorn blicken, zumal sich die Branche in enormem Wandel befindet […]. Lehrte man früher Betonbau, Stahlbau oder Holzbau als getrennte Fächer und Lehrstühle, müssen die Absolventen heute moderne Methoden des materialübergreifenden Entwerfens und Konstruierens kennen, müssen Bauprojekte moderieren und gemeinsam mit Experten anderer Fachgebiete realisieren.

Bernhard Bürklin, Leiter Strategische Unternehmensentwicklung Hochtief AG, in einem Interview mit dem Berliner „Tagesspiegel“ am 22.10.2005


Ja, mach nur einen Plan - sei nur ein großes Licht! - Und mach dann noch ´nen zweiten Plan. Gehen tun sie beide nicht.

Bertold Brecht: Dreigroschenoper


Allerdings bestimmt an den meisten Architektur-Fakultäten das Bild des Entwurfsarchitekten die Ausbildung. Folgerichtig fühlt sich der akademisch ausgebildete Architekt für das Schöne verantwortlich; er sieht sich als Baukünstler. Die eigentliche Durchführung gilt für viele als niederer Dienst und wird gern Bauingenieuren und Handwerkern überlassen.

Karl-Werner Schulte, Professor für Immobilenökonomie an der European Business School (ebs) in Oestrich-Winkel, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 25.04.2003


Der Berufsstand „Bauingenieur“ - so wie wir ihn bisher kennen - wird schon in naher Zukunft in bisher ungekanntem Maß von Arbeitslosigkeit bedroht sein.

Dipl.-Ing. Dieter Rappert, Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, auf dem Hochschultag 1996 der Nordrhein-Westfälischen Bauindustrie


Die Architektur selbst umfasst drei Teile: das Bauen, die Herstellung von Uhren und die von Maschinen. Das Bauen aber zerfällt in zwei Abteilungen, von welchen sich die eine mit dem Bau der Stadtmauern und den für den allgemeinen Gebrauch bestimmten Werken auf öffentlichen Plätzen, die andere mit der Ausführung der Privatgebäude umfasst.

Marcus Vitruvius Pollo, genannt Vitruv (ca. 55 v.Chr. - 14. n.Chr.), in

De Architectura Libri Decem, Erstes Buch drittes Kapitel


Anders als bei den Architekten scheint das Studium des Bauingenieurwesens nicht attraktiv zu sein - trotz guter Berufsperspektiven und Verdienstmöglichkeiten. Das Image als „trocken“ und „zu viel Mathematik“, das einem gesellschaftlichen Trend parallel läuft, schreckt die Studienanfänger ab. Dieses Vorurteil ist jedoch falsch. Um für die Jugend attraktiv zu sein, muss ein praktischer Beruf heute im High-Tech-Bereich angesiedelt oder kreativ-musisch sein - die Bauingenieure haben, wie kaum ein anderer Beruf, beides zu bieten […]. Die Kreativität, die in dem Beruf steckt, ist noch nicht deutlich geworden - aber das ist genau der Punkt, der auch seine baukulturelle Seite berührt. Solange die Berufsinhalte als „Rechnen von Abmessungen“ oder Ähnliches missverstanden werden, solange wird sich auch der Bauingenieur nicht als Teil eines Zusammenhanges sehen, der die gesamte Baukultur prägt.

Statusbericht „Baukultur in Deutschland“, Ausgangslage und Empfehlungen. Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen 2001


Schauen Sie sich die sogenannte Moderne heute an: reine „Architekturpornografie“. Alles ist sichtbar und dieses wird als Ehrlichkeit verkauft. Banalste Stahlbetonflachdecken auf Rundstützen, davor irgendwelche Verglasungen, neuerdings gerne bedruckt, an Edelstahlanker angeschraubt - und fertig. Der Computer liefert dieses dann auch gerne noch gebogen, und immer findet sich ein Ingenieur, der das gerne rechnet und ein Journalist, der darüber vom richtigen Ausdruck der Zeit schreibt.

