TU BRAUNSCHWEIG

Hauptseminar ‚Geistliche Spiele‘

Institut für Germanistik, Wintersemester 2015/2016

Forschung und Lehre sollten sich eng aufeinander beziehen. Daher werden auch Studierende in das Projekt ‚Ambivalenzen des geistlichen Spiels‘ einbezogen. Im Wintersemester 2015/2016 bietet Prof. Dr. Regina Toepfer ein germanistisches Hauptseminar zum Thema ‚Geistliche Spiele‘ an, das im kommentierten Vorlesungsverzeichnis der TU Braunschweig folgendermaßen angekündigt wird:

„Geistliche Spiele sind ein mittelalterliches Massenmedium, an dem breite Bevölkerungsschichten teilnahmen. Die Geschichten von der Geburt, dem Leben und Sterben Jesu oder von seinen Heiligen wurden publikumswirksam auf der Bühne aufgeführt. Geistliche Spiele sind eine besonders facettenreiche Gattung, weil sie sowohl Elemente einer Theateraufführung als auch eines Gottesdienstes beinhalten.

In dem Seminar werden Textbeispiele für verschiedene Spieltypen (Weihnachtsspiel, Passionsspiel, Konfessionsdrama) analysiert und aktuelle Forschungstendenzen diskutiert.
Am Ende des Semesters ist eine schuldidaktische und wissenschaftspropädeutische Vertiefung im Heimatort der ersten Dramatikerin des Mittelalters, Hrotsvit von Gandersheim, geplant: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars können wählen, ob sie ihre Erkenntnisse über das mittelalterliche Theater Schülerinnen und Schülern vermitteln oder eine wissenschaftliche Tagung zu Geistlichen Spielen in Bad Gandersheim besuchen wollen.“

In den folgenden Exposés berichten zwei Studierende von ihren Erfahrungen.


Erfahrungsbericht zum Tagungsbesuch in Bad Gandersheim

[…] Nach einstündiger Anfahrt an den Dörfern des Harzrandes entlang, erreichten wir den Tagungsort: den Klosterhof Brunshausen in Bad Gandersheim. Die ausgesuchte Location erwies sich als sehr stimmungsvoll und unterstützte die Vortragenden durch ihr gemütliches und rustikales Ambiente. Dass das gemeinsame Mittagessen in der Holzwerkstatt des Familienbetriebes stattfand, rundete das Gesamtbild sehr gut ab. Die Vorträge boten einen breiten Überblick über unterschiedliche Aspekte des diskutierten Themas und die verschiedenen Herangehensweisen der angereisten Wissenschaftler. Besonders stach der Vortrag von Frau Elke Ukena-Best heraus, der vor allem mit dem regionalen Bezug zu Einbeck und dessen Brauereitradition punkten konnte, was sich auch an der zustimmenden Erheiterung der Versammelten ablesen ließ. Beim Blick in das Programm zeigte sich, dass Personen aus allen Teilen Deutschlands und sogar aus Amerika und den Niederlanden angereist waren, die Tagung innerhalb des Faches also einen hohen Stellenwert besaß.

Alles in allem stellte die Tagung eine interessante Erfahrung und einen spannenden Einblick in die Arbeit der Fachwissenschaften dar, problematisch war jedoch der Umstand, dass es uns als Laien relativ schwer fiel, uns in den bestehenden Diskurs einzudenken und teilweise der Argumentation zu folgen. Gerade auf begrifflicher Ebene wirkte diese teilweise sehr abstrakt. Trotzdem kann man den Besuch als durchaus gelungen bewerten, da die Möglichkeit eingeräumt wurde, in naher Umgebung einem Ereignis beizuwohnen, welches sonst sicherlich an uns vorbeigegangen wäre.

    Björn Müller


Projektbericht zum Schulbesuch am Roswitha Gymnasium

Am Donnerstag, den 21.01.2016 wurde ein Projekttag zum Thema „Mittelalterliches Theater“ unter der Leitung von Prof. Dr. Regina Toepfer und Dr. Jörn Bockmann in einer 11. Klasse am Roswitha-Gymnasium durchgeführt. Diesen Tag durften Verena Kamp und ich mitgestalten und uns mit unseren Kenntnissen aus dem Seminar „Geistliche Spiele“ einbringen.

