TU BRAUNSCHWEIG

Ambivalenzen des geistlichen Spiels
Revisionen von Texten und Methoden

Ambivalenzen bilden ein Leitparadigma der Analyse der geistlichen Spiele. Vom Beginn der Wissenschaftsgeschichte an orientieren sich die Forschungsbeiträge an begrifflichen Oppositionen: Aufführung und Schrift, Ritualität und Theatralität, Andacht und Unterhaltung, Sakralität und Profanität, Präsenz und Repräsentation. Wesentliche Impulse gingen von Rainer Warnings Studie ‚Funktion und Struktur‘ (1974) aus, die zu einer kulturwissenschaftlichen Wende in der Spieleforschung führte. Das Ambivalenzkonzept selbst blieb allerdings weitgehend ungeklärt.

Die Gandersheimer Tagung lädt zu einer Reflexion über das Phänomen und den Begriff der Ambivalenz ein. Dabei soll eine Forschungsbilanz gezogen und über Chancen und Gefahren des Paradigmas diskutiert werden. Ausgangspunkt ist die Frage, ob es sich bei Ambivalenz um eine literaturwissenschaftliche Metakategorie oder um ein historisches Gattungskriterium handelt. Kann man das Nebeneinander unterschiedlicher Forschungsperspektiven als Ausdruck jener Ambivalenzen begreifen, die den Spielen selbst eingeschrieben sind? Oder spiegeln sich hierin nur die Aporien der Metaebene? Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Ambivalenzparadigma ist angezeigt, um künftige Aufgaben der Forschung auszuloten.

 

Flyer mit Tagungsprogramm (hier)

 

Mittwoch, der 16. März 2016

11.30 Uhr Pressekonferenz der Organisatoren mit den Kooperationspartnern

13.15 Grußworte der Bürgermeisterin von Bad Gandersheim Franziska Schwarz und des Präsidenten der TU Braunschweig Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Jürgen Hesselbach

13.30 Uhr Jörn Bockmann (Kiel) und Regina Toepfer (Braunschweig): Einführung

14.00 Uhr Christian Popp (Göttingen): Hroswida Gandersemensis Canonissa – Das Frauenstift Gandersheim im 10. Jahrhundert

14.45 Uhr Glenn Ehrstine (Iowa, USA): Von Ambivalenzen und Pseudokommunikation

15.30 Uhr Kaffeepause

16.00 Uhr Cornelia Herberichs (Stuttgart): Religiöse Einfalt, religiöse Ambivalenzen? Zu einem Kategorienproblem am Beispiel der mittelalterlichen Passionsspiele

17.30 Uhr Führung durch die Stiftskirche (Thorsten Henke, Museumsleiter des Portals zur Geschichte, Bad Gandersheim)

19.00 Uhr Öffentlicher Abendvortrag im Kaisersaal
Fidel Rädle (Göttingen): Hrotsvit von Gandersheim. Von der poetischen Verwandlung einer unheiligen Welt

20.30     Abendessen


Grußworte der Bürgermeisterin von Bad Gandersheim, Franziska Schwarz und des Präsidenten der TU Braunschweig, Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Jürgen Hesselbach
(Fotos: Miriam Geißmar)

Donnerstag, der 17. März 2016

9.00 Uhr Jan-Dirk Müller (München): Die Messe – ein Drama? Geistliches Spiel und Messauslegung

9.45 Uhr Christoph Petersen (München): Von ritueller zu literarischer Ästhetik. Funktionen des performativen Dreischritts im geistlichen Spiel

10.30 Uhr Kaffeepause

11.00 Uhr Hans-Rudolf Velten (Siegen): Kontrastmedium, Lachritual, Profanierung. Zur Bewertung der Komik im Krämerspiel

11.45 Uhr Carla Dauven-van Knipenberg (Amsterdam): Das Emotionspotenzial von Ambivalenzen im geistlichen Spiel

12.30 Mittagspause

14.30 Uhr Ulrich Barton (Tübingen): Tragische Lust im Passionsspiel? Zur Ambivalenz des Mitleids als religiösen und literarischen Affekts

15.15 Uhr Jutta Eming (Berlin): Ambivalenz und Figur. Überlegungen am Beispiel der Maria Magdalena

16.00 Uhr Kaffeepause

16.30 Uhr Bruno Quast (Münster): Gewaltenteilung. Überlegung zur Form des geistlichen Spiels

17.15 Uhr Werner Williams-Krapp (Augsburg): ‚Überlieferung und Gattung. Zur Gattung Spiel im Mittelalter’ – revisited

18.00 Uhr Abendessen

20.00 ‚Rosie träumt’. Szenische Lesung mit Schauspielern der Domfestspiele
Regie: Christian Doll (Intendant der Gandersheimer Domfestspiele)


Links: Gespräch der Organisatoren mit Susanne Schuberth (Braunschweigische Stiftung) und Kaffeepause im Klosterhof Brunshausen (rechts)
(Fotos: Wiebke Ohlendorf (links); Miriam Geißmar (rechts))

Freitag, der 18. März 2016

9.00 Uhr Verena Linseis (Gießen): Tod oder Taufe? – Variable Ambivalenz der Glaubensvermittlung im 15. und 16. Jahrhundert

9.45 Uhr Elke Ukena-Best (Heidelberg): Aspekte des Ambivalenten im ‚Sündenfall’ des Arnold Immessen

10.30 Uhr Kaffeepause

11.00 Uhr Ursula Schulze (Berlin): Divergierende Urteile über geistliche Spiele in der Reformation

11.45 Uhr Julia Gold (Gießen): Ambivalente Normativität? Die zwölf Apostel im Märtyrerdrama des 16. Jahrhunderts

12.30 Uhr Mittagspause

13.30 Uhr Führung durch die Ausstellung im Kloster Brunshausen (Thorsten Henke, Museumsleiter des Portals zur Geschichte, Bad Gandersheim)

14.30 Uhr Klaus Wolf (Augsburg) und Ulrich Müller (Berlin): Katholischer Brauch bei frommen Protestanten:das neuentdeckte Königsberger Fastnachtspiel. Erstedition und Erläuterung der Gattungsambivalenzen

15.15 Uhr Bilanz und Ausblick

16.00 Uhr Abreise


Führung durch das Portal zur Geschichte und die Klosterkirche Brunshausen
(Fotos: Miriam Geißmar)

 


  aktualisiert am 22.03.2016
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