Paul Kahlfeldt, Architekt, Professor an der Universität Dortmund, in einem Interview für „Das Grundblatt“ 2006


Aufgabe einer Ingenieurausbildung muss es also sein, die Fähigkeit zu vermitteln, mit dem eigenen Nichtwissen umzugehen. Voraussetzung hierfür ist die Fähigkeit, mit anderen zusammenzuarbeiten. Daher ist ein neues Verständnis von Führung gerade jetzt so wichtig: Führung heißt dabei weniger, das zu wissen, was man selber kann, sondern, was man mit anderen zusammen besser kann.

Walther C. Zimmerli, Präsident der Volkswagen AutoUni, in VDI Nachrichten 28. Mai 2004


Die Anforderungen an die Fachkenntnisse des Architekten richten sich nicht allein danach, welche Ausbildung der Architekt an der Universität erfahren hat. Vielmehr muss der Architekt die Fachkenntnisse aufweisen, die für die Durchführung seiner Aufgaben erforderlich sind. Ein Architekt kann sich nicht darauf berufen, dass ihm an der Universität die für die Erfüllung der Aufgaben notwendigen Fachkenntnisse nicht vermittelt worden sind.

Urteil des Bundesgerichtshofs vom 10. Juli 2003, Az. VII ZR 329/02. Gilt analog selbstverständlich auch für Bauingenieure.


Hat der Verfasser die Absicht, welche ihn bei der Veröffentlichung des vorliegenden Buches leitete, nur annähernd erreicht, so wird es künftig weniger leichtfertige und in ihren Aufgaben gewissenlose Architekten, weniger böswillige und ohne jede Solidität habgierige Bauunternehmer, weniger gedrückte und bei ihrer Tüchtigkeit verarmte Werkmeister und endlich weniger naive und trotz ihres Misstrauens betrogene Bauherren wie bisher geben.

Nachwort des Verfassers H. Maertens, Königlicher Landbaumeister, zur Zeit Garnisonbaumeister in Cöln, zu seinem Buch: „Der Baucontract oder Rathgeber für Bauherren, Verwaltungsbeamte und ungeübte Bauführer bei Vereinbarungen mit Bau-Technikern, Bau-Unternehmern, Handwerkmeistern, Lieferanten u.s.w. bezüglich Ausführung von privaten und öffentlichen Gebäuden.“ Cöln, Verlag Aurel Frühbuss 1863.


Wir wussten um so manche Forderung, die uns nicht einleuchtete und die Kosten unnötig in die Höhe trieb. Günther Behnischs Vision einer heiteren Zeltlandschaft wird durch die außerhalb der Zeltflächen angeordneten hohen Stahlmaste empfindlich gestört, zudem diese ohne Ordnung in verschiedenen Richtungen stehen. Ich fand auch den Rand des Stadiondachs viel zu hoch gelegt - in Kirchturmhöhe! - nur weil Behnisch wollte, dass das Olympische Feuer auf der Gegentribüne noch von der obersten Sitzreihe der Haupttribüne aus sichtbar sei. Weite Teile der Haupttribüne haben so keinen Regenschutz, für den man doch ein Dach baut. So gab es vieles, was die Freude trübte. Für mich kam noch belastend hinzu, dass Frei Otto und ich immer mehr auseinanderdrifteten. Er machte mir Vorwürfe, wir würden alles falsch machen. Noch nach Jahren nahm er übel, dass ich die Maschenweite der Netze mit 75 cm festlegte, während er 50 cm verlangte, damit niemand durchfallen könne. Die Zahl der Knoten wäre dadurch von 120000 auf 280000 angestiegen.

Zum Olympiadach München in Fritz Leonhardt: Baumeister in einer umwälzenden Zeit. Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart 1984.


Es ist schon erstaunlich: In nur wenigen Jahrzehnten haben wir Ingenieure es offenbar vermocht, das gewaltige Kapital an Akzeptanz konsequent und effektiv zu verspielen, das unsere Vorgänger in zwei Jahrhunderten zuvor erarbeitet hatten. Unversehens müssen wir erkennen: Es geht heute um nichts anderes als das Verschwinden des Bauingenieurs.

