TU BRAUNSCHWEIG

Heil und Heilung

Die Kultur der Selbstsorge in der Kunst und Literatur des Mittelalters

Interdisziplinäre Tagung
13. – 15. Oktober 2016
Internationales Wissenschaftsforum
Heidelberg Hauptstraße 242

Miniatur Heil und Heilung  

Die ›Kultur seiner selber‹ gilt nach Foucault als philosophischer Imperativ der Antike. Durch das frühe Christentum wird das Konzept der Selbstsorge adaptiert, spiritualisiert und unter Einbezug des christlichen Jenseitsglaubens transformiert. Der menschliche Weg zum Heil wird als Heiligungsprozess neu interpretiert. Sinn- und Urbild für die christliche Heilsvorstellung ist der Soter Jesus Christus, der an die Stelle antiker Heilgötter tritt. Im christlich geprägten Mittelalter ist das Verhältnis von Heil und Heilung als ambivalent zu bezeichnen. Im Zentrum der diesseitigen wie jenseitigen ›Kultur seiner selber‹ steht der Körper, der das religiöse Heil erst erfahrbar macht und doch transzendiert werden soll. Dieser heikle Zusammenhang wird in der Literatur des Mittelalters kontext- wie zielgruppenspezifisch ausgeleuchtet. So ist die Frage nach dem Ausmaß asketischer Übungen im monastischen Kontext in ganz anderer Weise relevant als beim laikalen Fürstenadel, wo Fragen der Gesundheit mit Fragen der Herrschaftsbefähigung verbunden sind. Die interdisziplinäre Tagung untersucht die Ambivalenz von Heil und Heilung in Mittelalter und früher Neuzeit diskursanalytisch, narratologisch, semantisch und kulturtheoretisch. Ziel ist, eine historische Archäologie gegenwärtig sich vollziehender Umbrüche und Umwertungen von Heilserwartung zu betreiben und das Konzept der Selbstsorge für die Analyse vormoderner Literatur fruchtbar zu machen.

Programm

Hier finden Sie den Programmflyer zum Download (pdf).


Donnerstag, 13.10.2016

15.00 – 16.30

Besuch des Apothekenmuseums
mit der thematischen Führung »Pesthauch und Himmelduft – Heilkunde in Zeiten der Pest«

17.15 – 18.00

Begrüßung und Einführung
Tobias Bulang (Heidelberg) und Regina Toepfer (Braunschweig)


Sektion: Lectio christiana von Selbstsorge

18.00 – 19.30

Wolfgang U. Eckart (Heidelberg)
gesunte und lëbenthaft. Heil an Körper und Seele in der mittelalterlichen Diätetik


Freitag, 14.10.2016

09.00 – 09.45

Manfred Eikelmann (Bochum)
sin angesihte zu den hymmeln keren. Zur christlichen Umdeutung antiker Selbstsorge in Konrad Humerys ›Tröstung der Weisheit‹

09.45 – 10.30

Almut Schneider (Magdeburg)
die diner clage wunden mit troste wollen heilen. Harmonia als heilende Kraft in allegorischer Lehrdichtung

10.30 – 11.00

Kaffeepause


Sektion: Körperlichkeit und Erlösung

11.00 – 11.45

Sonja Glauch (Erlangen)
Die paradoxale Struktur des Kastrations-(Un)Heils

11.45 – 12.30

Bernd Roling (FU Berlin)
Narben und Blut. Die körperliche Vollständigkeit des Auferstandenen zwischen Mittelalter und Neuzeit

12.30 – 14.00

Mittagspause

14.00 – 15.00

Besuch der Handschriftenabteilung
Medizinische Handschriften in der UB Heidelberg

15.15 – 16.00

Heike Schlie (Salzburg)
Blindenheilungen und Bildoffenbarungen

16.00 – 16.30

Kaffeepause

16.30 – 17.15

Dorothea Klein (Würzburg)
Geistliche Diätetik. Die Predigten Bertholds von Regensburg wider Völlerei und Trunksucht


Sektion: Narratives und performatives Heilshandeln

17.15 – 18.00

Julia Zimmermann (München)
Heillosigkeit als Krankheitskonzept in Texten zur Tanzwut

18.00 – 18.45

Beatrice Trinca (FU Berlin)
Ekel und Heil. Mystische Exzesse

Samstag, 15.10.2016

9.00 – 09.45

Franziska Wenzel (München)
Leibliche und seelische Grenzen. Heilsbehauptungen in epischen und mystischen Texten

09.45 – 10.30

Elisabeth Schmid (Würzburg)
Heilsmythologie im ›Parzival‹

10.30 – 11.00

Kaffeepause

11.00 – 11.45

Udo Friedrich (Köln)
Zum Verhältnis von Heilen, Heil und Heilig in exemplarischen Erzählformen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit

11.45 – 12.30

Holger Runow (München)
Wissensvermittlung und Seelsorge in der späten Sangspruchdichtung

12.30 – 13.15

Bilanz und Ausblick

Organisation:

Prof. Dr. Tobias Bulang
Universität Heidelberg
Germanistisches Seminar
Hauptstraße 207–209
D–69117 Heidelberg                                

tobias.bulang@gs.uni-heidelberg.de

Prof. Dr. Regina Toepfer
Technische Universität Braunschweig
Institut für Germanistik
Bienroder Weg 80
D–38106 Braunschweig

r.toepfer@tu-braunschweig.de

Förderer:

  Fritz Thyssen Stiftung

Anmeldung:

  Martin Schneider: sekretariat.bulang@gs.uni-heidelberg.de


  aktualisiert am 30.09.2016
TU_Icon_E_Mail_1_17x17_RGB Zum Seitenanfang