TU BRAUNSCHWEIG

Zur Bedeutung von Dual Career Couples

 

Dual Career Couples sind Partnerschaften,in denen beide Partner zielstrebig, aufstiegsorientiert und mit sehr großem Engagement ihre beruflichen Karrieren in Wirtschaft oder Wissenschaft verfolgen.

2003 waren ca. 15 bis 20 Prozent aller berufstätigen Paare in Deutschland Doppelkarrierepaare. Als „Lebensstilpioniere“ tragen diese Paare zur Enttraditionalisierung der Gesellschaft bei, da sie tendenziell die Auflösung von Geschlechtstypiken fördern und eine Herausforderung an traditionelle Geschlechterordnungen darstellen.

Infolge der Angleichung des Bildungsniveaus beider Geschlechter ist der berufliche Anspruch von Frauen gestiegen und die Bereitschaft gesunken, eine traditionelle Familienform – mit dem Fokus auf der Karriere des Mannes – einzugehen. So stehen immer mehr hoch qualifizierte Frauen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.

Da Unternehmen der Ehe bzw. Familie für ihre (männlichen) Arbeitnehmer auch heute noch einen hohen Stellenwert beimessen, ist die Familienform des Doppelkarrierepaares karrierepolitisch gesehen eine Alternative zur Single-Existenz. (1)

Die größte Aufgabe für Dual Career Couples, die zugleich auch die meisten Risiken in sich birgt, ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Zu den Schwierigkeiten des „Vereinbarkeitsmanagements“ gehört neben der Frage von Haushalt und Kinderbetreuung unter anderem die geforderte berufliche Mobilität.

In der Forschung werden verschiedene Modelle bzw. Paartypen unterschieden:

- das modifiziert hierarchische Modell, bei dem die Karriere der Frau der Karriere des Mannes untergeordnet ist.

- das Gegenseitigkeitsmodell, in dem die beruflichen Karrieren gleichberechtigt sind und häusliche Pflichten aufgeteilt werden.

- das individualistische Modell, wo die Karriere beider Partner gleichermaßen höchste Priorität genießt - ohne merkliche Kompromissbereitschaft bezüglich partnerschaftlicher Aspekte. (2)

Diese Modelle können im Laufe einer Paarbiographie – je nach Lebensphase – wechseln, wobei auch generationenspezifische Unterschiede eine Rolle spielen. Eine Gemeinsamkeit bei allen genannten Lebensform-Modellen ist die Verantwortlichkeit der Frauen für das Vereinbarkeitsmanagement, das erforderlich ist, um zwei Karrieren und eine Partnerschaft sowie evtl. die Biographien von Kindern zu harmonisieren. (3)

Die besonderen Schwierigkeiten der Dual Career Couples betreffen nicht nur die Paare selbst, auch Arbeitgeber in Wirtschaft und Wissenschaft sind auf der Suche nach hoch qualifiziertem Nachwuchs gefordert, sich auf besondere Bedarfe von Doppelkarrierepaaren einzustellen. Dabei existieren in Unternehmen bessere Rahmenbedingungen für die Umsetzung von Lösungsansätzen als an Universitäten, wo die Umsetzung von intelligenten Paarlösungen deutlich erschwert ist.

Doch z. B. in den USA und in der Schweiz werden im Bereich der Wissenschaft bereits unterschiedliche Modelle praktiziert, die Anregungen für künftige Modelle in Deutschland bieten. (4)

 

1) Cornelia Behnke, Michael Meuser: Karriere zu zweit – Projekt oder Problem? Zum Verhältnis von beruflichem Erfolg und Lebensform, in: Ronald Hitzler, Michaela Pfadenhauer (Hrsg.): Karrierepolitik. Beiträge zur Rekonstruktion erfolgsorientierten Handelns, Opladen 2003, S. 189-200. Cornelia Behnke, Michael Meuser: Vereinbarkeitsmanagement. Die Herstellung von Gemeinschaft bei Doppelkarrierepaaren, in: Soziale Welt, 2003, Nr. 54, S. 164-174. Dies.: Vereinbarkeitsmanagement. Zuständigkeiten und Karrierechancen bei Doppelkarrierepaaren, in: Heike Solga, Christine Wimbauer (Hrsg.): „Wenn zwei das Gleiche tun …“. Ideal und Realität sozialer (Un-)gleichheit in Dual Career Couples, Opladen 2005, S. 123-139.

2) Jürgen Schulte: Dual Career Couples und ihre Koordinierungsarrangements aus der Sicht der Unternehmen, in: Heike Solga, Christine Wimbauer (Hrsg.): „Wenn zwei das Gleiche tun …“. Ideal und Realität sozialer (Un-)gleichheit in Dual Career Couples, Opladen 2005, S. 241-261. Monika Bessenrodt-Weberpals: Excellenz im Doppelpack. Akademikerinnen in Dual Career Couples, in: Deutscher Hochschullehrerinnenbund e.V. (Hrsg.); „Hochschulfrauen als akademische Nomaden?" Vom Nutzen und Nachteil der Mobilität, Berlin 2004, S. 51-57.

3) Behnke/ Meuser, Vereinbarkeitsmanagement, 2003. Dies., Vereinbarkeitsmanagement, 2005.

4) Dies.: Doppelkarrieren in Wirtschaft und Wissenschaft, in: Zeitschrift für Frauenforschung und Geschlechterstudien, 2003, H. 4, S. 62-74. Deutsche Forschungsgemeinschaft/ Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (Hrsg.): Karriere im Duett. Mehr Chancen für Forscherpaare, Bonn 2004.

Katharina Maertsch, M.A., Frühjahr 2007


  aktualisiert am 12.08.2011
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