Werner Lorenz: Von Tugend, Verantwortung und Qualität - Rede gegen das Verschwinden des Ingenieurs. In: Ingenieurbaukunst in Deutschland, Jahrbuch 2001, Junius-Verlag


Die Gesamtverantwortung für ein architektonisches Werk, auch im Hinblick auf seine funktionale und wirtschaftliche Gebrauchstüchtigkeit, auf Termin- und Kostenverantwortung, auf bauliche Solidität reduziert sich zunehmend. Hieran sind allerdings die Architekten nicht ganz unschuldig. Allzu gern überlassen sie diese Felder anderen, zumeist Scharlatanen, die mit vielen Computerausdrucken, Expertenberichten und Aktennotizen sich den größten Teil des Kuchens auf ihren Teller tun.

Meinhard von Gerkan in „Architekten: Apocalypse now? Die Veränderung eines Berufsbildes“ Hrsg,: Ursula Baus DVA 1997


Ich gebe zu, aus der Werk- und Detailplanung, Kostenberechnung, Ausschreibungen, Terminplanung und Bauleitung haben sich viele praktizierende Architekten schon vor Jahren ohne Not und im Überschwang ihrer künstlerischen Bedeutung freiwillig zurückgezogen.

Kurt Ackermann, bis 1995 Professor für Baukonstruktion und Entwerfen Uni Stuttgart in „Architekten: Apocalypse now? Die Veränderung eines Berufsbildes“ Hrsg,: Ursula Baus DVA 1997


[...] sieht der Architekt sich schlauen Feinden gegenüber, und zwar der geschulten Genossenschaft der Bauunternehmer und Advocaten. Der Kampf wird noch ungleicher dadurch, dass die Gerichte, wenigstens in ihren niedern Instanzen, meist geneigt sind, Vorurtheile gegen die Bauverwaltung zu haben. Da gilt es gegen solche spitzfindige Genossenschaft der Bauunternehmer ein starkes Bollwerk aufzurichten, einen gut geformten, ausführlichsten Baucontract zu schmieden, einen Contract hinzustellen, der alle nur möglichen Störungen im Voraus in Erwägung zieht [...]. Angesichts eines solchen sichern Bollwerks zieht sich wohl die ganze Sippschaft der böswilligen Feinde von vornherein zurück, die Submission bleibt frei von ihnen und der Baumeister hat es dann nur mit soliden Meistern und Lieferanten zu thun.

H. Maertens, Königlicher Landbaumeister, zur Zeit Garnisonbaumeister in Cöln: „Der Baucontract oder Rathgeber für Bauherren, Verwaltungsbeamte und ungeübte Bauführer bei Vereinbarungen mit Bau-Technikern, Bau-Unternehmern, Handwerkmeistern, Lieferanten u.s.w. bezüglich Ausführung von privaten und öffentlichen Gebäuden.“ Cöln, Verlag Aurel Frühbuss 1863.


Der Architekt [Braunfels] wurde um sein Finish betrogen. Doch wer außer ihm und seinen Kollegen bemerkt die mangelnde Verarbeitung der Betonoberfläche wirklich? Ist der Schaden mehr als ein bloßer Imageschaden? Braunfels zitiert Oscar Wilde, der einen Menschen, der von jedem Ding den Preis und von keinem den Wert kennt, einen Zyniker nannte. Der Umkehrschluss aber ist literarisch nicht belegt: Was ist einer, der glaubt, den Wert eines Dings erkennt zu haben, und sich nicht um den Preis kümmert? Ein Architekt?

