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Nr. 38/2009 vom 25.2.2009

Prof. L. F. Liu am Leichtweiß-Institut für Wasserbau

US-Professor erforscht Tsunamis am Wellenkanal der TU Braunschweig

Welche Struktur brauchen Schutzwälle, um eine optimale Flutabwehr zu bieten? Wie effektiv ist der Schutz durch Vegetation? Welche Kombination aus natürlichen und künstlich geschaffenen Barrieren bringt die gewünschte Dämpfung der Riesenwellen? Humboldt-Preisträger Prof. Philip L. F. Liu von der Cornell Universität in den USA ist weltweit führender Experte auf dem Gebiet der Tsunami-Forschung. In Kooperation mit Prof. Hocine Oumeraci erforscht der Wissenschaftler seit Januar für sechs Monate am Leichtweiß-Institut der Technischen Universität Braunschweig die Simulation von Sturmfluten und Tsunamis.  
Professor Liu arbeitet zusammen mit dem Forschungsteam von Professor Oumeraci an der Entwicklung eines Computermodells, das das Zusammenspiel von Schutzmaßnahmen unter verschiedenen Bedingungen simulieren kann. Im Wellenkanal des Leichtweiß-Instituts soll das numerische Modell experimentell validiert werden.
Seinen Kooperationspartner und Gastgeber Professor Hocine Oumeraci lernte Liu auf einer großen Tagung von Küsten-Forschern in Japan kennen, wo sie beide als "keynote lecturers" eingeladen waren. Beide beschäftigen sich seit vielen Jahren mit der Erforschung von Naturkatastrophen und deren Folgen. In Braunschweig wollen die Wissenschaftler gemeinsam unter anderem an einem EU-Projekt zum innovativen Küstenschutz unter Berücksichtigung des Klimawandels arbeiten: „Die Erkenntnisse aus der Tsunami-Forschung lassen sich auch auf extreme Sturmfluten übertragen“, erklärt Liu. Der Schutz vor Wasser und Sturm spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Konstruktion von Rettungsgebäuden in Gebieten, deren Überflutung sich nicht verhindern lässt.
Mit der mathematischen Modellierung von Wellen beschäftigt sich Professor Liu seit über 40 Jahren. Erstmals in Kontakt kam er mit dem Phänomen während seiner Promotion am MIT. In den letzten 20 Jahren hatte der international renommierte Experte Gelegenheit, Katastrophengebiete zu besuchen: „Mich an diese Bilder zu erinnern, geht mir jedes Mal sehr nah“, berichtet er von seiner persönlichen Betroffenheit. Natürlich motivieren ihn solche Erlebnisse zusätzlich, weiter zu forschen. Doch auch wissenschaftlich bringen die Reisen neue Erkenntnisse. So erfuhr er aus Augenzeugenberichten, dass ein Tsunami aus mehreren Wellen im Abstand von zehn bis 30 Minuten besteht und die erste nicht die verheerendste ist. Allein mit dieser Information können arglose Betroffene davor bewahrt werden, sprichwörtlich ins eigene Unglück zu laufen. Die ungeheure Verwüstung brachte Liu außerdem auf die Idee, in tieferen Sedimentschichten nach den Spuren weit zurückliegender Riesenwellen zu suchen. Diese sind eine wichtige Quelle für Daten über die Entstehung und Ausbreitung von Tsunamis. Die Daten ihrerseits können eingesetzt werden, um Frühwarnsysteme zu verbessern und mehr Menschen die Chance zu geben, sich in Sicherheit zu bringen.
Mit dem Humboldt-Forschungspreis erhält Professor Liu eine der wichtigsten Auszeichnungen in Deutschland für internationale Spitzenwissenschaftler. In seinem Herkunftsland Taiwan wurde ihm mit dem Titel eines Kwoh-Ting Li-Professors im vergangenen Jahr die höchste Auszeichnung für einen Wissenschaftler verliehen. In Taiwan engagiert sich Professor Liu für den Ausbau von Messstationen im Südchinesischen Meer und die Verbesserung der Infrastruktur für die Tsunami-Forschung.
Kontakt
Prof. Dr. Hocine Oumeraci
Abteilung Hydromechanik und Küsteningenieurwesen
des Leichtweiß-Instituts für Wasserbau der TU Braunschweig
Tel.: 0531/391-3930
E-Mail: h.oumeraci@tu-braunschweig.de


Für Rückfragen und Anregungen stehen wir Ihnen unter der Mailadresse presse@tu-braunschweig.de oder der Rufnummer 0531 / 391-4124 gerne zur Verfügung.

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