Nun bestand die Aufgabe darin, dieses Szenenbeispiel gemeinsam zu lesen und den Inhalt zu erschließen. Ich bat die Schülerinnen jeweils einen Absatz zu lesen und im Anschluss herauszufinden, was innerhalb dieses Absatzes gesagt wurde. Dies erwies sich anfangs als ziemlich schwierig, da die Schülerinnen etwas scheu waren und sich schwer mit der mittelhochdeutschen Sprache taten. Jedoch gelang es Frau Kamp und mir schnell die Gruppe in ihrem Lesen zu ermuntern, sodass wir viel Spaß beim Erschließen des Textauszugs hatten. Als zusätzliche Hilfe diente uns hierbei eine mitgebrachte Übersetzung des Stückes. Nachdem der Inhalt des Textes soweit verständlich gemacht worden war, versuchten wir einige Bezüge zur Bibel herzustellen und befragten die Gruppe nach eventuellen Ähnlichkeiten oder Abweichungen und diskutierten in der Runde darüber.

Nach dieser Theoriephase sollte nun ein praktischer Teil folgen und wir baten die Schülerinnen die Stühle an die Seite zu stellen und sich im Kreis zu formieren. Zu Beginn stieg ich mit einem kleinen Warm-up ein, sodass wir uns als Gruppe besser kennenlernen und unseren Körper aufwärmen konnten. Die Aufgabe hierzu war, seinen Namen zu nennen und eine Bewegung einer Figur aus dem „Hessischen Weihnachtsspiel“ zu finden und diese während der Namensnennung auszuführen. Der Rest der Gruppe sollte den Namen und die dazugehörende Bewegung nachmachen. Im Anschluss folgte ein Abklopfen des Körpers zur Körperaufwärmung, um für die nachfolgenden Übungen wach und präsent zu sein.

Das anschließende Spiel diente zur Hinführung auf die praktische Aufgabenstellung. Es wurden Zettel verteilt, auf denen die Begriffe Maria, Josef und Engel geschrieben waren. Jede der Teilnehmerinnen sollte einen Zettel ziehen und sich ihren Begriff merken. Danach forderte ich sie auf in den „Raumlauf“ zu gehen. Bei dem Kommando „Stop“ war es ihre Aufgabe stehenzubleiben und eine Pose zu finden, die der Figur, die sie gezogen hatten, zugehörig ist. Nachdem dies erfolgte, gingen sie weiter. Bei dem nächsten „Stop“ sollten sie zusammen ein Bild ihrer beider Figuren finden und anschließend weiter gehen. So ging die Aufgabe fortwährend weiter, bis sich letztendlich die gesamte Gruppe zu einer gemeinsamen Position zusammengefunden hatte. Bei diesem Spiel konnte sich die Gruppe bereits mit den Figuren auseinandersetzen und sich mit der Erarbeitung von Standbildern ausprobieren.

Bei der letzten Aufgabe handelte es sich um die Schaffung von Standbildern, die letztlich im Plenum vor der gesamten Klasse vorgetragen werden sollten. Hierzu bildeten wir zwei Gruppen, die unabhängig voneinander je drei Standbilder zu der gelesenen Geschichte finden sollten. Nachdem auch diese Aufgabe erfolgreich erarbeitet worden war, kam die Klasse wieder im Plenum zusammen. Nun war es an der Zeit, die jeweiligen Ergebnisse vorzutragen und darüber zu diskutieren: Wer erkennt die Figuren? Was stellen sie dar? Schlussendlich berichteten sich die einzelnen Gruppen gegenseitig, was sie in der Erarbeitungsphase gelernt haben.

Der Projekttag mit den Schülerinnen und Schülern hat mir viel Spaß gemacht und gezeigt, wie ich das „mittelalterliche Theater“ auf eine spielerische Art vermitteln kann.

   Mirjam Knorn


  aktualisiert am 12.04.2016
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