Dirk Meyhöfer: Schmuck oder Zahl? Brand Eins 02/2003


Ich wurde in eine Familie von Bauunternehmern hineingeboren. Alle waren sie Bauunternehmer: mein Großvater, mein Vater und mein Bruder. Ich hätte dasselbe werden sollen, aber statt dessen beschloss ich, Architekt zu werden. Die Ankündigung wurde von meinem Vater wie ein Evolutionsunfall aufgenommen: Für ihn, der nicht akademisch ausgebildet war, bedeutete Weiterentwicklung, dass die Söhne promovierte Konstrukteure würden, also Ingenieure. Meine Berufswahl wurde in gewissem Sinne das Paradigma für die vielen folgenden Häresien, die ich begangen habe.

Renzo Piano: Mein Architektur-Logbuch. Verlag Gerd Hatje 1997


Die Statik ist eine der Hilfswissenschaften des Bauingenieurs, zweifellos eine wichtige und auch in vieler Hinsicht interessante, aber sie ist eben eine von vielen Hilfswissenschaften, die beachtet werden müssen, wenn man Bauwerke errichten will, die nicht nur voll ihren Zweck erfüllen, sondern auch dem Bauherrn oder den Nutzern Freude machen und die Umwelt nicht verschandeln.

Fritz Leonhardt: Ingenieurbau. Bauingenieure gestalten die Umwelt. Carl Habel Verlag Darmstadt 1974


Mit deutschen Baukonzernen ist wenig Staat zu machen. Nach fast zehn Jahren des Niedergangs kaum noch bedeutende Anbieter.

Titelzeile in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 19.01.2005


Im Fall, dass unter währendem Bau von Seiten des Unternehmers einige Nachlässigkeit vorfiele, so dass er entweder weniger Arbeiter anstellete, als ihrer zur Förderung eines so wichtigen Baues nöthig sind; oder er gäbe sich nicht die gehörige Mühe in Anschaffung der erforderlichen Materialien, Werkzeuge und Maschinen: so soll es dem dirigirenden Ingenieur frey stehen, so viele Arbeitsleute, als er für nöthig erachtet, anzustellen, auch durch unpartheyische Leute die allernothwendigsten Bau-Materialien einkaufen zu lassen; welche sodann der Unternehmer, ohne sich dessen zu weigern, nach denen von dem Ingenieur taxireten Preisen zu bezahlen hat: als wozu sich der Unternehmer, kraft dieses gegenwärtigen Artikels verbindlich machet. Jedoch darf der Ingenieur nicht nach seinem eigenen Gutdünken mehr Arbeiter anstellen, noch Bau-Materialien ankaufen, ehe und bevor er mit dem Fortifications-Director darüber Verabredung genommen, und Befehl dazu von dem Herrn Intendanten bekommen, auch acht Tage vorher dem Unternehmer deßwegen Erinnerung gethan habe.

Architectura Hydraulica oder Die Kunst, das Gewässer des Meeres und der Flüsse zum Vortheil der Vertheidigung der Festungen, des Handels und des Ackerbaus anzuwenden. Francois Forest de Belidor, 1737. Erstes Buch vierzehntes Kapitel. In deutscher Übersetzung 1766


... zumal dort [an den Universitäten] manche Professoren ihre Berufung für eine so wohlverdiente Anerkennung halten, dass es als Gegenleistung ausreicht, ab und zu einmal in den Hörsaal herabzusteigen, um eine Vorlesung über ihre eigenen Werke zu halten. Den Rest überlassen sie den Assistenten. Gelegentlich haben die Inhalte sogar etwas mit dem Lehrgebiet zu tun, dies aber nur selten.

Max Bächer, bis 1995 Professor an der TU Darmstadt, in „Architekten: Apocalypse now? Die Veränderung eines Berufsbildes“ Hrsg.: Ursula Baus DVA 1997. Ähnliches gibt es durchaus auch bei den Bauingenieuren.


Eine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts ist nicht zu erkennen. Der Beschwerdeführer trägt insoweit lediglich pauschal vor, der Abriss oder die Zuschüttung der Bauten sowie die Ablehnung, das Werk zu vollenden, führten zu einer Ehrverletzung. Damit ist eine Grundrechtsverletzung nicht ausreichend dargetan.

Bundesverfassungsgericht in dem Verfahren über die Verfassungsbeschwerde des Architekten Peter Z. wegen des Abrisses des unvollendeten Baus der Topographie des T. in B. (Aktenzeichen BVerfG 1 BvR 2516/04 vom 24.11.2004)


Baukapazitäten ausbauen. Bundesbauministerin Dr. Irmgard Schwaetzer hat dafür plädiert, die Baukapazitäten in den alten, vor allem aber in den neuen Bundesländern deutlich auszubauen. Insbesondere angesichts des Nachholbedarfs in den neuen Bundesländern sei dies unbedingt erforderlich. Auch der Erfolg der von der Bundesregierung beschlossenen wohnungspolitischen Maßnahmen hinge mit von ausreichenden Baukapazitäten ab. Nur so könne der Gefahr weiterer Baupreissteigerungen begegnet werden.

Schlagzeile und Aufmacher in der Zeitschrift „Die Bauwirtschaft“ 1991


Ein guter Bauprojektmanager ist ein Generalist: Er hat als professioneller Manager ein profundes Querschnittswissen in der gesamten Technik, in der Betriebswirtschaft und in der Juristerei des Bauens […]. Eigentlich müßten Bauprojektmanager wegen ihrer gewerkeübergreifenden Tätigkeit dem Berufsbild des Architekten entstammen. Nachdem sich die Architektenausbildung aber zu einseitig auf die Entwurfsplanung konzentriert, muss leider gesagt werden, dass der Architekt vom Idealtypus des Bauprojektmanagers genauso weit entfernt ist wie der zu wissenschaftlich ausgebildete Bauingenieur.

Dipl.-Ing. Dieter Rappert, Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, auf dem Hochschultag 1996 der Nordrhein-Westfälischen Bauindustrie


Ohne ein festes Fundament geht es nicht hoch hinaus. Die jahrelange Überbetonung der Technik darf nicht umschlagen in ein solides technisches Halbwissen. Es reicht nicht, von dem einen und dem anderen jeweils die Hälfte zu wissen, man muss an einer Stelle auch wirklich fest verankert sein.

Dr.-Ing. Hans-Peter Keitel, Vorstandsvorsitzender der Hochtief AG, in einer Rede an der TU Berlin 1999.


Bauingenieure müssen Menschen führen und Projekte managen […]. Wir brauchen keine autistischen Tüftler, sondern Ingenieure, die ihr Handwerkszeug verstehen, über vertieftes Fachwissen in einem Gebiet verfügen und Menschen zusammenbringen. Sie müssen Ideen präsentieren und wirtschaftliche Grundkenntnisse haben. Sie müssen nicht unbedingt wissen, wie man ein Computerprogramm schreibt. Doch sie müssen kommerzielle Software einsetzen können und die verfügbaren Werkzeuge kennen.

Bernhard Bürklin, Leiter Strategische Unternehmensentwicklung Hochtief AG, in einem Interview mit dem Berliner „Tagesspiegel“ am 22.10.2005


Es gibt nichts Lächerlicheres als die Sucht, um jeden Preis originell sein zu wollen. Dabei zeugt der Wunsch, Aufsehen zu erregen, unbedingt zeigen zu wollen, wie toll man ist, einzig von Unsicherheit.

Renzo Piano: Mein Architektur-Logbuch. Verlag Gerd Hatje 1997


In der vielgenannten und großen griechischen Stadt Ephesos soll schon in früher Zeit von den Vorfahren ein zwar hartes, aber nicht ungerechtes Gesetz eingeführt worden sein. Es muss nämlich der Baumeister bei Übernahme der Bauführung an einem Staatsgebäude einen Kostenvoranschlag machen, und nachdem er diesen Voranschlag der Obrigkeit übergeben, mit seinem Vermögen haften, bis das Gebäude vollendet ist. Nachdem dies Ziel erreicht ist, wird er, wofern die Kosten seinem Voranschlag entsprechen, durch anerkennende Erlasse und durch Auszeichnungen geehrt; auch in dem Falle, dass die Kosten den Voranschlag um nicht mehr als um ein Vierteil überschreiten, wird auch dies zur Voranschlagssumme hinzu bewilligt und von den Staatsmittel bezahlt und nicht weiter geahndet; wenn aber die Kosten die Vorausschätzung mehr als um ein Vierteil überschreiten, so wird der zur Vollendung des Werkes erforderliche Überschuss von dem Vermögen des Baumeisters genommen.

Marcus Vitruvius Pollo, genannt Vitruv (ca. 55 v.Chr. - 14. n.Chr.), in

De Architectura Libri Decem, Zehntes Buch Vorwort


Noch heute liebe ich Baustellen. Es sind erstaunliche Plätze, wo alles in Bewegung ist, wo die Landschaft sich täglich verändert. Sie sind die große Wette des Menschen mit sich selbst und erfüllen mich jedes Mal mit dem stolzen Gefühl, an einem großen Abenteuer teilzuhaben. Baustellen sind immer wieder ein außergewöhnliches Terrain für Entdeckungen. Es ist nicht wahr, dass der Entwurf alles beinhaltet. Erst auf der Baustelle erkennt man Abhängigkeiten und Lastenverteilungen und entscheidet sich plötzlich, einem Element Wichtigkeit zu verleihen, das auf dem Plan ganz unbedeutend schien.

Renzo Piano: Mein Architektur-Logbuch. Verlag Gerd Hatje 1997


In Deutschland hat sich der Beratende Ingenieur eigentlich erst in der Nachkriegszeit richtig entwickelt. Dabei hat sich leider auch das Berufsbild des sogenannten „Statikers“ herausgebildet, das in mancher Beziehung als Fehlentwicklung zu bezeichnen ist. Der Statiker bearbeitet in der Regel Hochbauten, die von Architekten entworfen worden sind, und er beschränkt sich darauf, die vom Architekten schon mehr oder weniger zweckmäßig konzipierten Tragwerke statisch zu berechnen, zu bemessen und schließlich noch Bewehrungszeichnungen zu machen, wenn er diese nicht den technischen Büros der Bauunternehmungen und darauf spezialisierten Ingenieurbüros überlässt [...[ Etwas boshaft betrachten sowohl die Architekten als auch die richtigen Bauingenieure den Statiker als Rechenknecht.

Fritz Leonhardt: Ingenieurbau. Bauingenieure gestalten die Umwelt. Carl Habel Verlag Darmstadt 1974


Zwar erhalten sie eine hochqualifizierte wissenschaftsorientierte Ausbildung, disziplinübergreifend zusammenzuarbeiten aber lehrt man sie nicht. Selbst die Vermittlung von Methodenkenntnissen als Grundlage für fachübergreifenden Wissenstransfer rangiere weit hinter dem Erwerb spezialisierter technischer Kompetenzen […]. Darüber hinaus dominierten rezeptive Lernformen. Präzise Aufgabenstellungen, so der Alltag von Ingenieurstudenten, würden nach vorgegebenem Muster abgearbeitet. Die oft zitierte Sprachlosigkeit der Ingenieure und die „eisige Stille“, die in den Hörsälen herrschten, seien in den bisherigen Lehr- und Lernformen tief verwurzelt. Gefragt ist aber schon jetzt ein anderer Ingenieur. Einer, der sein weiterhin solides technisches Können mit der Fähigkeit zu verbinden weiß, unbekannte Informationen und Wissen ebenso rasch wie situationsbezogen zu erschließen, der konfliktfähig, kooperationsbereit und durchsetzungsstark ist, der sein Ziel vor allem in der Optimierung von Geschäftsprozessen sieht.

Das traditionelle Berufsbild der Ingenieure gerät unter Druck. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 07.07.2001


Architectes: Tous imbéciles. Oublient toujours l’escalier des maisons.

Gustave Flaubert: Dictionnaire des idées reçues [Wörterbuch der Gemeinplätze]


  aktualisiert am 03.11.2017
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